?

Log in

No account? Create an account

zurück | vor

Titel: Mit Ankündigung
Prompt:
Ankündigung

Genre: Freundschaft, sappy h/c *ducks-and-hides*
Medium: Fanfic
Zusammenfassung: Mit einem gequälten Stöhnen schloss er die Augen. Weihnachten allein zu verbringen, war ihm in den letzten Jahren nicht leicht gefallen. Weihnachten allein und krank verbringen zu müssen, war eine Strafe.
Anmerkungen: wieder ohne Beta, aus den gleichen Gründen wie immer - weist mich bitte auf die Fehler hin! Danke
A.N.: Ich WARNE JETZT NOCH EINMAL EINDRINGLICH vor dem Inhalt. Wer das nicht mag, soll es bitte einfach nicht lesen! Ich denke, die Krankenschwester in mir (und die Erfahrungen, die ich selber Anfang des Jahres machen musste) sind da wieder voll mit mir durchgegangen.
Ich hoffe, dass an Heiligabend noch ein weiterer Beitrag veröffentlicht wird. Cricri sprach von einer Story von sich oder einem Video von Jolli - wäre schön, wenn das klappt, damit nicht nur mein Murks das letzte Türchen füllt.
Wörter: 6500


So, nun zu einer eigenwilligen Besonderheit dieser Geschichte:
Diese Story gibt es extra für euch in zweifacher Ausfertigung. Als erstes ist Boernes POV entstanden, Thiel ist der Retter in der Not (oder sollte ich sagen, der Krankenpfleger).
Und dann habe ich spontan entschieden, was Thiel kann, muss Boerne doch auch können - und habe in der ganzen Geschichte die Namen vertauscht. Also gibt es jetzt auch noch den gebeutelten Thiel POV, Boerne eilt zur Hilfe; das sollte ihm gut liegen, er ist schließlich Mediziner. *lol*
Wenn ihr euch denn tapfer durch den Text quälen wollt, entscheidet vorher, wen ihr gerne etwas leiden und wen etwas tüddeln sehen möchtet. Unten sind beide Beiträge verlinkt.
Damit verabschiede ich mich aus dem Kalender. Es hat viel Spaß gemacht und ich hoffe, meine Begeisterung hält sich so lange, dass ich nächstes Jahr wieder dabei bin.


Leider kann ich beide Geschichten nicht untereinander in einen Post setzen, dazu sind sie zu groß. LJ bewirft mich hier mit Fehlermeldungen.
Deshalb hier nun die Links:

Mit Ankündigung (Thiel wird krank)
Mit Ankündigung (Boerne wird krank)



Mit einem Seufzen rieb sich Professor Karl-Friedrich Boerne die Augen; er war müde. Es war Sonntag, ein Tag vor Heiligabend, aber anstatt den vierten Advent daheim zu genießen, saß er bereits seit einer Ewigkeit vor seinem Schreibtisch im Institut und versuchte, den Abschlussbericht einer Mordserie zu formulieren. Doch er kam kaum voran; er konnte sich einfach nicht konzentrieren. Seine Gedanken schweiften ständig ab und waren ungewöhnlich schwerfällig; er musste wirklich abgespannt sein. Das kannte er eigentlich nicht von sich, gemeinhin arbeitete sein Gehirn immer mit äußerster Effizienz.

Nun, der letzte Fall war ohne Zweifel enorm strapaziös gewesen; nach dem Kraftakt, den er in den vergangenen Tagen vollbracht hatte, war es nicht wirklich verwunderlich, dass selbst ein Genie wie ihn leichte Ermüdungserscheinungen plagten. Doch nicht nur er, auch alle Kollegen - von seiner kleinen Alberich über Nadeshda bis hin zu Thiel - hatten Unmengen an Überstunden ableisten müssen, bis sie einen geistesgestörten Mörder überführen konnten. Der Wahnsinnige hatte an den ersten drei Adventssonntagen jeweils eine junge Frau vom Weihnachtsmarkt weggelockt und dann brutal ermordet; aber sie hatten ihn festsetzen können, gestern, bevor er zum vierten Mal zuschlagen konnte.

Jeder einzelne von ihnen war mehr als erleichtert darüber, dass es gelungen war, diesen Fall erfolgreich aufzuklären. Gleich heute Morgen hatte Staatsanwältin Klemm im Beisein von Thiel und ihm die Pressekonferenz abgehalten und nun war diese grauenhafte Geschichte nahezu abgeschlossen; wenn er denn endlich den finalen Bericht zu Papier bringen würde, der auflistete, anhand welcher genialen forensischen und DNA-signifikanten Beweise der Täter hatte überführt werden können. Doch genau daran scheiterte es im Moment, es gelang ihm kaum, einen klaren Gedanken zu fassen.

Eine Weile zuvor war seine Assistentin ganz beschwingt in sein Büro getreten und hatte ihm mitgeteilt, dass sich die erfolgreiche und von Frau Klemm hochgelobte Truppe nun auf dem Weihnachtsmarkt versammeln und zur Feier des Tages gemeinsam einen Glühwein trinken würde. Diese Nachricht hatte ihn ebenfalls erfreut; den Glühwein hatten sie sich weiß Gott verdient. Aber, gewissenhaft wie er nun einmal war, hatte der Bericht Priorität, und so blieb der sichtbar enttäuschten Alberich nichts anderes übrig, als sich vorerst allein auf den Weg zu machen. Allerdings hatte er ihr zugesichert, nachzukommen, sobald er seine Arbeit vollendet hätte.
Das war inzwischen jedoch schon mehr als eine Stunde her und er hatte seitdem kaum einen Satz zustande gebracht. 


Mit einem weiteren Aufseufzen ließ Boerne sich in seinen Stuhl zurücksinken und rieb sich den schmerzenden Nacken. Die Arme zu diesem Zweck anzuheben, schmerzte ebenfalls. Genaugenommen bereitete ihm so ziemlich jede Bewegung Schwierigkeiten; es war wirklich allerhöchste Zeit, endlich nach Hause zu fahren und auszuruhen. Aber zuvor wollte er noch kurz auf dem Weihnachtsmarkt vorbeischauen, das hatte er Alberich schließlich versprochen.

Sich heute noch weiter mit diesem Bericht abzumühen, erschien ihm zunehmend sinnlos; kurzentschlossen schaltete er seinen PC ab.
An Weihnachten würde er Zeit im Überfluss haben, sich von seinem Rechner daheim im Büro einzuloggen und den Bericht zu vollenden. Wahrscheinlich würde er sogar froh sein, wenn er sich ein wenig ablenken konnte, selbst dann, wenn diese Ablenkung aus Arbeit bestand; der Gedanke an die Feiertage, die dieses Jahr wieder einmal ziemlich einsam zu werden versprachen, löste schon seit einigen Tagen Unbehagen in ihm aus.



Wenige Minuten später steuerte Boerne seinen Wagen durch den abendlichen Verkehr Richtung Innenstadt und hatte tatsächlich das Glück, einen Parkplatz nahe des Rathauses zu ergattern. Er hatte sich von Alberich genauestens instruieren lassen und wusste exakt, wo er seine Kollegen finden würde.
Seine Müdigkeit machte ihm zunehmend zu schaffen, als er aus dem Auto ausstieg und mit leicht schleppenden Schritten in Richtung des Glühweinstandes aufbrach. Es war ziemlich kalt und bereits vollständig dunkel. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag schüttelte er sich und vergrub die Hände in den Manteltaschen, während er sich seinen Weg durch die vielen Besucher bahnte.
Langsam aber sicher setzte sich ein dumpfer Schmerz in seinem Hinterkopf fest, und obwohl er sich eigentlich auf das Treffen mit seinen Kollegen gefreut hatte, war er auch ganz froh, dass der Weihnachtsmarkt nur noch eine Stunde geöffnet haben würde.


