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Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 10
Prompt:
Regenbogen
Genre Angst, Krimi, h/c
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 10200

A.N. 2: Nach ein paar kurzen Erläuterungen von isti83 ist hiermit klar, dass ein Großteil meiner Ideen völlig unrealistisch ist. Ich möchte mal sagen, nahezu Bullshit. Ich habe kein völlig schlechtes Gewissen, Münster ist ja immer etwas daneben. Aber ihr seid hiermit gewarnt.

Hatte sich Thiel mit einem unguten Gefühl zur JVA aufgemacht, war der Rückweg noch um einiges schlimmer. Das Gefühlschaos, das in ihm brodelte, schnürte ihm fast die Kehle zu. Die Sorge, dass er und Nadeshda mit ihren verzweifelten Ermittlungen nicht vorankommen würden, die Sorge, was als nächstes mit Boerne passieren könnte, unbändiger Zorn über die Geschehnisse im Gefängnis und seine Hilflosigkeit dahingehend trieben ihn an seine Grenzen.


Es wurde ihm bewußt, dass er zum Fürchten aussehen musste, als ihm auf der Treppe einige seiner Kollegen mit verwundertem Gesichtsausdruck auswichen und sich im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand drückten, als er an ihnen vorbeistürmte.
Doch er scherte sich nicht darum, wollte sich nur so schnell wie möglich mit seiner Assistentin beraten.


Als er wie so oft in letzter Zeit die Tür zu seinem Büro aufriss, blickte Nadeshda auf. Im Gegensatz zu sonst sah er kein müdes Lächeln in ihrem Gesicht.
Diesmal war es ein hoffnungsvolles Strahlen.


Thiel verharrte mitten im Schritt. Dann warf er mit Schwung die Tür hinter sich zu und eilte zu ihr an den Schreibtisch. „Was haben Sie herausgefunden?“ Innerhalb einer Sekunde hatte die Aufregung, die sich seiner schlagartig bemächtigte, all seine negativen Gefühle beiseitegeschoben.

Nadeshda wies sogleich auf ihren Monitor. „Frank Holthausen. Erinnern Sie sich?“
Die Rädchen in Thiels Kopf begannen sich zu drehen und in der Sekunde, in der er das Foto auf dem Bildschirm sah, wusste er Bescheid.
Ein junger Mann, den Thiel in seinem ersten Jahr in Münster hinter Gittern gebracht hatte. Er hatte einen Kommilitonen getötet, der ihm die Freundin ausgespannt hatte.
Obwohl die Tat Thiels persönlicher Meinung nach alle Kriterien eines Mordes erfüllte, hatten Münsters beste Anwälte und nicht zuletzt auch wohl das Geld und der Einfluss seines Vaters bewirkt, dass er nur wegen Totschlags verurteilt worden war.

Das war einer der Fälle, die er nie vergessen würde, Thiel hatte den schlaksigen Jungen noch gut vor Augen. Er war damals erst zwanzig Jahre alt gewesen, und auf den ersten Blick hätte wohl niemand gedacht, zu dass er zu einer solchen Tat überhaupt fähig war. Aber da war etwas in seinen Augen gewesen, das Thiel einen Schauer über den Rücken gejagt hatte.

Es war Boerne gelungen, anhand von akribischen Untersuchungen nachzuweisen, dass Holthausen entgegen seiner Behauptungen in der Mordnacht am Tatort gewesen war; es war Thiel gelungen, dem jungen Mann in einem Verhör-Marathon das Geständnis abzuringen, dass er auf seinen Studienkollegen eingeschlagen hatte.
Thiel würde nie den Blick von Holthausens Vater vergessen, als sein Sohn aus dem Gerichtssaal geführt wurde. Dieser Blick war noch beängstigender gewesen, als der seines Sohnes.


„Er ist vor fünf Monaten aus der Haft entlassen worden.“ Nadeshda tippte wie verrückt und präsentierte ihm dann einen Bildschirm von der Straßenverkehrsbehörde. „Er ist wieder bei seinem Vater eingezogen und lebt im Moment vom süßen Nichtstun. Kaum, dass er aus der Haft entlassen wurde, hat Papi ihm erst einmal ein neues Auto hingestellt. Ein schwarzes Mercedes-Cabrio. Und eine Sache gibt es noch.“ Sie wandte sich erneut dem PC zu. „Er war vor seiner Verhaftung Mitglied im Sportschützenverein. Sie schießen dort mit Handfeuerwaffen.“ Sie blickte auf. „Sein Vater hat ebenfalls einen Waffenschein, sie haben ein Sammelsurium verschiedenster Waffen im Haus.“

„Von der Pistole in Boernes Wohnung war die Seriennummer professionell entfernt, es ließ sich nicht nachweisen, woher sie stammt“, murmelte Thiel gedankenverloren.
Nadeshda blickte auf. „Dann sollten wir überprüfen, ob bei Holthausen noch alle im Schrank stehen.“

