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Bingo-Prompt 11

Titel: Wäsche waschen
Fandom: Tatort Münster
Prompt: Routine
Medium: Fanfiction
Zusammenfassung: Es war Zeit, auf andere Gedanken zu kommen. Zeit für etwas öde Routine. Zeit fürs Wäsche waschen.
Anmerkungen: Dies ist so ziemlich das sinnloseste, was ich bislang fabriziert habe, zumindest in meinen eigenen Augen. Aber bis mir für den Prompt was besseres einfällt, bleibt es erst mal stehen


Thiel seufzte, als er die Wäsche zusammensuchte, die er wieder in seiner kompletten Wohnung verteilt hatte. Er war müde, hungrig, und seit Tagen quälten sie sich mit einem Fall herum und kamen nicht recht voran. Die Klemm war mies gelaunt, Nadeshda und er hatte keine zündenden Ideen, und die mageren Informationen aus der Rechtsmedizin hatte Boerne ihm vor zwei Tagen schon zukommen lassen und ward seitdem nicht mehr gesehen.
Thiel fuhr sich durch die Haare. Vielleicht sollte er sich einen Abend lang nicht mit diesem Fall beschäftigen.
Es war Zeit, auf andere Gedanken zu kommen. Zeit für etwas öde Routine. Zeit fürs Wäsche waschen.




Er war mit seinem Beruf verheiratet, anders konnte man das nicht sagen. Eine Frau gab es in seinem Leben nicht mehr, seit er geschieden worden war und das würde wohl auch so bleiben. Zum Glück verstand er sich mit seinen Kollegen, denn viele Freunde hatte er nicht gefunden, seit er in Münster wohnte.
Aber er war nicht verbittert oder unglücklich; eigentlich ging es ihm gut dabei. Seit er nach Münster gekommen war, führte sein Leben wieder ungefähr so, wie er es als Junggeselle auch getan hatte. Er hatte kein Auto, eine kleine Wohnung und einen leeren Kühlschrank.


Was ihm immer schon zu schaffen gemacht hatte, waren die Routinearbeiten, die nun mal dazugehörten, wenn man allein wohnte. Nicht das tägliche Duschen oder Zähneputzen, logisch. Es waren eher die Aufgaben im Haushalt, die ihn anödeten. Putzen. Warum um alles in der Welt war das nötig? Wen interessierte es, ob da ein paar Wollmäuse unter den Schränken lagen? Also nahm er es damit nicht ganz so streng. Er sorgte dafür, dass es nicht eklig wurde, das war aber schon alles. Höher schraubte er seine Ansprüche nicht.

Aufräumen. Mein Gott, es war doch wohl unwichtig, ob seine Jeans über der Sofalehne hing oder im Schrank lag. Solange er seine Sachen fand, war ja alles geritzt, oder? Also nahm er es damit nicht ganz so streng. Solange es noch einen Weg zwischen Schlafzimmer, Küche, Bad, Sofa und Fernseher gab, den man betreten konnte, ohne auf etwas zu treten, war er zufrieden. Höher schraubte er seine Ansprüche nicht.

Ok, das Geschirr zügig zu spülen, wenn er denn dann mal für sich gekocht hatte, hatte er sich schon früh angewöhnt; es war doch ziemlich widerwärtig, wenn man das Zeug tagelang stehen ließ und dann von Schimmel oder sich windenden, weißlich schleimigen Lebewesen begrüßt wurde, wenn man eine halbvolle Schüssel nach ein paar Tagen wieder aus dem Waschbecken nehmen musste, um endlich einmal Spülwasser dort einzufüllen.

Den Müll mit rauszunehmen, fiel ihm auch nicht ganz so schwer; der stank, den brachte er freiwillig vors Haus in die Tonne.

Aber eins der allerlästigsten und seiner Meinung nach von seiner Umwelt völlig überbewerteten Übel war das Wäsche waschen. Also echt, wen interessierte das, ob die Jeans ein kleines Fleckchen hatte? Oder das Hemd? Das war doch sowas von egal!
Aber als der erwachsene und verständige Mann, der er nun einmal war, kam er wohl nicht umhin, regelmäßig den Weg in den Keller anzutreten und sich dort seiner Wäsche anzunehmen.
Und genau das würde er jetzt machen. Etwas öde Routine konnte ihm nur guttun.




Thiel spitzte die Ohren, als er mit seinem Wäschekorb im Arm die Treppe in den Keller herunterging. Es war nicht zu überhören, dass eine Waschmaschine lief. Damit hatte er jetzt allerdings gar nicht gerechnet. So spät, am Sonntagabend?
Er ahnte schon, wen er dort unten finden würde.