Schon nach kurzer Zeit näherte Boerne sich dem Stand, von dem seine Assistentin ihm berichtet hatte, und während er seine Blicke über die vielen Personen schweifen ließ, die sich dort versammelt hatten, fiel ihm mit einem Mal eine kleine Gruppe Menschen ins Auge, die ihm zuwinkten. Unwillkürlich breitete sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht aus und er steuerte auf sie zu.
Thiel grüßte nickend und wandte sich daraufhin zur Theke zurück, wahrscheinlich, um Glühwein zu bestellen; Nadeshda und Frau Klemm lächelten ihn fröhlich an und seine Assistentin kam ihm eilig entgegen, hakte sich bei ihm ein und führte ihn mit einem leicht vorwurfsvollen "Chef, ich dachte schon, Sie haben uns versetzt!", zu den anderen.
Ehe er sich's versah, bekam er von Thiel einen Becher voller Glühwein in die Hand gedrückt, und obwohl der süßliche, heiße Dampf, der ihm in die Nase stieg, kurzzeitig ein Gefühl von Übelkeit auslöste, nahm er die Tasse doch ganz dankbar entgegen und wärmte seine eiskalten Hände daran.



Seine Kollegen wurden immer ausgelassener und waren bester Stimmung; und so gerne er es ihnen gleichgetan hätte, musste Boerne sich selber eingestehen, dass er sich schlechter und schlechter fühlte. Die vielen Lichter um ihn herum schmerzten ihn an den Augen, die Geräuschkulisse, dominiert vom lautstarken Geplauder der vielen Besucher und der dudelnden Weihnachtsmusik, dröhnte in seinen Ohren, machte seine Kopfschmerzen noch unangenehmer; und die Kälte, die sich mehr und mehr in seinen Knochen einnistete, ließ ihn inzwischen leicht zittern.
Aber noch wollte er nicht heimfahren, ausruhen konnte er sich in den nächsten Tagen genug. Ein paar Minuten würde er noch bleiben, er hatte es Alberich versprochen; außerdem wollte er gerne noch etwas Zeit mit seinen Kollegen verbringen.
Auch, wenn er sich solche Gedanken nur selten gestattete: noch wollte er nicht allein sein.


Also gab Boerne sich Mühe, dem lebhaften Gespräch zu folgen, warf ab und an in seiner gewohnt weltmännischen Art eine Bemerkung ein, um die Konversation auf einem akzeptablen Niveau zu halten und klammerte sich die ganze Zeit über an seinem Becher fest.
Er hatte sich wie immer so vollständig unter Kontrolle, dass niemandem etwas auffiel; aber als die letzte Runde Glühwein für dieses Jahr ankündigt wurde und seine Kollegen sich nach eben diesem letzten Becher entspannt und inzwischen allesamt rotwangig voneinander verabschiedeten und sich frohe Feiertage wünschten, war er dann doch mehr als erleichtert. Obwohl er nicht einen Schluck Alkohol getrunken hatte, fühlte er sich plötzlich seltsam unsicher auf den Beinen und hatte mit leichtem Schwindel zu kämpfen. Er wollte nur noch nach Hause.



Thiels Bitte, ihn in seinem Wagen mit heimzunehmen, lehnte er ab; sein Fahrzeug zu steuern traute er sich in diesem Zustand nicht mehr zu. Der Kommissar zog wie verwundert die Augenbrauen hoch, überlegte dann aber nicht lange sondern bestellte seinen Vater.
Zu Boernes grenzenloser Erleichterung tauchte Herbert Thiels Taxi schon nach wenigen Minuten am Prinzipalmarkt auf.


Boerne ließ sich mit einem unterdrückten Seufzen auf die Rückbank fallen, während Thiel zu seinem Vater vorne einstieg. Thiel Senior begann mit seinem Sohn unmittelbar eine lebhafte, etwas einseitige Konversation zu führen, an der Boerne sich nicht beteiligte; ermattet lehnte er seinen seit einigen Minuten wesentlich stärker schmerzenden Kopf an die Nackenstütze und schloss für die Dauer der Fahrt die brennenden Augen.


Er war beinahe eingeschlafen, als er plötzlich zusammenschreckte, weil das Taxi gehalten und sein Nachbar die Tür aufgerissen hatte.
Herbert Thiel verabschiedete sich wortreich und wohlmeinend und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Boerne endlich den leicht schwankenden Kommissar, der sich an ihm festhielt, vom Taxi gelöst und ins Haus dirigiert hatte.



"Na denn frohe Feiertage. Wir seh'n uns." Mit diesen Worten stolperte Thiel durch seine Wohnungstür und warf sie hinter sich zu.
Boerne, der es mit seinen bebenden Händen noch nicht bewerkstelligt hatte, den Schlüssel ins Schloss zu stecken, zuckte zusammen, als der Knall eine Schmerzexplosion in seinem Kopf zur Folge hatte.


Endlich, nun noch stärker zitternd, gelang es ihm, seine Tür zu öffnen. Er taumelte in seine Wohnung, ohne Umwege in sein Schlafzimmer und brach dort auf seinem Bett mehr oder weniger zusammen. Sich zu entkleiden und stattdessen Pyjamahose und T-Shirt anzuziehen, ließ ihn beinah verzweifeln; nicht nur wegen seiner mittlerweile dröhnenden Kopfschmerzen und der bleiernen Müdigkeit, sondern auch, weil ihm inzwischen seine Gliederschmerzen so zusetzten, dass er sich kaum noch bewegen konnte.
Als er entkräftet auf sein Kissen fiel und vor Kälte zitternd unter die Bettdecke kroch, musste er sich selbst eingestehen, dass er nicht nur müde war. Er war krank. Und so rasant, wie sich sein Zustand in der letzten Stunde verschlechtert hatte, würde es kein einfacher Schnupfen werden.
Mit einem gequälten Stöhnen schloss er die Augen.
Weihnachten allein zu verbringen, war ihm in den letzten Jahren nicht leicht gefallen. Weihnachten allein und krank verbringen zu müssen, war eine Strafe.



Zu allem Unglück hatte Boerne feststellen müssen, dass er nicht einmal mehr Medikamente gegen Fieber oder Schmerzen im Haus hatte - dementsprechend war die Nacht ein Alptraum. An wirklichen Schlaf war nicht zu denken; die meiste Zeit dämmerte er vor sich hin, gequält von wirren, verstörenden Träumen. Vor Hitze glühend warf er alle Decken von sich, nur um eine Weile später wieder zu sich zu kommen, weil seine Zähne vom Schüttelfrost aufeinanderschlugen.
Zu elend aufzustehen, kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, lag er in seinem Bett, fühlte sich immer schlechter. Das Telefon zu holen, jemanden um Hilfe zu bitten, kam ihm in den Morgenstunden zwar kurz in den in den fiebrigen Sinn, aber den Gedanken verwarf er gleich wieder - wen sollte er schon anrufen. Es gab nur wenige Menschen, an die er sich gewendet hätte, und von ihnen allen wusste er, dass sie über die Feiertage nicht daheim sein würden.
Er musste sich selbst helfen; musste sich Medikamente aus der Apotheke besorgen; später.
Zuerst noch etwas ausruhen.




