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Story: 48 Stunden - Kapitel 1

Titel: 48 Stunden
Genre:
Freundschaft, Krimi
Zusammenfassung: Es hätte ein schönes Wochenende in Hamburg werden sollen. Doch es war der Beginn eines Alptraums.

Große Bitte: versprecht euch nicht zu viel von dieser Story, sie wird mit der vorherigen in keiner Weise vergleichbar sein. Es ist einfach nicht möglich, wieder mit einem solchen Knall anzufangen, der zwangsläufig neugierig macht bzw. vielleicht sogar fesselnd ist. Ich muss jetzt erst einmal langsam in die Handlung einführen, das liest sich natürlich wesentlich unspektakulärer.
Ich hoffe, dass die Geschichte im Laufe der nächsten Kapitel nach und nach etwas an Fahrt aufnimmt, aber das wird sich definitiv ziehen.
Wie es mit den Updates klappt, kann ich wie gesagt nicht vorhersagen. Ich bin schon froh, wenn ich nicht irgendwann mit der Story steckenbleibe. Der Drive ist nicht so intensiv wie bei Licht, soviel steht fest, davon war ich selber irgendwie ganz gefangen.
Wörter: 1400



„Nadeshda, ich hab‘ frei! Was ist denn?“ In dem Augenblick, in dem Thiel tatsächlich in den Hörer sprach, ärgerte er sich über sich selber und klang entsprechend griesgrämig.
Er musste sich gegen den infernalischen Lärm auf dem Bahnsteig einen Finger in das Ohr stecken, trotzdem konnte er seine Assistentin kaum verstehen, als sie ihm antwortete. „Was ist denn mit Hofmann und Hönninger? … … Ja toll, ist so‘ne olle Hochzeit etwa wichtiger als mein Fußballspiel? Ich glaub‘ ich spinne! Hätten Sie zehn Minuten später angerufen wäre ich jetzt weg! ... … Wie, die Klemm hat gesagt, wir sollen das übernehmen?“
Ungläubig nahm Thiel seine Tasche vom Boden auf und wanderte widerstrebend Richtung Treppe. „Was mischt die sich denn da ein? … … Boah, die kann mir die Karte ersetzen wenn ich bis Sonntag nicht nach Hamburg komme, das schwöre ich Ihnen! Ja, is ja gut, is ja gut. Holen Sie mich ab? Vaddern is heut nich da... … ja, tschüß.“


Es dauerte nicht lange, bis der alte, dunkelblaue Passat auf dem Bahnhofsvorplatz auftauchte. Thiel hatte gerade genug Zeit gehabt, seinem Kumpel Bescheid zu geben und sich noch einen Kaffee zu besorgen, bevor er zu Nadeshda in den Wagen stieg.
Die Fahrt verbrachte er verdrießlich schweigend neben ihr auf dem Beifahrersitz und rechnete insgeheim nach, welchen Zug er am Sonntag spätestens erwischen müsste, um noch rechtzeitig zum Spiel im Stadion einzutreffen.



Zwanzig Minuten später kamen sie auf einem entlegenen Parkplatz in einem Waldstück vor Münster zum Stehen und nach ein paarhundert Metern Marsch durch die üppige Vegetation sah Thiel die typischen, gelb-schwarzen Bänder, mit denen die Kollegen der Spurensicherung die Fundstelle der Leiche abgesperrt hatten.

Durch Unterholz und Dornenranken zu stapfen, hatte seine Laune nicht wirklich verbessert und als Boerne, der über die Leiche gebeugt am Boden hockte, aufblickte und ehrlich verwundert bemerkte: „Nanu, der Herr Hauptkommissar! Ich dachte, Sie sind auf dem Weg nach Hamburg?“, brach er sein Schweigen. Energisch. „Vorsicht Boerne, das ist ganz dünnes Eis!“

Der Rechtsmediziner war allerdings wie üblich absolut unbeeindruckt von seiner mörderischen Laune. Thiel verdrehte nur entnervt die Augen, als sein Nachbar ihn mit einem amüsierten Blick musterte, bevor er einen seiner Handschuhe auszog und mit der Hand seine Brille hochschob.
„Also, was haben wir?“ Thiel kramte einen kleinen Schreibblock hervor und starrte Boerne ungeduldig an. Die Leiche der jungen Frau, die vor dem Professor auf dem Waldboden lag, nahm er dagegen freiwillig nicht genauer in Augenschein. Es hatte ihm gereicht, mit einem Blick kurz ihr Gesicht zu streifen. Besser gesagt das, was davon übrig geblieben war.


Zumindest hatte Boerne nun ein Einsehen mit ihm und fing an zu dozieren. Doch diesen Gedanken korrigierte Thiel sofort - wahrscheinlich war es kein Einsehen mit ihm sondern eher die Tatsache, dass Boerne sich einfach gerne selbst reden hörte. Und vielleicht außerdem, dass auch er wohl nicht scharf darauf war, den Rest des Tages in diesem Wald zu verbringen.
Dann aber konzentrierte er sich auf die Beschreibungen des Professors.