Es war gleich in den ersten Wochen nach seiner Ankunft in Münster, dass er seinen Vermieter und im weitesten Sinne auch Kollegen, Professor Karl-Friedrich Boerne, das erste Mal im Waschkeller angetroffen hatte.
Er war damals mehr als überrascht gewesen, Boerne dort in für seine Verhältnisse ungewohnt legerer Kleidung sitzen zu sehen; auf die Idee, dass sein versnobter Nachbar seine Wäsche selbst waschen würde, wäre er im Leben nicht gekommen. Und dass er im Keller blieb und der Maschine dabei zusah, fand er nicht minder verwunderlich.


Wie sich schnell herausgestellt hatte, war Boerne im Waschkeller redselig wie eh und je; ruck-zuck hatten sie sich an ihrem aktuellen Fall festgebissen und auch Thiel, dessen Maschine zu dem Zeitpunkt ebenfalls schon lief, war nicht zurück in seine Wohnung gekehrt, hatte er sich doch direkt in ein Streitgespräch verwickeln lassen, so wie sonst auch – oder nein, irgendwie anders als sonst.

Hier unten war der Professor ein Stück weit ein anderer Mensch. Was ihn sonst definierte, sein weißer Professorenkittel, in dem er immer respekteinflößend aussah; seine Haltung, die beständig aufrecht und selbstbewusst war, und die Energie, die er ohnehin grundsätzlich verströmte, die aber noch deutlicher zutage trat, wenn er in seinem Metier unterwegs war, all das fehlte.
Hier versteckte sich nicht hinter einem makellosen Anzug, der Thiel manchmal wie ein Schutzschild vorkam, wenn Boerne außerhalb seiner Wohnung oder des Institutes agierte und hier versteckte er sich auch nicht hinter seiner großen Klappe, die selbst dann nicht stillstand, wenn er eigentlich nichts zu sagen hatte.
Hier im Waschkeller war es anders, als wenn sie dienstlich im Präsidium oder im Institut aufeinander trafen. Der Waschkeller war neutraler Boden. Hier steckte keiner in seiner Rolle fest; hier saß Boerne zusammengesunken auf einem alten Schemel und Thiel fühlte sich irgendwie mit ihm auf Augenhöhe, was sonst selten der Fall war.



Das war das erste Mal, dass sie im Waschkeller aufeinandergetroffen waren, aber es war weiß Gott nicht das letzte Mal gewesen.
Seitdem waren sie sich dort immer wieder einmal begegnet, besprachen die Fakten, diskutieren ihre Ansichten, und Thiel merkte selber, dass es ihm hier unten viel leichter fiel, sich auf die teilweise hanebüchenen Ideen des Professors einzulassen.
Boerne dagegen schien viel mehr gewillt, auch seine Ansichten anzuhören und ihnen ein gewisses Maß an Interesse entgegenzubringen.



Als Thiel um die Ecke bog, hob Boerne den Blick von der Zeitung, mit der es sich gemütlich gemacht hatte. Und ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht.
Thiel grinste zurück.
Noch bevor er seine Maschine eingeräumt hatte, begannen sie, die neuesten Entwicklungen zu besprechen, Thesen aufzustellen, die so abstrus waren, dass sie gar nicht in Frage kommen konnten – oder vielleicht immer noch nicht absurd genug waren?



Bis der Wäschetrockner piepste, waren sie vom hundertsten ins tausendste gekommen, hatten sich Gedanken wie Bälle zugespielt und Thiel hatte mindestens drei neue Ideen, wie er weiter vorgehen konnte.
Er seufzte, als er die Wäsche aus dem Trockner holte. Er war müde, aber wenn sich eine ihrer neuen Theorien als wahr herausstellen sollte, würde dieser Fall im Nullkommanichts gelöst sein.
Boerne zwinkerte ihm zu, als er seinen Wäschekorb nahm und ohne weiteres Wort die Treppen hinaufging in seine Wohnung; Thiel nickte zurück. Dankbar, auch wenn er das niemals zugeben würde.


Es war definitiv wieder Zeit gewesen, mal auf andere Gedanken zu kommen. Zeit gewesen für öde Routine. Zeit fürs Wäsche waschen.

Comments

baggeli
9. Okt 2012 09:38 (UTC)
Du bts aber auch nette Prompts! *tauschen will*
Ja, was soll ich sagen. Ich fand's auch ganz ok, doch komme ich jetzt so langsam aber sicher an meine Ideengrenze, muss ich feststellen. *am-Kopf-kratz*

Naja, mal sehen, was ich noch herauskitzeln kann.
(Und so doof das klingt, in dieser Sekunde ist mir bewusst geworden, dass es noch weitergehen könnte; einen Prompt hatte ich nämlich schon völlig abgeschrieben, aber ha! Den schnapp ich mir noch. Aber jetzt erst mal gehen wir mit den Kindern ins Kino, wir haben nämlich URLAUB!!!)

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