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Bingo-Prompt 17

Titel: Hoffnungsschimmer - Kapitel 1 (Achtung, düster!)
Fandom: Tatort Münster
Prompt: Regenbogen
Medium: Fanfiction, Fanart (Kapitel 2)
Zusammenfassung: Ein paar Sonnenstrahlen brechen durch eine kleine Lücke. Erzeugen einen Regenbogen, der ganz sanft vor dem düsteren, stürmischen Himmel schimmert. Der ihn weniger bedrohlich aussehen lässt, für einen kurzen Moment.
Der Hoffnung weckt, für einen kurzen Moment.

Anmerkungen: Kurz. Die Geschichte dahinter habe ich schon lange im Kopf. Aber ich glaube, ich werde sie nie schreiben. Korrektur: ich werde sie nie so schreiben, wie ich sie ursprünglich im Sinn hatte. Sie ist weiß Gott völlig anders geworden. Und nicht mehr ganz so kurz, durch das ungeplante zweite Kapitel.


Dunkelheit. Strömender Regen. Blinkende Blaulichter. Eine wenig befahrene Landstraße einige Kilometer vor Münster. Ein Auto, offenbar von der Straße abgekommen, frontal gegen einen Baum geprallt.
Thiel schüttelt sich, als er das Wrack näher in Augenschein nimmt. Kein Fahrer. Keine Menschenseele weit und breit.

Sein erster Gedanke ist, dass er sich versteckt hat, vielleicht betrunken war, als er seinen Wagen geschrottet hat. Dass er sich vor Polizei verbirgt, bis er wieder nüchtern ist. Ja, das könnte es doch sein.
Er hält den Gedanken - die Hoffnung -  fest, bis Nadeshda stumm in das Wageninnere deutet. Thiel runzelt die Stirn. Die Airbags haben nicht ausgelöst; solch ein gravierender Defekt dürfte bei einem neuwertigen Fahrzeug wie diesem eigentlich nicht vorkommen.
Dann bemerkt er das Blut auf dem Armaturenbrett. Und ihm wird gleich viel kälter.


Frau Haller sagt, dass die Blutmenge auf eine Kopfverletzung schließen lässt, dass der Fahrer wahrscheinlich mit der Stirn auf das Lenkrad geprallt ist. Ihre Stimme zittert, so hat er sie selten erlebt.


Gut möglich, dass er benommen aus dem Wagen getaumelt ist, um Hilfe zu finden. Dass er über kurz oder lang zusammengebrochen ist; vielleicht liegt er irgendwo in der Dunkelheit, irgendwo an der Straße oder im Wald, hilflos, bewusstlos oder… Schlimmeres.

Seine Assistentin telefoniert schon die Krankenhäuser ab. Aber alle Antworten sind negativ; keine Notaufnahme hat in dieser Nacht ein Unfallopfer aufgenommen. Kollegen durchsuchen die Umgebung des Fahrzeugs; Thiel hilft, er weiß nicht, was er sonst tun soll. Aber bis zur Dämmerung haben Sie nichts gefunden. Niemanden gefunden.




Müde fährt er sich über die Augen, als sein Telefon klingelt. Frau Haller ist am Apparat. Sie klingt erleichtert, gelöst. Das Blut ist nicht von ihm!
Thiel hat das Gefühl, ihm fällt ein Stein vom Herzen. Und die Hoffnung ist wieder zurück.



Ein Kollege nimmt ihn mit zum Präsidium. Immer noch schlägt der Regen gegen die Scheibe, aber es sollte bald aufhören zu schütten. Es wird freundlicher. Hinten am Horizont sieht er einen silbernen Streifen; die Sonne wird bald aufgehen.



Aber je mehr sie sich Münster nähern, desto mehr verändert sich der Himmel. Er wird wieder bedrohlicher. Es war doch nur ein kurzer Moment, in dem die Welt freundlicher aussah; ein zu kurzer Moment. In rasanter Geschwindigkeit beginnen sich düstere Wolken zusammenzubrauen.
Und Thiels Gedanken sind ebenso düster. Die anfängliche Euphorie und Erleichterung sind Ernüchterung gewichen.


Anscheinend wurde der Wagen gestohlen. Aber wo steckt sein Besitzer? Er ist nirgends zu finden, nicht zu erreichen.
Das bedrückende Gefühl kommt mit Gewalt zurück. Irgendetwas ist faul. Er ist sich ganz sicher.




Als er sein Büro betritt, winkt Nadeshda ihn hektisch heran. Sie hat den Telefonhörer am Ohr und betätigt einen Knopf, so dass er das Gespräch mit anhören kann. Frau Hallers Stimme tönt aus dem Gerät. Man habe noch mehr Blut im Inneren des Autos gefunden. Viel Blut. Im Kofferraum.
Thiels Nackenhaare stellen sich auf. So hat er ihre Stimme noch nie gehört.
Er braucht ihren nächsten Satz nicht, braucht ihre Tränen nicht. Er weiß Bescheid.



