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Story: 48 Stunden - Kapitel 5

Titel: 48 Stunden
Genre: Freundschaft, Krimi
Zusammenfassung: Es hätte ein schönes Wochenende in Hamburg werden sollen. Doch es war der Beginn eines Alptraums.
A.N.: Ich habe dies Kapitel gestern nacht noch geschrieben. Aber dafür gibt es dann vielleicht morgen keines, kommt drauf an, in welcher Verfassung ich diesen Karnvalsumzug beende. Vielleicht gebe ich mir die Kante, um das alles besser zu ertragen... ;o) Und danach dann ein neues Kapitel zu schreiben ist vielleicht keine sehr gute Idee. Oder andererseits.. vielleicht gibt das dem Ganzen neue Impulse... rosa Elefanten, weiße Mäuse... mal sehen xD
Wörter: 6400


Nach einer weiteren Tasse Kaffee hatte Thiel die Nummer angerufen, die Sabine Jansen ihm am Vortag genannt hatte und eine gute Stunde später saß sie ihm erneut gegenüber.
Sie wirkte minimal gefasster als bei ihrem ersten Gespräch, doch ihr bleiches Gesicht und die geröteten Augen machten mehr als deutlich, dass sie eine ziemlich unruhige Nacht hinter sich hatte. Sie tat Thiel leid; doch es war ein Mord geschehen und er hatte einfach das Gefühl, dass sie etwas wusste, deshalb konnte er sie nicht schonen.
Aufgrund der Tatsache, dass Fragen um Fragen ihn gestern keinen einzigen Schritt weitergebracht hatten, entschied er sich von daher, sehr direkt vorzugehen, obwohl das bei einer derart verzweifelten Frau sonst nicht unbedingt seine Art war.


Ohne große Umschweife kam er zur Sache. „Frau Jansen, nach unserem Gespräch gestern bin ich der Überzeugung, dass sie eine Ahnung haben, wer Frau Schütt das angetan hat.“
Sie hatte sich bei dieser Aussage versteift, noch wesentlich deutlicher als am Vortag und begann, unruhig mit ihren Händen zu spielen.
Thiel fixierte sie, aber sie wich seinem Blick aus und schüttelte nur den Kopf. Doch er hatte keine Lust mehr auf dieses Spiel. Er schlug mit der flachen Hand auf den Schreibtisch und sie zuckte heftig zusammen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und dann verbarg sie das Gesicht in den Händen und begann zu schluchzen.


„Frau Jansen bitte! Jemand hat ihre beste Freundin erschossen, nachdem sie zwei Tage lang gefesselt irgendwo gelegen hat, verzweifelt und in Panik!“ Aufgebracht stand er nun auf und stützte  sich neben ihr auf den Schreibtisch. „Wenn Sie irgendetwas wissen, müssen Sie uns das jetzt sagen! Verstehen Sie mich?“


Zu seiner tiefen Befriedigung blickte sie ihn endlich an und nickte sie schwach mit dem Kopf. Dann nahm sie das Papiertaschentuch an, das Nadeshda ihr reichte und fuhr sich damit durch das Gesicht.

Nach einem zittrigen Atemzug begann sie, zu berichten: „Ich weiß nicht ob es etwas zu bedeuten hat, aber kurz nachdem Britta zu uns in die WG gezogen ist, ist sie ein paarmal mit einem Typen ausgegangen. Er hat zwei- oder dreimal bei uns in der Wohnung übernachtet, aber Margit und ich haben ihn kaum gesehen.“
Sie unterbrach sich, um sich die Nase zu putzen, bevor sie auf das Taschentuch in ihrer Hand starrte und immer schneller weitererzählte, als wollte sie es jetzt hinter sich bringen.

„Auf den ersten Blick schien er ein ganz netter Kerl zu sein, aber nach ein paar Treffen fand Britta ihn zu klammernd und zu eifersüchtig, und bevor das Ganze überhaupt richtig angefangen hat, hat sie sich von ihm getrennt.“
Nun blickte sie wieder auf. „Aber er wollte das nicht einfach so schlucken und stand immer wieder bei uns vor der Wohnung. Irgendwann wurde es Britta zu bunt, als er mal wieder Sturm geklingelt hatte, sie hat sich Margit geschnappt und sie ihm als ihre Partnerin vorgestellt und ihm gesagt, sie hätte es eh nie ernst gemeint, sie würde auf Frauen stehen. Margit hat den Spaß gleich mitgemacht und um ihn zu schocken und zu vertreiben, haben sie geknutscht.“

