?

Log in

No account? Create an account

zurück | vor

Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 11
Prompt:
Regenbogen
Genre Angst, Krimi, h/c
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen.
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 11500

A.N. 2: Nach ein paar kurzen Erläuterungen von isti83 ist hiermit klar, dass ein Großteil meiner Ideen völlig unrealistisch ist. Ich möchte mal sagen, nahezu Bullshit. Ich habe kein völlig schlechtes Gewissen, Münster ist ja immer etwas daneben. Aber ihr seid hiermit gewarnt.


„Thiel, gehen Sie heim. Sie auch Nadeshda. Für heute haben Sie genug geleistet.“ Da war ein Unterton in Frau Klemms Stimme, wie Thiel ihn selten gehört hatte; sie klang frustriert und besorgt, gleichzeitig müde.

Aber Thiel schüttelte den Kopf. Sie würden sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen lassen, sie  mussten weitermachen. Jetzt erst recht.
„Nein, wir fahren zurück ins Präsidium. Kommen Sie, Nadeshda.“ Er wollte aufstehen, doch in dem Moment bellte Frau Klemm nur: „Hinsetzen!“

Nadeshda riss erschreckt die Augen auf und Thiel ließ sich widerwillig in seinen Stuhl zurückfallen, als die Staatsanwältin wieder das Wort ergriff.
„Seit Wochen ermitteln Sie in Boernes Sache. Glauben Sie nicht, ich wäre so blind, dass ich das nicht von der ersten Sekunde an bemerkt hätte. Egal, zu welcher Tages- und Nachtzeit man ins Präsidium kommt, hängen Sie beide über dem PC oder über alten Akten.“ Bevor Thiel darauf reagieren konnte, fügte sie ernst hinzu: „Ehrlich gesagt hätte es mich enttäuscht, wenn es nicht so wäre.“

Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und holte tief Luft. „Ich habe dem bislang keinen Riegel vorgeschoben und solange Sie Ihre eigentlichen Aufgaben darüber nicht vernachlässigen, werde ich das auch weiterhin nicht tun. Aber Sie können nicht ewig so weitermachen, Thiel. Sehen Sie sich und Nadeshda mal an. Sie brauchen eine Pause.“


Thiel hatte damit gerechnet, für seine heimlichen Arbeiten zur Rechenschaft gezogen zu werden; dass seine Vorgesetzte ihnen bewusst freie Hand gelassen hatte, ja sogar Verständnis äußern würde, hätte er dagegen nie erwartet. Er war ihr ehrlich dankbar.
Aber wenn sie Boerne gesehen hätte, würde sie verstehen, warum er wieder zurück ins Präsidium musste.

„Frau Klemm, ich war vorhin in der JVA und durfte mit Boerne sprechen. Sie können sich nicht vorstellen wie er aussieht…“ Er schluckte. „Heute Morgen, ganz kurz bevor Denninger ihm gesagt hat, dass ich auf ihn warte, ist er wieder angegriffen worden. Weil er mit mir reden wollte, hat er den Vorfall verschwiegen anstatt sich behandeln zu lassen. Wir haben es nur zufällig herausgefunden, weil er ohne Hilfe nicht mehr vom Sofa aufstehen konnte und dann vor Schmerzen zusammengeklappt ist.“

Ihre Augen weiteten sich. „Was ist mit ihm?“
Thiel zuckte müde mit den Schultern. „Er sagt selber, es sind nur geprellte Rippen. Aber seine Brust sah übel aus, die ganze rechte Seite war blau. Denninger hat ihn zur Krankenstation gebracht.“



Frau Klemm hob wortlos den Telefonhörer ab und wählte energisch. Nach wenigen Sekunden begann Sie zu sprechen. „Klemm, Staatsanwaltschaft Münster. Verbinden Sie mich sofort mit Dr. Neuhaus vom Krankenflügel. … Ja, ich warte.“
Sie bedeckte mit einer Hand die Sprechmuschel und erklärte ganz nebenbei: „Hermann ist bei mir im Brigde-Club.“

Thiel fragte sich nicht zum ersten Mal, ob es eigentlich irgendeinen Menschen in Münster gab, den Frau Klemm nicht persönlich kannte. Gegen seinen Willen musste er ein wenig schmunzeln und ein Seitenblick auf Nadeshda zeigte ihm, dass sie ebenfalls ein leichtes Lächeln im Gesicht hatte.

