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Adventskalender-Story: Rücksicht

Titel: Rücksicht
Genre: Freundschaft, h/c, Humor (hoffe ich...)
Zusammenfassung: Auf den meisten Weihnachtsfeiern fließt reichlich Alkohol. Wohl dem, der weiß, wann er besser aufhören sollte zu trinken. Viele wissen das allerdings nicht.
Anmerkungen: wieder ohne Beta, aus den gleichen Gründen wie immer - weist mich bitte auf die Fehler hin! Danke
A.N.: Der erste Teil der Story ist Boernes P.O.V.. Ich habe das mehr als dreißig Geschichten lang vermieden, weil ich das Gefühl habe, dass seine verschwurbelten Gedankengänge mir nicht liegen. Aber für diesen Unsinn war es einfach nötig und da müsst ihr jetzt durch. *räusper*
Wörter: 2500




Wesentlich schwungvoller als es sich für einen Mann seines Standes eigentlich geziemte, nahm Professor Karl-Friedrich Boerne die Stufen in den zweiten Stock des Polizeipräsidiums. Seine Eile war selbstverständlich begründet, der Weg vom Institut hierher hatte ihn mehr Zeit gekostet als angenommen; nach einem Unfall auf der schneeglatten Straße war seine normale Route gesperrt gewesen und er hatte einen ziemlichen Umweg fahren müssen. Es stand zu befürchten, dass diese Verspätung Thiels Stimmung nicht gerade positiv beeinflussen würde; und die vielen enttäuschenden Ergebnisse, die Boerne in seiner Berichtmappe bei sich trug, waren zweifellos noch weniger dazu geeignet, den Kommissar bei Laune zu halten.


Er holte tief Luft, als er an der Bürotür durch sein übliches scharfes Anklopfen auf sich aufmerksam machte. Wie immer wartete er eine Reaktion gar nicht ab, sondern marschierte forsch in den Raum – nur, um abrupt innezuhalten, kaum dass die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war.


Thiels Assistentin, die an ihrem Schreibtisch saß und am Computer gearbeitet hatte, schaute vom Monitor auf. „Oh, hallo Professor Boerne!“
„Frau Krusenstern.“ Er nickte ihr flüchtig zu, bevor er seinen verwunderten Blick wieder auf den alten, verschlissenen Ledersessel richtete, der an der Wand stand; und auf den Mann, der zusammengesunken darin hing und offensichtlich schlief.


„Was ist denn mit Herrn Thiel los? Geht es ihm nicht gut?“ Mit ein paar langen Schritten trat er an den Sessel heran. Der Kommissar sah in der Tat beunruhigend aus, blass und reglos, mit dunklen Ringen unter den Augen.

„Nee, der ist krank.“ Nadeshda trank in aller Seelenruhe einen Schluck Kaffee.
Irritiert runzelte Boerne die Stirn. Diese Nonchalance, die die junge Frau zur Schau stellte, erstaunte ihn, gemeinhin lag Thiels Assistentin das Wohlergehen ihres Chefs durchaus am Herzen.


„Warum hat er sich denn nicht bei mir gemeldet? Ich hätte ihn mir doch angesehen.“ Mit diesen Worten beugte Boerne sich vor und legte eine prüfende Hand an Thiels Carotisarterie. Zu seiner Befriedigung fühlte er einen kräftigen Ruhepuls und eine ganz normale Temperatur.
Nadeshda winkte derweil nur ab. "Machen Sie sich keine Gedanken, Professor. Wir hatten gestern Abend Weihnachtsfeier.“



„Oh!“ Boerne richtete sich wieder auf. „Ich verstehe.“ Das Lächeln der Erkenntnis, das sich auf seinem Gesicht ausbreitete, wurde von Nadeshda bereitwillig erwidert. „Nun, das erklärt jedenfalls einiges.“ Er musterte den bleichen Mann im Sessel noch einmal durchdringend. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass er in der Nacht nicht viel mehr Stunden geschlafen hat, als sein Restalkoholspiegel derzeit noch Promille aufweist."