„Wie Sie selber sehen dürften, ist das Opfer weiblich, schätzungsweise Anfang zwanzig. Todesursache scheint auf den ersten Blick der aufgesetzte Schuss in den Hinterkopf gewesen zu sein, genauer kann ich Ihnen das natürlich erst nach der Obduktion beantworten. Der Schuss ist nicht hier abgefeuert worden, dazu ist viel zu wenig Blut in den Boden gesickert. Sie muss an einem anderen Ort ermordet worden sein.“ Er drehte sich ein wenig und zog eines der Beine ihrer Jeanshose hoch. „Auffällig sind diese Fesselungsspuren, die sie an Knöcheln und Handgelenken aufweist. Sie scheinen von stramm gezogenen Kabelbindern zu stammen, oder einem Material, dass ähnlich hart und scharfkantig ist.“ Er ließ die Hose wieder zurückrutschen und blickte stirnrunzelnd zu Thiel auf. „Offenbar ist sie ziemlich lange damit gefesselt gewesen, mindestens einen Tag, vielleicht sogar noch länger, dem Zustand der Extremitäten nach zu urteilen.“


Thiel lief ein Schauer über den Rücken trotz der warmen Sommerluft. „Meine Güte, warum so lange? Und was muss sie für Angst gehabt haben?“ Es war immer wieder erschreckend, zu was manche Menschen fähig waren.
Boerne erwiderte nichts darauf und er musste seine nächste Frage stellen, auch wenn er die Antwort gar nicht wissen wollte. „Ist sie vergewaltigt worden?“
Sein Kollege zuckte mit den Schultern. „Sie ist vollständig angekleidet, das spricht auf den ersten Blick dagegen. Auch sind mir bei einer groben Inspektion keine Verletzungen am Unterleib aufgefallen und sie weist keine Abwehrspuren auf. Wenn ich sie im Institut habe, erfahren Sie mehr.“
Thiel nickte. „Wann ist sie gestorben?“
Boerne ließ seinen Blick nochmals über die Leiche wandern. „Vermutlich gestern Abend zwischen 22 und 24 Uhr.“

Damit betrachtete der Professor seine Audienz offensichtlich als beendet. Ohne ein weiteres Wort begann er energisch damit, sämtliche Utensilien zusammenzuraffen und sie lieblos in seinen Koffer zu stopfen.


Thiel beobachtete ihn mit hochgezogenen Augenbrauen dabei. Jetzt erst fiel ihm auf, dass an diesem Bild irgendetwas falsch war. „Wo ist denn Frau Haller?“ Er konnte ein Grinsen kaum unterdrücken. „Ist ja ganz ungewohnt, Sie bei diesen Handlangerabreiten zu sehen, dafür geben Sie sich doch sonst nicht her.“
Auf die Bemerkung hin wurde Boernes Gesichtsausdruck mindestens so mürrisch wie sein eigener es wohl kurz zuvor gewesen war. „Sie hat sich diese Woche freigenommen, sie baut Überstunden ab!“ Er klang ganz fassungslos, als wäre eine solche Idee geradezu absurd.
Thiel schnaubte amüsiert. „Na dann viel Spaß so ganz allein im Institut.“
„Vorsicht Thiel, das ist ganz dünnes Eis!“ Boerne war ehrlich aufgebracht.
Jetzt lachte Thiel wirklich.


In diesem Moment kam Nadeshda zu ihnen. Sie hielt ebenfalls einen kleinen Block in der Hand und hatte ein paar Details von ihren Kollegen zu berichten. „Noch wissen wir nicht, wer sie ist. Vermisstenanzeigen gibt es bis jetzt keine. Wir haben Fingerabdrücke genommen und schauen, ob sie jemals erkennungstechnisch erfasst wurde. Gefunden hat sie der Jagdhund des älteren Herrn dort hinten, der gute Mann hat den Schock seines Lebens bekommen.“
Thiel seufzte frustriert. „Das ist verdammt nich viel.“
Sie zuckte mit den Schultern und grinste ein wenig. „Keiner hat gesagt, dass das Leben einfach ist, Chef.“
Einmal mehr an diesem Tag verdrehte er die Augen. „Ja, danke für dies Gespräch Nadeshda.“



Als sie sich zum Auto zurückkämpften, versuchte Thiel sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass er am Sonntag wohl keinen Zug Richtung Hamburg nehmen würde.


Comments

cricri_72
8. Feb 2013 21:54 (UTC)
Die Fahrt verbrachte er verdrießlich schweigend neben ihr auf dem Beifahrersitz und rechnete insgeheim nach, welchen Zug er am Sonntag spätestens erwischen müsste, um noch rechtzeitig zum Spiel im Stadion einzutreffen.
Armer Thiel ;) Ich sehe seine Chancen schwinden ...

Das fängt doch sehr gut an, für mich ist es spannend genug. Sehr nett sind auch die Stimmungen herausgearbeitet, sowohl von Thiel als auch von Boerne.

Laß Dich nicht hetzen mit dem Schreiben. Ich freue mich auf jeden Fall, auch wenn's mal ein paar Tage dauert mit einem neuen Kapitel ;)
baggeli
8. Feb 2013 22:07 (UTC)
Armer Thiel ;) Ich sehe seine Chancen schwinden ...
Ja, definitiv. Er hat ganz schlechte Karten.

Das fängt doch sehr gut an, für mich ist es spannend genug
Ich finde es selber noch langweilig, deshalb komme ich auch nicht recht voran

Laß Dich nicht hetzen mit dem Schreiben.
Nee nee, ich hetz mich nicht. (btw. kennst du "Hetz mich nicht!" von Sascha Grammel? Frederik Freiherr von Furchensumpf oder so ähnlich... Der Burner!! *lol*)
Eigentlich wollte ich das hier reifen lassen und erst rausschicken, wenn ich schon etwas in der Hand habe. Aber nun hat es mich doch wieder gepackt und ich haue euch die Sachen unmittelbar vor den Latz.
Wie du schon mal sagtest, zur Not kann man ja wirklich noch einmal zurückgehen und etwas ändern.

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