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Bingo-Prompt 14, Karte 2

Titel: Ein undankbarer Auftrag
Prompt: Mail
Genre: Freundschaft, Unsinn
Zusammenfassung: Frau Klemm hatte in dem Telefonat vor wenigen Minuten verdammt deutlich gemacht, was sie von ihr erwartete. Aber es würde nicht leicht werden.
Anmerkungen: ganz kurzer Nachschlag (missing scene) zu "Licht".
A.N.: wie immer ohne Beta.
Wörter: 1000


Alle Mann auf Gefechtsstation.
Nadeshda holte tief Luft und ließ sie langsam entweichen, bereitete sich geistig und körperlich auf das Unvermeidliche vor.
Frau Klemm hatte in dem Telefonat vor wenigen Minuten verdammt deutlich gemacht, was sie von ihr erwartete. Aber es würde nicht leicht werden.


„Chef? Chef!!“ Energisch trat sie zu ihm an den Schreibtisch. „Was ist denn nun mit morgen Abend? Frau Klemm fragt, ob Sie kommen, Sie will wissen, für wie viel Personen sie einen Tisch reservieren muss.“
„Meine Fresse Nadeshda, Sie können sich doch denken, dass ich da keinen Bock drauf hab‘!“ Thiel war noch genauso mürrisch wie gestern, als er von der Einladung gehört hatte. „Was soll ich denn in dem Edel-Bunker? Da muss man einen Anzug anziehen!“ Seine Stimme war eine Mischung aus Vorwurf und Frust.

Nadeshda sah ihn einen Moment an und konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen. Ihr Chef war ein bodenständiger Mann, der mit jeder Aufgabe klarkam, die ihm gestellt wurde - solange er sie in Jeans und T-Shirt lösen konnte.
„Chef, bitte. Das Essen wird Ihnen schmecken. Und nach den Wochen haben wir uns alle diese Anerkennung mehr als verdient!“
„Nö, Nadeshda, lassen Sie’s gut sein. Gehen Sie mal fein mit der Klemm schicki-micki essen, aber ohne mich.“ Er blätterte energisch eine Akte auf und heftete seine Augen darauf als wolle er sagen, sie solle ihn jetzt bloß in Ruhe lassen.


Doch so schnell würde sie nicht aufgeben, sie wusste, wie sie ihn zu fassen bekommen würde. Sie legte den Kopf schräg, riss die Augen mädchenhaft weit auf und gab sich Mühe, ganz niedergeschlagen zu klingen. „Chef, bitte. Es macht mir keinen Spaß, mich von der Staatsanwältin ausführen zu lassen, wenn ich weiß, dass Sie diese Belohnung ausschlagen. Sie müssen mitkommen!“
Mit einem knurrigen Aufseufzen ließ er sich in seinem Stuhl zurücksinken und fuhr sich durch die Haare. „Nadeshda, das zieht bei mir nicht, aus dem Alter bin ich raus. Das Essen wird Ihnen sicher auch schmecken, ohne dass ich daneben sitze.“ Er beugte sich zurück über seine Akte, als er in seinen Bart brummte: „Sie hätte ja nicht grad so’nen Nobelschuppen auswählen müssen.“

Es hatte tatsächlich nicht geklappt. Sowas. Nadeshda holte tief Luft und ließ sich in den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen, in dem Boerne immer saß. Noch würde sie sich nicht geschlagen geben.

