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Bingo-Prompt 5, Karte 2

Titel: Licht - Kapitel 12
Prompt:
Regenbogen
Genre Angst, Krimi, h/c
Zusammenfassung: Er nahm den Pokal in die Hand und starrte versonnen auf das Licht, das sich wirklich wundervoll in dem prismaartig geschliffenen Glasfuß der Trophäe brach. Je nachdem, wie er sie drehte, konnte er alle Farben des Regenbogens darin erkennen.
Anmerkungen: Da habe ich den Regenbogen doch glatt ein zweites Mal bekommen. Das ist ein Zeichen...
A.N. 1: In diesem Leben wird das nix mehr mit Beta
Wörter: 13000

A.N. 2: Nach ein paar kurzen Erläuterungen von isti83 ist hiermit klar, dass ein Großteil meiner Ideen völlig unrealistisch ist. Ich möchte mal sagen, nahezu Bullshit. Ich habe kein völlig schlechtes Gewissen, Münster ist ja immer etwas daneben. Aber ihr seid hiermit gewarnt.


Statt direkt zum Präsidium zurückzukehren, schwenkte Thiel nach Rücksprache mit Nadeshda in die Röntgenstraße ein. Es war ihnen wichtig, Frau Haller kurz auf den neuesten Stand zu bringen.

Als sie der Auffahrt zur Rechtsmedizin folgten, heulte auf dem Parkplatz vor dem Institut ein Motor auf. Ein dunkles Mercedes-Cabrio setzte mit quietschenden Reifen zurück und beschleunigte auf dem Weg vom Parkplatz zur Straße dann derart, dass Thiel dem Fahrer beinah einen Vogel gezeigt hätte.
Als der Wagen an ihnen vorbeirauschte, erkannte er etwas verwundert, dass Professor Diebeck am Steuer saß. Einen solch rasanten Fahrstil hatte er dem neuen Leiter der Rechtsmedizin gar nicht zugetraut.
Nadeshda auf dem Beifahrersitz hatte ihn ebenfalls erkannt. „Der knallt ja hier lang wie ein Irrer. Ist das ansteckend?“
„Muss wohl. Berufskrankheit bei Pathologen.“ Thiel schüttelte den Kopf.

Befriedigt über die Tatsache, dass Diebeck nicht mehr stören würde, stellte er wenige Sekunden später den alten Passat vor dem Eingang der Rechtsmedizin ab und sie machten sich auf in den Keller.


Sie fanden Frau Haller mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Stirnrunzelnd fuhr sie herum, als Thiel die Schiebetür öffnete; ihr Gesicht entspannte sich allerdings in der Sekunde, in der sie sie erkannte. „Herr Thiel, Nadeshda, Gott sei Dank! Ich dachte schon, Diebeck hat etwas vergessen.“
Thiel grinste ein wenig. „Nee, der ist weg. Er ist grad wie ein Geisteskranker an uns vorbeigedonnert, der fährt ja noch schlimmer als Boerne.“
Frau Haller konnte sich allerdings darüber kein Lächeln abringen; stattdessen war sie beim Namen ihres Chefs ein wenig zusammengezuckt.

Thiel war das natürlich nicht entgangen, er beeilte sich damit, ihr von den Ereignissen dieses Tages zu berichten. Sie wurde ganz blass, als er ihr von dem erneuten Übergriff erzählte aber sie straffte sich wieder, als er ihr versicherte, dass Boerne in der Krankenstation jetzt erst einmal zur Ruhe kommen würde.

Nadeshda hatte sie gerade überredet, nun auch heimzufahren und es sich ein wenig gutgehen zu lassen, als das Telefon auf dem Schreibtisch zu läuten begann. Nahezu zeitgleich fing in Thiels Jackentasche die Reeperbahnmelodie zu spielen an und Nadeshdas Klingelton ertönte ebenfalls.
Das war kein gutes Zeichen.
Thiel runzelte die Stirn und nestelte ebenso wie Nadeshda sein Handy aus der Tasche, während Frau Haller schon am Schreibtisch angekommen war. Jeder einzelne warf einen Blick auf das Display und schaute frustriert wieder auf. „Ein Einsatz.“ Sie sagten es praktisch gleichzeitig.