Gleich darauf ergriff Frau Klemm wieder das Wort. „Hermann, was ist mit Boerne? Du hattest mir versichert, dass du dich sofort meldest, wenn wieder etwas passiert.“ Sie klang regelrecht vorwurfsvoll und Thiel zog verwundert die Augenbrauen hoch. Er hatte nicht gedacht, dass Frau Klemm mit dem Gefängnisarzt in so engem Kontakt stand.
Die Staatsanwältin runzelte die Stirn und spielte gedankenverloren mit einem Kugelschreiber herum, während sie dem Mann am anderen Ende der Leitung einen Moment lauschte. Dann blickte sie plötzlich auf.
„Du hast was gemacht?“ Sie schnaubte amüsiert. „Dir ist klar, was dich erwartet, wenn Boerne wieder zu sich kommt? ... … Ja, da ist was dran. Sein Vortrag wird sicherlich eloquenter sein als das, was du sonst durch Tag und Zeit zu hören bekommst, genieß es einfach. Und sei froh, wenn er dich nicht wegen Körperverletzung verklagt.“
Sie stellte den Kugelschreiber in den Stifthalter zurück und hörte noch eine ganze Weile zu, begann dann zu grinsen. „Meine Güte, das hat ja perfekt funktioniert. Mindestens achtundvierzig Stunden sagst du? Das ist beruhigend, vielen Dank, Hermann. Und du meldest dich wenn etwas ist, denk dran. …  … Ja, auf Wiederhören.“

Kaum dass Frau Klemm den Hörer aufgelegt hatte, seufzte sie erleichtert auf. „Es sind wirklich nur Prellungen, die Rippen sind heil geblieben. An sich hätte Boerne wieder zurück in seine Zelle gemusst, aber Dr. Neuhaus hat dafür gesorgt, dass er eine dringend benötigte Auszeit bekommt.“
Während die Staatsanwältin eine Zigarette aus der wie immer griffbereit liegenden Packung klopfte und wie so oft zum Fenster wanderte, tauschten Thiel und Nadeshda einen kurzen, verwunderten Blick aus.

„Hermann hat Professor Boerne ein Schmerzmittel aufgezwungen, um ihm das Atmen zu erleichtern. Er hat ihm allerdings verschwiegen…“ An dieser Stelle unterbrach sie sich und zündete sie ihre Zigarette an. Nach einem tiefen Zug ließ sie genüsslich den Rauch entweichen, bevor sie fortfuhr. „…oder vielleicht sollte ich sagen, er hat unglücklicherweise vergessen zu erwähnen, dass den Tropfen ein Schlafmittel beigemischt war.“
Tatsächlich breitete sich nun wieder ein Grinsen auf ihren Zügen aus.
„Er hat unserem widerspenstigen Professor die Medikamente eingeflößt und den Direktor auf die Krankenstation zitiert. Während Hermann Boernes Rippen bandagiert und den Gefängnisleiter in eine hitzige Diskussion über den erneuten Überfall verwickelt hat, hat dieses Schlaf-Zeugs angefangen zu wirken.“
Sie schnippte etwas Asche in den Aschenbecher und fuhr enthusiastisch fort: „Es war eigentlich nur eine geringe Dosis, sie sollte Boerne ein wenig unkoordiniert und apathisch machen und so die Symptome einer Gehirnerschütterung vortäuschen. Aber die Tropfen haben dann etwas durchschlagender gewirkt als geplant; Boerne in seinem erschöpften Zustand ist schlicht und ergreifend vom Untersuchungstisch gekippt. Der Direktor hat sich zu Tode erschreckt.“
Sie schüttelte amüsiert den Kopf. „Zum Glück hat der Professor nicht angefangen zu schnarchen… Hermann hat den Zusammenbruch als Bewusstlosigkeit und Verdacht auf eine Kopfverletzung dargestellt und jetzt wird Boerne mindestens zwei Tage auf der Krankenstation unter Beobachtung bleiben. Da kann ihm nichts passieren, er ist für den Moment in Sicherheit.“ Sie wirkte so stolz, als wäre der Einfall ihres alten Schulfreundes ihre eigene Idee gewesen.


