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Bingo-Prompt 14

Titel: Sicherheit
Fandom: Tatort Münster
Prompt: Erinnerung
Medium: Fanfiction
Zusammenfassung: Ein Gefühl von Sicherheit. Er erinnerte sich, er hatte es die ganze Zeit gespürt; auch wenn er nicht wusste, was genau eigentlich geschehen war.
Anmerkungen: Irgendwie ist mir das eben auf meiner täglichen Runde in den Sinn gekommen, als ich fast von einem Auto übergemangelt wurde. (Das passiert entschieden zu oft, ich weiß nicht, wie viele Beinahe-Unfälle ich hinter mir habe, seit ich jeden Tag Rad fahre).
Die Geschichte ist sinn- und nutzlos, aber naja; egal. Ihr müsst sie ja nicht lesen. *zwinker*


Ein Gefühl von Sicherheit. Er erinnerte sich, er hatte es die ganze Zeit gespürt; auch wenn er nicht wusste, was genau eigentlich geschehen war.

Seine Gedanken waren träge, schwer; verschwommen. Er konnte sich nicht entsinnen, was passiert war, warum er sich jetzt in diesem seltsamen Zustand befand, beinah so, als ob er in einem dunklen Nichts schweben würde. Ihm war nicht warm, ihm war nicht kalt, er fühlte sich wie schwerelos, von der Welt abgeschnitten.


Er erinnerte sich nicht, was der Auslöser gewesen war, aber für einen Moment hatte er Panik verspürt. Panik, vielleicht sogar Todesangst. Aber das Gefühl hatte Gott sei Dank nur ganz kurz gewährt; nach einem flüchtigen Moment der Verzweiflung und Furcht war ihm plötzlich bewusst geworden, dass da jemand war. Er war nicht allein gewesen, es war jemand bei ihm. Er hatte Worte gehört, auch wenn er sie nicht verstehen konnte. Er hatte Berührungen verspürt, die ihm zeigten, dass sich jemand um ihn kümmerte.
Manchmal war die Dunkelheit tiefer geworden, so erdrückend, dass er fast nicht mehr denken konnte; manchmal war sie ihm heller vorgekommen, und er hatte mehr von seiner Umgebung wahrgenommen.

Es schien Hektik um ihn herum zu geherrscht zu haben, Sorge. Manchmal war es laut gewesen, auch wenn er die Geräusche nicht richtig hatte identifizieren können; seine Gedanken waren zu schwerfällig gewesen, zu vernebelt, um aus den Eindrücken die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Er hatte ein paarmal das Gefühl gehabt, dass er eigentlich Angst hätte verspüren müssen. Aber da war keine Angst. Kein Raum für Angst. Er hatte sich sicher gefühlt. Die ganze Zeit. Daran erinnerte er sich genau.



Und so war es auch jetzt noch; es war weiterhin dunkel um ihn herum und irgendwie still. Die Hektik war verschwunden, der Lärm. Es waren schon seit einer Weile keine Worte mehr zu ihm gesprochen worden, er spürte keine Berührungen; aber sogar jetzt, obwohl da nichts war, dass ihm zeigte, dass er nicht allein war- diese Präsenz, die Person, die diese Sicherheit vermittelte, sie war die ganze Zeit bei ihm. Er konnte nicht sagen, wieso er davon so überzeugt war. Er spürte es einfach, wusste es einfach, es gab keinen Zweifel. Er fühlte sich sicher.


