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Story: 48 Stunden - Kapitel 2

Titel: 48 Stunden
Genre: Freundschaft, Krimi
Zusammenfassung: Es hätte ein schönes Wochenende in Hamburg werden sollen. Doch es war der Beginn eines Alptraums.
A.N.: Es schleppt sich noch, seid tapfer
Wörter: 2450


Als sie gerade im Präsidium angekommen waren, gab es erste Neuigkeiten. Auf einer Wache im Norden der Stadt waren zwei Studentinnen aufgetaucht, die ihre Mitbewohnerin vermissten. Ersten Beschreibungen nach schien es sich dabei um die Tote aus dem Wald zu handeln.
Der Name der Gesuchten war Britta Schütt, eine 23-jährige Biologiestudentin, die wenige Monate zuvor in die kleine WG eingezogen war.

Die Kollegen der Schutzpolizei mailten bald darauf ein Foto, auf dem eine hübsche junge Frau in die Kamera lächelte. Haarfarbe und Statur passten gut, das sah Thiel sofort.
Nadeshda leitete das Bild gleich an Boerne weiter und schon nach kurzer Zeit kam der Anruf, dass es sich bei der Studentin mit großer Wahrscheinlichkeit um die Frau handelte, die er jetzt bei sich im Institut hatte.
Thiel telefonierte sogleich mit den Beamten der Wache und sorgte dafür, dass alle verfügbaren Informationen über die Vermisste zu Boerne in die Rechtsmedizin geschickt wurden, um die Tote zu identifizieren. Nadeshda begann indessen damit, alle Informationen zu sammeln, die sie ausfindig machen konnte. Denn wenn Boerne mit großer Wahrscheinlichkeit sagte, galt das so viel wie hundertprozentig.




Ein Blick auf die Uhr zeigte dem leise seufzenden Thiel, dass er jetzt eigentlich schon in Hamburg angekommen sein sollte. Stattdessen hatte er zwei verzweifelte Studentinnen vor sich sitzen, die bislang kaum ein Dutzend verständliche Worte herausgebracht hatten.
Er konnte es ihnen nicht verdenken, schließlich hatte Boerne erst vor wenigen Minuten anhand der zahnärztlichen Unterlagen der verschwundenen Studentin bestätigt, dass ihre Mitbewohnerin brutal ermordet worden war.


Er musterte die beiden Frauen noch einmal eindringlich. Sabine Jansen studierte im fünften Semester Soziologie und tatsächlich sah sie ein wenig so aus wie es das alberne Klischee beschrieb, das man mit Soziologen verband. Batikkleid und Sandalen, lange lockige Haare. Das passte allerdings gut zu ihrem Typ, sie wirkte nicht albern damit.
Sie schien sich noch einigermaßen unter Kontrolle zu haben, ihr liefen nur ein paar stumme Tränen über das Gesicht; ihre Freundin dagegen, um die sie beide Arme geschlungen hatte, verbarg laut weinend das Gesicht in den Händen und hatte seit Minuten kein Wort mehr gesagt. Margit Breuer studierte ebenfalls an der Uni Münster, allerdings Psychologie. Sie war ein wenig untersetzt, hatte ein rundes, freundliches Gesicht, das nun aber durch ihren Weinkrampf rot und geschwollen war.


Thiel hatte bislang nur wenige Informationen aus ihnen herausgebracht, alles nur Details, die Nadeshda schon längst herausgefunden hatte. Aber weitere, wichtige und aufschlussreiche Hinweise zu bekommen, wollte Thiel nicht recht gelingen, er kam zwischen den lauten Schluchzern kaum zu Wort.



