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Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 9
Prompt: Regenbogen
Genre: etwas Angst, etwas Krimi, ich fürchte, jetzt auch noch ein ziemlicher Schwapps h/c
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 9200

A.N. 2: Nach ein paar kurzen Erläuterungen von isti83 ist hiermit klar, dass ein Großteil meiner Ideen völlig unrealistisch ist. Ich möchte mal sagen, nahezu Bullshit. Ich habe kein völlig schlechtes Gewissen, Münster ist ja immer etwas daneben. Aber ihr seid hiermit gewarnt.


Für eine kurze Zeit saßen sie schweigend nebeneinander. Boerne schien etwas zu dösen; Thiel beobachtete ihn still und je länger sein Blick auf dem ausgemergelten Gesicht seines Kollegen ruhte, desto verzweifelter kreisten seine Gedanken darum, wie er ihn endlich hier herausbekommen konnte. Er wurde aus ihnen aufgeschreckt, als Boerne zusammenzuckte und die Augen mit einem leisen Keuchen wieder aufriss.

„Was ist?“ Thiel hatte sich erschreckt hinübergebeugt. Der Professor murmelte nur heiser: „Ich muss kurz eingenickt sein. Tut mir leid.“
„Mensch Boerne, Sie sollen sich nicht entschuldigen. Ruhen Sie sich einfach aus.“
Boerne blinzelte ihn müde an. „Thiel, es war mir wochenlang nicht erlaubt, mit Ihnen zu reden. Da will ich die eine Stunde, die uns zur Verfügung steht, nicht unbedingt verschlafen.“ Er rutschte etwas mühselig in eine andere Position.


Er hatte ja Recht; Thiel entschied sich, die Zeit zu nutzen. „Haben Sie inzwischen irgendeine Idee, wer hinter dieser Sache stecken könnte?“ Den Überwachungskameras zum Trotz musste er diese Frage einfach stellen. Vielleicht konnte Boerne seiner und Nadeshdas heimlicher Arbeit neue Impulse geben.
Doch Boerne schüttelte nur den Kopf. „Egal wie ich mir das Hirn zermartere, ich habe keinen Anhaltspunkt. Es gibt einfach zu viele, denen ich auf die Füße getreten bin.“ Er schob seine Brille hoch und rieb sich die Augen, bevor er fortfuhr: „Ich bin die Täter der letzten Jahre durchgegangen, die mir gegenüber Drohungen ausgesprochen haben. Das sind knapp ein Dutzend gewesen, doch wenn ich mich nicht täusche, haben sie alle noch mindestens ein oder zwei Jahre abzusitzen. Von denen kann es keiner gewesen sein.“ Er zuckte mit den Schultern. „Tatsache ist, derjenige, der sich das ausgedacht hat, war kein Dummkopf. Aber davon haben wir ja in den Jahren viele zur Strecke gebracht. Zu viele.“

Vielleicht hatte Boerne noch jemanden in seinem zweifellos brillanten Gedächtnis gespeichert, den sie bislang nicht überprüft hatten; aber bei all den Personen, die der Professor auf Thiels Bitte hin aufzählte, war keiner dabei, den Nadeshda und er nicht in den letzten Wochen genauestens unter die Lupe genommen hatten.

Um nicht zu offensichtlich zu machen, dass er in die gleiche Richtung ermittelte, konnte Thiel nicht viel dazu sagen, lauschte lediglich angespannt Boernes Erläuterungen, bis sein Kollege schließlich erschöpft verstummte. Schon vorher, während seiner letzten, immer leiser werdenden Sätze hatten sich seine Augen geschlossen, als habe er einfach nicht mehr die Kraft, sie offen zu halten.


Thiel seufzte. Er war sich ziemlich sicher, dass es sinnlos sein würde, den Professor noch weiter auszufragen, also stützte er die Ellbogen auf die Knie, verschränkte die Hände unter dem Kinn und beobachtete schweigend, wie Boernes Kopf nach kurzer Zeit der Stille langsam auf die Seite sank. Wenige Sekunden später zuckte er noch einmal ein wenig und murmelte Thiels Namen und irgendetwas Unverständliches hinterher, doch Thiel legte eine Hand auf seinen Arm und flüsterte leise: „Schlafen Sie.“ Und zu seiner Befriedigung entspannte sein Kollege sich endlich und ließ sich fallen.