„Chef, haben Sie sich eigentlich Ihre Mails mal durchgelesen?“
„Nö.“
Sie verdrehte kurz die Augen in den Himmel. War ja klar. Warum sollte man Emails lesen. Sein Computer war ein notweniges Übel, auf dem er seine Berichte verfassen musste und manchmal nutze er ihn, um etwas zu recherchieren. Wobei er das meistens ihr überließ.
Aber so wie es aussah, hatte ihr seine standhafte Weigerung, den PC vernünftig zu nutzen, einen Vorteil in die Hände gespielt. Einen kleinen und wahrscheinlich sogar einen großen, wenn sie es recht bedachte, und musste selber grinsend den Kopf über diesen Gedankengang schütteln. Das färbte tatsächlich ab…

„Nun springen Sie mal über Ihren Schatten! Frau Haller hat auch zugesagt, die Mail kam gestern Abend.“ Sie wusste, dass ihr Chef die kleine Rechtsmedizinerin sehr schätzte. Und seit Boerne rehabilitiert war und es ihm langsam besser ging, war Frau Haller wieder der reinste Sonnenschein und sicher eine ganz ausgezeichnete Tischgenossin.
Immerhin blickte Thiel nun noch einmal von seiner Akte auf. Er schien kurz zu überlegen, doch nach ein paar  Sekunden sagte er: „Vergessen Sie’s!“

Aber sie war noch nicht fertig. Wahrscheinlich gab es noch einen Trumpf, den sie ausspielen konnte. „Sagen Sie, wie geht es denn Professor Boerne? Haben Sie mit ihm gesprochen in der letzten Zeit?“
„Nee.“ Die Antwort war nun wirklich mehr als brummig. „Seine Schwester hat sich seit zwei Tagen bei ihm einquartiert und lässt ihn keinen Schritt vor die Tür machen.“ Er schnaubte, als er hinzufügte. „Ich glaube, wenn er geahnt hätte, dass sie kommt, wäre er lieber noch länger im Krankenhaus geblieben.“

Jetzt hatte sie ihn. Ein Lächeln des Triumphs breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als sie ihm ihr Totschlagargument vor den Latz knallte. „Professor Boerne hat ebenfalls zugesagt.“
Diesmal schoss sein Kopf hoch. „Boerne? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?“
„Natürlich nicht. Wenn Sie die Emails gelesen hätten, wüssten Sie das auch.“
„Wirklich?“
„Mein Gott Chef, sehe ich so aus, als würde ich mir das ausdenken? Checken Sie ihr Postfach, dann sehen Sie es selbst!“

„Er hält es doch aufrecht kaum eine Stunde auf ´nem weichen Sofa aus, bevor er sich wieder hinlegen muss, wie will er dann einen Abend auf harten Stühlen sitzen?“ Ihr Chef grummelte leise vor sich hin, während er seinen PC startete und ungeduldig auf seinen Monitor starrte.
Sie zuckte mit den Schultern. „Er kann ja mal ein Schmerzmittel nehmen, dann geht es sicher ganz gut. Frau Haller sagt, dass er das meist nicht will, aber in diesem Fall macht er bestimmt eine Ausnahme…“

Thiel hatte sich inzwischen bis in sein Mailprogramm durchgeklickt und runzelte die Stirn, als er sich durch einen Wust von Nachrichten wühlte, bis er tatsächlich die Mail fand, die Nadeshda auch bekommen hatte. „Gibt’s ja nicht!“ Thiel lehnte sich mit einem Mal grinsend zurück. „Naja, ist wahrscheinlich der einzige Weg, den Fängen seiner Schwester für ein paar Stunden zu entkommen.“

„Dann lassen Sie ihn nicht mit uns drei Frauen allein, sondern leisten ihm Gesellschaft. Er ist bestimmt froh, wenn er sich einmal wieder mit einem Mann unterhalten kann.“
Immer noch sichtbar hin und hergerissen blickte Thiel auf, doch endlich nickte er. „Na gut. Ich werd‘s überleben. Und Sie haben Recht, verdient haben wir es alle.“
Nadeshda fing an zu strahlen. „Super! Die Staatsanwältin wird sich freuen, Frau Haller und ich sowieso. Und Professor Boernes Dank wird Ihnen wahrscheinlich ewig nachschleichen…“
„…aber mich nie erreichen, jaja.“ Sie sah ihm an, dass er sich sein Grinsen selber kaum noch verbeißen konnte. „Dann sagen Sie Frau Klemm mal Bescheid.“
„Schicken Sie ihr doch schnell eine Mail, Sie sind doch gerade online!“

Bei dem Blick, den er ihr zuwarf, wurde ihr Grinsen nur noch breiter. „Schon gut, ich rufe sie an.“
Mission accomplished.

