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Bingo-Prompt 10

Titel: Mehr als die Summe ihrer Teile
Fandom: Tatort Münster
Prompt: Schokolade
Medium: Fanfiction
Zusammenfassung: Schokolade. Dunkelbraun, samtig glänzend, duftend. Jeder Inhaltsstoff für sich nichts Besonderes; aber zusammen ergaben sie eine perfekte Mischung. Ein Geschenk des Himmels.
Oder in diesem Fall eher ein Geschenk der Hölle.

Anmerkungen: Episodenbezug zu Das ewig Böse. Es ist wichtig, die Folge zu kennen, sonst macht diese Story keinen Sinn
Outsider P.O.V.


Schokolade. Dunkelbraun, samtig glänzend, duftend. Jeder Inhaltsstoff für sich nichts Besonderes; aber zusammen ergaben sie eine perfekte Mischung. Ein Geschenk des Himmels.
Oder in diesem Fall eher ein Geschenk der Hölle.




Ihr Plan war vollkommen, unfehlbar - sie hatte sich perfekt vorbereitet, an jedes Detail gedacht. Sie würde sich rächen, und die Rache würde süß sein. Süß wie Schokolade.

Die Idee war ihr schnell gekommen, sie war intelligent. Etwas schwieriger war die Ausführung; aber nachdem sie zufällig erfahren hatte, dass ihr alter Schulkamerad aus der Schweiz zurückgekehrt war, hatte sie nicht lange überlegt und war, wie schon zu Grundschulzeiten, an ihn herangetreten. Keine Sekunde hatte er gezögert, ihr zu helfen. Er war ihr hörig wie eh und je.

Das Gift der Eisenhutpflanze zu extrahieren und in die Schokolade zu mischen, war ein Leichtes für ihn. Er war immerhin der Sohn eines Apothekers.
Sie hatten die Wirksamkeit ihrer Mischung ausprobiert, am Hund einer von ihnen verhassten Lehrerin. Es funktionierte perfekt, die Töle hatte sich ein paar Minuten höllisch gequält und war dann verreckt.


Sie wandte das Gift daraufhin an ihrem Großvater an, und es erging ihm wie dem Hund. Bastard hatte er sie genannt!
Er tat ihr keine Sekunde leid.
Alles lief genau, wie sie sich das vorgestellt hatten.
Wie sie sich das vorgestellt hatte; denn für ihren ehemaligen Schulkollegen war nun kein Platz mehr in ihrem Leben, er wusste entschieden zu viel.


Naiv wie er war, merkte er erst viel zu spät, dass sie ihm eine Dosis seines eigenen Giftes verpasst hatte.


Und nun musste auch Pleickart, ein Manager des Familienunternehmens, sterben; er hatte sie durchschaut, versuchte sie zu erpressen. Er wollte zu viel. Bei ihm musste sie noch geschickter vorgehen, er war misstrauisch geworden. Aber als sie in seinem Beisein von dem vergifteten Konfekt gegessen hatte, bediente er sich ebenfalls. Ahnte er doch nichts von dem Gegenmittel, das existierte und sie schützte.
Er starb wie alle anderen. Qualvoll.



Ihre Eltern waren nicht dumm; sie wussten, wer für die Morde verantwortlich war, aber wie würden ihr helfen. Ihre Mutter war bereit, die Taten auf sich zu nehmen; sie hatte nicht mehr lange zu leben. Alles war perfekt durchdacht, sie war überzeugt, sie würde mit ihren durchtriebenen Morden durchkommen – bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich Hauptkommissar Thiel und Professor Boerne an ihre Fersen hefteten.


Sie hatte nicht mit der Hartnäckigkeit Thiels gerechnet. Er war wie ein Bluthund, ließ nicht locker. Sie spielte ihm etwas vor, verbrachte sogar eine Nacht auf seinem Sofa, mimte die unschuldige arme Enkelin, deren Großvater ermordet wurde. Beschuldigte ihre eigene Mutter. Es sah so aus, als würde er ihr glauben; noch hatte sie Hoffnung.

Aber darauf, dass Professor Boerne auf einem uralten, zerschnittenen Schulfoto aus Tobias' Besitz ihre ehemalige Lehrerin erkennen würde, wäre sie nie gekommen. Dass er mit der alten Frau sprechen und ihren Hund, den sie mit Tobias vergiftet hatte, untersuchen würde; dass er sich in der Umgebung des Grundstücks umsehen und den Ort finden würde, von dem aus sie den Todeskampf des Hundes beobachtet hatten; dass er sich tatsächlich die Mühe machen würde, die vielen Zigarettenstummel, die Tobias in der Holzscheune zurückgelassen hatten, zu untersuchen. Und sie damit zu überführen; mit der einen Zigarette, von der sie einen einzigen Zug genommen hatte. Nein, damit hatte sie nicht gerechnet.


Thiel und Boerne, sie waren so unterschiedlich. Sie konnten sich aufführen wie die Kinder, es gab Momente, da tat sie sich schwer, die beiden ernst zu nehmen; aber das täuschte. Das täuschte gewaltig. Die beiden waren wie die Zutaten von Schokolade; einzeln genommen nichts Besonderes. Aber zusammen ergänzten sie sich hervorragend; zusammen ergaben sie eine perfekte Mischung.
Zu perfekt für ihren vollkommenen Plan.



Alles brach zusammen in dem Moment, in dem Thiel die Familie vor Polizei und der Staatsanwaltschaft zusammenrief. Er deckte jeden ihrer so wohlüberlegten Schritte auf, zerlegte ihre perfekten Morde in ihre Einzelteile.
Boerne mischte sich ständig mit ein, brannte förmlich darauf, sein Wissen mitzuteilen. Und jedes seiner Worte traf, für jedes Argument hatte er einen Beweis.



Sie wurde überführt. Sie hatte keine Chance. Und ihre Rache schmeckte nicht mehr süß wie Schokolade. Nur noch bitter, wie das Gift, dass sie hineingemischt hatte.

Tags: bingo 2012, episodenbezug, fanfic, nachdenklichkeit, outsider pov, tatort - das ewig böse
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