Um die Mittagszeit herum läutete es bei ihm an der Wohnungstür. Es dauerte eine ganze Weile, bis das penetrante Geräusch überhaupt in sein Bewusstsein drang, aber irgendwann hatte die Klingel den Nebel in seinem Kopf durchdrungen. Stöhnend, mit zusammengekniffenen Augen blieb er einfach liegen; den Weg bis zur Tür zu bewältigen schien ihm schlichtweg unmöglich. Aber die Person im Treppenhaus gab nicht auf.
Der schrille Ton ließ seinen Kopf immer schlimmer schmerzen, so dass er sich letztendlich mit zusammengebissenen Zähnen in eine sitzende Position kämpfte. Doch bevor er aufstehen konnte, rief eine Stimme draußen im Treppenhaus: „Boerne, ist alles in Ordnung mit Ihnen? Ich komme mal rein, ok?“ Im gleichen Augenblick drehte sich ein Schlüssel in der Tür. Wenige Sekunden später stand Thiel in seinem Schlafzimmer.

Statt einer Begrüßung musterte sein Nachbar ihn nur stirnrunzelnd, umfasste mit einem leisen "Kacke, wär‘ ich doch früher gekommen!" seine Schultern und half ihm, sich wieder hinzulegen. Heftig zitternd ließ er sich widerstandslos zurück auf sein Bett dirigieren, hatte sich ohnehin nur noch mit Mühe aufrecht halten können. Die Energie, Thiel etwas vorzumachen, hätte er im Leben nicht aufbringen können.
Kaum dass er sich zusammengerollt hatte, breitete Thiel die Decke über ihm aus und setzte sich auf seine Bettkante.
Boerne erschauderte, als sein Nachbar eine kalte Hand in seinen Nacken legte. "Meine Güte, wie hoch ist denn Ihr Fieber? Haben Sie nichts dagegen genommen?"
Es gelang ihm nicht mehr, die Augen offen zu halten; ganz gegen seinen Willen sanken seine Lider langsam wieder herab, als er heiser murmelte. "Ich habe nichts im Haus."
"Das ist nicht Ihr Ernst, oder? Warum haben Sie mich denn nicht angerufen?"
Es fiel ihm nicht schwer, sich Thiels ungläubigen Gesichtsausdruck vorstellen, so entgeistert, wie er klang. Boerne zuckte nur gequält mit den Schultern. "Ich dachte, Sie sind bei Ihrem Vater."
Der Kommissar seufzte. "Joa, das steht heute tatsächlich noch an. Alternatives Weihnachten mit Vaddern und Frau Klemm, hurra. Aber dass Sie krank werden, hat sich ja gestern schon angekündigt, deshalb wollte ich vorher mal bei Ihnen reinschauen."


Dass Thiel etwas bemerkt hatte, verwunderte ihn nun wirklich. Der Mann hatte doch von Medizin so viel Ahnung wie eine Kuh vom Eier legen. „Wie, das hat sich angekündigt?“ Er biss die Zähne zusammen, als das Sprechen einen stechenden Schmerz in seinen Schläfen auslöste.
Thiel zog die Decke höher, als er erneut heftig erschauderte. „Sie haben keinen Tropfen Alkohol getrunken und trotzdem Ihre Nobelkutsche am Weihnachtsmarkt stehen lassen. Sowas würden Sie doch im Leben nicht freiwillig machen! Aber so wackelig wie Sie plötzlich waren, hätten Sie wirklich nicht mehr fahren können. Abgesehen davon haben Sie den ganzen Abend höchstens zehn Worte gesprochen. Das war regelrecht besorgniserregend.“


Die Matratze bewegte sich, als sein Kollege die Decke fester um ihn steckte. "Was ist es denn? Husten? Hals?“
Er sank etwas tiefer in sein Kissen, flüsterte nur noch. "Die Gliederschmerzen bringen mich um. Und mein Kopf."
"Mensch, Boerne... und das an Weihnachten." Eine kühle Hand strich ihm die schweißnassen Haare aus dem Gesicht und ruhte dann für einen Moment auf seiner Stirn. Er lehnte sich in die Berührung, in diese kleine Geste, so wohltuend für seinen fieberglühenden, schmerzenden Kopf - und auch für seine Seele. Jetzt, in diesem Augenblick, hätte er einschlafen können; doch nach ein paar Sekunden zog Thiel die Hand fort und er merkte, wie der Kommissar aufstand. "Ich muss los."
Verstrichen war der kurze Moment; plötzlich war ihm wieder furchtbar heiß und gleichzeitig so unbeschreiblich kalt und er fühlte sich einfach nur sterbenselend.

"Ich muss mich beeilen, wenn ich noch in die Apotheke will, bevor die Geschäfte schließen. Also was gegen Fieber und Schmerzen, ja? Sie rühren sich nicht von der Stelle, verstanden? Bis gleich!" Erneut strichen kühle Finger die Haare aus seiner Stirn und diesmal spürte er sie immer noch, als die Tür schon längst ins Schloss gefallen war.



Er konnte nicht sagen, wie lange es gedauert hatte, bis Thiel wieder zurück war. Ob zwanzig Minuten oder zwei Stunden, er hatte keinerlei Zeitgefühl; er schwebte in einer Zwischenwelt, die ausschließlich aus wirren Träumen, Schmerzen, Kälte und Hitze zu bestehen schien. Und so müde er war, richtig zu schlafen blieb ihm weiterhin verwehrt.

Er zuckte zusammen, als sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte. "Boerne, können Sie sich kurz aufsetzen? Ich hab' Ihnen was besorgt, dann fühlen Sie sich bald besser."
Mühsam öffnete er die verklebten Augen, rollte sich auf den Rücken und richtete sich mit Hilfe seines Kollegen ein wenig auf. Für eine Sekunde fragte er sich, ob er nicht besser nachprüfen sollte, was Thiel sich da in der Apotheke eigentlich für Medikamente hatte aufschwatzen lassen; aber nur die Frage zu stellen, war ihm schon zu viel. Er schluckte die Tabletten, die ihm gereicht wurden, und obwohl Thiel fast sein gesamtes Gewicht übernahm als er ihn danach vorsichtig zurück auf sein Kissen sinken ließ, konnte Boerne ein schmerzerfülltes Keuchen einfach nicht unterdrücken.
"Ruhen Sie sich aus." Die Decke wurde erneut über seinen zitternden Körper gezogen. Die Matratze senkte sich wieder ab und dann war die Hand zurück auf seiner Stirn; und diesmal konnte er sie dort spüren, bis jeder seiner unruhigen, zerfasernden Gedanken von einer wohltuenden Schwärze verschluckt wurde.




Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, bis er ein weiteres Mal von der Türklingel geweckt wurde. Als er langsam zu sich kam, wurden ihm mehrere Dinge bewusst: er war wieder allein; die Glieder- und Kopfschmerzen waren für den Moment wesentlich besser zu ertragen und die Medikamente hatten eindeutig das Fieber gesenkt, doch dadurch war er schweißgebadet. Seine Kleidung klebte ihm am Körper, die Bettwäsche war regelrecht nass. Das war dermaßen kalt und unangenehm, er begann heftig zu frieren.

