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Adventskalenderstory / Bingo-Prompt 22

Titel: Rache
Prompt:
Erlaubnis

Genre: Freundschaft, Blödsinn, Humor
Medium: Fanfic und noch eine versteckte Kleinigkeit
Zusammenfassung: Genussvoll sog Thiel die kalte Winterluft in seine Lungen, als er schwungvoll aber vorsichtig in Richtung des Rechtsmedizinischen Institutes radelte. Etwas Ablenkung konnte ihm jetzt gerade weiß Gott nicht schaden, und dafür waren Boerne und seine Assistentin eigentlich immer gut.
Anmerkungen: wieder ohne Beta, aus den gleichen Gründen wie immer - weist mich bitte auf die Fehler hin! Danke
A.N.: Das hier ist Blödsinn hoch zehn. Aber ich tröste mich immer damit, dass ihr es ja nicht lesen müsst
Wörter: 2000



Genussvoll sog Thiel die kalte Winterluft in seine Lungen, als er schwungvoll aber vorsichtig in Richtung des Rechtsmedizinischen Institutes radelte. Etwas Ablenkung konnte ihm jetzt gerade weiß Gott nicht schaden, und dafür waren Boerne und seine Assistentin eigentlich immer gut.

Er war froh, dem Kriminalkommissariat für ein Weilchen den Rücken kehren zu können. Die Stimmung dort war mehr als gereizt gewesen, Frau Klemms Laune so unerträglich, wie die Heizungsluft stickig und schlecht. Er hatte gar nicht erst lange um Erlaubnis gebeten, die unsinnige Sitzung verlassen zu dürfen, sondern seine Kollegen schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt. Grinsend erinnerte sich Thiel an den verblüfften Gesichtsausdruck, den Frau Klemm aufgesetzt hatte, nachdem er einfach aufgestanden war. Immer noch amüsiert darüber schüttelte er den Kopf, aber als er durch diesen Moment der Unaufmerksamkeit beinah ins Rutschen gekommen wäre, konzentrierte er sich wieder mehr auf die Straße.


Waren die Radwege zur Röntgenstraße noch einigermaßen freigeschoben gewesen, stieg Thiel an der Auffahrt zur Rechtsmedizin doch lieber ab und schob die letzten Meter. Unter der frischen, dicken Schneedecke und den Schneeverwehungen war keine Unterscheidung mehr möglich zwischen Straße und Bordsteinkante, und er verspürte wenig Lust zu stürzen, nur weil er den Weg verfehlt hatte.

Schon zeitig war er vom Revier aufgebrochen, weil er im Vorfeld nicht gut abschätzen konnte, wie er mit dem Fahrrad bei diesen Schneemassen zurechtkommen würde. Dementsprechend traf er um einiges zu früh am Ziel ein und sah bereits von weitem, dass Boernes Wagen noch nicht auf dem Parkplatz stand.
Boernes Assistentin schien bis jetzt ebenfalls nicht angekommen zu sein; das war jedoch nicht ganz sicher, manchmal
ging sie zu Fuß zur Arbeit. Bei diesen extremen Witterungsbedingungen wagte Thiel das allerdings zu bezweifeln, für die kleine Frau war der Schnee an einigen, noch nicht geräumten Stellen sicher fast kniehoch.


Am Haupteingang angekommen stellte Thiel sein Rad unter dem Vordach ab und gerade, als er sein Kettenschloss hervorholte, näherte sich tatsächlich Frau Haller mit ihrem roten Miniatur-Fiat. Thiel lächelte, als er sie bemerkte; dass sie ihre unterdurchschnittliche Körpergröße so bewusst mit einer solchen Flohkiste auf die Schippe nahm, gefiel ihm immer wieder.



Kaum, dass Frau Haller ihr Auto geparkt hatte und ausstieg, kam – für seine Verhältnisse erstaunlich vorsichtig und den Straßenverhältnissen angepasst – Boerne mit seinem dunklen Audi die Auffahrt hinauf.
Thiel nickte zufrieden. Da konnte die Besprechung ja mehr als pünktlich starten! Zumindest stand zu erwarten, dass sie kürzer und wesentlich ergiebiger sein würde, als die, die er zuvor im Präsidium verlassen hatte. Boerne hatte mitten in der Nacht bei ihm angerufen und begeistert von neuen Erkenntnissen berichtet; schlaftrunken, wie Thiel gewesen war, hatte es ihn ziemlich viel Mühe gekostet, den übereifrigen Rechtsmediziner auf den kommenden Morgen zu vertrösten.