Tatsächlich verbrachten Thiel und Nadeshda den Rest des Abends und einen guten Teil der Nacht in der zugigen Lagerhalle einer Metallfabrik und versuchten herauszufinden, ob die zwei verunglückten Arbeiter, die ein geschockter Nachtwächter aufgefunden hatte, durch einen Unfall oder durch bewusste Manipulation zu Schaden gekommen waren.
Einem von beiden war nicht mehr zu helfen gewesen. Frau Haller und Professor Diebeck, der sich nach einer halben Ewigkeit dann auch endlich an den Tatort bequemt hatte, hatten den Leichnam schon mit ins Institut genommen. Der Überlebende war auf die Intensivstation der Uniklinik eingeliefert worden.


Die nächsten Tage ließen für private Ermittlungen keine Zeit. Thiel und Nadeshda waren von morgens bis abends mit ihrem aktuellen Fall beschäftigt, und das war eine mehr als frustrierende Angelegenheit.

Es war eine knappe Woche vergangen und sie saßen gerade wieder einmal am Schreibtisch um einen Verdächtigen zu durchleuchten, als Thiels Telefon klingelte.
Erleichtert, seine zusammengekauerte Position vor dem Monitor für einen Moment aufgeben zu können, streckte er sich und nahm dann das Gespräch an.
Professor Jaschke, ein Oberarzt der Uniklinik, war am Apparat. Thiel kannte ihn schon länger, der ruhige Mann war einer von Boernes wenigen Freunden. Ähnlich wie Frau Haller besaß er die Fähigkeit, mit Boernes nervtötenden Eigenschaften souverän umgehen zu können.
Jaschke teilte ihm mit, dass der Verletzte nun endlich vernehmungsfähig wäre und Thiel machte sich daraufhin auf den Weg in die Uniklinik.


Er war nicht zum ersten Mal auf der Intensivstation, doch jedes Mal aufs Neue erfüllte ihn die Atmosphäre dieser Station mit Unbehagen.
Nachdem er Schutzkleidung angelegt und sich die Hände desinfiziert hatte, führte Jaschke ihn in das Zimmer des verletzten Arbeiters.
Das Gespräch verlief allerdings nicht wirklich zu Thiels Zufriedenheit; der Mann konnte auf seine drängenden Fragen so gut wie keine Auskunft geben. Nach kurzer Zeit brach er die Vernehmung enttäuscht ab.

Frustriert darüber, keine Fortschritte gemacht zu haben, marschierte er in Begleitung des Oberarztes zurück Richtung Ausgang; doch plötzlich hielt er inne. Er hatte ganz unbewusst in ein Patientenzimmer geschaut, dessen Tür offenstand. In dem einzigen Bett im Raum lag die junge Philippinerin, die in Boernes Wohnung aufgefunden worden war.
Thiel schluckte und trat näher an die Tür. Er hatte sie nicht gesehen seit jener verhängnisvollen Nacht, auch nicht über sich gebracht, sie zu besuchen. Ihm hatten die Informationen gereicht, die er ab und zu von Jaschke erfragt hatte. Aber nun hatte er schon längere Zeit nicht mehr an sie gedacht.

„Wie geht es ihr?“ Seine Frage war leise, aber Jaschke hatte ihn verstanden. Eine Hand legte sich auf seine Schulter. „Kommen Sie, wir sollten das nicht hier am Zimmer besprechen.“
Thiel folgte dem Arzt in sein Büro und ließ sich dort auf Jaschkes Aufforderung hin in einen Stuhl sinken. Der Professor schenkte ihnen beiden einen Kaffee ein und setzte sich dann ebenfalls.
„Es ist eigentlich ein Wunder, dass sie noch lebt. Neun von zehn Patienten mit einer solchen Verletzung hätten es nicht mehr bis auf den OP-Tisch geschafft. Aber sie…“ Er nickte wie anerkennend mit dem Kopf. „…sie ist eine Kämpferin. Sie hat den massiven Blutverlust überlebt, hat die Bauchfellentzündung und das anschließende Multiorganversagen überstanden… wir haben das Gefühl, dass sie sich langsam stabilisiert, die Lunge und ihre Nieren haben sich in den letzten Tagen tatsächlich etwas erholt.“
Thiel richtete sich hoffnungsvoll auf. „Wird sie bald wieder aufwachen?“
Jaschke wiegte den Kopf hin und her. „Das kann man nicht so einfach beantworten. Aber wenn Sie mich so fragen: ja, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben und bin der Meinung, dass sie wieder aufwachen könnte. Sie ist auf einem guten Weg.“

