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Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 7
Prompt: Regenbogen
Genre: ich einige mich jetzt erst Mal auf etwas Angst, etwas Krimi
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 6800

A.N. 2: Nach ein paar kurzen Erläuterungen von isti83 ist hiermit klar, dass ein Großteil meiner Ideen völlig unrealistisch ist. Ich möchte mal sagen, nahezu Bullshit. Ich habe kein völlig schlechtes Gewissen, Münster ist ja immer etwas daneben. Aber ihr seid hiermit gewarnt.



War Thiels Stimmung schon seit Boernes Verhaftung unterirdisch gewesen, hatte sie nun, als er die Treppen des Präsidiums hochstürmte, ihren absoluten Tiefpunkt erreicht.

Bis heute Morgen hatte er wirklich nicht geahnt, was sich in den letzten Wochen im Gefängnis abgespielt hatte.
Dass der versnobte Professor regelmäßig bei seinen Mitinsassen anecken würde, war vorprogrammiert gewesen. Aber Thiel hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich derart gegen ihn organisieren würden. Nun, mit einem Mal, hatte er das Gefühl, dass die Zeit ihm förmlich zwischen den Fingern verrann; dass Boernes Zeit ihm zwischen den Fingern verrann.
Und es sah nicht so aus, als würden sie in naher Zukunft Ergebnisse erzielen.

Egal, wo Nadeshda und er mit ihren heimlichen Ermittlungen angesetzt hatten, sie stocherten im Dunkeln. Sie hatten nicht den Hauch einer Idee, wer für diese Vorfälle verantwortlich sein könnte.
Es war natürlich gut vorstellbar, dass Rache das Motiv war; die Rache eines Menschen, der durch Boerne in Schwierigkeiten gekommen, vermutlich abgeurteilt worden war.
Einen solch ausgeklügelten Plan aus dem Gefängnis heraus zu organisieren, schien Thiel unmöglich, deshalb hatten sie seit Boernes Verhaftung unzählige Abendstunden und jede ruhige Minute während des Dienstes damit verbracht, Häftlinge zu überprüfen, die in der letzten Zeit auf freien Fuß gekommen waren und die unter anderem Boerne ihren Aufenthalt in der Staatspension zu verdanken hatten. Als erstes natürlich die, die sich zu Drohungen dem Professor gegenüber hatten hinreißen lassen; dann noch die, die Thiel für besonders verschlagen hielt, denn so, wie dieser Coup durchgeführt worden war, gehörte seiner Meinung nach eine Menge Verstand dazu.
Doch all ihre Nachforschungen waren bislang ergebnislos gewesen.



Thiel riss die Tür zu seinem Büro so heftig auf, dass jeder andere wahrscheinlich vor Schreck zusammengefahren wäre; nicht so Nadeshda. Sie hatte sich in den letzten Wochen daran gewöhnt, dass er seinen aufgestauten Frust unter anderem an unschuldigen Türen abließ.

Lächelnd sah sie vom Schreibtisch auf. „Guten Mor…“ Das Lächeln verschwand und sie sprach ihren Satz nicht zu Ende. „Was ist passiert?“ Wie immer konnte sie ihn lesen wie ein offenes Buch.

Thiel ließ sich in seinen Schreibtischstuhl fallen und die ganzen Informationen sprudelten förmlich aus ihm heraus.
Als er sich nach zwei Minuten seufzend zurücklehnte und sich durch die Haare fuhr, saß Nadeshda nur wortlos da und starrte auf ihren Schreibtisch. Ihrem blassen Gesicht nach zu urteilen, war sie ebenso bestürzt, wie er selbst es gewesen war.
Doch als sie wieder aufblickte, sah er ein entschlossenes Funkeln in ihren Augen. „Wie geht es weiter?“

„Die Klemm hilft mir nicht, ich muss mit Denninger sprechen.“ Noch während er ihr antwortete, stand Thiel wieder auf. „Kommen Sie mit?“
Nadeshda schüttelte den Kopf. „Ich glaube, es ist unauffälliger wenn ich hierbleibe. Ich werde weiter die entlassenen Häftlinge überprüfen und scheinheilig so tun, als würden wir alte Akten aufarbeiten.“

Sie lächelte ihn aufmunternd an und er lächelte zurück. Nicht zum ersten Mal wurde ihm klar, dass seine Assistentin einfach Gold wert war. „Danke.“
Sie winkte nur ab und zwei Sekunden später war er aus der Tür.



Der Weg zur JVA war ihm weiß Gott nicht unbekannt, Thiel hatte ihn schon unzählige Male zurückgelegt; noch nie allerdings mit einem solch schlechten Gefühl, wie heute.

Zum Glück machte der Beamte an der Pforte ihm keine Schwierigkeiten. Er schickte Thiel in einen Warteraum und ließ Denninger ausrufen.
Keine zehn Minuten später trat der grauhaarige, breitschultrige Justizvollzugsbeamte durch die Tür.

„Thiel. Ich hätte mir denken können, dass Sie hier ruckzuck auf der Matte stehen. Ihre kleine Kollegin gestern schien ganz schön verzweifelt, als sie gehen musste.“ Denninger kam auf ihn zu und streckte die Hand aus. Ein leichtes Lächeln bereitete sich auf seinen Zügen aus, als Thiel sie schüttelte.
„Wie geht es ihm?“ Eigentlich hatte Thiel das so direkt gar nicht fragen wollen, aber irgendwie hatte sein Mund sich gerade verselbständigt.