Nur aus den Augenwinkeln nimmt er wahr, wie Nadeshda bleich und wortlos den Hörer zurück auf die Gabel legt.
Der Regen schlägt wie wahnsinnig an die Scheibe. Aber er wird bald aufhören; die Wolken werden aufreißen. Man sieht es kommen.

Ein paar Sonnenstrahlen brechen durch eine kleine Lücke. Erzeugen einen Regenbogen, der ganz sanft vor dem düsteren, stürmischen Himmel schimmert. Der ihn weniger bedrohlich aussehen lässt, für einen kurzen Moment.
Der Hoffnung weckt, für einen kurzen Moment.



Als der Wind die Wolkenlücke schließt, verblasst der Regenbogen. Der Himmel sieht aus, als hätte es diesen kurzen, friedlichen Augenblick nie gegeben.
Aber etwas davon ist in Thiel zurückgeblieben. Die Hoffnung. Die Hoffnung, ihn doch noch lebend zu finden?
Auf jeden Fall der Entschluss, ihn zu finden. Das ist er ihm schuldig.
Er wird nicht ruhen, bis er weiß, woran er ist.

Comments

( 7 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
5. Nov 2012 18:45 (UTC)
Thiels Nackenhaare stellen sich auf.

Meine auch :(

Eigentlich wollte ich ja sagen, wie, Du willst die Geschichte nicht schreiben? Aber jetzt denke ich, vielleicht lieber nicht ... Es sei denn, der Hoffnungsschimmer bewahrheitet sich ;)

Sehr düster, aber gut geschrieben. Zieht einen richtig runter.
baggeli
5. Nov 2012 19:47 (UTC)
Sehr düster, aber gut geschrieben. Zieht einen richtig runter
Öhm. Naja, dich runterzuziehen war jetzt eigentlich nicht der Plan. Höchstens, dich mal kräftig schlucken zu lassen.

(Ich wollte doch mal sehen, wie es sich anfühlt, ein wenig in Farfies übergroßen Fußstapfen herumzuhüpfen - auch wenn mir dergleichen intensive Geschichten, wie sie sie schreibt, nie gelingen werden)
farfarello88
5. Nov 2012 23:43 (UTC)
Also nahc dem zweiten Kapitel überreiche ich dir gerne zum wiederholten Male die Drama-Krone! xD Und übergroße Fußstapfen? Hö? Danke? ^^ Also was die intensiven Gefühle angeht, da brauchst du dich definitiv nicht verstecken. Ganz im Gegenteil, du hinterlässt mir hier ziemlich große Fußstapfen! :D
baggeli
6. Nov 2012 08:38 (UTC)
Hui, das nehme ich jetzt einfach als Kompliment und danke dir! Und hüpfe hiermit aus deinen Fußstapfen wieder raus, die sind mir doch gefühlte zwei Nummern zu groß - und zu bedrückend. ;o)
*zu-sich-selbst-murmel* Hatte ich nicht noch eine crack/Slapstick-Sache in Arbeit? Ich muss mich mal selber auf andere Gedanken bringen *abwander*
=D
veradee
5. Nov 2012 21:47 (UTC)
Hoffnungsschimmer? Ich würde ja gern dran glauben, aber das sieht doch wohl sehr übel für Boerne aus. Aber ich mag Thiels Entschlossenheit, ihn auf jeden Fall zu finden.

Die Geschichte passt zum heutigen Tag. Zumindest hier sah der Himmel wirklich sehr bedrückend und bedrohlich aus.
baggeli
5. Nov 2012 21:55 (UTC)
Aber ich mag Thiels Entschlossenheit, ihn auf jeden Fall zu finden
Meinst du, das passt? Ich war mir nicht sicher.
Aber naja, ich denke wirklich, dass er sich so verhalten würde. Egal, wie oft die beiden streiten, ich glaube, er würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um Gewissheit zu erlangen, was passiert ist.

Und ja, hier war das Wetter genauso mies. Ich saufe seit Tagen ab beim Radfahren. *grummel*
Aber gestern hatten wir einen spektakulären, vollständigen Regenbogen. Da könnte ich immer dahinschmelzen, die sind für mich etwas ganz Besonderes.
veradee
5. Nov 2012 22:20 (UTC)
Doch, davon bin ich überzeugt, dass Thiel nicht locker lassen würde, bis er wüsste, was passiert ist. Wir wissen ja, dass er sehr hartnäckig und auch emotional involviert sein kann (Wolfsstunde), und ich denke, in diesem Fall wäre es ähnlich. Denn auch wenn ich jeglichen Gedanken an Slash außen vor lasse, ist ihm Boerne ja nicht total gleichgültig.
( 7 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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