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Bingo-Prompt 20

Titel: Vergeltung (Kapitel 1?)
Fandom: Tatort Münster
Prompt: Piercing, Tattoo etc.
Medium: Fanfiction
Wörter: 1150
Zusammenfassung: Zwei Morde in zwei Tagen; ein Mensch war erschossen worden, gestern, ein anderer am Tag davor. Das Schlimmste daran war, dass es sich um ehemalige Kollegen handelte.
Anmerkungen: Ein kleiner Schnellschuss aus der Hüfte. Muss doch zu schaffen sein, diese Bingo-Karte noch irgendwie vollzubekommen. Ohne Beta, nur so hingedonnert. Wird noch verfeinert.



Mürrisch riss Hauptkommissar Thiel die Tür seines Büros auf, zerrte sich die nasse Jacke von den Schultern als er durch den Raum stapfte und ließ sich mit einem Aufseufzen in seinen Schreibtischstuhl fallen. Ihr aktueller Fall machte ihm zu schaffen, und als ob er nicht schon genug mit den Mordopfern am Hals hatte, hatte Boerne nichts Besseres zu tun, als ihm obendrein noch den letzten Nerv zu rauben.

Zwei Morde in zwei Tagen; ein Mensch war erschossen worden, gestern, ein anderer am Tag davor. Das Schlimmste daran war, dass es sich um ehemalige Kollegen handelte - beide waren zwar inzwischen schon lange berentet, aber vor Jahren Beamten bei der Münsteraner Kriminalpolizei gewesen, bei der Sitte und bei der Mordkommission.
Thiel war sich sicher, dass es einen Zusammenhang zwischen den Opfern gab. Sein Team brütete bereits über den alten Fällen, die die beiden Kollegen im Laufe ihrer langen Dienstzeit bearbeitet hatten. Aber Parallelen zu finden, war eine extrem mühselige Aufgabe, viele dieser Daten waren noch nicht im EDV-System abrufbar, sondern nur in alten Akten im Archiv zu finden. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen…



Doch all das schien Professor Karl- Friedrich Boerne, der natürlich zu beiden Leichenfundstellen gerufen worden war, um Todesursache und –zeitpunkt zu bestimmen, nicht im Geringsten zu interessieren. Natürlich hatte er seine Arbeit gewissenhaft wie immer erledigt und alle Daten und Informationen zu den Todesumständen schnell und umfassend zur Verfügung gestellt. Aber nun ließ er Thiel nicht etwa in Ruhe ermitteln, sondern hing ihm am Jackenzipfel und nervte ihn mit einer ganz anderen Geschichte.

Boerne war der Meinung, in der Menge der Schaulustigen, die sich an beiden Tatorten versammelt hatten, jeweils ein und denselben Mann gesehen zu haben; ein höchst verdächtiges Subjekt, wie er sich ausdrückte. Er war überzeugt davon, dass diese ominöse Person mit den Verbrechen in Verbindung zu bringen sei.
Thiel maß dem Ganzen allerdings nicht die gleiche Bedeutung zu wie der Professor. Er glaubte Boerne durchaus, dass er Recht hatte, der Mann hatte ein sehr gutes Personengedächtnis; aber Münster war keine Weltstadt, es war nicht so ungewöhnlich, dass dieser Mann, den Boerne auf dem Kieker hatte, an beiden Tatorten aufgetaucht war. Ein typsicher Gaffer halt; einmal neugierig, immer neugierig.


Aber wie immer, wenn der Rechtsmediziner sich wieder einmal in eine Idee verrannt hatte, ließ er nicht locker. Am Mittag dieses Tages war Thiel die endlosen Diskussionen und Fragen leid gewesen und er hatte er Boerne aufs Revier zitiert, um ein Phantombild des rätselhaften Unbekannten anfertigen zu lassen. Thiel gratulierte sich selber zu dieser genialen Idee; er war zwar recht sicher dass das ein unnötiges Unterfangen war, aber auf die Art fühlte Boerne sich ernstgenommen und würde sich nun hoffentlich endlich wieder zu hundert Prozent seinen Aufgaben widmen.




Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Nadeshda aus dem Nebenzimmer stürmte. „Gut, dass Sie endlich da sind, Chef! Wo waren Sie denn, ich versuche seit einer Ewigkeit, Sie zu erreichen! Ist Ihr Handy nicht an?“
Seine junge Assistentin hatte einen Ausdruck in der Hand und wirkte aufgeregt, ihre Anspannung war regelrecht greifbar.
Thiel setzte sich aufrechter hin, als er einen irritierten Blick auf sein Mobiltelefon warf. „Oh, der Akku ist alle.“ Er schaute wieder auf. „Ich war mit der Staatsanwältin bei der Ehefrau des Toten von gestern. Die Klemm kennt sie schon ewig. Und dann mussten wir noch zu Boerne. Aber was gibt’s denn so dringendes?“


„Ich habe vor ein paar Stunden einen Anruf aus Meppen bekommen. Dort ist ein vor drei Tagen ein älterer Mann tot aufgefunden worden, erschossen. Es hat eine Weile gedauert, bis sie seine Identität ermitteln konnten. Er war bis vor wenigen Jahren Richter hier in Münster.“ Der Blick in ihren großen Augen war beunruhigt.
„Kacke, das kann doch nicht wahr sein.“ Thiel ließ sich in seinem Stuhl zurückfallen und rieb sich die Augen.
„Das ist noch nicht alles, Chef. Der Leiter des dortigen Ermittlerteams ist vorhin hier gewesen und hat uns alle Unterlagen und bisherigen Ergebnisse persönlich vorbeigebracht. Während unserer Besprechung hat er zufällig das Phantombild gesehen, das nach Boernes Angaben angefertigt wurde. Und er hat den Mann darauf erkannt. Er ist sich hundertprozentig sicher, dass er auch in Meppen unter den Gaffern war.“