Auch wenn er mit Boerne noch nicht darüber gesprochen hatte, sein Bauchgefühl sagte ihm, dass es jemand ganz klar auf Frau Schütt abgesehen hatte. Die lange Zeit, die sie gefesselt gewesen war, der aufgesetzte Kopfschuss, der sie letztendlich getötet hatte... das klang nicht, als sei sie ein zufälliges Opfer gewesen. Es klang eher, als sei unbändiger Hass im Spiel gewesen. Und er musste herausfinden, wer ihr das angetan hatte.
Thiel seufzte nochmals, bevor er wieder zu sprechen begann. „Bitte, versuchen Sie doch, uns zu helfen. Hatte ihre Freundin Feinde? Hatte sie Ärger mit irgendjemandem, oder fühlte sie sich bedroht?“
Auf diese Frage schien Sabine Jansen sich für den Bruchteil einer Sekunde zu versteifen; dann zog sie ihre Freundin noch etwas näher zu sich und schüttelte energisch den Kopf. Ihre Kollegin tat es ihr gleich.

Obwohl sie kaum wahrnehmbar gewesen war, war Thiel diese erste, unwillkürliche Bewegung nicht entgangen, dazu war sein Blick zu geschult. In ihren Augen sah er neben ihrer ganz offensichtlich echten Verzweiflung einen Hauch Unbehagen und Sorge;  aber es war nichts wirklich Greifbares. Dennoch war er mit einem Mal überzeugt, dass die Soziologiestudentin irgendetwas wusste oder zumindest ahnte und es vorsätzlich verschwieg. Ob für Frau Breuer gleiches galt, konnte er hingegen nicht einschätzen. Sie saß weiterhin bebend und mit verdecktem Gesicht, er konnte aus ihrer Mimik und Körpersprache kaum etwas ablesen.


Thiel versuchte es wieder und wieder, freundlich und auch energischer, aber die beiden Frauen hatten komplett dicht gemacht, ihre Antworten waren jedes Mal die gleichen. Nein, sie hatte keine Feinde. Sie war liebenswert, jeder mochte sie. Sie fühlte sich auch nicht bedroht.
Nach einer guten Stunde gab Thiel frustriert auf. Er würde Frau Jansen am nächsten Tag nochmals einbestellen, wenn sie hoffentlich etwas zur Ruhe gekommen war. Und vor allen Dingen ohne ihre schluchzende Kollegin, damit er sie besser ins Gebet nehmen konnte.
Mit wenigen Worten entließ er die beiden, warnte sie allerdings davor, dass ihre Wohnung inzwischen von der KTU bevölkert sein würde.
Sie beschlossen daraufhin, die Nacht bei ihren Eltern zu verbringen. Thiel ließ sich noch die jeweiligen Adressen und Telefonnummer geben und daraufhin flohen die jungen Frauen regelrecht aus dem Büro.


Nadeshda, die während dieses unbefriedigenden Gesprächs konzentriert am Computer gearbeitet hatte, lehnte sich nun zurück und musterte ihn. „Frau Jansen weiß irgendetwas.“
Thiel verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte. Nadeshda hatte die ganze Zeit den Eindruck erweckt, mit nichts anderem als mit ihrem PC beschäftigt gewesen zu sein, trotzdem war ihr das nicht entgangen. Wie auch immer sie es bewerkstelligt hatte, sie hatte die Frauen gut beobachtet und daraus offensichtlich die gleichen Schlüsse gezogen wie er.
„Ja, das sehe ich ganz genauso. Die Frage ist allerdings, was."
Nadeshda zuckte mit den Schultern. „Ich denke, sie hat eine vage Idee, wer dahinterstecken könnte. Aber sie selber hat mit dem Tod nichts zu tun, da bin ich sicher, die Verzweiflung war bei beiden nicht gespielt.“
In dem einen Satz hatte sie exakt das zusammengefasst, das Thiel selber auch gedacht hatte. Er nickte bedächtig. „Wir werden sie morgen nochmals herholen, ohne Frau Breuer. Vielleicht gelingt es uns dann, sie zum Reden zu bringen.“
Er fuhr sich durch die Haare und stand auf. „Lassen Sie uns in die Wohnung fahren. Ich möchte mir ein Bild davon machen, wie sie gelebt hat. Und wer weiß, ob die KTU irgendetwas Interessantes gefunden hat.“


Eine Stunde später hatten Thiel und Nadeshda sich in der Wohnung der drei Studentinnen umgesehen. Sie war genauso, wie Thiel es erwartet hatte. Ziemlich klein und deshalb ziemlich vollgestellt, aber im Gegensatz zu einigen anderen Studentenbleiben, die er im Laufe der Jahre so zu Gesicht bekommen hatte, sauber und freundlich.
Nachdem er eine dritte Runde durch die Wohnung gedreht hatte ohne dass ihm irgendetwas Wichtiges ins Auge gesprungen war, sammelte er Nadeshda wieder ein und machte sich mit ihr auf den Weg zu den Eltern des Opfers.