Er schloss nun endlich sein Rad ab, wandte sich dann zurück zu seinen Kollegen und zog verwundert die Augenbrauen hoch.
Boerne hatte gerade seinen Wagen abgestellt und schien im Begriff, auszusteigen. Die Rechtsmedizinerin dagegen konnte Thiel nicht mehr entdecken.
Verblüfft schaute er umher. Wohin war die kleine Frau verschwunden?

Immer noch irritiert konzentrierte Thiel sich wieder auf den Professor. Der hatte sich inzwischen zum Beifahrersitz gebeugt und nahm nun seine Tasche. Er stieg aus, schlug die Tür zu und blickte im Gehen noch einmal kurz über die Schulter, betätigte dabei den Verriegelungsknopf seines Autoschlüssels. Noch bevor ein Aufleuchten der Blinker signalisierte, dass er Wagen abgeschlossen war, hatte Boerne sich zurückgewandt und steuerte schwungvoll auf den Eingang zu.

Im gleichen Augenblick segelte in einer perfekten Flugbahn ein Schneeball heran und traf ihn genau in den Nacken.


Boernes Kopf flog mit solcher Wucht nach vorne, dass ihm fast die Brille von der Nase rutschte. Sein überraschter Aufschrei wurde allerdings  vom Triumphgebrüll, das hinter Frau Hallers Auto erscholl, übertönt. Laut jubilierend trat die Rechtsmedizinerin aus ihrer Deckung und Thiel konnte nicht an sich halten, er prustete los.


Der Professor reagierte zu seiner Verblüffung
jedoch ganz anders, als er das erwartet hatte und vor allen Dingen ein gutes Stück schneller, als er ihm das jemals zugetraut hätte.
In einer flüssigen Bewegung ließ Boerne seine Tasche fallen und fuhr herum. Schnee aufzuklauben und einen Ball daraus zu formen war eine Sache von zwei Sekunden und bevor die Tränen lachende, sich zu sicher fühlende Frau Haller mit einem erschreckten Quieken wieder in Deckung springen konnte, hatte Boerne sie mit seinem Geschoss voll erwischt.
Und mit einem Treffer gab er sich nicht zufrieden. Sich ein ums andere Mal bückend, feuerte er Schneeball für Schneeball auf seine Assistentin ab, die wieder hinter ihrem Wagen Schutz gesucht hatte. Hin und wieder kam noch ein halbherziger Wurf über das rote Wagendach hinweggeflogen, aber vor lauter Lachen verfehlte Frau Haller ihr Ziel jedes Mal. Lediglich ein Treffer wäre ihr beinah noch gelungen, doch Boerne wehrte den Schneeball gekonnt ab, bevor er sich mit seinem nächsten Wurfgeschoss gnadenlos revanchierte.

Als der Professor näher kam und das Auto seiner Assistentin fast umrundet hatte, suchte sie ihr Heil in der Flucht und eilte hinter ihrem Fiat hervor auf den Audi zu, wohl, um sich hinter dem wesentlich größeren Fahrzeug erneut zu verbergen.
Boerne war auf diese Flucht nicht vorbereitet gewesen, aber er war schnell, das konnte Thiel ihm nicht absprechen. Er stürmte ebenfalls um den Wagen herum und verfolgte sie
enthusiastisch. Mit einem belustigten „Es muss Ihnen doch klar sein, dass Sie mir nicht entkommen können!“ nahm er seine Haken schlagende, immer noch vor Freude quietschende Kollegin weiterhin unter Beschuss.

Thiel schüttelte höchst amüsiert den Kopf, die Szene war einfach zu herrlich. So unbeschwert hatte er die beiden Rechtsmediziner nun wirklich noch nicht erlebt. Frau Haller hätte man leicht mit einem begeisterten Kind verwechseln können und auch Boerne schien für diesen kurzen Moment ein ganz anderer Mensch zu sein; er wirkte jünger, geradezu unbekümmert. Thiel fand es ganz nett, ihn einmal so gelöst zu sehen.


Das Lachen verschwand aber unmittelbar aus seinem Gesicht, als Frau Haller plötzlich ausrutschte und heftig, ohne sich irgendwie abfangen zu können, auf den Rücken stürzte.