Während Boerne auf dem Sofa ruhig und ungestört schlief, wechselte Thiel rastlose Wanderungen mit minutenlangem Stillstehen vor dem Fenster ab, bis Denninger die Tür öffnete und in den Raum kam.
Als Thiel sich umblickte, zuckte der Beamte wie entschuldigend mit den Schultern und wies nur mit dem Kopf auf die Uhr.


Um sich von seinem Kollegen zu verabschieden, trat Thiel zurück an die Couch. „Boerne?“ Er berührte ihn vorsichtig an der Schulter und der Rechtsmediziner drehte mit einem Seufzen den Kopf und öffnete die Augen.
Thiel nahm die Jacke, mit der der Professor zugedeckt gewesen war. „Die Besuchszeit ist vorbei, ich muss gehen. Aber ich komme zurück, sobald ich kann, ok?“
Boerne, der so aus dem Tiefschlaf gerissen noch um einiges blasser aussah als zuvor, nickte nur wortlos und versuchte dann, aufzustehen. Aber er schien Schwierigkeiten zu haben, von dem niedrigen Sofa hoch und auf die Füße zu kommen, also fasste Thiel kurzerhand seine Arme und zog ihn kraftvoll nach oben. Etwas zu kraftvoll vielleicht, Boerne geriet durch den Schwung ins Stolpern, doch Thiels Hände schossen vor und stützen ihn.
Zumindest war das sein Plan gewesen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Boerne sich mit einem erstickten Keuchen zusammenkrümmen würde, in dem Augenblick, in dem er die Hände gegen seinen Brustkorb stemmte. Ehe Thiel überhaupt verstand, was los war, knickten Boernes Knie ein, er wäre zusammengebrochen, wenn der erschreckte Kommissar ihn nicht aufgefangen hätte. Sein instinktiver, fester Griff ließ Boerne allerdings gequält aufschreien, dann kippte sein Kopf kraftlos gegen Thiels Brust, während er mühevoll um Atem rang.
Geschockt lockerte Thiel seinen Griff um Boernes Rippen und ging in die Knie, ließ seinen eindeutig vor Schmerzen stöhnenden Kollegen so sanft wie nur möglich auf den Boden sinken, während Denninger auf sie zu sprintete.

„Boerne? Was ist los?“ Der grauhaarige Gefängniswärter hockte sich hastig zu ihnen, stützte Boernes Nacken und Schultern und nach einem kurzen Blick der Verständigung half er Thiel, den in abgehackten, flachen Zügen atmenden Mann hinzulegen.
Kaum hatte er eins der Sofakissen unter Boernes Kopf geschoben, löste er vorsichtig dessen verkrampften Griff um seine Seite und sah flüchtig auf. „Halten Sie ihn.“
Thiel verstand sofort und nahm Boernes kalten Hände in die seinen, so dass Denninger nun die Anstaltsjacke zurückschlagen und behutsam das T-Shirt nach oben schieben konnte.

Thiel schloss für einen Moment die Augen, während sich die Miene des Beamten verfinsterte. Er blickte Boerne, der jetzt langsam wieder zu Atem kam, nur ungläubig ins Gesicht. „Wann zur Hölle ist das passiert?“ Sein Tonfall machte deutlich, dass er keine Ausflüchte duldete; das schien sogar Boerne einzusehen. Es brauchte allerdings noch zwei zittrige Atemzüge, bevor er antworten konnte. „Unmittelbar bevor Sie mich hierher gebracht haben.“
„Warum um alles in der Welt haben Sie nichts gesagt? Das muss sich ein Arzt ansehen.“
Thiel seufzte schon, bevor Boerne überhaupt den Mund geöffnet hatte. „Ich bin doch selber Arzt. Das hier sind nur Prellungen; mit Thiel zu sprechen, war wichtiger.“

Kopfschüttelnd verengte Denninger die Augen. „Wie ist das passiert?“
„Wollen Sie die offizielle Version? Ich bin auf dem frisch gewischten Boden ausgerutscht und auf ein Regal geprallt.“ Bei dem Zynismus, der in diesem heiser gemurmelten Satz mitschwang, schimmerte definitiv ein wenig von Boernes üblicher Respektlosigkeit durch.
Der JVA-Beamte dagegen wurde immer einsilbiger. „Wo?“
Der Professor bewegte sich etwas, verzog dabei schmerzhaft das Gesicht „Im Kühlraum.“ Er hatte die Augen geschlossen, flüsterte nur noch.
Nun blieb Thiel fast der Mund offenstehen. Fassungslos mischte er sich ein. „Sie haben doch gesagt, mein Besuch hätte Ihnen den Weg in den Kühlraum erspart?“
Boerne machte sich nicht die Mühe, die Augen wieder zu öffnen, als er wisperte: „Den zweiten Weg. Ich habe vorher schon das Gemüse holen müssen.“
Thiel wollte die Implikation nicht glauben. „Großer Gott.“

