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Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 6
Prompt: Regenbogen
Genre: ich einige mich jetzt erst Mal auf etwas Angst, etwas Krimi
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 5500

A.N. 2: Nach ein paar kurzen Erläuterungen von isti83 ist hiermit klar, dass ein Großteil meiner Ideen völlig unrealistisch ist. Ich möchte mal sagen, nahezu Bullshit. Ich habe kein völlig schlechtes Gewissen, Münster ist ja immer etwas daneben. Aber ihr seid hiermit gewarnt.


Dem Weg von der Staatsanwaltschaft zum Kriminalkommissariat schenkte Thiel so wenig Beachtung, dass es ein Wunder war, dass er ihn tatsächlich ohne Unfall bewältigte.
Während der Fahrt kreisten seine Gedanken die ganze Zeit um diese verhängnisvolle Nacht vor drei Monaten, in der alles angefangen hatte… in der ihr Leben von einer Sekunde zur anderen komplett auf den Kopf gestellt worden war.


Es war mitten in der Nacht gewesen, um drei Uhr herum. Thiel war aufgewacht, weil er ein Geräusch gehört hatte. Er konnte im Nachhinein nicht einmal sagen, was es gewesen war. Vielleicht ein vorbeifahrendes Auto, vielleicht war es aber auch im Haus gewesen; er hatte es nicht zuordnen können.
Für ein paar Minuten hatte er wach im Bett gelegen, aber alles war ruhig geblieben.
Er war gerade dabei gewesen, langsam wieder einzudösen, als in der Nachbarwohnung plötzlich ein Schuss gefallen war.


Innerhalb einer Sekunde war Thiel in den Polizisten-Modus geschnappt, ohne bewusst darüber nachzudenken, hatte er seine Dienstwaffe aus der Schublade gerissen und stand gleich darauf vor Boernes Tür. Auf seine Rufe hin war drinnen nur ein Stöhnen zu hören gewesen und mit einem einzigen, gewaltigen Tritt hatte Thiel die Tür aufgebrochen und war ohne Rücksicht auf seine eigene Sicherheit in die Wohnung gestürzt. Als er unter vorgehaltener Waffe in das Wohnzimmer gestürmt war, war er erst einmal wie gelähmt stehengeblieben – auf dem Fußboden lag eine junge Frau; blutverschmiert, bewusstlos, mit einer Schussverletzung im Bauch.

Boerne hatte sich nahe bei ihr befunden, ebenfalls auf dem Fußboden. Er war gerade dabei gewesen, sich aufzusetzen, hielt sich den Kopf, war von Scherben umgeben. Und unmittelbar neben ihm lag eine Pistole.

Thiel hatte keine Ahnung, was passiert war; er sah nur die schwerverletzte Frau und die Waffe neben seinem Nachbarn.
In dem Augenblick, in dem er Boernes Telefon an sich riss und den Notruf wählte, hatte er die Pistole unter die Couch getreten, damit Boerne sie nicht erreichen konnte und nur gebrüllt: „Sie rühren sich nicht vom Fleck!“ Allerdings schien Boerne damals gar nicht recht in der Lage gewesen zu sein, sich vom Fleck zu rühren, er wirkte abwesend und benommen.

Kaum dass er den Notruf abgesetzt hatte, hatte Thiel sich zu der jungen Frau auf die Knie geworfen und versucht, ihr zu helfen, versucht, die Blutung zu stoppen. Es war keine übermäßig starke Blutung gewesen; trotzdem war stetig ein kleines, dunkles Rinnsal zwischen seinen Fingern durchgetropft und hatte auf dem Fußboden langsam eine Lache gebildet, egal, wie fest er auf die Wunde in ihrem Bauch presste.
Die Zeit, bis der Rettungswagen eintraf, war ihm wie eine Ewigkeit vorgekommen.


Boerne hatte irgendwann versucht, sich aufzurappeln, hatte mehrfach gemurmelt: „Was ist passiert?“
Thiel hatte ihn angeherrscht, zu bleiben, wo er war, doch Boerne schien ihn nicht wirklich verstanden zu haben. Er war unbeholfen in seine Richtung gekrabbelt, hatte nur geflüstert, er sei doch Arzt. Doch er war nicht bis zu Thiel gekommen; nach kürzester Zeit war er zu Boden gesunken, ganz langsam, wie ein Kind, das einschläft; hatte sich verkrampft und dann das Bewusstsein verloren.



Die nächsten Stunden waren Thiel vorgekommen, wie ein Alptraum. KTU, Kriminalpolizei und Schutzpolizei bevölkerten das Haus und das Grundstück. Aber es waren Kollegen aus Rheine; Thiel und sein gesamtes Team hatten diese Arbeit nicht übernehmen dürfen.
Boerne war in einem Krankenwagen abtransportiert worden, Thiel erfuhr nicht einmal, wohin.
Die junge Frau war in die Uniklinik gebracht und sofort operiert worden, schwebte in Lebensgefahr. Sie war noch während des operativen Eingriffs ins Koma gefallen und seitdem nicht daraus erwacht.