„Fest steht, als ich gegen drei Uhr heimgefahren bin, waren er und ein paar Jungs von der SpuSi noch in bester Stimmung."

Boerne schmunzelte und schob sich die Brille hoch. „Naja, das hat er sich ganz allein eingebrockt, da muss er jetzt durch. Dann lassen Sie uns mal anfangen, ich habe heute noch viel zu tun.“
Mit diesen Worten wollte er Thiel wachrütteln, doch Nadeshda sprang auf und streckte wie abwehrend die Hände aus. „Halt, bitte lassen Sie ihn schlafen!“


Boerne war gelinde gesagt ein wenig irritiert. „Bei allem Respekt Frau Krusenstern, aber wer feiern kann, kann auch arbeiten. Es gibt eine Menge zu besprechen.“
Nadeshda ließ die Hände wieder sinken. „Professor, bitte! Mir zuliebe. Sie sind gleich wieder weg, aber ich muss seine Laune noch für den Rest des Tages ertragen.“


Boerne fixierte sie für einen Moment; Thiels Assistentin ging es mit dieser Bitte nicht nur um einen ruhigen Dienst, dessen war er sicher. Dann siegte die ihm eigene, wohlwollende Gutmütigkeit. „Nadeshda, Sie sind durchschaut.“ Er nahm die Hand von Thiels Schulter und überzeugte sich noch kurz, dass der Kommissar auch wirklich nicht aufgewacht war, bevor er zum Schreibtisch ging.
Er warf ihr einen amüsierten Blick zu, als er sich ihr gegenübersetzte. „Sagen Sie Thiel, er soll Ihnen gefälligst aus Dankbarkeit einen Kaffee spendieren. Soviel Rücksicht, wie Sie ihm entgegenbringen, hat er eigentlich gar nicht verdient.“
Nadeshdas Wangen färbten sich daraufhin ein wenig dunkler und sie lächelte verlegen.


Energisch öffnete Boerne seine Tasche und holte die Berichtmappe hervor. Zeit, endlich zur Sache zu kommen. „Es gibt leider ein paar sehr unbefriedigende toxikologische Resultate. Falls unser Dornröschen dort im Sessel heute irgendwann wieder unter den Lebenden weilt und soweit aufnahmefähig ist, dass er die feineren Details meines Berichtes überhaupt versteht, soll er bitte alles durchlesen und mich bei Fragen zurückrufen.“
Nadeshda lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und nickte schmunzelnd.



Fünfzehn Minuten später hatte Boerne die junge Frau auf den neuesten Stand gebracht und verabschiedete sich.


Auf dem Parkplatz angekommen, musste er feststellen, dass es wieder sacht zu schneien begonnen hatte. Während er die frische Schneeschicht von seiner Windschutzscheibe wischte, fiel sein Auge auf die dem Polizeipräsidium gegenüberliegende Apotheke. Für einen Moment verharrte er gedankenvoll, dann überquerte er kurzentschlossen die Straße.


Als er kurz darauf erneut in Thiels Büro trat, zog Nadeshda erstaunt die Augenbrauen hoch. „Professor! Haben Sie etwas vergessen?“
„Nein.“
Mit wenigen Schritten war er an ihrem Schreibtisch und hielt ihr eine kleine Tablettenpackung vor das Gesicht. „Nach dem Aufwachen zwei Stück hiervon. Das sollte seinem Kopf Erleichterung bringen. Falls ihm übel ist, flößen Sie ihm vorher zwanzig Tropfen aus dieser Flasche ein, mit einem kleinen Schluck Wasser. Nur nicht zu viel, damit es auch drin bleibt.“
Bevor sie etwas erwidern konnte, drückte er ihr die Medikamente in die Hand und drehte sich auf dem Absatz um.
An der Tür angekommen, warf er noch einen Blick über die Schulter. „Und wenn er eine Stunde später immer noch leidet, schicken Sie ihn heim. Zur Not schreibe ich ihm eine Krankmeldung, dann kann Frau Klemm keinen Ärger machen.“