"Alberich!!“ Boerne rannte zu seiner im Schnee liegenden Assistentin und auch Thiel setzte sich sofort in Bewegung und hastete auf sie zu.
Der Professor erreichte die kleine Frau natürlich viel schneller und beugte sich stirnrunzelnd zu ihr herunter, doch in dem Moment setzte Frau Haller sich kichernd auf und schüttelte sich Schnee aus den Haaren.
„Alles in Ordnung?“ Boerne klang definitiv besorgt und sie blickte auf. „Keine Sorge Chef, nichts passiert.“ Ihr Tonfall war beschwichtigend und bereitwillig ließ sie sich von ihrem Vorgesetzten auf die Füße helfen.


Indessen war Thiel bei seinen beiden Kollegen angekommen. Erleichtert, sie schon wieder lachen zu sehen, steckte er seine Hände zurück in die Jackentaschen. „
Moinsen!"

Es zeigte sich nun ganz eindeutig, dass die Rechtsmediziner seine Anwesenheit bis zu diesem Zeitpunkt nicht bemerkt hatten. Sie zuckten nahezu schuldbewusst zusammen und drehten sich zu ihm um.
Thiels Grinsen wurde immer breiter, als er die beiden jetzt aus der Nähe sah. Unmengen an Schnee klebten an Frau Hallers Rückseite; aus ihren hochgesteckten Haaren hatten sich einige Strähnen gelöst und umrahmten ihr gerötetes Gesicht, die Augen funkelten noch vom vielen Lachen, während sie gleichzeitig etwas beschämt schaute.
Boerne neben ihr wischte mit einem verlegenen Räuspern ein paar dicke Flocken von ihren Schultern und versuchte dann recht erfolglos, die schneenassen, verstrubbelten Haare in seinem Nacken glattzustreichen. Sein Gesicht war erhitzt und sein Blick glich dem eines Schuljungen, der bei einem Schabernack erwischt worden war. Gleichzeitig bemühte er sich bereits wieder krampfhaft um Seriosität. „Thiel. Sie waren ja früh unterwegs heute Morgen. Ich habe bei Ihnen geklingelt und wollte Sie mitnehmen, doch da hatten Sie Ihre Wohnung bereits verlassen.“

„Ich
war um halb acht schon mit der Klemm verabredet." Thiel hatte jedoch nicht vor, sich durch dieses Ablenkungsmanöver vom Thema abbringen zu lassen. Er drehte sich mit einem anerkennenden Nicken zu Frau Haller. „Also Hut ab vor Ihrem ersten Wurf, das war ja wohl ein perfekter Treffer.“
Frau Hallers betretene Miene verschwand schlagartig und machte einer selbstzufriedenen Begeisterung Platz. „Ja, der war super, oder?“ Sie strahlte wieder über das ganze Gesicht, sichtbar angetan von der Tatsache, dass der Kommissar ihre Leistung so zu würdigen wusste.
Boerne, der vielleicht noch darauf spekuliert hatte, dass ihre Eskapaden von Thiel unbemerkt geblieben waren, hatte diese Hoffnung seinem Gesichtsausdruck nach eindeutig fahren lassen. Er schnitt eine zynische Grimasse, als Thiel ihn angrinste und hinzufügte: „Und dass Sie so schnell sind, wusste ich gar nicht! Von Ihrer Wurftechnik ganz zu schweigen!“
„Tja Thiel, Sie können versichert sein, dass noch wesentlich mehr Talente in mir schlummern, von denen Sie bislang keine Ahnung haben.“


Dann rieb Boerne sich mit einem leicht schmerzverzogenen Gesichtsausdruck seinen Hinterkopf und wandte sich stirnrunzelnd an seine Assistentin. „Hören Sie mal Alberich, Ihr erster Wurf grenzte an Körperverletzung! War da ein Stein eingebaut? Hätten Sie mich vielleicht warnen können?“
„Wollen Sie mich auf den Arm nehmen,
Chef? Soll ich etwa vor einer Schneeballschlacht um Erlaubnis bitten?“
Boerne ließ seine Hand sinken und schaute sie über seine Brille hinweg wie überlegend an. Dann legte er den Kopf schräg. „Ja, das hätte ich durchaus zu schätzen gewusst.“
Seine Assistentin verdrehte ungläubig die Augen. „Sie sind so eine Mimose!
Wo bleibt denn da der Spaß?"