Thiel merkte selber, wie sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete. „Boerne wird ihm die Hölle heißmachen, wenn er wieder aufwacht.“
Frau Klemm ließ ein kurzes, heiseres Lachen erklingen. „Ja, definitiv! Und Neuhaus freut sich darauf. Er sagt, der zu erwartende, geistreiche Wutausbruch wird eine willkommene Abwechslung zu den primitiven Beleidigungen sein, die er normalerweise an den Kopf geworfen bekommt. Aber das wird noch dauern, er geht davon aus, dass Boerne in den nächsten zwanzig Stunden kaum ansprechbar sein wird.“
Sie nahm einen weiteren tiefen Zug aus der Zigarette, wurde nun wieder ernst. „Er hat dem Professor eine Infusionsnadel gelegt und versorgt ihn gerade mit allem, was der Medikamentenschrank hergibt. Flüssigkeit, Vitamine, regelmäßige Schmerzmittel... er wird dafür sorgen, dass Boerne einen Großteil der kommenden zwei Tage einfach nur ungestört schläft und sich erholt.“ Sie warf Thiel und Nadeshda nun einen gezielten Blick zu. „Und das werden Sie jetzt auch tun. Verstanden?“


Thiel nickte ergeben. Es klang wirklich verlockend, der Arbeit etwas länger als nur für ein paar kurze Nachtstunden den Rücken zu kehren. Er warf einen Blick auf seine Assistentin. „Na kommen Sie, Nadeshda. Ich glaube, für heute ist wirklich Feierabend.“
Die junge Frau nickte und stand auf. Thiel war schon an der Tür angekommen, als er sich noch einmal zu Frau Klemm zurückwandte. „Gut zu wissen, dass er noch mehr Leute hat, die auf seiner Seite sind.“ Es war ihm in den letzten Minuten erst wirklich bewusst geworden, dass auch Frau Klemm alles für Boerne tat, was ihr möglich war. Sein Vorwurf vom Vormittag war ihm inzwischen mehr als unangenehm.

Und die Staatsanwältin verstand ihn. Sie lächelte ein wenig. „Nun machen Sie, dass Sie rauskommen, Thiel.“


Kapitel 1 - Kapitel 2 - Kapitel 3 - Kapitel 4 - Kapitel 5 - Kapitel 6 - Kapitel 7 - Kapitel 8 - Kapitel 9 - Kapitel 10 - Kapitel 11 - Kapitel 12 - Kapitel 13 - Kapitel 14 - Kapitel 15 - Epilog

Comments

baggeli
15. Jan 2013 12:29 (UTC)
Huhuu!!
Ich hatte schon Sorge, die zwei h/c Boerne-Kapitel hätten dich vergrault. ;o)

Dass Frau Klemm irgendwas in der Sache Boerne am Laufen hat, war klar
Schön, dass du sie ebenfalls so einschätzt. Ich denke auch, sie würde sich einsetzen. Auch wenn sie im Canon immer schwer genervt ist von Boerne

Dass der dann austickt wegen des Schlafmittels, glaube ich gar nicht. Jedenfalls nicht so heftig wie sonst, wenn man ihn ins Krankenhaus zwingt
Naja, wortlos wird er sich das sicher nicht gefallen lassen... aber dass es nur zu seinem Besten war, sollte ja sogar er einsehen ;o)

Hoffentlich geht es deinem Kopf wieder besser (mich hatte gestern Abend auch monströses Kopfweh angefallen, von einer Minute auf die andere).
Ja, im Moment geht es wieder. Ich hoffe, bei dir auch!
Dafür hat es gestern meinen Mann umgehauen, beim Abendessen sagt er, er hat Halsschmerzen, zwei Stunden später war er bei 39 Fieber. Das kenne ich nicht von ihm, der ist eigentlich selten krank. Das letzte Mal, als er so anfing, hatten wir alle vier gleichzeitig eine echte Influenza. Ich bete schon, dass da nicht wieder sowas bei rauskommt, das war echt ein Zustand! *headdesk*



Latest Month

April 2018
S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930     

Tags

Gehostet von LiveJournal.com
Designed by Tiffany Chow