Eine Weile ließ er sich noch treiben in diesem Ozean aus Schwärze und Ruhe. Aber irgendwann wurde ihm klar, dass er langsam keine Dunkelheit mehr wollte. Er wollte wieder zurück ans Licht.
Er fühlte sich nicht mehr so schwerelos, so gefangen in seinen eigenen Gedanken. Langsam begann sein Gehirn wieder damit, seine Sinneseindrücke zu verarbeiten. Er spürte etwas Weiches unter sich; etwas angenehm Warmes über sich; er lag in einem Bett.
Der Versuch, sich zu bewegen, war noch recht erfolglos; sein Körper schien wie in Watte gepackt. Er kannte dies Gefühl, brachte es mit starken Schmerzmitteln in Verbindung.
Alle Befehle, die sein Hirn aussandte, wollten bei seinen Gliedmaßen nicht vollständig ankommen; aber irgendwann gelang es ihm, eine Hand zu bewegen.
Ermutigt durch seinen Fortschritt, versuchte er, die Augen zu öffnen. Es wollte nicht recht gelingen, er brauchte einige Anläufe; aber tatsächlich wurde er irgendwann mit dem undeutlichen Bild einer weißen Zimmerdecke belohnt.
Langsam wurden die Konturen klarer. Neonlampen. Ein Metallbügel über dem Bett. Infusionsflaschen. Ein Krankenhaus.
Für einen Moment fragte er sich, ob er nicht doch Angst verspüren sollte, oder zumindest Unruhe. Aber er fühlte sich weiterhin sicher. Warum auch immer.



Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er Atemzüge hörte. Leise, langsam und tief.
Es war schwer, aber es gelang ihm, den Kopf zur Seite zu drehen.
Da saß ein Mann neben seinem Bett. Schlafend. Er war in einem unbequem aussehenden Stuhl ganz nach unten gerutscht, sein Kopf hing halb im Nacken, halb auf seiner Schulter. Sein Gesicht wies allerhand Blessuren auf, dunkle Ringe umrahmten seine Augen. Er war blass, wirkte schmaler als sonst; wirkte so erschöpft, wie er ihn selten erlebt hatte - und wirkte besorgt, sogar im Schlaf. Dabei sollte das doch eigentlich gar nicht möglich sein.


Er wollte ihn ansprechen. Aber er brachte keinen Laut hervor. Also schloss er den Mund noch einmal und räusperte sich.
Das Geräusch reichte, um den Mann neben dem Bett zusammenfahren zu lassen. Er schoss in seinem Stuhl hoch, blickte für einen Moment erschreckt um sich, als brauche er ein paar Sekunden, um sich zu orientieren.

Dann bohrten sich besorgte Augen in seine eigenen und ein Lächeln erhellte das müde Gesicht seines Kollegen.
„Wie fühlen Sie sich?“
Die Frage war so einfach zu beantworten - er fühlte sich sicher. Aber er konnte es nicht sagen; nie hatten sie sich so etwas gesagt. Nie etwas angesprochen, das zeigte, dass ihr Verhältnis über das normaler Arbeitskollegen hinausging. Dabei waren sie viel mehr als das.

Er sagte es nicht direkt; er sagte es anders. „Sie sind die ganze Zeit bei mir gewesen.“ Es war keine Frage, es war eine Feststellung.
Sein Gegenüber nickte wortlos; seine Augen, so müde und viel dunkler als sonst, schlossen sich für einen Moment; als sie wieder geöffnet wurden, sah er Erleichterung darin. Erleichterung, dass es ihm gutging? Bestimmt. Aber er meinte, auch noch etwas anderes darin zu sehen. Erleichterung darüber, dass sie beide das gleiche wussten und es niemand aussprechen musste. Dass sie einfach so weitermachen konnten, wie immer.


In diesem Augenblick öffnete sich leise die Zimmertür und zwei blonde Frauen steckten ihre Köpfe hindurch. Beide begannen zu strahlen, und sie sprachen gleichzeitig: „Sie sind ja wach!“

Er musste lächeln; ein Blick auf seinen Kollegen zeigte, dass dessen Mundwinkel ebenfalls amüsiert nach oben gerutscht waren.