Das Lächeln, das Nadeshdas Gesicht erhellte, war strahlend, anders konnte man es nicht nennen. „Danke.“
Er zwinkerte ihr zu. „Schon gut. Es kann ja nicht angehen, dass Sie den ganzen Tag büßen müssen, nur weil er immer noch nicht gelernt hat, zur rechten Zeit mit dem Trinken aufzuhören.“
Die Antwort, die sie ihm daraufhin gab, hatte er nicht allerdings nicht erwartet. „Geben Sie sich keine Mühe, Sie sind durchschaut.“ Sie hob ihre Kaffeetasse an und winkte vielsagend damit. „Ich werde dafür sorgen, dass er Ihnen auch einen ausgibt.“
Nun war es an Boerne, zu lächeln.


~~~



Als an diesem Abend schlurfende Schritte auf der Treppe ertönten und dann auf seinem Stockwerk verhallten, legte Boerne sein Wissenschaftsmagazin aus der Hand und trat vor die Tür. Wie erwartet traf er im Hausflur auf Thiel, der offensichtlich seinen Schlüssel suchte.

„Ah, der Herr Hauptkommissar. Na, wie geht es Ihnen denn?“
Mit einem nicht zu überhörenden Seufzen drehte Thiel sich um. „Boerne, ich bin hundemüde. Können Sie mich vielleicht an einem anderen Abend vollsabbeln?“
Nun, die Laune des guten Mannes ließ zwar mächtig zu wünschen übrig, insgesamt sah er allerdings besser aus als am Morgen im Präsidium.

Besänftigend hob Boerne die Hände. „Schon gut, schon gut.“ Er warf Thiel über den Rand seiner Brille einen skeptischen Blick zu. „Ich hoffe nur, Sie haben Ihre Katerstimmung nicht den ganzen Tag über so an Nadeshda ausgelassen, wie jetzt gerade an mir.“
Thiel fuhr sich durch die Haare und wirkte ein wenig beschämt. „Nee, natürlich nicht. Dafür haben Sie ja gesorgt.“
„Beruhigend zu hören. Und bei der nächsten Feier achten Sie vielleicht ein wenig besser auf Ihre Toleranzgrenze, dann ersparen Sie sich und uns diesen Katzenjammer am nächsten Tag.“ Diese kleine Belehrung konnte dem wortkargen Sturschädel nicht schaden.

"Is‘ ja gut Boerne, ich hab’s kapiert.“ Der Blick, den Thiel ihm zuwarf, passte allerdings nicht ganz zu seinem Gegrummel.
„Na dann gute Nacht Thiel. So wie Sie aussehen, haben Sie ein paar Stunden nachzuholen.“
„Nacht.“ Da war ein dankbares Lächeln im Gesicht seines Kollegen, mit dem er sich bestimmt nicht nur auf den Nachtgruß bezog.
Boerne lächelte zurück.

_______________________________________________________________________



Während Thiel die Stufen zu Boernes Gruselkabinett hinunterhastete, zog er seine Strickmütze vom Kopf und schlug die dicken Flocken herunter, die darauf klebten. Münster war plötzlich in einem Schneegestöber versunken, das alle Wege innerhalb kürzester Zeit in gefährlich rutschige Fahrbahnen verwandelt hatte. Es war kaum mehr möglich gewesen, mit dem Rad voranzukommen, so dass Thiel nun ein ganzes Stück zu spät kam.
Er schnaubte, sein pingeliger Nachbar würde ihm bestimmt den Kopf abreißen.



Eilig riss Thiel die Schiebetür zur Gerichtsmedizin auf und marschierte zielstrebig auf das Büro des Professors zu. Kurz bevor er es erreicht hatte, bog Boernes Assistentin um die Ecke.

„Moin Frau Haller!“ Gleich als er sie sah, breitete sich ein Lächeln auf Thiels Gesicht aus. Die kleine Frau mit ihrer unkomplizierten, fröhlichen Art war immer dazu geeignet, schlechte Laune zu vertreiben.
Die Rechtsmedizinerin schien aber nicht so entspannt wie sonst, sie wirkte eher gestresst. Ihr „Hallo Herr Thiel!“ klang jedenfalls einigermaßen abgehetzt.
Ein wenig verwundert blieb er bei ihr stehen. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“
