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Bingo-Prompt 21

Titel: Falsche Berufswahl?
Fandom: Tatort Münster
Prompt: Baumhaus
Medium: Fanfiction
Wörter: 1200
Zusammenfassung:
Es war einer dieser Tage, an denen Thiel sich fragte, warum er keinen vernünftigen Beruf gelernt hatte. Bäcker zum Beispiel, oder Schreiner. Dann müsste er sich nicht mit Leichen herumschlagen, die ihn in ernsthafte Gefahr brachten, vor den Augen aller Kollegen sein Frühstück wieder von sich zu geben.
Anmerkungen: Einen hab' ich noch. Wie war das mit dem Blackout? Ich taste mich ran...



Es war einer dieser Tage, an denen Thiel sich fragte, warum er keinen vernünftigen Beruf gelernt hatte. Bäcker zum Beispiel, oder Schreiner. Dann müsste er sich nicht mit Leichen herumschlagen, die ihn in ernsthafte Gefahr brachten, vor den Augen aller Kollegen sein Frühstück wieder von sich zu geben.



Seufzend fuhr er sich durch die Haare und versuchte, die Lache, die sich unter dem Kopf des ermordeten Politikers ausgebreitet hatte, nicht genauer anzuschauen. Zum Glück versperrte Frau Haller ihm die meiste Zeit die Sicht.
Als seine Assistentin den Raum betrat, wandte er sich ihr dankbar zu, froh, den Blick guten Gewissens von dem Toten abwenden zu können.



Professor Boerne, der in Golfhose und Pullunder unmittelbar hinter Nadeshda schritt und gleich auf seine kleine Mitarbeiterin zusteuerte, bedachte er mit einem kurzen Nicken, bevor er fragte: „Nadeshda, was haben wir bis jetzt?“

Die junge Frau zog ihren Notizblock hervor und begann, die Informationen herunterzurasseln.
„Also, der Tote ist Andreas Brehm, Vorsitzender der hiesigen CDU. Die Kollegen von der SpuSi meinen, dass er wohl mit einer Pistole erschossen wurde. Aus zwei bis drei Metern Entfernung, vermutlich da von der Tür aus.“

Diese Aussage passte nicht wirklich zu dem ersten Eindruck, den Thiel vom Tatort hatte. Verwundert zog er die Augenbrauen hoch, während Nadeshda schon weitersprach. „Das Projektil steckt wahrscheinlich dort hinten in dem Bücherregal, aber wir haben es noch…“


Sie konnte ihren Satz nicht beenden, denn Boerne sprang auf die Füße und baute sich kopfschüttelnd neben ihnen auf.  „Das soll wohl ein Witz sein, Frau Krusenstern. Wie wäre es, wenn Sie demnächst zuerst mich konsultieren, bevor Sie ihrem Chef irgendwelchen haarsträubenden Irrsinn von der Spurensicherung weitergeben?“


Thiel verschränkte die Arme. „Nun mal langsam, die Jungs machen den Job nicht erst drei Tage.“ Doch bevor Boerne den Mund wieder aufmachen konnte, fügte er beschwichtigend hinzu. „Aber ich muss zugeben, mir kommt das auch komisch vor.“
Der Professor zog eine Augenbraue hoch. „Beruhigend, dass Sie diese Aussagen als den dilettantischen Unsinn erkennen, der sie sind.“
Thiel, der diesen Tonfall kannte, verdrehte nur müde die Augen. „Lassen Sie’s gut sein, Boerne. Würden Sie uns dann bitte an Ihrer Weisheit teilhaben lassen?“



Das ließ der Professor sich natürlich nicht zweimal sagen. Mit der ihm üblichen Energie wies Boerne auf den Toten. „Diese Verletzung stammt auf keinen Fall von einer Pistole. Haben Sie sich mal den Hinterkopf angesehen, die Schädeldecke ist ja quasi nicht mehr vorhanden.“
Thiel schluckte, während sein Kollege schon fortfuhr. „Dem ersten Eindruck nach zu urteilen, wurde er mit einem Gewehr erschossen. Ein Jagdgewehr, kleinkalibrig. So, wie der Hinterkopf zerstört ist, aus schätzungsweise 150 bis 200 Metern Entfernung.“ Er blickte aus dem Fenster und musterte die Umgebung. „Da, sehen Sie! Das Stelzenhaus auf dem Spielplatz dort hinten. Ich würde wetten, der Schuss wurde von dort abgegeben.“