„Verdammt, diese Kamera hätte längst repariert sein müssen! Ich fordere das seit zwei Wochen.“ Denninger klang wutentbrannt, als er Boernes Kleidung wieder richtete und dann aufblickte. „Ich bringe ihn auf die Krankenstation. Jemand anders wird Sie rausbegleiten, Thiel.“ Mit diesen Worten marschierte er zu einem Telefon an der Wand und informierte seine Kollegen.

Thiel hatte sich derweil wieder zu dem aschfahlen Boerne umgedreht und drückte die Hand, die er immer noch hielt. „Boerne?“
Mühsam blinzelte der Professor ihn an.
„Sie denken an Ihr Versprechen?“
Boernes Augenlider sanken langsam wieder herab. „Ich versuche es.“


Kapitel 1 - Kapitel 2 - Kapitel 3 - Kapitel 4 - Kapitel 5 - Kapitel 6 - Kapitel 7 - Kapitel 8 - Kapitel 9 - Kapitel 10 - Kapitel 11 - Kapitel 12 - Kapitel 13 - Kapitel 14 - Kapitel 15 - Epilog

Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
13. Jan 2013 06:58 (UTC)
Du läßt die zwei aber echt leiden ... :( Da hat man bei der Kühlraum-Geschichte im letzten Kapitel ein wenig aufgeatmet, und dann so was. Nach wie vor tut mir Thiel fast ebenso leid wie Boerne; Du hast die zwei in eine wirklich üble Lage gebracht.

Boerne blinzelte ihn müde an. „Thiel, es war mir wochenlang nicht erlaubt, mit Ihnen zu reden. Da will ich die eine Stunde, die uns zur Verfügung steht, nicht unbedingt verschlafen.“
*huggles Boerne*

Thiel seufzte schon, bevor Boerne überhaupt den Mund geöffnet hatte. „Ich bin doch selber Arzt.
Ein ganz kleiner Lacher ... wobei einem das Lachen doch eher im Hals stecken bleibt.

Wer dahinter steckt, hat sich ja nicht unbedingt erhellt. Aber ich denke ja eher, es wird niemand sein, dne Boerne ins Gefängnis gebracht hat, sondern ein mißgünstiger Kollege. Zum Beispiel der aktuelle Vertreter im rechtsmedizinischen Institut ... Wobei es schon heftig ist, dafür eine unbeteiligte dritte Person (fast) umzubringen. Hm.
baggeli
13. Jan 2013 10:14 (UTC)
Du hast die zwei in eine wirklich üble Lage gebracht
Ja, das habe ich, zweifellos

Ein ganz kleiner Lacher ... wobei einem das Lachen doch eher im Hals stecken bleibt.
Naja, ein kleiner Grinser war es schon, oder?
Für mich selber zumindest. ;o)

Wer dahinter steckt, hat sich ja nicht unbedingt erhellt
Ich werde es euch nicht vorenthalten, soviel steht fest

Aber ich denke ja eher, es wird niemand sein, dne Boerne ins Gefängnis gebracht hat, sondern ein mißgünstiger Kollege. Zum Beispiel der aktuelle Vertreter im rechtsmedizinischen Institut
Du hast dich gnadenlos an Diebeck festgebissen, was? *kicher* Ich habe ihn aber auch übertrieben schrecklich gezeichnet. Wenn schon doof, dann richtig. ;D (Allerdings diente das vor allem dazu, zu zeigen, wie negativ sich die Arbeitssituation für die arme Alberich inzwischen entwickelt hat und das es doch definitiv Schlimmeres gibt, als mit einem Chef wie Boerne arbeiten zu müssen. Denn all seinen reichlichen, schrecklich anstrengenden Eigenschaften zum Trotz, über die sie ja auch oft genug die Augen verdreht hat, sind die zwei meines Erachtens nach einfach gut ausgekommen)

Wobei es schon heftig ist, dafür eine unbeteiligte dritte Person (fast) umzubringen. Hm.
Wer weiß, wie das alles gelaufen ist und wie es dazu kam...
( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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