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Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 8
Prompt: Regenbogen
Genre: etwas Angst, etwas Krimi, ich fürchte, jetzt auch noch etwas h/c
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 8000

A.N. 2: Nach ein paar kurzen Erläuterungen von isti83 ist hiermit klar, dass ein Großteil meiner Ideen völlig unrealistisch ist. Ich möchte mal sagen, nahezu Bullshit. Ich habe kein völlig schlechtes Gewissen, Münster ist ja immer etwas daneben. Aber ihr seid hiermit gewarnt.


„Thiel?“ Boernes leise Stimme klang fast ungläubig. Der Hauch eines Lächelns huschte über sein Gesicht und seine Augen schienen von jetzt auf gleich etwas lebendiger; doch dann wich dieser Gesichtsausdruck in Sekundenschnelle einem anderem.

Bevor Thiel sich darüber im Klaren war, was sich da gerade in Boernes Kopf abspielte, ergriff sein Kollege das Wort. „Ich habe nicht auf diese Frau geschossen, Thiel. Sie müssen mir das glauben.“
Da war eine derart verzweifelte Intensität in seiner Stimme, dass es Thiel kalt den Rücken hinunterlief; mit einer solchen Reaktion hatte er nicht gerechnet.
Betroffen machte er ein paar Schritte auf Boerne zu. „Boerne… natürlich glaube ich Ihnen. Was haben Sie denn gedacht?“
„Ich war mir nicht sicher“, kam die gemurmelte Antwort. Aber jetzt meinte Thiel, Erleichterung in seiner Stimme zu hören.


Thiel schluckte und trat noch einen Schritt näher, berührte den größeren Mann unbeholfen am Oberarm. „Scheiße, Boerne… Sie sehen aus wie ausgekotzt.“ Das war im Nachhinein betrachtet keine wirklich aufmunternde Begrüßung, aber Thiel war so mitgenommen von dem Anblick, dass er einfach sagte, was er dachte.
Boerne verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. „Ich freue mich auch, Sie zu sehen, Thiel.“
In diesem Moment musste Thiel ein wenig grinsen - egal wie schlecht er aussah, irgendwo war auf jeden Fall noch ein Stückchen vom alten Boerne versteckt.

„Kommen Sie, setzen wir uns.“ Thiel wies mit dem Kopf zum Sofa. Boerne wirkte, als ob jede Minute, die er stehen musste, eine Minute zu viel wäre.
Boerne nickte und ließ sich von ihm zum Sofa führen; langsam, wie ein alter Mann, sank er dort auf die Polster.


Thiel nahm sich in der Zeit das Recht, ihn unverhohlen zu mustern.

Es stimmte, was Frau Haller gesagt hatte, so hatte er Boerne noch nie gesehen; bleich, mit dunklen Ringen unter den Augen und besorgniserregend schmal.
Thiel hatte keinen Kontakt mit ihm aufnehmen dürfen, während Boerne in der Untersuchungshaft saß, hatte ihn das erste Mal zur Gerichtsverhandlung wiedergesehen. Zu dem Zeitpunkt hatte sein Kollege schon sichtbar an Gewicht verloren, aber jetzt war er an einem Punkt angekommen, an dem das nicht mehr gesund sein konnte.

Da war eine kaum verheilte Narbe auf seiner Stirn nah am Haaransatz, die auf der blassen Haut geradezu ärgerlich rot leuchtete; als Boerne sich mit einem fast schmerzerfüllten Seufzen zurücklehnte und seine Brille hochschob, schnappte Thiel seine Hand. Zwei der langen, schlanken Finger waren geschwollen und blau, die Fingernägel blutunterlaufen.

"Mensch Boerne. Was machen die mit Ihnen?" Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme ein wenig zitterte; Wut, Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit - er konnte nicht einmal sagen, was ihm in diesem Augenblick am meisten zu schaffen machte.
Boerne zog die Hand ruhig zurück und sah ihn an. "Das wissen Sie doch genauso gut wie ich.“

Bevor Thiel etwas darauf erwidern konnte, stellte Boerne eine Gegenfrage. „Wie geht es Alberich? Sie sah schrecklich aus, als sie gestern nach Hause gegangen ist.“ Natürlich lenkte er gleich wieder von sich selber ab, auch wenn es echte Sorge war, die aus ihm sprach, man hörte es an seiner Stimme.
Doch Thiels Meinung nach hatte er gerade genug mit seinen eigenen Problemen zu tun; er versuchte, Boernes Besorgnis zu zerstreuen. „Frau Haller kommt schon klar, sie ist dank Ihnen doch Elend gewohnt.“

Sein Kollege seufzte müde. „Erzählen Sie mir doch keinen Unsinn. Ich bin nicht blind, sie ist kaum wiederzuerkennen.“ Boerne legte den Kopf etwas schräg und runzelte die Stirn. „Was ist der Grund? Ist dieser vergnügungssüchtige Giftmischer unverschämt zu ihr?“