Thiel warf seiner Assistentin einen flüchtigen Blick zu und sah gerade noch, wie sie entnervt die Augen verdrehte.
Aber er kam nicht umhin, an Boernes Theorie Gefallen zu finden. Das was die Spurensicherung sagte, kam ihm komisch vor, was Boerne vom Stapel gelassen hatte, war dagegen zweifellos kreativer.
Er trat neben den Professor an das Fenster und steckte gelassen die Hände in die Jackentasche. Boerne würde sich bestimmt noch mehr Details entlocken lassen, wenn er nur ein wenig stichelte.  „Sie wollen mir also allen Ernstes weismachen, dass der Mann von diesem Baumhaus dahinten erschossen wurde?“
Boerne wandte sich ihm daraufhin zu und zog irritiert die Augenbrauen hoch. „Baumhaus? Wo sehen Sie denn da ein Baumhaus?“
Nun war es an Thiel, verblüfft zu schauen. „Wollen Sie mich verarschen, Boerne? Sie haben doch gerade selber lang und breit davon erzählt!“
Boerne schüttelte den Kopf und schob sich mit einem ungläubigen Blick die Brille nach oben. „Thiel, ich habe von einem Stelzenhaus gesprochen. Das kann man doch nun wirklich nicht mit einem Baumhaus verwechseln! Da ist doch nicht einmal ein Busch auf diesem Spielplatz, geschweige denn ein Baum! Dies verkrüppelte, nicht einmal kniehohe Grünzeug dahinten verdient allerhöchstens den Namen Kriechgewächs, das geht beim besten Willen nicht einmal als Hecke durch!“


Thiel ließ bewusst langsam den Atem entweichen und zählte innerlich bis zehn. „Boerne, es ist gut, ich hab‘s verstanden. Also, der Schütze saß Ihrer Meinung nach in diesem Ba.. Stelzenhaus. Toll.“
Sein Kollege nickte energisch. „Ich denke, es dürften dort eine Menge Schmauchspuren zu finden sein, wenn wir Glück haben, Hautpartikel. Mit Fingerabdrücken rechne ich allerdings nicht, dieses kesseldruckimprägnierte Spielplatzholz ist zu grobporig und zu splittrig, als dass ich dahingehend positive Ergebnisse erwarten würde.“ Über seine Schulter rief er: „Alberich, wann ist er gestorben?“
Die kleine Frau antwortete prompt. „Der Korrelation der Körperkerntemperatur und der durchschnittlichen Raumtemperatur nach, gestern zwischen 21 und 22 Uhr.“

Boerne wandte sich vom Fenster ab. „Naja, zu der Zeit werden dort wohl keine Kinder gespielt haben, die Sie als Zeugen…“ Er stoppte, als er Thiels Blick bemerkte. „Was?“
Thiel legte den Kopf schräg. „Boerne, die Scheibe ist heil. Ist Ihnen das schon aufgefallen?“
„Dann wird das Fenster offen gewesen sein. Ist doch nicht verwunderlich, gestern war herrliches Wetter!“
Völlig unbeeindruckt von Nadeshdas kaum verhohlenen Grinsen betrachtete der Rechtsmediziner die genaue Position des Toten, warf noch einen Blick über die Schulter und fixierte dann die dem Fenster gegenüberliegende Wand des großzügig angelegten Büroraumes.


Thiel zuckte nur mit den Schultern. „Gut möglich, dass Sie Recht haben. Besorgen Sie mir die Kugel, dann sehen wir weiter.“
Damit wandte er sich Nadeshda zu und wollte gerade nach weiteren Details fragen, als Boerne an ihm vorbeimarschierte, zielstrebig auf die Wand zu. „Hoffmann, helfen Sie mir mal.“
Der Angesprochene trat zu Boerne, der seine Hände an eine Seite des großen Wandteppichs gelegt hatte, der dort hing. Mit  einem Kopfnicken bedeutete Boerne dem Polizisten, es ihm gleich zu tun und nach einem weiteren Nicken hoben sie gleichzeitig den großen Rahmen von seiner Aufhängung.


Mit einem leisen Ächzen richtete der Professor sich wieder auf, nachdem er gemeinsam mit Hoffmann den schweren Teppich auf dem Boden abgestellt hatte.
Thiel kam nicht umhin, das triumphierende Funkeln in Boernes Augen wahrzunehmen, als er  sich – nur wenig überrascht -  auf das unschwer zu erkennende Einschussloch in der Wand zubewegte. Nadeshda und die Kollegen der Spurensicherung allerdings schauten mächtig erstaunt, lediglich Frau Haller hatte ein breites Lächeln im Gesicht.


„Aber ob sie von einem Jagdgewehr stammt, wissen wir immer noch nicht.“ Er konnte sich bei dieser Bemerkung ein Grinsen nicht verkneifen.

Boerne verdrehte nur die Augen. „Ungläubiger.“ Er wandte sich zum Gehen. „Die Ballistik wird mich schon bestätigen. Und wenn Sie sich einen Gefallen tun wollen, kümmern Sie sich um dieses Stelzenhäuschen, bevor Kinder jede vielleicht verwertbare Spur zerstört haben. Weiterhin wäre es nicht falsch, herauszufinden, wer nach dem tödlichen Schuss das Fenster geschlossen, aber nicht die Polizei gerufen hat. Denn das ist wohl noch gestern Abend geschehen, sonst wäre es viel kälter hier in den Räumlichkeiten.“ Er rieb sich unternehmend die Hände. „So, ich habe ein Golfturnier zu gewinnen. Sie entschuldigen mich bitte.“ Damit war er aus der Tür.


Thiel starrte ihm nach und schüttelte dann immer noch grinsend den Kopf.
Es war wieder einer dieser Tage, an denen ihm klar wurde, dass er ganz froh war, keinen anderen Beruf gelernt zu haben. Bäcker zum Beispiel, oder Schreiner. Das wäre ihm doch alles viel zu langweilig gewesen.


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