Sich auf die Seite zu rollen und unter der feuchten Bettdecke hervorzuwinden, war eine Anstrengung, die ihn vor Erschöpfung zitternd zurückließ. Aber bevor er aufstehen konnte, öffnete sich leise die Schlafzimmertür und Thiel steckte seinen Kopf hindurch.
Als sein Kollege sah, dass er wach war, deutete er mit dem Daumen über die Schulter. "Boerne? Sie haben Besuch, gerade ist…“ Der Kommissar brach ab und musterte ihn skeptisch. „Sie sind ja klatschnass! Frau Haller, können Sie mir mal helfen?“ Thiel trat zu ihm ans Bett und hinter ihm eilte tatsächlich Alberich in den Raum.
Bei seinem Anblick verharrte sie für einen Moment und verzog mitfühlend ihr Gesicht. „Meine Güte Chef, Sie sehen schrecklich aus! Naja, ich hatte es befürchtet.“  


Dass Thiel bei ihm bleiben würde, hatte er nicht erwartet; dass seine Assistentin jetzt auch noch gekommen war, überraschte ihn mindestens ebenso. „Alberich?“ Boerne musste sich räuspern, hatte das Gefühl, dass die anderen sein heiseres Geflüster gar nicht verstehen konnten. „Ich dachte, Sie sind bei Ihren Eltern?“
Frau Haller, die sich nun mit schnellen Schritten näherte, lächelte ein wenig. „Wir sind für heute verabredet, das stimmt. Aber es hat sich  gestern im Institut ja schon angekündigt, dass es Sie erwischt hat, deshalb wollte ich erst hier nach dem Rechten sehen.“
„Angekündigt? Im Institut? Das fing doch erst viel später an“, murmelte Boerne leise, bevor er nochmals heftig erschauderte.
Frau Haller trat an ihn heran und legte eine warme Hand auf seine Schulter. „Ich bitte Sie, Professor! Sie waren blass und verfroren, haben den ganzen Tag keinen Bissen gegessen, und vor allen Dingen: Sie wollten keinen Kaffee – das ist ja wohl Alarmstufe Rot! Also, wenn mir in dem Augenblick nicht klar geworden wäre, dass Ihnen etwas in den Knochen steckt, wäre ich taub und blind.“

Diese Aussage verwunderte ihn; zu jenem Zeitpunkt war ihm selber jedenfalls noch nicht bewusst gewesen, dass er etwas ausbrütete. Aber dass seiner Alberich diese kleinen Hinweise zu einer korrekten Diagnose gereicht hatten, verwunderte ihn nicht wirklich; sie hatte ein Auge für medizinische Details, und manchmal kannte sie ihn besser, als er sich selbst.  


Boerne wurde einer Antwort enthoben, da Thiel in diesem Moment zurückkehrte. Der Kommissar hatte in der Zwischenzeit offenbar den Schrank durchsucht, legte Kleidungsstücke sowie einen Stapel Bettwäsche neben ihm ab und wandte sich amüsiert zwinkernd an die kleine Frau. „Was darf‘s sein, Bett oder Boerne?“
Frau Haller lachte. „Ich kümmere mich um das Bett, Sie helfen dem Professor. Am besten gehen Sie kurz ins Bad, da ist es warm und er kann sich etwas frischmachen. Ich lüfte hier mal durch in der Zeit.“ Ohne weiteres Wort kippte sie das Fenster, nahm daraufhin sein Kissen und zog es ab.
Das war Boerne dann doch entschieden zu unangenehm. „Alberich, Sie sollen nun wirklich nicht…“
Doch sie ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. „Chef, Mund halten. Sie tun jetzt, was wir Ihnen sagen, ohne Widerrede.“
Boerne klappte den Mund zu und blickte wie hilfesuchend zu Thiel auf, der aber nur grinsend mit den Schultern zuckte und ihn dann vom Bett hochzog.  



Seine beiden Kollegen machten kurzen Prozess, anders konnte Boerne es nicht sagen. Während Frau Haller sich des Bettes annahm, führte Thiel ihn ins Bad, setzte ihn dort auf dem Toilettendeckel ab und zog ihm dann vorsichtig das nasse Shirt über den Kopf. Innerhalb kürzester Zeit bekam er einen warmen Waschlappen in die Hand gedrückt, mit dem er sich dankbar über Gesicht und Nacken wischte. Thiel hatte indessen ein Handtuch besorgt und trocknete ihm trotz seiner ansonsten doch eher wenig feinfühligen Art nahezu behutsam die Haare und den Oberkörper ab. Im Anschluss half er ihm in ein T-Shirt, einen dicken Kapuzenpulli und eine frische Pyjamahose. Allein hätte Boerne dafür eine Ewigkeit benötigt; und auch so, obwohl er selber kaum etwas dazu beigetragen hatte, ließ ihn die Aktion ausgepumpt zurück.


Mit einem Seufzen genoss er das Gefühl der trockenen, wunderbar warmen Kleidung, in die er eingehüllt war. Nach einem fragenden Blick von Thiel ließ er sich mit einem dankbaren Nicken hochziehen und, nachdem er mit zitternden Beinen aufgestanden war, von dem Arm, der sich ihm um die Taille legte, wieder aus dem Bad dirigieren. 


Aber als Thiel ihn zurück zum Bett steuern wollte, schüttelte Boerne ein wenig den Kopf. „Ich würde mich gerne für ein paar Minuten aufs Sofa setzen.“
Entgegen seiner Erwartung kamen von Thiels Seite keine Einwände. Ganz das Gegenteil war der Fall. „Jo, gute Idee. Da können Sie dann gleich mal etwas essen, ich hab‘ heute Morgen ´ne Hühnersuppe gekocht, ich dachte, die ist jetzt genau das Richtige für Sie.“


Boerne warf ihm einen verwunderten Blick zu. Thiel hatte für ihn gekocht? Damit hätte er im Leben nicht gerechnet.
Aber auch wenn er den Enthusiasmus bezüglich des Essens nicht teilen konnte, weil er absolut keinen Appetit verspürte, wusste er doch sehr genau, dass sein Kollege Recht hatte; er sollte dringend etwas Nahrung und vor allen Dingen Flüssigkeit zu sich nehmen. Aufgrund der Fieberschübe und der starken Schweißausbrüche, sowie der Tatsache, dass er seit dem Vortag keinen Tropfen mehr getrunken hatte, fühlte er sich inzwischen vollständig  ausgedörrt.


Dass auf den letzten Metern zum Sofa sein Blickfeld langsam grau wurde und Punkte vor seinen Augen zu tanzen begannen, machte ihm das Ausmaß seiner Dehydrierung allerdings erst richtig bewusst.
Erleichtert, den Weg gerade noch so bewältigt zu haben, kollabierte Boerne auf das Sofa, ließ den Kopf auf die Rückenlehne fallen und schloss die Augen, hoffte darauf, dass die Kreislaufprobleme jetzt zügig nachlassen würden.


Thiel, dem man eine gewisse Beobachtungsgabe in der Tat nicht absprechen konnte, realisierte relativ zügig, dass etwas nicht stimmte. Sein „Boerne? Alles klar?“, klang eindeutig besorgt.
„Mir ist schwindelig“, murmelte Boerne, ohne es wirklich zu wollen. Aber er war gerade wieder an einen Punkt gelangt, an dem er wahrlich nicht die Kraft hatte, Wohlbefinden zu heucheln.
Er presste die Hände an seine Schläfen, als sich der Schwindel zu seinem Leidwesen nicht abschwächte; aufstöhnend sackte er zur Seite weg, spürte dabei kaum, wie Thiel seine Beine schnappte und sie auf der Armlehne hochlagerte.
Nachdem er in dieser liegenden Position einige Male tief durchgeatmet hatte, ließ die unerträgliche Drehbewegung in seinem Kopf langsam nach. Als er sich schließlich wieder in der Lage sah, die Augen zu öffnen, stellte er leicht verwundert fest, dass Thiel nun unmittelbar vor ihm kauerte und Alberich neben ihm auf der Sofakante saß und eine Hand an seinen Hals gelegt hatte, offenbar schon länger seinen rasenden, holprigen Puls kontrollierte.