Thiel seufzte ebenfalls. Es war ja eigentlich klar gewesen, dass er Boerne nichts vormachen konnte. „Nein, natürlich sind Sie der Grund! Sie macht sich wahnsinnige Sorgen, schon vom ersten Tag an. Seit sie gestern gehört hat, was hier abgeht und gesehen hat, wie Sie aussehen, hat sie noch mehr Angst.“

Boerne reagierte nicht auf diese Aussage, starrte nur unverwandt auf seine Hände. Und Thiel stand schon wieder auf, musste wie immer seine Energie irgendwie durch Bewegung kompensieren. „Ich glaube nicht, dass Diebeck unverschämt zu ihr ist, aber die Zusammenarbeit zwischen ihnen ist ein Krampf. Sie geht ihm aus dem Weg, wo sie nur kann.“

Boerne nickte leicht und sah wieder auf. „Sie konnte ihn noch nie leiden, seine sture Art und seine Überheblichkeit lassen ihr innerhalb weniger Sekunden den Kamm schwellen.“
„Dabei sollte man doch meinen, dass sie nach so vielen Jahren mit Ihnen mit Überheblichkeit umzugehen weiß.“
„Schwach, Thiel. Ganz schwach.“ Boerne hatte nur die Augenbrauen hochgezogen und den Kopf geschüttelt, während Thiel selber etwas überrascht war über das, was er da gerade gesagt hatte.
Doch die Frotzelei schien ihnen beiden gutzutun. Und erleichtert stellte Thiel fest, dass Boerne heute nicht so still war, wie am Tag zuvor bei Frau Haller; er hätte auch nicht gewusst, wie er damit hätte umgehen sollen.


Boerne rutschte mühsam noch ein Stück tiefer, so dass er den Kopf an die Rückenlehne legen konnte und musterte ihn. „Wirklich frisch sehen Sie aber auch nicht aus. Alberich hat doch gesagt, die letzten Tage wären eher ruhig gewesen?“
Thiel fuhr sich durch die Haare. Er warf einen kurzen Blick auf die Überwachungskamera in der Ecke des Raumes, bevor er antwortete: „Sie wissen doch, wie das ist. Es gibt immer genug zu tun. Nadeshda und ich kümmern uns gerade um... alte Akten.“

Als er zu Boerne zurückschaute, sah er, dass der Professor ihn verstanden hatte. „Dann viel Erfolg.“ Boernes Stimme war nur mehr ein Flüstern, doch hörte Thiel Sorge, Hoffnung und Dankbarkeit gleichermaßen darin. Dann schloss er für einen Moment die Augen und erschauderte sichtbar.

Beunruhigt trat Thiel wieder näher. „Was ist denn mit Ihnen? Alles in Ordnung?“
Boerne sah zu ihm auf. „Es ist überall so kalt hier. Ich friere die ganze Zeit.“ Er klang so erschöpft, wie er aussah.

„Mensch Boerne.“ Thiel machte einen langen Schritt zum Sofa, zog währenddessen schon seine Jacke aus. „Die Temperatur hier ist ganz normal. Sie frieren, weil Sie übermüdet sind und keinen Speck mehr auf den Rippen haben. Ist doch klar, dass man dann nicht warm wird.“ Mit diesen Worten breitete er seine Jacke über Boerne aus.

Sein Kollege wehrte sich nicht dagegen, zog nur eine Augenbraue hoch und murmelte: „Danke für die Diagnose, Dr. Thiel.“
Thiel grinste kurz und setzte sich wieder zu seinem Kollegen. „Wo hat Denninger Sie hergeholt? Waren Sie in Ihrer Zelle?“
Boerne schüttelte den Kopf. „Nein, ich musste in der Küche arbeiten, als er mir sagte, Sie seien da. Sie hätten sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, ich sollte eigentlich das Fleisch aus dem Kühlraum holen.“ Er ließ die Augen wieder zufallen, als er in einem kaum verständlichen Murmeln hinzusetzte: „In dem Bereich ist die Videoüberwachung defekt.“

Er sagte nicht mehr, aber Thiel musste auch nicht mehr hören. In ihm hatte sich alles verkrampft.
Er erinnerte sich an Frau Hallers Verzweiflung an diesem Morgen und an die Ängste, die sie ausgesprochen hatte. Und als er jetzt Boernes Gesicht sah, konnte er sie verstehen.


„Boerne?“ Thiel hatte unbewusst eine Hand auf seinen Arm gelegt, redete erst weiter, als sein Kollege ihn ansah. „Sie werden sich hier nicht unterkriegen lassen, versprochen?“
Boerne hielt seinen Blick für einen Moment, dann nickte er langsam. „Ich werde nicht aufgeben, solange Sie mich nicht aufgeben.“ Er sagte es leise, aber bestimmt. Und der Stein in Thiels Magen wurde ein klein wenig leichter.
„Das klingt nach einem fairen Deal. Sie sollten Ihr Wort verdammt noch mal halten, sonst bekommen Sie Schwierigkeiten mit mir.“ Thiel versuchte, locker zu klingen, doch so ganz gelang ihm das nicht.

Boerne nickte nur.

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