Comments

( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
28. Jan 2013 18:44 (UTC)
Eine niedliche Umsetzung des Prompts! Arme Nadeshda ;)

Ihr Chef war ein bodenständiger Mann, der mit jeder Aufgabe klarkam, die ihm gestellt wurde - solange er sie in Jeans und T-Shirt lösen konnte.
Wohl wahr :)

Gute Idee, daß Boernes Schwester sich bei ihm einquartiert hat. Und Thiel ist schon putzig, wie er da vor sich hinbrummelt, weil er Boerne seit Tagen nicht gesehen hat ...

Ich komme gar nicht hinterher mit lesen und kommentieren und gleichtzeitig meinen eigenen Blackout noch fertigbekommen!
baggeli
28. Jan 2013 19:32 (UTC)
Eine niedliche Umsetzung des Prompts! Arme Nadeshda
Naja, sie musste auch unbedingt mal zu Wort kommen...

Gute Idee, daß Boernes Schwester sich bei ihm einquartiert hat. Und Thiel ist schon putzig, wie er da vor sich hinbrummelt, weil er Boerne seit Tagen nicht gesehen hat ...
Da bist du dran Schuld, das war die Blinddarm-Geschichte. Sie fühlt sich jetzt verpflichtet, sich zu kümmern. xD
Aber Boerne hat sie ruckzuck wieder rausgeworfen, da bin ich sicher. ;o)

Ich komme gar nicht hinterher mit lesen und kommentieren
Sind doch alles nur ganz kurze Sachen, ist doch überschaubar...
veradee
28. Jan 2013 21:45 (UTC)
Na, da sind wir uns ja wohl alle einig, dass ein Nobelschuppen nicht die richtige Umgebung für Thiel ist. ;)
baggeli
28. Jan 2013 21:48 (UTC)
Absolut. Ohne jeden Zweifel. :D
aj_snow
28. Jan 2013 23:12 (UTC)
Wirklich ein toller Text dazu! Ich liebe die ganze Bingo Sache, weil ihr täglich (z.t. mehrmals) was neues schreibt! Ich denke es gibt viele wie ich, die zwar gierig alles lesen, was ihr schreibt, aber selber meist zu faul sind, was zu kommentieren! darum hier laut und deutlich:

DANKESCHÖN!!!

hier noch eine meiner lieblingsstellen...... (das kursiv krieg ich nicht hin).

Einen kleinen und wahrscheinlich sogar einen großen, wenn sie es recht bedachte, und musste selber grinsend den Kopf über diesen Gedankengang schütteln. Das färbte tatsächlich ab…

herrlich, nun denkt schon nadeshda z.t. ähnlich wie boerne, das kann ja heiter werden! ;-)

seh gerade wieder thiel vor mir, wie er sich den anzug "zurecht-bügelt" wie in der szene bei hinkebein! noch nicht allzulange her, aber für mich bereits eine legendäre szene und wird wohl ein all-time-favourite bleiben! :-D

Edited at 2013-01-28 23:14 (UTC)
baggeli
28. Jan 2013 23:23 (UTC)
Huhuuuuuu!
Vielen Dank für deine liebe Meldung! Bei der Stelle, die du zitierst, hatte ich selber auch eine Menge Spaß! :-P

Und ansonsten kann ich dir nur zustimmen: Bingo war super. Auch wenn jetzt leider fast Schluss ist damit.

Ich hoffe, es geht trotzdem heiter weiter beim Tatort Münster. =D
( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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