Sie fuhr sich mit einer zitternden Hand über die Augen. „Er ist dann abgehauen, aber ein paar Tage später haben wir ihn noch einmal in der Stadt getroffen. Wir saßen am Brunnen und haben ein Eis gegessen und ich hatte Britta im Arm, weil sie müde war, und er hat uns gesehen. Da hat er sich vor uns aufgebaut und uns angebrüllt, er ist völlig ausgerastet. Wir seinen drei abartige Lesben, in früheren Zeiten hätte man uns erschossen und solche Sprüche.“
Sie schluckte. „Der Besitzer der Eisdiele ist dann rausgekommen und hat ihn zusammengestaucht und ihm gedroht, sofort die Polizei zu rufen, wenn er nicht die Klappe hält. Daraufhin ist er so schnell wie er konnte abgehauen und wir haben ihn nicht mehr gesehen.“

Es liefen ihr noch wieder ein paar Tränen über das Gesicht, als sie hinterhersetzte: „Margit und Britta haben damals gelacht, die fanden das nicht schlimm. Er war ein recht kleiner Typ, an sich nicht wirklich furchteinflößend. Aber mir hat er in dem Moment Angst gemacht. Da war so ein Ausdruck in seinen Augen, den werde ich nie vergessen.“


Thiel konnte nicht fassen, warum sie damit nicht schon am Tag zuvor herausgerückt war. Aber er hütete sich, sich etwas anmerken zu lassen, fragte nur so ruhig er konnte: „Wie heißt der Mann?“
Sabine Jansen zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“ Ihre  Augen füllten sich wieder mit Tränen, und sie zerknüllte das Taschentuch in ihrer Hand zu einem kleinen Ball, als sie flüsterte: „Ich weiß es wirklich nicht. Britta hat ihn Mick genannt, aber ob das nur ein Spitzname war oder ob er wirklich so heißt, kann ich Ihnen nicht sagen. Und einen Nachnamen kenne ich nicht, sie hat ihn uns nie richtig vorgestellt, dafür wurde es gar nicht ernst genug.“

Thiel fuhr sich durch die Haare und ließ sich mit einem Aufseufzen wieder in seinen Sessel fallen.
„Gibt es Fotos von ihm? Was hat Britta über ihn erzählt, ist er ein Student der Uni, was hat er für einen Beruf, wissen Sie irgendetwas über ihn?“
Ihr Kopfschütteln bei seinen Fragen wurde immer hektischer und mehr und mehr Tränen rannen ihr aus den Augen. „Nein, es tut mir leid, ich kann Ihnen nicht helfen! Ich habe kein Foto von den beiden und Student war er auch nicht. Ich glaube, Britta sagte mal etwas davon, dass er sich sein Geld mit Taxifahren verdiente, weil er ansonsten arbeitslos wäre.“


Für einen kurzen Atemzug schloss Thiel die Augen. Warum musste es immer so kompliziert sein. Dann begann er gezielt, Frage um Frage zu stellen, um herauszufinden, wo Frau Schütt den Verdächtigen kennengelernt hatte, wohin sie ausgegangen waren, ob noch andere Freunde ihn gesehen hatten… ihre Aussagen waren allesamt nicht sehr befriedigend, aber immerhin hatte er danach einige Anlaufstellen, die er mit Nadeshda zusammen ansteuern konnte. Natürlich nicht ohne ein Phantombild in der Tasche.


Thiel beugte sich nochmals vor und sprach so begütigend, wie er konnte. „Frau Jansen, Sie haben uns schon sehr geholfen. Jetzt muss ich Sie bitten, dass sie mit einem Kollegen zusammen ein Bild anfertigen. Das wird eine Zeit dauern, aber es ist immens wichtig. Tun Sie uns den Gefallen?“
Sie nickte wortlos und nach einem kurzen Wink von Thiel begleitete Nadeshda die junge Frau zu dem Kollegen, der sich auf das Erstellen von Phantombildern spezialisiert hatte.


Als Sabine Jansen den Raum verlassen hatte, schnappte Thiel sein Telefon und rief bei Marit Breuer an. Auch sie musste nun ganz dringend alles berichten, was sie wusste und das Phantombild mitgestalten. Doch sie meldete sich nicht, ihr Telefon war offenbar ausgeschaltet.
Daraufhin versuchte er es bei ihren Eltern; es stellte sich allerdings heraus, dass ihre Tochter die Nacht nicht bei ihnen verbracht hatte. Sie hatten sie seit einer Woche nicht gesprochen.

Entnervt machte Thiel sich auf den Weg zu Nadeshda und Frau Jansen, die bei einem Kollegen im ersten Stock vor dem PC saßen.
Frau Jansen konnte ihm die Nummern einiger Freundinnen nennen, bei denen Frau Breuer über Nacht vielleicht untergekommen war und so versuchte Thiel die nächsten zwei Stunden krampfhaft, die junge Frau ausfindig zu machen und aufs Präsidium zu zitieren. Doch er war erfolglos.

Als Nadeshda mit dem fertigen Phantombild in der Hand ins Büro zurückkehrte, gab er seine Versuche vorerst widerstrebend auf. Ein ungutes Gefühl hatte sich seiner bemächtigt, doch er versuchte sich einzureden, dass die Studentin sich bestimmt bald bei ihm melden würde.
Hoffentlich bei ihm melden würde.