Er hätte jetzt in Hamburg sein können, stattdessen musste er einem älteren Ehepaar erklären, dass ihre Tochter brutal ermordet worden war.
Manchmal hasste er seinen Beruf.



Comments

( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
10. Feb 2013 08:23 (UTC)
Das wächst sich zu einem veritablen Krimi aus. Die Stimmung und die beiden WG-Mitbewohnerinnen sind Dir gut gelungen. Mir gefällt auch das Zusammenspiel von Nadeshda und Thiel sehr gut.

Und nicht zuletzt dieses hier ;)
Denn wenn Boerne mit großer Wahrscheinlichkeit sagte, galt das so viel wie hundertprozentig.

Lese aufmerksam mit :)
baggeli
10. Feb 2013 09:38 (UTC)
Lese aufmerksam mit :)
Ich hoffe, du bist nicht die Einzige... xD
Ich gebe mir Mühe, langsam aber sicher zum Punkt zu kommen.

Das wächst sich zu einem veritablen Krimi aus.
Ich fürchte, es wird noch etwas krimineller... *hüstel*

Mir gefällt auch das Zusammenspiel von Nadeshda und Thiel sehr gut.
Ich finde immer, es läuft einfach gut bei den beiden, auch im Canon. Sie streiten sich ja wirklich nie und die Zusammenarbeit wird nie so beleuchtet wie bei Boerne und Alberich, sondern ist eher selbstverständlich. Aber ich denke, sie wissen, was sie aneinander haben.

Denn wenn Boerne mit großer Wahrscheinlichkeit sagte, galt das so viel wie hundertprozentig
Ist doch so, oder? xD
joslj
10. Feb 2013 10:52 (UTC)
Ich hoffe, du bist nicht die Einzige... langsam aber sicher zum Punkt zu kommen.xD
Nee, ist sie nicht ! Ich finde es sehr spannend, gar nicht schleppend oder so. Noch vermisse ich keinen "Punkt", das ist einfach ein sehr guter Anfang. Könnte so im TV laufen, ich sehe die Szene regelrecht vor mir !
Mir gefällt auch das Zusammenspiel von Thiel und Nadeshda, da klingt bei Thiel immer so ein kleines bisschen Vaterstolz durch. Und Thiel und Boerne schenken sich ja mal wieder nichts :-)
Freu mich auf mehr.
baggeli
10. Feb 2013 11:03 (UTC)
Hallo Jo, schön, dass du auch da bist! *freu*

da klingt bei Thiel immer so ein kleines bisschen Vaterstolz durch
Ja, sorry, stimmt wohl. Aber irgendwie sehe ich ihr Verhältnis eher so. Es gibt auf ff.de causeway-bay, bei dem ist Thiel heimlich verliebt in Nadeshda. Und das geht für mich gar nicht, das ist meiner Meinung nach voll daneben. Deshalb ist das Verhältnis bei mir eher Mentor Richtung Papastolz, stimmt schon. *räusper*

Thiel und Boerne schenken sich doch nie etwas, oder? :D

Edited at 2013-02-10 17:34 (UTC)
joslj
11. Feb 2013 16:10 (UTC)
Das mit dem Vaterstolz war nicht negativ gemeinte ! Ich finde, das ist sehr canon, und bei dir kommt es einfach sehr subtil rüber. Gefällt mir gut !
baggeli
11. Feb 2013 17:24 (UTC)
Ah, alles klar. Ich dachte, es wäre dir too much.
anja79
10. Feb 2013 10:32 (UTC)
Gefällt mir gut. Bin gespannt wie es weitergeht. Lese auf jeden Fall weiter mit.:)
baggeli
10. Feb 2013 10:34 (UTC)
Oh, hallo! Da freu ich mich! *hüpf*
( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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