?

Log in

No account? Create an account

zurück | vor

Titel: Blick aufs Meer
Prompt: Leuchtturm
Genre: quasi keine Handlung; vielleicht ein wenig Nachdenklichkeit
Zusammenfassung: Es war eine gefühlte Ewigkeit her, dass er etwas Zeit für sich gehabt hatte; Zeit zum Nichtstun. Zum Nachdenken. Zeit, um zu sich zu kommen.
Anmerkungen: gehört zu "Licht".
A.N.: wie immer ohne Beta
Wörter: exakt 500


Jede Welle, die von den kräftigen Böen auf den Sand geworfen wurde, ließ ihre Gischt weit über den Strand sprühen. Man hörte so gut wie nichts; nur das Rauschen des Windes, das laute, immer wiederkehrende Geräusch der Brandung und ein paar Möwenschreie.
Das Wetter war herrlich; zwar ziemlich kalt, doch schien die Sonne und über den strahlend blauen Himmel zogen weiße Wolkenfetzen mit dem Sturm.
Dieser Teil des Strandes war einer der schönsten und fast nur den Einheimischen bekannt. Ziemlich urwüchsig, etwas umständlich zu erreichen. Lediglich der kleine, altertümliche Leuchtturm, der nah dem Ufer emporragte, lockte hin und wieder ein paar Touristen an.


Thiel stand in der Gischt und genoss den salzigen Geschmack auf seinen Lippen. Das hatte er vermisst. Zu lange war er nicht hier gewesen. Einfach mal wieder Ruhe, einfach mal wieder den Kopf freikriegen.


Er war lange am Strand entlang gelaufen, die Hände in den Taschen vergraben, aber nun, seit einer Weile, stand er still und starrte auf die unendlich weite See. Die Flut hatte fast ihren höchsten Punkt erreicht; Meter um Meter hatte sie ihm in den letzten Stunden abgetrotzt.
Er liebte diesen Platz. Früher, als er noch in Hamburg gelebt hatte, war er öfter hergekommen. Wenn er nachdenken musste. Wenn er nicht wusste, in welche Richtung sich sein Leben weiterentwickeln sollte. Es war ihm immer so vorgekommen, als würde dieser kleine Leuchtturm mit seinem ewig rotierenden Lichtkegel nicht nur den Schiffen den rechten Weg weisen, sondern auch ihm.
Er war er ein verlässlicher, unbeweglicher Punkt in den immer unruhigen Wellen; solch einen Fixpunkt brauchte er hin und wieder, wenn zu viel auf ihn einströmte und er manchmal nicht mehr wusste, wie er verhindern sollte, von den Strudeln des Lebens mitgerissen zu werden.


Es war eine gefühlte Ewigkeit her, dass er etwas Zeit für sich gehabt hatte; Zeit zum Nichtstun. Zum Nachdenken. Zeit, um zu sich zu kommen.
Es war seine eigene Entscheidung gewesen, wie er die letzten Monate verbracht hatte, die viele Arbeit hatte er sich freiwillig zugemutet und er würde es immer wieder tun.
Trotzdem hatte er ein- oder zweimal gedacht, er würde nicht weitermachen können; hatte das Gefühl gehabt, sich in einem Irrgarten verlaufen zu haben und egal in welche Richtung er gerannt war, er kam nicht ans Ziel; aber nicht zuletzt durch die unermüdliche Hilfe seiner Assistentin war es doch immer irgendwie weitergegangen. In diesen Zeiten waren Nadeshdas Unterstützung und ihre Entschlossenheit das Licht gewesen, das ihm den richtigen Weg gezeigt hatte.



Für eine Weile starrte er noch auf das Bild, das trotz der ständigen Bewegung so viel Ruhe vermittelte. Dann holte er tief Luft und straffte sich. Das verlängerte Wochenende war vorbei, langsam wurde es Zeit, heimzukehren; zurückzukehren nach Münster.

Lächelnd schüttelte er den Kopf über seine eigenen Gedanken. Vor einigen Jahren hätte nicht gedacht, dass er je etwas anderes als Hamburg als Zuhause bezeichnen würde. Aber es gab keinen Zweifel mehr. Es fühlte sich richtig an, so zu denken.

Trotzdem würde dieser Platz hier immer etwas Besonderes für ihn bleiben.

Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
1. Feb 2013 19:23 (UTC)
So fühle ich mich im Moment auch gerade. Ein Ausflug ans Meer wäre toll ...

Schöne Geschichte!
baggeli
1. Feb 2013 20:20 (UTC)
Ja, ich war auch schon zu lange nicht mehr da.
Aber ich habe vor einigen Tagen gebucht. *hüpf*
Pfingsten geht's hin. *freu*
( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

Latest Month

April 2018
S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930     

Tags

Gehostet von LiveJournal.com
Designed by Tiffany Chow