„Geht’s wieder?“ Thiel schien ganz angespannt und er nickte schwach. Er wollte antworten, doch sein Mund war derart trocken, er brachte keinen Ton hervor. Erst nach mehrmaligem Räuspern gelang es ihm, eine Antwort zu murmeln. „Tut mir leid, so etwas ist mir noch nie passiert.“ Es war ihm unangenehm, seinen Kollegen einen Schrecken eingejagt zu haben; als noch wesentlich unangenehmer empfand er die Tatsache, dass sie ihn in einem Zustand solcher Schwäche und Hilflosigkeit erlebten.

„Chef, dafür muss man sich nicht entschuldigen.“ Alberich nahm die Hand von seinem Hals fort. „Da wären Ihnen aber fast die Lichter ausgegangen, ich möchte nicht wissen, wie niedrig ihr Blutdruck gerade ist. Haben Sie nicht genug getrunken?" Bevor er antworten konnte, schien sie sich zu besinnen, legte den Kopf schräg und setzte eindeutig argwöhnisch hinzu: "Haben Sie seit gestern überhaupt irgendetwas getrunken?"
Seine Augen fielen ganz von allein wieder zu, als er nur wortlos den Kopf schüttelte.
"Mensch Chef, so etwas machen Sie aber nicht noch einmal, verstanden?“


Boerne seufzte leise. Es war ihm in den Nachtstunden schlicht unmöglich gewesen, sich auch nur mit dem Nötigsten zu versorgen. Aber um ihr das klarzumachen oder noch mehr ihrer besorgten Zurechtweisungen mit der ihm üblicherweise eigenen, wohlwollenden Ausgeglichenheit zu ertragen, fehlte ihm gerade wirklich die Energie.


Doch Frau Hallers nächster Satz ließ klar werden, dass sie gar nicht darauf abgezielt hatte, ihm einen längeren Vortrag zu halten. „Sich todkrank alleine rumquälen und niemandem Bescheid geben, also wirklich! Beim nächsten Mal werden Sie sich bei einem von uns melden, versprochen?“ Sie klang ganz aufgewühlt.
„Ich hatte eigentlich nicht vor, diese Erfahrung so bald zu wiederholen.“ Er blinzelte seine Assistentin müde an. „Aber ich gelobe feierlich, bei der nächsten Influenza frühzeitiger Bescheid zu geben.“ Die Worte gelangen nicht ganz so sarkastisch, wie er das ursprünglich geplant hatte, doch sein Tonfall reichte aus, die Sorgenfalten auf der Stirn seiner Assistentin ein wenig zu glätten. Mit einem leichten Lächeln schüttelte sie den Kopf.



Thiel, der kommentarlos in der Küche verschwunden war, kam mit einem Glas Wasser in der Hand zurück. Er stellte es auf dem Couchtisch ab. „Können Sie sich aufsetzen?“
Boerne nickte. Mit Thiels Hilfe rollte er sich auf die Seite, stellte die Füße auf den Boden und brachte sich langsam in eine halbsitzende Position.  Zu seiner großen Erleichterung setzte der Schwindel nicht wieder ein.
„Hier, trinken Sie das.“
Boerne akzeptierte das Glas, das Thiel ihm reichte. Langsam und bedächtig nahm er Schluck für Schluck, bis er alles ausgetrunken hatte. Mit einem leisen Seufzen ließ er den Kopf zurücksinken und rutschte noch ein wenig tiefer in die weichen Polster in seinem Rücken. Jetzt gerade fühlte er sich fast wieder wie ein Mensch.


In dem Moment, in dem Alberich ihm das Glas abgenommen und auf den Tisch gestellt hatte, klingelte es zum dritten Mal an diesem Tag.
Erstaunt hob Boerne den Kopf wieder an, während Thiel mit einem „Ich geh‘ schon“, aufstand und sich durch den Flur Richtung Tür begab.
Sobald er geöffnet hatte, ertönte eine bekannte Stimme. „Nanu, Chef? Frohe Weihnachten!“
„Nadeshda! Wollten Sie zu mir?“ Thiel klang mindestens so verblüfft wie Boerne selber es war, als Nadeshdas Erwiderung kam. „Nein, eigentlich wollte ich nach dem Professor sehen, der hat mir gestern irgendwie nicht gefallen.“
Thiels trockenes „Ging uns auch so!“ ertönte lauter, als Schritte sich näherten. Kurz darauf kamen die beiden Polizisten ins Wohnzimmer.


„Hallo Herr Professor!“ Kaum hatte Nadeshda ihn ausgemacht, kam sie zu ihm ans Sofa.
„Frau Krusenstern?“ Boerne hatte sich noch nicht ganz von seiner Verwunderung erholt und konnte sie nicht vollständig aus seiner heiseren Stimme fernhalten.
Nadeshda runzelte die Stirn als sie ihn musterte. „Oje, Sie sind ja wirklich richtig krank geworden. Aber das hat sich ja gestern schon angekündigt.“
Bei diesen Worten hob Boerne die Augenbrauen und warf einen erstaunten Blick auf Frau Haller, die allerdings nur lächelnd den Kopf schieflegte und gleichzeitig mit den Schultern zuckte, als sei sie in keiner Weise überrascht.

Nadeshda bemerkte diese stumme Kommunikation und erklärte: „Naja, als der Chef Ihnen den Glühwein in die Hand gedrückt hat, sind Sie so aschfahl geworden, ich dachte echt, Sie müssten sich übergeben. Und dann haben Sie die ganze Zeit dermaßen gezittert, es hätte mich nicht gewundert, wenn Ihnen die Tasse aus der Hand gefallen wäre.“
Während Boerne immer noch nicht recht fassen konnte, dass er von so ziemlich jedem seiner Kollegen durchschaut worden war, fuhr die junge Frau bereits fort: „Ich wollte eigentlich nur kurz bei Ihnen vorbeischauen und sehen, ob Sie etwas brauchen. Frau Haller und Herr Thiel haben ja gestern erzählt, dass sie über die Feiertage nicht da sind…“
Dass Thiels Assistentin sich seinetwegen Gedanken machen würde, hätte Boerne nie erwartet. Müde ließ er seinen Kopf zurück an das Sofa sinken, als er ehrlich dankbar murmelte: „Das ist sehr nett von Ihnen, Nadeshda. 


Nadeshda winkte nur ab und redete gleich weiter. „Heute Abend gibt‘s im Kalinka eine große Weihnachtsfeier und wir haben vorhin das Essen vorbereitet. Und da habe ich mir gedacht, dass ich Ihnen mal etwas vorbeibringe, weil Sie in Ihrem Zustand bestimmt keine Lust haben, zu kochen.“
Boerne, immer noch ungläubig, schüttelte den Kopf.
„Auch wenn Sie im Augenblick vermutlich keinen Hunger haben, morgen sieht das vielleicht schon wieder ganz anders aus“, setzte Nadeshda, die sein Kopfschütteln offenbar falsch aufgefasst hatte, fast wie zu ihrer Verteidigung hinzu.