Zur gleichen Zeit kämpfte Margit Breuer verzweifelt die aufsteigende Übelkeit nieder, die der schlicht überwältigende Jasminduft bei ihr auslöste und schluchzte leise in ihren Knebel.

Comments

( 10 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
joslj
12. Feb 2013 17:21 (UTC)
Iihhh, wie fies, deine Abschlusssätze haben es in sich.

Vielleicht gebe ich mir die Kante, um das alles besser zu ertragen... ;o) Und danach dann ein neues Kapitel zu schreiben ist vielleicht keine sehr gute Idee. Oder andererseits..
Ich hoffe, die Karnevalsfeierei ist dir gut bekommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Thiel auch die Kante gibt, aus Frust. Dann passt ihr 2 ja gut zusammen im nächsten Kapitel :-)
Deine Geschichte gefällt mir jedenfalls sehr. Typisch Thiel, der wieder nicht mitkriegt, dass Boerne die ganze Nacht gearbeitet hat; bei sowas ist er echt ein Schluffi. Liegt vllt. daran, dass er den Kontakt zu Boerne um diese Uhrzeit nicht gerade sucht ... Gut, dass er aufmerksamer ist, wenn's um seine Fälle geht.

baggeli
12. Feb 2013 19:20 (UTC)
Ich hoffe, die Karnevalsfeierei ist dir gut bekommen.
Ich habe es überlebt und mit der Schule zusammen Kamelle zu werfen hat sogar einigermaßen Spaß gemacht. Zumindest haben wir nicht so erbärmlich gefroren wie gestern, das war wohl das Wichtigste.

Typisch Thiel, der wieder nicht mitkriegt, dass Boerne die ganze Nacht gearbeitet hat; bei sowas ist er echt ein Schluffi.
*snicker* Ich sehe ihn halt so. xD

Gut, dass er aufmerksamer ist, wenn's um seine Fälle geht
Ja, das ist er definitiv.


cricri_72
12. Feb 2013 18:54 (UTC)
Fies, fies, fies ... Ich lese gespannt mit, auch wenn ich gerade nicht so viel Zeit zum Kommentieren habe.

Kannst Du beim nächsten Mal bitte ein paar Männer umbringen? ;)
baggeli
12. Feb 2013 19:21 (UTC)
Ja, ich bin fies, ich weiß. Tut mir auch leid. Muss aber so sein. *räusper

Kannst Du beim nächsten Mal bitte ein paar Männer umbringen? ;)
Ja, sollte ich tatsächlich. Hast Recht!
joslj
12. Feb 2013 19:58 (UTC)
Kannst Du beim nächsten Mal bitte ein paar Männer umbringen? ;)
Ja, sollte ich tatsächlich. Hast Recht!


Aber bitte nur, wenn es weder Thiel noch Boerne noch Wilhelmine ist !
baggeli
12. Feb 2013 20:04 (UTC)
Aber bitte nur, wenn es weder Thiel noch Boerne noch Wilhelmine ist!
Och, du bist ja eine Spaßbremse... :( Späßle! ;o)
Hast du jetzt mit Absicht Wilhelmine bei den Männern eingruppiert? *lol* </s>


Zum Glück reden wir ja von der nächsten Geschichte... hach, ich habe noch sooo viele fiese Dinge mit euch vor! Bzw. nicht unbedingt mit euch... ach, du weißt schon, wie ich das meine.
iskandra
13. Feb 2013 01:12 (UTC)
Seit "Zwischen den Ohren" wissen wir doch alle, dass die gute Wilhelmine sehr, äh, männlich ist ;-)

Aber wieder so ein fieser Cliffhanger.... *Haare rauf* Ich geh jetzt den Jasmin hauen!
baggeli
13. Feb 2013 08:18 (UTC)
Lass deinen armen Jasmin in Ruhe! Der kann doch nix dafür... xD
cricri_72
15. Feb 2013 19:26 (UTC)
Thiel konnte nicht fassen, warum sie damit nicht schon am Tag zuvor herausgerückt war.
Das habe ich mich da allerdings auch gefragt. Wobei ... vielleicht ist das auch wieder gar nicht so unwahrscheinlich. Ich stelle mir vor, daß man in so einem Moment unter Schock steht, und der Gedanke, evtl. Mitursache für das Modmotiv zu sein, führt garantiert erst mal zu Schuldgefühlen und Verdrängung.

Fieser Fall. Wirklich fieser Fall.
baggeli
15. Feb 2013 19:53 (UTC)
Ich stelle mir vor, daß man in so einem Moment unter Schock steht, und der Gedanke, evtl. Mitursache für das Modmotiv zu sein, führt garantiert erst mal zu Schuldgefühlen und Verdrängung.
Genau. Sie will nicht wahrhaben, dass da was dahintersteckt.
( 10 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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