Frau Haller zuckte seufzend mit den Schultern. „Es ist viel zu tun und ich habe keine Hilfe, sonst ist alles ok.“
Irritiert steckte Thiel seine Hände in die Taschen. „Keine Hilfe? Ist Boerne denn nicht da? Ich hab‘ doch einen Termin mit ihm, er hat mich gestern Nachmittag zu neun Uhr herbestellt.
"

„Der Chef? Doch, der ist da. Aber er nützt mir gerade nicht viel.“ Bei diesen Worten stahl sich ein leichtes Grinsen auf ihr Gesicht und sie wies wie zur Erklärung mit dem Kopf Richtung Boernes Büro. Als Thiel ihrem Blick folgte, bemerkte er, dass der Professor nicht am Schreibtisch saß, sondern auf der Couch lag.
Überrascht öffnete Thiel die Tür und machte ein paar Schritte in den Raum. „Was ist denn mit dem los?“


Frau Haller war ihm in das Arbeitszimmer gefolgt. „Weihnachtsfeier im Golfclub gestern Abend.“
Thiel sah sie ungläubig an. „Ist er noch so voll, wie er aussieht? Der ist doch hoffentlich nicht mit dem Auto gekommen?“


Die kleine Frau schüttelte gleich energisch den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Er hat ein Taxi genommen.“
„Das wollte ich ihm auch geraten haben.“


Thiel trat nun dicht an das Sofa heran. Zwar amüsierte es ihn, dass Boerne, der ihm vor wenigen Tagen noch Vorhaltungen über seinen Alkoholkonsum gemacht hatte, jetzt selber halb komatös und alle Viere von sich gestreckt auf der Couch lag; aber so aus der Nähe betrachtet sah er in Thiels Augen doch ein wenig erschreckend aus. Besorgt registrierte der Kommissar das aschfahle Gesicht des reglosen Mannes und die Schweißperlen, die auf seiner Stirn glänzten.
„Meine Herren, der ist ja genauso weiß wie sein Hemd. Abgesehen von diesem Grünstich... wäre es nicht vielleicht besser, ihm einen Eimer hinzustellen?“
Während er das sagte, erschauderte Boerne und stöhnte leise und Thiel fragte sich unwillkürlich, ob das wirklich nur Nachwirkungen der Feier waren.
„Eimer ist nicht nötig.“ Frau Haller grinste spitzbübisch. „Wer kotzt, der putzt. Das wird ihm eine Lehre sein, er ist alt genug um zu wissen, wie viel er verträgt.“
Thiel wunderte sich insgeheim, wie wenig mitfühlend die kleine Frau gerade war; so kannte er sie eigentlich gar nicht. Aber dass sie in Bezug auf Boernes Zustand so entspannt war, beruhigte ihn. Wenn ihr Vorgesetzter wirklich krank wäre, hätte sie niemals tatenlos zugesehen.


Er schmunzelte. „Stimmt auch wieder.“ Dann legte er den Kopf schräg und sah sie fragend an. „Wie sieht‘s denn aus, müssen wir ihn wecken für unsere Besprechung?“
Frau Haller winkte ab. „Also wenn Sie nicht unbedingt darauf bestehen, lassen wir ihn besser schlafen. Seine Laune wäre garantiert absolut unerträglich, und ob er in diesem Zustand ein paar zusammenhängende Sätze zustande bekommt, ohne zwischendurch aufs Klo zu rennen, wage ich fast zu bezweifeln.“ Sie zog die Augenbrauen zusammen, als sie ihren mittlerweile zitternden Chef erneut musterte und fügte dann hinzu: „Ich würde vorschlagen, dass Sie den Obduktionsbericht einfach mit mir durchgehen, ich bin mit allen Ergebnissen vertraut. Wenn Boerne dann irgendwann wieder zurechnungsfähig ist, kann er ja mal bei Ihnen anrufen.“


„Klingt gut.“ Thiel nickte bestätigend und trat einen Schritt beiseite, um sie vorangehen zu lassen. Das tat sie jedoch nicht, ohne zuvor die Decke von der Rückenlehne des Sofas zu nehmen und sie behutsam über dem Professor auszubreiten.
Thiel lächelte, als er ihr zum Schreibtisch nachfolgte.