Thiel hatte Nadeshda die Tüte abgenommen und schnupperte daran. „Also ehrlich gesagt, das riecht fantastisch, Nadeshda. Was ist denn da drin?“
Die junge Frau lächelte. „Kleine Leckereien, Chef. Aber nicht für Sie.“
Thiels „Schade!“ schien aus tiefster Seele zu kommen, doch grinste er dabei.  Boerne erwiderte leise lächelnd den amüsierten Blick seiner Assistentin, als Thiel mit einem Seufzen hinzufügte: „Ich bring das Zeug hier in die Küche, ok?“



Gerade, als er zurück in das Wohnzimmer trat, erscholl die Türklingel ein weiteres Mal.
Frau Haller zog die Augenbrauen hoch. „Chef, bei Ihnen geht’s ja zu wie im Taubenschlag.“
Boerne hatte keine Antwort parat, war selber mindestens so verwundert wie sie. Thiel dagegen begab sich einmal mehr zur Tür.

Kaum, dass er geöffnet hatte, ertönte noch eine bekannte Stimme. „Frankie! Hier steckst du also, wir haben ein paar Mal bei dir angerufen! Na wenn du hier rumhängst, haben wir wohl richtig vermutet, dass es dem Professor nicht gut geht, was?“
„Vaddern? Frau Klemm? Wieso…“


Boerne, der bemerkte, dass ihm vor Verblüffung der Mund offen stand, klappte ihn zügig zu. Derweil ertönte schon die sonore Stimme der Staatsanwältin. „Wir wollten dem Professor ein paar Lebensmittel vorbeibringen. Er hat es heute doch bestimmt nicht in den Supermarkt geschafft.“ 


Man hörte Thiel im Flur amüsiert schnauben. „Na, dann mal rein in die gute Stube.“
Ein paar Sekunden später betraten tatsächlich die großgewachsene Staatsanwältin und Thiels Vater den Raum. Beide steuerten sofort auf Boerne zu.
„Mensch, Herr Professor. Sie sehen ja noch schlechter aus als gestern Abend im Taxi!“ Thiel Senior musterte ihn von oben bis unten, bevor er hinzufügte: „Ich war mir nicht sicher, ob mein Sohn das bemerkt, der ist ja manchmal ein bisschen blind.“
„Ja, danke Vaddern“, knurrte Thiel von hinten, während Frau Klemm das Wort ergriff. „Ist eine Grippe geworden, was? Nun, das hat sich ja gestern schon angekündigt.“


„Hat es?“ murmelte Boerne schwach. Er fühlte sich gerade irgendwie überwältigt.
„Natürlich!“ Die beiden Neuankömmlinge hatten wie aus einem Mund gesprochen.
Die Staatsanwältin warf einen kurzen Blick auf ihren Begleiter, bevor sie erklärte. „Gestern Abend ist die halbe Führungsebene der Uniklinik an uns vorbeigekommen, aber Sie haben nicht einen Ihrer Kollegen wahrgenommen. Sie waren zu beschäftigt damit, sich nicht anmerken zu lassen, wie schlecht es Ihnen ging.“
Herbert Thiel fügte hinzu: „Als ich vor Ihrem Haus geparkt und in den Rückspiegel gesehen habe, dachte ich für einen kurzen Moment, Sie hätten das Bewusstsein verloren. Sie waren so bleich und reglos.“ Er schüttelte den Kopf. „Ganz schlechtes Karma.“

Boerne wusste nicht, wie er reagieren sollte, aber das war ohnehin nicht von Wichtigkeit. Herbert Thiel hatte sich schon abgewendet und  wedelte enthusiastisch mit seiner Tragetasche herum. „Wo sollen die Sachen hin? Hauptsächlich haben wir Obst mitgebracht, viele Vitamine. Das Beste bei Grippe.“
Thiel wies über die Schulter. „Bringen wir's in die Küche. Da ist aber bald wegen Überfüllung geschlossen.“


Auf diese Aussage hin meldete sich Frau Haller zu Wort und blickte ihn an. „Momentchen mal. Chef, wie geht’s Ihnen denn im Moment?“
Überrumpelt von der Frage entgegnete Boerne: „Gut. Ich fühle mich gerade ganz gut. Wieso?“
Aber er beam keine Antwort. Stattdessen wandte sie sich an die ganze Gruppe: „Wie sieht‘s denn aus, muss einer von Ihnen dringend weg?“
Boerne fragte sich, worauf Alberich abzielte, während alle Besucher die Köpfe schüttelten. Daraufhin breitete sich ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht der kleinen Frau aus. „Dann schlage ich vor, dass wir dem Professor noch ein wenig Gesellschaft leisten. Krank und allein zu sein, ist ja wirklich schrecklich. Also…“ Sie zählte an den Fingern ab. „…wenn ich das richtig sehe, hat Herr Thiel einen großen Topf Suppe gekocht und ich habe eine Portion Hühnerfrikassee und Kartoffelpüree mitgebracht, die für drei Tage reicht. Dazu haben wir noch eine Tasche voller russischer Spezialitäten und eine voller Obst. Das kann der Professor gar nicht alles allein essen, das wird nur schlecht. Ich meine, wir machen es uns hier jetzt mal richtig gemütlich und gönnen uns ein kleines Drei-Gänge-Menü, oder? Schließlich ist Weihnachten!“ Sie drehte sich zu Boerne. „Sie sind doch einverstanden, Chef?“


Die Frage war aber wohl nur rhetorischer Natur, Boerne bekam keine Gelegenheit zu einer Erwiderung. Bevor er ein Wort äußern konnte, nickten alle Anwesenden begeistert und verschwanden geschäftig in verschiedene Richtungen.


Ungläubig schob Boerne seine Brille hoch und rieb sich die Augen. Das seine Kollegen Zeit mit ihm verbringen wollten, statt sich um ihre Familien zu kümmern, war ein Gedanke, der wiederum Unbehagen in ihm auslöste; aber wenn er ganz ehrlich war, war er mehr als dankbar, gerade nicht allein zu sein.


In seinem Rücken ertönte emsiges Geklapper, zeigte unmissverständlich, dass die drei Frauen sich in seiner Küche betätigten.
Thiel und sein Vater dagegen hatten kurz die Wohnung verlassen und kehrten wenig später mit einem großen Topf zurück, mit dem sie dann ebenfalls in der Küche entschwanden.
Mit Besteck und reichlich Lebensmitteln beladen tauchten seine Kollegen wieder auf und innerhalb kürzester Zeit war der Tisch festlich gedeckt – und schier überfüllt.


Thiel begann, die Suppe zu verteilen, aber gerade, als Boerne sich mit zusammengebissenen Zähnen aufrichtete, um sich anständig hinzusetzen, legte sich eine Hand auf seine Schulter und drückte ihn in die Polster zurück. „Professor, heute geben wir nichts auf Etikette. Ich glaube, so liegen zu bleiben, ist für Sie bequemer.“ Mit diesem Worten gab eine lächelnde Frau Klemm ihm eine Suppentasse und einen Löffel in die Hand.
Boerne lächelte zurück. 




Nach ein paar Minuten fieberhafter Aktivität hatte jeder einen Platz gefunden. Herbert Thiel und Nadeshda hatten sich einen Küchenstuhl geholt, die Staatsanwältin saß im Sessel und Thiel und Alberich hatten rechts und links von ihm auf dem Sofa Platz genommen. Zugegeben, es war etwas eng, aber ungemein gemütlich; und nicht zuletzt, weil ihm langsam wieder ein wenig kälter wurde, war er ganz dankbar über die Wärme, die seine beiden Sitznachbarn ausstrahlten.