Thiel schnaubte amüsiert, zog aber verwundert die Augenbrauen hoch, als sie fortfuhr: „Außerdem waren Sie gewarnt, und das sogar eindringlich. Wenn Sie sich zurückerinnern, habe ich Ihnen letzten Winter mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass ich mich nach Ihrer ruchlosen Aktion rächen würde. Es musste Ihnen doch klar sein, dass ich den ersten Schnee des Jahres dazu ausnutzen würde.“
Boerne hob bei diesem Wortschwall wie abwehrend die Hände. „Ist ja gut, ist ja gut.“

Er wandte sich ab, als sei die Geschichte für ihn damit abgeschlossen, Thiels Neugierde dagegen war geweckt. Ganz gespannt richtete er sich an die Rechtsmedizinerin. „Ruchlose Aktion? Was hat er denn angestellt?“
Boerne, der dieses Thema offensichtlich nicht vertiefen wollte, versuchte hastig, Thiel abzulenken. Der Kommissar wurde von ihm an den Schultern gefasst und Richtung Institut gedreht. „Das ist doch jetzt alles nicht so wichtig, was ich heute Nacht herausgefunden habe, wird…“
Doch Thiel schüttelte ihn energisch ab und sah Frau Haller erwartungsvoll an.
Als sie ihm auch gleich den Gefallen tat und bereitwillig und mit gespielter Entrüstung von den damaligen Geschehnissen berichtete, seufzte Boerne schicksalsergeben.

„Letzten Winter hat er sich da oben auf dem Balkon versteckt und auf mich gewartet. Gerade als ich unter das Vordach treten wollte, hat er einen riesigen Schneehaufen, der auf der Balustrade aufgetürmt lag, hinuntergefegt. Sie können sich vorstellen, wie ich aussah
! Und daraufhin habe ich ihm zu verstehen gegeben, dass meine Rache fürchterlich sein würde.“

Thiel schaute ungläubig auf Boerne, dessen leicht zuckende Mundwinkel seinem bemüht betretenen Gesichtsausdruck die Glaubwürdigkeit nahmen. „Ich habe mich nicht versteckt, ich war nur rein zufällig dort oben, als Sie am Institut eintrafen. Und diese eigentlich nicht nennenswerte Schneeansammlung ist ganz versehentlich ins Wanken geraten, als ich mich etwas zu weit über das Geländer gebeugt habe.“
Nachdem seine Assistentin ihn grimmig anfunkelte, lenkte er ein. „Schon gut, ich gebe es zu, es war einfach zu verlockend. Aber eines sei Ihnen versichert, Alberich, sie sahen damals aus wie ein Schneeengel.“ Er konnte ein amüsiertes Schmunzeln nun wirklich nicht mehr unterdrücken, als er weiterstichelte: „Wie ein
mächtig kleiner Schneeengel allerdings. Ziemlich wutschnaubend in dem Moment. Und ohne Flügel. Eher so mit Hörnern.“
„Kindskopf.“ Mit diesen Worten hakte die
nun wieder gutmütig lachende Frau Haller sich bei ihrem Chef ein und ließ sich von ihm Richtung Eingang führen. „Warten Sie nur ab, ich werde Sie schon noch mal erwischen.“
„Na, wenn Sie sich da mal nicht verschätzen, Alberich, ich werde für den Rest des Winters auf der Hut sein! Abgesehen davon ist die Rache erst einmal mein.“


T
hiel sog lächelnd die kalte Winterluft in seine Lungen, als er seinen frotzelnden Kollegen schwungvoll aber vorsichtig über den tief verschneiten Parkplatz folgte. Boerne und seine Assistentin waren zweifellos immer für eine Ablenkung gut.
Kopfschüttelnd fragte er sich, was für Scharmützel ihm im Laufe der Jahre sonst so entgangen waren.
Auf jeden Fall hoffte er, dass er das nächste nicht verpassen würde...


[Für alle, die die Nase noch nicht voll haben: *klick*]
Rache2

Das ist von heute Abend und in aller Schnelle hingepfuscht - so sieht es auch aus. Diverse Diebstähle bei mir selbst, dem Tatort Krumme Hunde (Rechtsmedizin), Google (die Autos, der Schnee) und Thiel (Alberichs Beine) haben diesen Schnellschuss möglich gemacht. Soll ja schließlich nur ein Gag sein und kein Kunstwerk.


Tags: adventskalender 2012, alberich, boerne, fanart, fluff, humor, thiel
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