~~~


Er hatte gerade den Fernseher eingeschaltet und es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, als der klirrende Aufprall eines Schlüsselbundes im Treppenhaus anzeigte, dass sein Nachbar heimgekommen war. Thiel schwang die Füße vom Wohnzimmertisch und marschierte durch den Flur.
Als er seine Tür öffnete, hatte Boerne seinen Schlüssel aufgehoben und richtete sich gerade wieder auf.


„Na, Herr Professor? Noch so tattrig?“
Boerne warf ihm über seine Brille einen entnervten Blick zu. „Jaja, kosten Sie es ruhig aus, Thiel.“ Damit wandte er sich seiner Tür zu.
„Nu mal nicht gleich so motzig, ich hab‘ doch gar nichts gesagt.“ Thiel konnte sich beim Anblick des immer noch bleichen Mannes ein Grinsen nicht verkneifen. „Aber bei der nächsten Feier achten Sie vielleicht ein wenig besser auf Ihre Toleranzgrenze, dann ersparen Sie sich und uns diesen Katzenjammer am nächsten Tag.“ Die Bemerkung hätte er sich um nichts in der Welt verkneifen können.


Mit einem entrüsteten Gesichtsausdruck fuhr Boerne wieder herum, musste sich dann aber für einen Moment am Türrahmen abstützen, bevor er mit wesentlich weniger Verve murmelte: „Jetzt schließen Sie mal nur nicht von sich auf andere! Es ist nun wirklich nicht so, dass ich mich bis zum Kontrollverlust betrunken hätte.“
„Glauben Sie eigentlich selber, was Sie mir da gerade erzählen?“
Boerne reagierte gar nicht auf Thiels amüsierte Bemerkung, rieb sich nur mit einer leicht zittrigen Hand über die Stirn. „Da war tatsächlich Wodka in der Bowle! Können Sie sich das vorstellen? Kein normaldenkender Mensch vermutet Wodka in einer Weihnachtsbowle!“
„Äh...“
„Wenn ich das geahnt hätte, keinen Schluck hätte ich genommen! Ich hasse Wodka.“ Boernes leiser werdendes Murren war kaum mehr zu verstehen. „Dies gottserbärmlich widerwärtige Zeug habe ich noch nie vertragen, mir wird immer todschlecht davon.“
„Ja, das war definitiv nicht zu übersehen. Eine solche Gesichtsfarbe ist mir seit Jahren nicht untergekommen.“ Belustigt beobachtete Thiel, wie Boerne die Augen schloss und sich nochmals schüttelte.
Auf sein anzügliches „Da wünschen Sie sich fast, Sie hätten Bier getrunken, was?“, gab der Professor nur ein abfälliges Geräusch von sich und wandte sich dann wieder seinem Schlüsselloch zu.



Thiel schmunzelte ein wenig. „Sind Sie denn inzwischen wieder in der Lage, feste Nahrung zu sich zu nehmen?“
Irritiert schaute Boerne sich nochmals um. „Wie bitte?“
Thiel wies mit dem Daumen über die Schulter. „Ich hab‘ ne Suppe auf dem Herd stehen. Ist zwar nur ne Tütensuppe, aber ich glaube, die ist gerade genau das Richtige für Sie. Sie haben doch heute bestimmt noch nichts gegessen, oder?“
Boerne schüttelte nur stumm den Kopf.
„Hab‘ ich mir gedacht. Na kommen Sie.“
Als Boerne sich nicht regte, trat er in den Flur, schnappte seinen Arm und zog den müde hinter ihm herstolpernden Mann ohne Umschweife in seine Küche. Dabei stellte er mit einer gewissen Erheiterung fest, dass es eigentlich ganz befriedigend war, den Professor einmal auf die Art zu überfallen. „Sie essen jetzt was und danach hauen Sie sich ins Bett. Dann sieht die Welt morgen schon wieder ganz anders aus.“

Er hatte nicht vergessen, wie dankbar er gewesen war, als Nadeshda vor wenigen Tagen dank Boernes Initiative die Nachwirkungen seines wirklich grässlichen Katers lindern konnte. Zeit, sich zu revanchieren.