Alle Anwesenden sprachen dem zwar bunt gemischten, aber unbestreitbar leckeren Essen auf dem kleinen Couchtisch begeistert zu.
Boerne selber hatte keinerlei Hungergefühl verspürt, hatte aber seinen Widerwillen bezwungen und etwas Suppe zu sich genommen, um seinen zweifellos grenzwertig erniedrigten Natrium- und Elektrolytespiegel wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das kühle Wasser, mit dem Thiel und Alberich ihn regelmäßig versorgten, akzeptierte er hingegen bereitwilliger, die Flüssigkeit tat ihm gut.

Als er auf die Art nach und nach zwei Gläser ausgetrunken hatte, rutschte er noch ein wenig tiefer in die Sofapolster und ließ seinen Blick über seine Kollegen wandern. Auch wenn er sich nicht viel an den Gesprächen beteiligte, genoss er es einfach, nicht allein zu sein. Die Stimmung war harmonisch, gelöst und zwanglos, alle Anwesenden unterhielten sich entspannt und angeregt.
Und ihm wurde bewusst, dass das gerade einer der schönsten Weihnachtstage der letzten Jahre war.


Boerne blinzelte, als seine Augen plötzlich ein wenig feucht wurden. Grundgütiger, als ob ihm die Leitsymptome der Influenza nicht schon genug zusetzten, mussten jetzt auch noch seine Augen anfangen zu tränen! Pathophysiologisch war diese lästige, grippetypische Hypersekretion natürlich leicht zu erklären, sein zweifellos wieder ansteigendes Fieber hatte zu einer Vasokonstriktion der Augenkapillaren geführt, so dass Flüssigkeit durch die semipermeable Gefäßmembran nach außen drang. Als würden die Schmerzen und das Fieber nicht reichen….

Boerne seufzte und ließ die müden Augen zufallen. Es würde ihm hoffentlich keiner der Anwesenden übelnehmen, wenn er sich für einen kurzen Augenblick aus den laufenden Gesprächen ausklinkte; bei seinen angegriffenen Stimmbändern war es ohnehin sinnvoll, nicht zu viel zu sprechen.
Nur zwei Minuten ausruhen.



Nur vage realisierte er, dass er langsam wegdriftete, aber ihm fehlte die Kraft, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Es gelang ihm nicht mehr, einzelne Worte seiner Kollegen zu unterscheiden; die ruhigen Gespräche und das leise Gelächter erschienen ihm immer gedämpfter und undeutlicher. Er erschauderte, und in einem kurzen, noch einmal halbwegs luziden Moment wurde ihm bewusst, dass die Wirkung von Thiels Tabletten endgültig nachgelassen hatte; aber er konnte den Gedanken nicht zu Ende führen, sank langsam in Dunkelheit.
Als zwei warme Hände seinen Nacken und Oberkörper stützten und ihn vorsichtig in eine liegende Position sinken ließen, schrak er nochmals kurz auf, doch zu reagieren war zu anstrengend, als dass es ihm möglich gewesen wäre. Etwas Weiches wurde über ihm ausgebreitet und wohltuende Wärme war das letzte, was er spürte, bevor er erschöpft einschlief.





Es waren die Gliederschmerzen, die ihn aus dem Schlaf rissen; sich umzudrehen war so unangenehm gewesen, dass er davon aufgewacht war. Für einen kurzen Moment blieb er einfach nur liegen, vermied jede weitere Bewegung. Es war nicht nötig, die Augen zu öffnen, er realisierte auch so, dass es inzwischen dunkel geworden war.
Dann, mit einem Mal, fiel ihm alles wieder ein; seine Kollegen, mit deren Besuch er niemals gerechnet hatte, das völlig ungeplante, aber so schöne Beisammensein.
Und in diesem Moment wurde ihm bewusst, wie still es war. Und einsam.
Er konnte ein leises Seufzen nicht unterdrücken.

Im gleichen Augenblick hörte er das leise Rascheln von Papier. Mühsam öffnete er die Augen und stellte zu seiner Verwunderung fest, dass er doch nicht ganz so einsam war, wie er gedacht hatte.
Thiel legte die Zeitung beiseite, die er scheinbar im dämmrigen Licht der Leselampe studiert hatte und trat an das Sofa. „Alles ok mit Ihnen?“
„Thiel… warum sind Sie noch hier? Sie waren doch mit ihrem Vater und Frau Klemm verabredet.“ Boerne versuchte, sich etwas aufzurichten, aber es fiel ihm schwer. Thiel bemerkte das, nahm die Wolldecke beiseite und half ihm in eine sitzende Position.
„Die hab‘ ich nach Hause geschickt, die kommen morgen noch mal zu mir. Viele Grüße auch von Nadeshda und Frau Haller, die sind vor einem Weilchen zu Ihren Familien gefahren.“

Boerne fuhr sich mit bebenden Fingern durch die Haare und schauderte. Sein Fieber war zweifellos wieder stark angestiegen, jede Bewegung fiel ihm schwer und er fühlte sich unangenehm schwach.
Thiel drehte sich zum Wohnzimmertisch um, griff das Wasserglas, das dort noch stand und reichte ihm zwei Tabletten. „Hier. Die sind längst überfällig, aber Sie haben so ruhig geschlafen, da wollte ich Sie nicht wecken.“
Mit einem dankbaren Nicken nahm Boerne die Tabletten an und schluckte sie.
„Na kommen Sie, ich bringe Sie in Ihr Bett.“ Der Kommissar fasste ihn unter den Armen und half ihm, aufzustehen.

Der Weg erschien ihm noch weiter als heute Mittag, und wesentlich mühsamer. Zwar wurde ihm nicht wieder schwindelig, aber Boerne war heilfroh, als er die Strecke bewältigt hatte und sich ausstrecken konnte. Er war zittrig und sein Kopf erschien ihm wie mit Watte angefüllt. Seine Augen fielen zu, kaum dass er lag.

„Schlafen Sie. Ich habe Ihnen das Telefon hingelegt, wenn etwas ist, rufen Sie mich an, versprochen?“ Mit einem Mal wurde ihm bewusst, wie ruhig und freundlich Thiel den ganzen Tag schon war; regelrecht besorgt. So klang er selten; das war ein ganz anderer Tonfall als der, den der Kommissar üblicherweise im täglichen Umgang mit ihm anschlug. Es war wohltuend, zur Abwechslung einmal nicht nur mürrische Einwortsätze zu hören zu bekommen.


Eine Hand legte sich auf seine Schulter. „Boerne? Sie melden sich, versprochen?“ Etwas verspätet fiel ihm auf, dass er mit den Gedanken abgedriftet war. Er nahm alle Kräfte zusammen und murmelte eine Antwort. „Ja, versprochen.“


Die Decke wurde noch etwas höher gezogen. „Ich schau‘ ab und zu bei Ihnen rein. Morgen früh hole ich Sie dann rüber zu mir. Einen ganzen Tag allein mit Vaddern und der Klemm überstehen zu müssen, übersteigt meine Kräfte, da brauche ich Ihre moralische Unterstützung. Und am Mittwoch sind Sie vielleicht schon wieder so fit, dass wir eine Runde Schach spielen können. Sie schulden mir eine Revanche.“
Da musste ein leichtes Schmunzeln auf Thiels Gesicht sein, er hörte es an seiner Stimme; so krank konnte Boerne nicht sein, dass er die gute Absicht hinter diesen Worten nicht sofort durchschaute.


Er hätte Thiel das gerne gesagt; gesagt, dass er erleichtert war, nicht allein sein zu müssen, und dankbar. Aber eine längere Antwort zu formulieren, wollte ihm einfach nicht mehr gelingen. Er war jedoch ziemlich sicher, dass der Kommissar sein erschöpftes „mhmhm“ korrekt interpretieren konnte. Der Mann war kein Dummkopf.