Die beiden Frauen waren inzwischen zu Ihnen getreten. Seine Assistentin setzte sich auf seine Bettkante, nahm seine Hand in ihre. „Sie haben uns ganz schön Sorgen gemacht, aber zum Glück haben Sie ja doch einen harten Schädel.“
Auch die Assistentin seines Kollegen wirkte ehrlich erleichtert, als sie sich an ihn wandte. „Es tut gut, Sie wieder wach zu sehen! Aber jetzt muss ich mich mal um diesen Sturkopf hier kümmern.“
Mit diesen Worten beugte sie sich zu dem Mann im Stuhl und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Es geht ihm besser, jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Sie lassen sich jetzt endlich von einem Arzt ansehen.“ Mit diesen Worten nahm sie ihn an beiden Händen und zog ihn aus dem Stuhl.
Für einen Moment verzog sein Kollege schmerzvoll das Gesicht; aber wie immer hatte er sich so unter Kontrolle, dass er diesen Ausdruck fast unmittelbar mit einer entnervten Miene überspielte. „Herrgott, lassen Sie mich doch mit diesen Quacksalbern in Ruhe.“
Er wandte sich noch einmal um, bevor er sich aus dem Raum dirigieren ließ. „Ruhen Sie sich aus, ich schaue morgen wieder rein. Wenn etwas ist, lassen Sie mich anrufen, verstanden?“


Die Sicherheit war immer noch da. Er nickte wortlos. Und dankbar. Und er sah, dass sein Kollege ihn verstand.


Ein Weilchen später war er wieder allein, auch seine Assistentin war nach Hause gefahren. Sie hatte mit wenigen Worten von dem Autounfall erzählt, in den er und sein Kollege unschuldig verwickelt worden waren; hatte schnell damit aufgehört, als sie merkte, dass er müde wurde. Hatte seine Decke noch etwas höher gezogen und sich von ihm verabschiedet.


Als die Müdigkeit und die Schmerzmittel seine Augenlider so unwiderstehlich schwer werden ließen, die Schwärze langsam wieder näher kam, kreisten seine Gedanken erneut um die Bruchstücke, an die er sich entsinnen konnte. Die Geschehnisse waren immer noch verschwommen, aber eines hatte er weiterhin in lebhafter Erinnerung: das Gefühl von Sicherheit.
Er hatte es die ganze Zeit gespürt und er spürte es immer noch.

Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
22. Okt 2012 04:57 (UTC)
Herzlichen Glückwunsch!!!

Das wurde aber auch Zeit - in der Tat, bei so vielen Texten erstaunlich, daß noch kein Bingo dabei war.

Ich mochte hier das Rätseln am Anfang, wer gerade denkt. Und die Beschreibung dieses halbbewußten Zustands. Und natürlich und vor allem die Sicherheit :)

Lieblingssätze:
Erleichterung darüber, dass sie beide das gleiche wussten und es niemand aussprechen musste. Dass sie einfach so weitemachen konnten, wie immer.
Das spricht für sich selbst, oder?

Die Fehler, die ich gestern noch gesehen habe, hast Du schon gefischt ... nur das ist mir gerade noch aufgefallen:
- im Zitat oben "weitermachen" statt "weitemachen"
- "Sie hatte mit wenigen Worten von dem Autounfall erzählt, in dem er und sein Kollege unschuldig verwickelt worden waren" muß glaube ich "in den er und sein Kollege unschuldig verwickelt verwickelt worden waren" heißen

baggeli
22. Okt 2012 07:34 (UTC)
Guten Morgen Cricri!
Hach, immer wieder schön, von dir zu hören. =D Hätte nicht gedacht, dass du die Geschichte gestern schon wahrgenommen hast, den vielen Kommentaren nach war ja einiges los im Tatort Stuttgart. (Ich hab ihn nicht geschaut; schaue eigentlich nie, außer Münster. Vielleicht sollte ich meinen Horizont mal erweitern.)

Danke für die Fehlerhinweise! Eigentlich seltsam, dass Word einen Klops wie weitemachen nicht als solchen erkennt. Das dem/den Problem verstehe ich ja noch, die Wörter gibt es wenigstens beide. Aber weitemachen?! Seltsam. ;o)
( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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