Das leichte Lächeln, das sich auf dem Gesicht seines Nachbarn ausbreitete, als er sich auf den Küchenstuhl sinken ließ, zeigte, dass Boerne ihn verstanden hatte.
Thiel lächelte zurück.


Comments

( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
readonly56
8. Dez 2012 08:17 (UTC)
Schöne Geschichte, sie stimmt mich heiter :) - An dieser Stelle ein allgemeines 'Sorry'in die Runde für mein spärliches Kommentieren, ich bin gerade woanders sehr beschäftigt ;), lese aber alles mit Vergnügen.
baggeli
8. Dez 2012 10:45 (UTC)
An dieser Stelle ein allgemeines 'Sorry' in die Runde für mein spärliches Kommentieren, ich bin gerade woanders sehr beschäftigt ;)
Ja, das ist uns nicht entgangen! Große Dinge werfen ihre Schatten voraus! :D

Schöne Geschichte, sie stimmt mich heiter :)
Das freut mich, ich könnte auch grad was zum Aufheitern gebrauchen. Da ich diese Geschichte aber in- und auswendig kenne, funktioniert sie bei mir nicht (mehr).
cricri_72
8. Dez 2012 11:55 (UTC)
ich könnte auch grad was zum Aufheitern gebrauchen
Oh, nicht gut. Bei uns scheitn grad wenigstens die Sonne, das hebt die Stimmung. Und es liegt Schnee :)

Meine kleine Geschichte morgen ist albern bis lustig. Aber Slash. Ich hoffe, sie funktioniert trotzdem für Dich :)
baggeli
8. Dez 2012 11:58 (UTC)
Das wäre schön. :)
Sonne und Schnee haben wir auch. Immerhin.
cricri_72
8. Dez 2012 11:52 (UTC)
So, jetzt nochmal in Ruhe ;) Ich habe gemerkt, daß ich heute Morgen versehentlich im Tatort_fandom kommentiert habe - aber das ist ja auch kein Beinbruch.

Ich mag diese ein wenig alberne bzw. unernste h/c-Variante sehr gerne. Besonders schön ist Thiels Retourkutsche und die Tatsache, daß es Boerne ein paar Tage später selbst erwischt ;) Natürlich bin ich der Meinung, daß erwachsene Menschen wissen sollten, wann es zu viel wird, aber in der fiktionalen Umsetzung fand ich das Thema trotzdem witzig. Außerdem, um mal Boerne zu unterstützen - solche Bowlen und sonstigen Mischgetränke können wirklich sehr heimtückisch sein ... Und das "c"-Element - bei allem Spott - war mal wieder sehr niedlich.

Lieblingssätze:
Wesentlich schwungvoller als es sich für einen Mann seines Standes eigentlich geziemte, nahm Professor Karl-Friedrich Boerne die Stufen in den zweiten Stock des Polizeipräsidiums.
*snicker*
Schon der erste Satz ein Treffer. Ich fand Boernes POV wirklich überzeugend.

„Nee, der ist krank.“ Nadeshda trank in aller Seelenruhe einen Schluck Kaffee.
*go Nadeshda, go!* - sie ist in dieser Geschichte gleichermaßen cool und liebenswert

wer feiern kann, kann auch arbeiten
Wo er recht hat ... das klingt sehr nach Boerne ;) Nadeshdas Raktion und die Tatsache, daß sie Thiel dann aber doch schlafen lassen, paßt aber auch.