Thiel hielt es nicht mehr in seinem Stuhl. „Sie könnte Boerne entlasten.“ Er flüsterte es fast.
Doch daraufhin hob Jaschke gleich wie abwehrend die Hände. „Ganz langsam Herr Thiel, davon kann vorläufig keine Rede sein. Angenommen, sie wacht tatsächlich in den nächsten Wochen wieder auf, niemand kann im Augenblick abschätzen, in was für einem Zustand sie dann ist, auch geistig. Es ist nicht gesagt, dass sie sich an irgendetwas erinnert.“ Er zuckte mit den Schultern, als er hinzufügte: „Ganz ehrlich, diese Minuten, nachdem die Kugel sie getroffen hat… die Schmerzen müssen höllisch gewesen sein, bevor sie durch den Blutverlust endlich das Bewusstsein verloren hat; von der Todesangst ganz zu schweigen. Für sie wäre es besser, wenn die Erinnerung an diese Zeit nie zurückkäme.“

Thiel hielt etwas verwundert in seiner Wanderung inne. „Also Minuten sind das nicht gewesen, ich war ja fast unmittelbar nach dem Schuss bei ihr. Da war sie schon ohnmächtig.“
Jaschke starrte ihn einen Moment stirnrunzelnd an. „Thiel, bei allem Respekt, das kann nicht sein. Ihre Fingernägel waren zersplittert und tief eingerissen, ein paar Flusen hingen noch daran; sie muss sich für eine Weile vor Schmerzen gewunden und vor Verzweiflung im Teppich festgekrallt haben.“

„Aber…sie lag nicht auf dem Teppich. Sie lag auf dem Parkett. “ Thiel hatte mit einem Mal das Gefühl, in seinem Kopf würde sich alles drehen, während der Professor ihn nur zweifelnd ansah. „Jaschke, glauben Sie es mir doch, vielleicht dreißig Sekunden nachdem der Schuss gefallen ist, war ich bei ihr und habe versucht, die Blutung zu stoppen!“

„Das ist doch unmöglich!“ Jaschke beugte sich nun angespannt vor und verengte die Augen. „Wann genau ist denn dieser Schuss gefallen? Und wie ging es weiter, wie schnell kam Hilfe?“

Thiel begann, erneut unruhig auf und ab zu tigern, hatte die ganze schreckliche Szene noch wieder unmittelbar vor Augen. „Der Schuss ist um 3:05 Uhr gefallen. Sie war bewusstlos als ich die Wohnung aufgebrochen habe, sie hat sich nicht gerührt. Der Krankenwagen hat nur ein paar  Minuten gebraucht, bis er da war. Sie wurde sehr schnell abtransportiert, sie muss gut zwanzig Minuten nach dem Schuss schon bei Ihnen in der Klinik eingetroffen sein.“

Der Professor nickte hektisch. „Sie ist vom Krankenwagen direkt auf den OP-Tisch gekommen.“ Er klang etwas heiser. „Um 3:29 Uhr haben wir den Schnitt gemacht. Die Gefäßverletzungen im Bauchraum waren nicht so schwerwiegend, hatten aber schon zu einem massiven Blutverlust geführt und aus dem verletzten Dünndarm war bereits jede Menge Darmsekret ausgetreten." Er lehnte sich ungläubig zurück. "Zu dem Zeitpunkt war die Verletzung definitiv älter als eine halbe Stunde, da besteht kein Zweifel.“

Thiel musste sich setzen, als ihm klar wurde, was das bedeutete. „Dann kann der Schuss, der in Boernes Wohnung gefallen ist, diese Verletzung nicht verursacht haben.“
Jaschke begann nun zu lächeln. „Nein… nein, das kann er nicht.“

Thiel fuhr sich aufgebracht durch die Haare. „Kann das noch jemand bestätigen? Ich weiß nicht, ob man Ihnen glauben wird, Sie sind Boernes bester Freund.“
Der Professor sah ihn nur verwundert an. „Thiel, wir standen mit drei Oberärzten am Tisch, um dieses Mädchen zu retten. Jeder einzelne von Ihnen kann meine Aussagen bestätigen. Herrgott, das ganze OP-Team kann sie bestätigen.“


Die Hoffnung, die sich mit einem Mal in Thiel ausbreitete, nahm ihm fast den Atem.


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Comments

baggeli
17. Jan 2013 18:25 (UTC)
Ja, das dicke Ende wird noch kommen.
Kennst mich ja inzwischen. *hüstel*

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