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Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 3
Prompt:
Regenbogen
Genre: tja, was ist das... Angst? etwas Melodramatik? (Gruß an cricri ;o)
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 2300



Die Kaffeemaschine gab leise, brodelnde Geräusche von sich und für eine Weile saßen sie nur schweigsam dort und schauten gedankenverloren dabei zu, wie der frische Kaffee in die Glaskanne tropfte.

Irgendwann riss Thiel sich von dem Anblick los und ließ seine Augen unauffällig über Frau Haller schweifen. Wie sie aussah, gefiel ihm nicht. Natürlich hatten diese letzten Wochen ihr zugesetzt, das war nicht anders zu erwarten gewesen; aber heute wirkte sie noch niedergeschlagener als sonst. Sie sah aus, als fühle sie sich sterbenselend, anders konnte man es nicht sagen.

Gerne hätte Thiel sie irgendwie getröstet, irgendwie aufgemuntert. Doch alles, was er zu diesem Zeitpunkt hätte sagen können, wären nur schwachsinnige Platituden gewesen. Und die hatten sie sich von Anfang an erspart.
Also wandte er seinen Blick wieder dem Kaffee zu und schwieg ebenso wie sie.


Als nach ein paar Minuten ein röchelndes Zischen ankündigte, dass das Wasser durchgelaufen war, stand Thiel auf und schenkte ihnen beiden eine Tasse ein.
Frau Haller nahm sie wortlos an, warf ein Stückchen Zucker hinein und rührte eine Weile bevor sie unvermittelt aufblickte.

„Ich war gestern bei ihm.“
Thiel, der seine Tasse gerade zum Mund gehoben hatte, stellte sie abrupt wieder ab. Er hatte nicht gewusst, dass das inzwischen möglich war; all seine Versuche, eine Besuchserlaubnis zu bekommen, waren bislang rigoros abgeschmettert worden.

„Und?“ Er musste sich räuspern, weil seine Stimme mit einem Male ganz heiser war.
Sie zuckte mit den Schultern. „Er sieht schrecklich aus. Blass, eingefallen. Er hat mindestens sechs oder sieben Kilo verloren; vielleicht noch mehr.“
Sie trank einen Schluck Kaffee, bevor sie fortfuhr: „Ihr alter Bekannter, Denninger, arbeitet immer noch dort; er ist im letzten Jahr vor der Rente. Als ich ihm gesagt habe das wir uns kennen, ist er etwas aufgetaut und hat mir ein paar Sachen erzählt, während ich warten musste.“


Sie versuchte wie immer, sich nichts anmerken zu lassen, doch Thiel hörte genau, dass ihre Stimme bebte. Er kannte sie lange genug um zu sehen, dass sie aufgelöst war und sich nur noch mit Mühe und Not zusammenreißen konnte.
Als sie nicht weitersprach, fragte er leise nach: „Was hat er erzählt?“

Sie blickte wieder in ihre Tasse. „Er schläft nicht. Egal, wann sie nachts ihre Runde machen, er sitzt auf dem Bett und starrt in die Dunkelheit. Denninger sagt, dass er seit seiner Ankunft keine drei Stunden am Stück Ruhe gefunden hat.“
Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und er sah, dass ihre Hände ebenso zitterten, wie ihre Stimme.
„Und er isst nicht mehr. Gerade noch so viel, dass sie ihn nicht wegen Hungerstreiks zwangsweise an den Tropf legen können. Aber es ist bei weitem nicht genug für einen Mann seiner Statur.“


Der Stein, der Thiel schon seit Wochen im Magen lag, schien immer schwerer zu werden.
„Und was… was sagt er selber?“
Zum ersten Mal an diesem Morgen sah sie ihn an und hielt seinen Blick länger als nur eine Sekunde. Ihre ausdrucksstarken Augen waren gerötet, Tränen standen darin. „Fast nichts. Er ist so still… so habe ich ihn noch nie gesehen.“ Sie wandte den Blick wieder ab und wischte sich mit einer unwilligen Bewegung über das Gesicht.

„Der normale Gesprächsraum war ziemlich voll, wir hatten keinen Platz. Ihr Bekannter hat es daraufhin irgendwie ermöglicht, dass wir den Besuchsraum benutzen durften, der Familien vorbehalten ist. Da gibt es keine Trennscheibe, kein Telefon, man kann zusammen sitzen. Es steht sogar eine Couch dort. Sie haben uns eine Stunde gegeben.“
Sie trank noch einen Schluck, bevor sie gedankenverloren fortfuhr. „Wir haben uns auf das Sofa gesetzt. Für ein Weilchen haben wir uns unterhalten; vielmehr habe ich geredet, er hat zugehört. Er wollte, dass ich von Ihnen erzähle, von Nadeshda, von der Arbeit. Er selber hat keine zehn Worte gesprochen; die paar, die er gesagt hat, waren dazu bestimmt, von sich abzulenken. Sie wissen ja, wie er ist; bloß nie zeigen, wie es einem geht.“ Sie lächelte ein wenig, aber das Lächeln war müde; es reichte nicht bis zu ihren Augen.
„Nach ein paar Minuten hat er mir gesagt, er sei so furchtbar müde. Ich wusste nicht, was ich machen sollte… ich war so hilflos. Irgendwann habe ich ihn einfach in den Arm genommen und innerhalb kürzester Zeit ist er eingeschlafen. Er hat sich an mich gelehnt und geschlafen. Tief und fest.“ Ihre Hände zitterten noch mehr, als sie rastlos die Kaffeetasse hin und her drehte.
„Als Denninger ihn geweckt hat, ist er wortlos aufgestanden und mitgegangen. Erst an der Tür hat er sich noch mal umgedreht und mich gebeten, bald wiederzukommen. Es hätte so gut getan, in Frieden eine Stunde zu schlafen.“ Sie blickte wieder auf.

Als er jetzt in ihre Augen sah, wurde ihm mulmig zumute, und sie flüsterte so leise, dass er sie kaum verstehen konnte. „Ich habe immer gedacht, Boerne ist ein Mann, der niemals aufgibt. Aber so wie er jetzt aussieht, ist irgendetwas in ihm zerbrochen. Und ich weiß nicht, wie lange er das aushält.“


Diesmal machte sie sich nicht die Mühe, die Träne fortzuwischen, die ihr über das Gesicht lief. Und Thiel stellte seinen Kaffee weg.
Der Appetit darauf war ihm vergangen.


t.b.c.





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