Falls unser Dornröschen dort im Sessel heute irgendwann wieder unter den Lebenden weilt
*grins* Dornröschen udn Schneewittchen haben wir beide jetzt aber ordentlich abgegrast ;)

Thiel fuhr sich durch die Haare und wirkte ein wenig beschämt. „Nee, natürlich nicht. Dafür haben Sie ja gesorgt.“
Schämen sollte er sich allerdings ...

Thiel sah sie ungläubig an. „Ist er noch so voll, wie er aussieht? Der ist doch hoffentlich nicht mit dem Auto gekommen?“
Thiel ... immer der Blick fürs Wesentliche ;)

Wer kotzt, der putzt.
*high five* - ein wenig drastisch ausgdrückt, aber für mich trotzdem der größte Lacher. Auch wenn ich es nett fand, daß sie dann doch noch ein wenig nachgiebiger wurde ...

Boerne warf ihm über seine Brille einen entnervten Blick zu. „Jaja, kosten Sie es ruhig aus, Thiel.“
:) Die zweite Konfrontation mit umgekehrter Rollenversteilung ist schon sehr amüsant.

Auf sein anzügliches „Da wünschen Sie sich fast, Sie hätten Bier getrunken, was?“, gab der Professor nur ein abfälliges Geräusch von sich
*snicker* Thiel ist gemein ...

„Hab‘ ich mir gedacht. Na kommen Sie.“
Aber für den Schluß verzeiht man ihm das dann wieder :)
baggeli
8. Dez 2012 12:08 (UTC)
Schon der erste Satz ein Treffer. Ich fand Boernes POV wirklich überzeugend.
Ich ertappe mich dabei, wenn ich Boerne schreibe, drücke ich mich wesentlich geschwollener aus, als ich das bei Thiel je tun würde. Hab ja noch eine Story mit seinem p.o.v. auf Halde, da ist es genauso.

*go Nadeshda, go!* - sie ist in dieser Geschichte gleichermaßen cool und liebenswert
Ich mag sie auch. ;o)

*grins* Dornröschen udn Schneewittchen haben wir beide jetzt aber ordentlich abgegrast ;)
Naja, das eine Dornröschen kennst ja bislang nur du, das wird die breitere Masse ja erst zwischen den Tagen zu lesen bekommen.
Aber du hast zweifellos recht, wir beiden haben sie mächtg abgegrast. Aber es passte einfach zu schön. :D

Wer kotzt, der putzt.
*high five* - ein wenig drastisch ausgdrückt, aber für mich trotzdem der größte Lacher. Auch wenn ich es nett fand, daß sie dann doch noch ein wenig nachgiebiger wurde ...

Ich habe auch überlegt, ob ich sie das so sagen lassen soll. Aber dann habe ich mir vorgestellt, dass Alberich durchaus sauer sein wird, wenn die ganze Arbeit an ihr hängenbleibt, nur weil ihr Chef sich betrunken hat. Sie hat schön öfter mal ziemlich grimmig geschaut in der Serie.
Aber natürlich lässt sie ihn nicht leiden... genau wie Nadeshda Thiel nicht leiden lässt. xD

Ja, Thiel ist ein wenig schadenfroh, ich weiß. Aber es sei ihm gegönnt... er ärgert doch ganz liebevoll und gar nicht böse und macht dann alles wieder gut.
veradee
9. Dez 2012 18:14 (UTC)
Nett, wie sich die beiden umeinander kümmern. Vor allem Thiels Suppe klingt gut. Obwohl mir Nadeshdas bzw. Alberichs coole Reaktion fast noch besser gefällt. "Wer kotzt, der putzt" ist auf jeden Fall eine sehr konsequente Einstellung. :)

Boernes Wodka-Unverträglichkeit halte ich allerdings für eine Ausrede. Früchte mit Alkohol knallen ja wohl immer ganz schön. Das sollte er doch wissen. :)
baggeli
9. Dez 2012 18:49 (UTC)
Boernes Wodka-Unverträglichkeit halte ich allerdings für eine Ausrede.
Hihi,
sei es wie es will, er war knülle. ;o)
Und büßen mussten sie beide.



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