Ungläubig ließ Thiel die Hände sinken. „Das ist nicht Ihr Ernst.“
Nadeshda zuckte mit den Schultern. „Doch, der Typ ist total auffällig allein durch diesen riesigen Goldohrring, den er…“
Sie konnte ihren Satz nicht zu Ende sprechen, weil in diesem Augenblick Hoffmann, ein Kollege aus ihrem Team, zu ihnen ins Büro eilte. Der junge Mann wedelte mit einem alten Pappordner und wirkte mindestens so aufgeregt wie Nadeshda. „Wir haben einen Fall, an dem die beiden Toten zusammengearbeitet haben!“



Nadeshda riss ihm die alte, verstaubte Akte förmlich aus der Hand und breitete sie auf Thiels Schreibtisch aus. Thiel beugte sich mit ihr über die gelbstichigen Papiere, als Nadeshda die Namen der beteiligten Polizisten laut vorlas. „Franz Baumgartner, Hannes Bültbrune… und hier, der Richter: Hermann Zander.“ Sie blickte auf. „Das ist der Tote aus Meppen. Da übt jemand Vergeltung, anders kann es nicht sein.“ Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Nach so langer Zeit, es ist kaum zu glauben.“

Hoffmann sah irritiert zwischen Thiel und ihr hin und her. „Wie, der ist auch tot? Also sind fast alle, die bei der Verhaftung und Verurteilung mitgewirkt haben, inzwischen ermordet worden?“
Thiel nickte nur kurz. „Sieht so aus.“
„Oh Mann“ Hoffmann ließ sich auf den Besucherstuhl fallen. „Damals wurde ein Mörder lebenslang hinter Gitter gebracht, ein ganz junger Kerl. Das ist jetzt fünfundzwanzig Jahre her.“
Thiel wollte antworten, wurde aber von seinem Kollegen hektisch unterbrochen. „Chef, hören Sie! Das ist wichtig: die Staatsanwältin, die ihn eingebuchtet hat, war Frau Klemm.“



Thiel stellten sich die Nackenhaare auf. „Scheiße.“ Noch während er das sagte, war er schon aufgesprungen und riss seine Jacke von der Stuhllehne. „Nadeshda, die Klemm braucht Personenschutz. Schicken Sie die Kollegen in die Rechtsmedizin, sie ist bei Boerne wartet da auf die Autopsieberichte. Sie soll sich dort unter keinen Umständen wegbewegen, wer weiß, ob sie schon verfolgt wird! Ich bin in zehn Minuten da.“

Als er gerade loshasten wollte, fiel sein Blick auf den Ausdruck, den sie immer noch in der Hand hielt. "Was ist das denn für ein Typ?" Er schnappte das Bild und starrte stirnrunzelnd auf einen Mann mittleren Alters, mit grobschlächtigem Gesicht, Glatze und einem auffällig großen  Ohrring. "Der sieht ja aus wie Meister Propper."
Nadeshda erklärte: "Das ist das Phantombild von dem Kerl, der an allen drei Tatorten gesehen wurde."



"Den hab ich doch irgendwo..." Thiel murmelte den Satz nicht zu Ende, aber die Rädchen in seinem Kopf drehten sich auf Hochtouren. "Den hab ich heute schon gesehen, ich bin mir sicher..."

Mit einem Mal hatte er ein Bild vor Augen: großer goldener Ohrring... dunkelbraune Uniform, Schirmmütze, die die Glatze verbarg... ein Paketbote, der einen unhandlichen Pappkarton schleppte; dem er im Hinausgehen die Tür offengehalten hatte, weil er so vollbepackt war. Die Tür zu Boernes Institut.

Fassungslos blickte er auf. „Er ist in der Rechtsmedizin. Er hat sie schon gefunden.“

t.b.c?
Weiß nicht. Lohnt sich das?
Vielleicht irgendwann, aber bestimmt nicht so bald.



Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
8. Dez 2012 22:08 (UTC)
Ich komme jetzt erst so richtig mit dem Lesen hinterher ;)

Mann Mann Mann, das ist ja wieder ein Cliffhanger ... Ich hoffe, Du läßt uns und die Staatsanwältin nicht hängen und schreibst irgendwann noch weiter.

Meine Lieblingsstelle ist die hier:
Thiel gratulierte sich selber zu dieser genialen Idee; er war zwar überzeugt, dass das ein völlig unnötiges Unterfangen war, aber auf die Art fühlte Boerne sich ernstgenommen und würde sich nun hoffentlich endlich wieder zu hundert Prozent seinen Aufgaben widmen.
baggeli
8. Dez 2012 22:16 (UTC)
Huhuu!
Ja, an dem Abend hatte ich eine schwer kreative halbe Stunde. *räusper*
Ich habe lustigerweise auf ff.de auch schon so eine ähnliche Frage gehabt bzgl. der Fortführung der Geschichte.

Naja, dadurch, dass ich Thiels pov gewählt habe, ist es jetzt schwierig, die Ereignisse in der Rechtsmedizin zu beschreiben.
Entweder ich mache eine Geiselnahme draus und Thiel ist weiter der Beobachtende, oder es bekommt jemand anders das zweite Kapitel. Alberich, Frau Klemm oder Boerne... inzwischen hab' ich ja keine Skrupel mehr, sie alle zu verwursten. Immer in dem Glauben, wer das nicht lesen will, der lässt es schon sein. ;o)
( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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