„Das Problem dabei ist, dass wir nicht einfach hinlatschen und ihn zur Rede stellen können“, knurrte Thiel, inzwischen schon wieder etwas frustrierter. Die anfängliche Begeisterung wich im Licht der Tatsache, dass ihnen nahezu die Hände gebunden waren, langsam wieder der Ernüchterung.
„Ich habe einen Freund bei der Schutzpolizei, der mir noch einen Gefallen schuldet. Ich kann ihn bitten, mal da vorbeizufahren und eine Überprüfung des Waffenschrankes vorzunehmen. Das wird nicht weiter auffallen, seit Winnenden kontrolliert NRW wie verrückt alle Waffenbesitzer.“
„Ja, machen Sie das.“

Er ließ sich mit einem Seufzen in seinen Schreibtischstuhl fallen und grübelte darüber nach, dass er wohl mit seinem Verdacht an die Staatsanwaltschaft treten und offizielle Ermittlungen einfordern musste, als Nadeshda ihn aus seinen Gedanken riss. „Was hat ihr Gespräch mit Denninger ergeben?“

Thiel lehnte sich müde zurück und fasste schnell und so ruhig er konnte die Geschehnisse der letzten zwei Stunden zusammen. Trotzdem merkte er selber, wie ihm der Blutdruck wieder anstieg, als er sich daran erinnerte, wie Boerne in seinen Armen zusammengesackt war.

Nadeshda hatte gegen Ende seiner Erläuterungen die Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt und rieb sich das Gesicht. Als er verstummte, blickte sie auf. Und wie schon am Morgen funkelte Entschlossenheit ihn ihren Augen. „Ich hole Ihnen jetzt einen Kaffee. Und danach sprechen wir mit Frau Klemm. Wir können nicht ewig heimlich weiterermitteln, das kostet Zeit, die wir nicht haben. Diese Verdachtsmomente gegen Holthausen kann die Staatsanwaltschaft nicht ungeprüft lassen, sie müssen dem nachgehen.“
Thiel nickte, erleichtert darüber, dass Nadeshda seiner Ansicht war.



Eine Stunde später saß Thiel zum wiederholten Mal an diesem Tag vor dem Schreibtisch der Staatsanwältin.
Frau Klemm dagegen saß nicht. Sie stand mit einer Zigarette zwischen den Fingern am Fenster und lauschte grimmig Nadeshdas kurzen Ausführungen über Frank Holthausen. Zu Anfang hatte sie tatsächlich hoffnungsvoll ausgesehen, als Thiel ihr sagte, sie hätten eine Spur, doch hatte sich ihre Miene unmittelbar nachdem der Name des Verdächtigen gefallen war, verdüstert.

Als Nadeshda geendet hatte, holte sie tief Luft. „Vergessen Sie Holthausen.“
Thiel fuhr auf. „Frau Klemm, bitte, Sie müssen doch zugeben, dass das alles ganz hervorragend passen würde…“
Sie ließ ihn nicht ausreden, sondern brachte ihn mit einer herrischen Handbewegung zum Schweigen. „Ich habe gesagt, vergessen Sie ihn.“ Sie drückte ihre Zigarette aus und nahm dann hinter ihrem Schreibtisch Platz und verschränkte die Hände auf der Tischplatte.
„Am Abend von Boernes Verhaftung hat Hans Lüdinghaus Geburtstag gefeiert.“
Thiel hatte keine Idee, worauf sie hinauswollte und auch Nadeshdas Gesichtsausdruck war wohl verständnislos genug, dass sie gleich eine Erklärung nachlieferte. „Das ist einer der reichsten Agrarunternehmer der Stadt. Auf seiner Gästeliste steht immer alles, was in Münster Rang und Namen hat, die bessere Gesellschaft. Oder auch einfach nur die mit viel Geld.“ Sie starrte Thiel in die Augen, ihre Stimme war leise, als sie sagte: „Holthausen war in dieser Nacht einer der letzten Gäste. Und sein Sohn auch. Ich weiß das, ich war selbst dort. Sie standen keine zehn Meter von mir entfernt, in der Sekunde, in der ich Ihren Anruf bekommen habe.“


Bevor Thiel für einen Moment seine müden Augen schloss, sah er, wie Nadeshda ihr Gesicht in den Händen vergrub.



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Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
14. Jan 2013 21:08 (UTC)
Du kennst echt keine Gnade ... erst Hoffnung wecken, und dann, zack :( Wobei das natürlich auch ein perfekt konstruiertes Alibi sein könnte *grübel*

Es wurde ihm bewußt, dass er zum Fürchten aussehen musste, als ihm auf der Treppe einige seiner Kollegen mit verwundertem Gesichtsausdruck auswichen und sich im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand drückten, als er an ihnen vorbeistürmte.
*huggles Thiel*
baggeli
14. Jan 2013 21:12 (UTC)
Du kennst echt keine Gnade ... erst Hoffnung wecken, und dann, zack :(
Was soll ich sagen... der Job ist absolut undankbar. Rückschläge sind vorprogrammiert.

*huggles Thiel*
*huggles mit*
( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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