Schnelltests vor Ort ergaben, dass aus der Waffe, die neben Boerne gelegen hatte, zweifelsfrei ein Schuss abgegeben worden war. Spätere Untersuchungen bestätigten, dass das Projektil, das aus dem Bauch der jungen Frau entfernt wurde, unzweifelhaft aus dieser Waffe stammte.
Und Boerne hatte eindeutig die dazugehörigen Schmauchspuren an den Händen und an der Kleidung.

Die junge Frau, eine mittellose Philippinerin, konnte zwei Tage später identifiziert werden, als eine Freundin sie als vermisst meldete. Sie verdiente sich ihr Geld als Prostituierte auf dem Straßenstrich in der Siemensstraße.
Befragungen unter den wenig hilfsbereiten Frauen, die dort jeden Abend auf Freier warteten, hatten nicht viel ergeben, außer dass die Philippinerin in der Nacht, in der sie niedergeschossen worden war, zu einem Mann in einen schwarzen Mercedes gestiegen war. Ein Cabrio, wie Boerne es fuhr.
Dem Fahrer oder dem Nummernschild hatte keine von ihnen in der Dunkelheit Beachtung geschenkt.


Die ermittelnden Beamten hatten sich den Tathergang schnell zurechtgelegt; ihren Erkenntnissen zufolge hatte Boerne in der Nacht eine Prostituierte aufgegabelt und mit heimgenommen; es war zu einem Streit gekommen, im Laufe dessen er sie mit einer Waffe bedroht hatte; in ihrer Not hatte sie ihm eine schwere Glasvase an den Kopf geschleudert, vermutlich zeitgleich hatte er kaltblütig die Pistole abgefeuert. So jedenfalls lautete die offizielle Version, die sich wie ein Lauffeuer in den Medien verbreitete.


Boerne hatte wegen einer schweren Gehirnerschütterung vier Nächte auf der Krankenstation verbracht, bevor die Ärzte ihn für die normale Untersuchungshaft freigaben.
Von der ersten Sekunde an, nachdem er das Bewusstsein wiedererlangt und erfahren hatte, was man ihm vorwarf, hatte er beteuert, unschuldig zu sein; hatte beteuert, an dem Abend nicht mit dem Auto unterwegs gewesen zu sein, die Frau nicht zu kennen und ganz bestimmt nicht geschossen zu haben, ja, in seinem ganzen Leben keine Waffe besessen zu haben. Er konnte sich nicht erinnern, dass er von der Vase am Kopf getroffen worden war; die Erinnerung setzte erst wieder ein, als Thiel schon in seiner Wohnung gekniet und versucht hatte, der Verletzten zu helfen.

Thiel glaubte ihm, einige Kollegen glaubten ihm. Doch sämtliche Indizien sprachen gegen ihn.

Es war alles schnell gegangen; man hatte das Gefühl, Münster wolle ein Exempel statuieren, wolle zeigen, dass man in einem solchen Fall, bei derart hohem öffentlichen und medialen Interesse ohne großartige Verzögerungen durchgreifen würde.
Innerhalb von elf kurzen Wochen war Boerne vor das Schwurgericht gekommen und wegen versuchten Mordes verurteilt worden.

Und es hatte nichts, wirklich absolut nichts gegeben, was sie dagegen tun konnten.


Kapitel 1 - Kapitel 2 - Kapitel 3 - Kapitel 4 - Kapitel 5 - Kapitel 6 - Kapitel 7 - Kapitel 8 - Kapitel 9 - Kapitel 10 - Kapitel 11 - Kapitel 12 - Kapitel 13 - Kapitel 14 - Kapitel 15 - Epilog

Comments

cricri_72
10. Jan 2013 21:37 (UTC)
Also, ich finde das Szenario auch - zumindest für einen Krimi - ausreichend für eine Verurteilung ;) 3 Monate hätte ich zwar aus dem Bauch heraus auch für knapp gehalten, aber ich glaube, wirklich große Gedanken macht man sich darüber beim Lesen nicht.

Boerne ist natürlich übel dran - aber auch Thiel ist in einer wirklich unschönen Situation. Er konnte bei dieser Konstellation ja nun nichts entlastendes aussagen.

Spricht es für meinen Hang zu h/c, wenn das hier mein Lieblingssatz ist?
Er war unbeholfen in seine Richtung gekrabbelt, hatte nur geflüstert, er sei doch Arzt. Doch er war nicht bis zu Thiel gekommen; nach kürzester Zeit war er zu Boden gesunken, ganz langsam, wie ein Kind, das einschläft; hatte sich verkrampft und dann das Bewusstsein verloren.
baggeli
10. Jan 2013 21:42 (UTC)
Boerne ist natürlich übel dran - aber auch Thiel ist in einer wirklich unschönen Situation. Er konnte bei dieser Konstellation ja nun nichts entlastendes aussagen.
Es ist doch bei mir immer so, wenn einer leidet, leidet der andere mit.

Spricht es für meinen Hang zu h/c, wenn das hier mein Lieblingssatz ist?
Ich fürchte, ja.

:D

Edited at 2013-01-10 21:47 (UTC)

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