Denninger runzelte ein wenig die Stirn und wies dann auf ein paar Stühle. „Zu sagen, dass es ihm gutgeht, wäre gelogen“, sagte er, während sie sich hinsetzten.
„Ein paar der Häftlinge hier machen ihm das Leben verdammt schwer. Aber er ist ein zäher Hund, Ihr Professor, er hält sich gut. Das hätte ich ihm auf den ersten Blick nicht zugetraut.“ Er schmunzelte, als er hinzufügte. „Und eine unbeschreibliche Nervensäge ist er auch. Aber er hat schnell gelernt, wann es besser ist, den Mund zu halten.“
Jetzt war es an Thiel, ein wenig zu lächeln. „Er? Den Mund halten? Das kann ich mir kaum vorstellen.“
Denninger wurde wieder ernst. „Oh doch, glauben Sie es mir. Das war eine seiner ersten Lektionen hier.“

Bei seinem Gesichtsausdruck zog sich Thiels Magen schmerzhaft zusammen und er beugte sich ein wenig in seinem Stuhl vor. „Stimmt es, was Frau Haller sagt? Dass er nichts isst und nicht schläft?"

Der Beamte vor ihm lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Ich glaube, dass Ihre Kollegin das alles etwas schwärzer sieht, als es ist.“ Er schlug die Beine übereinander, als er fortfuhr: „Tatsache ist allerdings, dass Boerne unter starkem Druck steht. Jede Minute, die er mit seinen Mithäftlingen verbringt, ist er auf dem Sprung, muss ständig damit rechnen, dass sie wieder über ihn herfallen. Kein Wunder, dass er schlecht schläft; und zwei oder dreimal in der Nacht machen die Männer in den Nachbarzellen dann noch Randale. Das macht es natürlich nur noch schlimmer. Dass einem dabei der Appetit vergeht, ist ja wohl vorprogrammiert. Aber ein wenig isst er jeden Tag, dafür sorgen wir. Außerdem weiß er selber, dass er einigermaßen bei Kräften bleiben muss, damit er ihnen etwas entgegenzusetzen hat.“

Das klang zwar nicht ganz so dramatisch, wie Frau Haller es dargestellt hatte, aber weiß Gott immer noch schlimm genug.
Aufgebracht sprang Thiel von seinem Stuhl und nahm einmal mehr eine unruhige Wanderung auf, wie so oft in den letzten Tagen. „Aber die Überfälle? Da können Sie doch nicht einfach zusehen? Man muss doch irgendetwas machen können?“

Denninger seufzte. „Ich habe es gestern schon Frau Haller erklärt und Sie selber kennen sich gut genug aus. Die Jungs haben sich perfekt organisiert. Zwei oder drei lenken den diensthabenden Kollegen ab, die anderen schlagen zu, nur einmal, das reicht schon. Boerne hat zum Glück schnell kapiert, dass er die Klappe halten muss, sonst hätten sie ihn längst fertiggemacht.“

Thiel öffnete schon den Mund, um seinem Zorn Ausdruck zu verleihen, doch Denninger hob abwehrend die Hand. „Ich bin schon mehrfach beim Direktor gewesen, glauben Sie es mir. Aber noch wird er nicht einschreiten; das waren alles Kleinigkeiten bislang, Prellungen, Platzwunden. Der Direktor meint, dass es sich mit der Zeit von selbst geben wird, dass sie irgendwann von ihm ablassen.“

Thiel, der für einen Moment am Fenster gestanden hatte, fuhr schnaubend herum. „Das glauben Sie doch selber nicht!“
Der ältere Mann blickte ihn nur ernst an. „Ich habe nicht gesagt, dass ich es glaube.“

Thiel ließ sich mit einem Seufzen zurück gegen die Fensterbank fallen und fuhr sich durch die Haare. Selten hatte er sich so hilflos gefühlt, wie in diesem Moment.


Der JVA-Beamte stand auf und trat an ihn heran. „Thiel, ich passe auf ihn auf, so gut ich kann. Und auch ein paar meiner Kollegen sind auf seiner Seite, die haben ihn ebenfalls im Auge. Wir versuchen, Schlimmeres zu verhindern.“
Thiel nickte wortlos.

„Wollen Sie ihn sehen?“

Die Frage kam so unvermittelt, dass Thiels Kopf förmlich hochschoss. „Geht das?“
Denninger nickte. „Nachdem er nun endlich offiziell Besuch empfangen darf, steht ihm für diesen Monat noch eine Stunde zu. Wenn Sie wollen, besorgen wir Ihnen die Besuchserlaubnis und ich hole ihn dann.“
Thiel überlegte keine Sekunde. „Was stehen wir hier noch rum?“




Es ging schneller, als Thiel das je gedacht hätte. Zehn Minuten nach Denningers Vorschlag waren sie im Büro der Gefängnisverwaltung damit fertig, alle nötigen Papiere auszufüllen und nun wartete Thiel, ebenso wie Frau Haller am Tag zuvor, im Besuchsraum für Familien ungeduldig darauf, dass sich etwas tat.

Er hatte sich inzwischen bestimmt schon dreimal mit einem frustrierten Knurren auf die Couch geworfen und war meist nach zehn Sekunden wieder aufgesprungen.
Als er gerade ein weiteres Mal dazu ansetzte, öffnete sich die Tür und hinter Denninger trat Boerne in den Raum.

t.b.c.

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