Das Unbehagen, das ihn die letzten Tage begleitet hatte, war verschwunden.
Mit dem frohen Wissen, auch die restlichen Weihnachtstage nicht allein verbringen zu müssen, schlief er ein.


Comments

( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
joslj
23. Dez 2012 23:34 (UTC)
Hihi, Erster ;-)

Ausgerechnet jetzt eine Erkältungsgeschichte, wo wir gerade wieder fit sind - das hast du aber gut hingekriegt: Rückblick im Schnelldurchlauf! Ansonsten ist die Story zwar sehr fluffig, aber das passt ja zu Weihnachten. Auch wennich Nadeshda und die Klemm jetzt nicht so als "Weihnachtswichtel" sehe, die würden doch eher bei Thiel anrufen und nachfragen. Macht aber nichts :-)
Ich finde, dir ist Boernes "kranker" POV gut gelungen, dieses späte Eingestehen der Grippe, die "Watte" um den Kopf, und dann - wumm - der Hammer mit Kopf- und Gliederschmerzen. Auch das Rein- und Rausdämmern ist gut geschrieben: wie er mal "zu viel" mitbekommt (uagh, Essen), aber dann wieder aus den Gesprächen rausdriftet... sehr authentisch. Und dass Thiel sehr fürsorglich sein kann (besonders, wenn man dann ein Weihnachtessen mit Vaddern und der Klemm umgehen kann), glaube ich sofort !
Ich wünsche dir schöne Weihnachtstage!
baggeli
23. Dez 2012 23:41 (UTC)
Hihi, hallo Erste!
Naja, Nadeshda ist ja nur aus dem Grund gekommen, weil sie davon ausgegangen ist, dass Thiel und Alberich sich eben nicht kümmern können. Und Frau Klemm ist mit Herbert angereist, der war ja überzeugt, dass sein Sohn das nicht checkt. Und da sie eh zu Besuch kamen, konnten sie ja mal eben großherzig bei Boerne klingeln und nach dem Rechten sehen (und ihren Sohn abholen, was nicht so recht geklappt hat. *lol*). ;o)
Du siehst, ich bin nie um eine Antwort verlegen, und sei sie noch so dämlich.

Wenn du die Story nur sehr fluffig findest, geht es ja noch; in meinen Augen ist da eine gewisse Grenze durchaus überschritten. Aber egal... ich werde das demnächst alles wieder relativieren. *evilgrin*

Dir auch schöne Weihnachtstage!!
cricri_72
24. Dez 2012 09:33 (UTC)
Wunderschön! Wieso die Sorge? :)

Und ich finde wirklich nicht, daß es sich nennenswert mit meinem "Lückenfüller" überschneidet ;) Es ist ausgesprochen erheiternd, wie jeder, der auftaucht, verkündet, daß sich Boernes Grippe schon angekündigt hat ... und jeder noch ein neues Symptom auspackt.

h/c mag ich ja soweiso, aber ehrlich gesagt besonders, wenn es etwas eher banales, alltägliches ist - wie so eine Grippe. Das reicht schon völlig, um sich wirklich mies zu fühlen, und man kann sich aus eigener - leidvoller - Erfahrung hervorragend in die betreffende Person hineinversetzen.

... und jetzt muß ich schnell weg, noch die restliche Geschenke einpacken und den Neffen spazierenfahren ... bis später die Tage!

baggeli
24. Dez 2012 09:47 (UTC)
Wunderschön! Wieso die Sorge? :)
Weil es doch mächtig dick aufgetragen ist?

Ich muss aber zu meiner Verteidigung anbringen, dass im Frühjahr unsere Große eine Grippe eingeschleppt hat, die uns alle vier innherhalb von zwei Tagen umgeworfen hat. Wir lagen hier zu viert mit 40 Fieber, einer auf dem Teppich, zwei auf dem Sofa und einer im Bett. Das wechselte dann immer mal, der, bei dem die Medikamente gerade mal etwas besser wirkten, war unten, der andere schlief. *headdesk* Ich habe meinen Mann in dem Zuge noch ins Krankenhaus fahren müssen, selber knapp unter 40 Fieber, beide Kinder auf dem Rücksitz hochfiebernd, nachts um drei. Er hatte da schon seit zwei Stunden so schreckliche Herzrhythmusstörungen. Jeder, der das schon mal hatte, weiß, wie unangenehm sich das anfühlt.
Einen Krankenwagen wollten wir nicht rufen, die kommen mit Blaulicht und tatütata, einen Taxifahrer wollte ich nicht, ich dachte, wenn wirklich mal was ist... also habe ich ihn selber in die Uni gefahren, in der Notaufnahme abgeliefert und bin dann mit den kranken Kindern wieder heim ins Bett.
Am nächsten Abend durfte ich ihn dann wieder abholen. Echt, sowas brauche ich so bald nicht noch einmal, das hat uns SO umgehauen...


Es ist ausgesprochen erheiternd, wie jeder, der auftaucht, verkündet, daß sich Boernes Grippe schon angekündigt hat ... und jeder noch ein neues Symptom auspackt.
Hehe, dabei hatte ich selber auch Spaß. :D

Viel Spaß bei deiner Familie! Im Geschenke-Einpack-battle habe ich mich gestern Abend erfolgreich geschlagen!
cricri_72
24. Dez 2012 15:25 (UTC)
Oh Du lieber Himmel - sowas ist ja furchtbar. Gerade mit den Kindern, wenn es dann auch noch beide Eltern erwischt :( Da konntest Du ja aus dem Vollen schöpfen, was die eigene Erfahrung anging ...

So richtig gewürdigt habe ich die Geschihcte ja noch gar nicht, aber meinen Lieblingssatz muß ich noch loswerden:
Eine kühle Hand strich ihm die schweißnassen Haare aus dem Gesicht und ruhte dann für einen Moment auf seiner Stirn. Er lehnte sich in die Berührung, in diese kleine Geste, so wohltuend für seinen fieberglühenden, schmerzenden Kopf - und auch für seine Seele.
*seufz*

Mir gefällt übrigens auch die umgekehrte Version, aber das Boerne-POV, vielleicht, weil es seltener ist, noch besser :)
baggeli
24. Dez 2012 17:42 (UTC)
So, Kindermesse ist aus, das Wohnzimmer ein Geschenkpapier-Schlachtfeld (nein, so schlimm ist es nicht ;o)) und die Gans gleich fertig. *hüpf*
Zwei Minuten Pause für Mama.

So richtig gewürdigt habe ich die Geschihcte ja noch gar nicht, aber meinen Lieblingssatz muß ich noch loswerden:
...
*seufz*


Und ich dachte, gerade dieser Satz ist der Supergau, der die Geschichte dann unrettbar kippen lässt. ;o)
Aber ich habe ihn trotzdem drin gelassen.


Hast du wirklich beide gelesen? Jesus, wie tapfer bist du denn?
Ich ertappe mich dabei, dass ich Boerne anders schreibe als Thiel. Wie hattest du mal gesagt? Eine gewisse Grundarroganz, und auch eine andere Wortwahl. Ich konnte für Thiel nicht einfach nur die Namen umändern, so wie Boernes Geschichte geschrieben ist, würde er einfach nicht 'denken'.


Edited at 2013-02-22 17:32 (UTC)
( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

Latest Month

April 2018
S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930     

Tags

Gehostet von LiveJournal.com
Designed by Tiffany Chow