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Story: 48 Stunden - Kapitel 10

Titel: 48 Stunden
Genre: Freundschaft, Krimi, Angst
Zusammenfassung: Es hätte ein schönes Wochenende in Hamburg werden sollen. Doch es war der Beginn eines Alptraums.
A.N.: Entegegen meiner Vermutung habe ich hier ein weiteres Kapitel. Das war jetzt eine intensive Stunde und ich bin selber quasi außer Atem. *schweißabwisch*
Es sind ein paar Wortwiederholungen drin fürchte ich, ich versuche mal, das nach und nach noch etwas flüssiger hinzubekommen. Ich hoffe, die Szene ist trotzdem einigermaßen lesbar und nicht zu langatmig geworden.
Wörter: 12800

Thiel entfuhr ein überraschter Aufschrei und die eine Sekunde, die er erstarrte, nutzte sein Gegenüber gnadenlos aus und stürmte davon, in einen engen Durchgang zwischen zwei der alten, hohen Häuser.
Als er sich wieder gefasst hatte, sprintete Thiel wie von Sinnen hinterher, brüllte dabei über die Schulter: „Boerne, das ist er! Wir brauchen Verstärkung!“

Er verstand nicht, was Boerne den Polizeibeamten vor dem Haus zurief, er war nur auf den jungen Kerl fixiert, der vor ihm flüchtete und schon am Ende des schmalen Fußwegs angekommen war. Dort bog er um die Ecke und für einen Moment verlor Thiel ihn aus den Augen.


Thiel rannte wie nie zuvor in seinem Leben. Der düstere, enge Weg zwischen den hohen Häusern führte in eine andere Seitenstraße, dreißig Meter vor sich sah er den Flüchtigen in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit den Bürgersteig entlanghetzen.
Und Thiel tat es ihm gleich, er achtete nicht auf den Verkehr, nicht auf die Schreie der aufgebrachten Passanten, die hinter ihm ertönten, er hatte seinen Blick ausschließlich auf den Rücken des Mörders geheftet, der zwei Frauen auf dem Gewissen hatte… und vielleicht schon eine dritte. Und dieser Gedanke verlieh ihm die Kräfte, die er brauchte, um den wesentlich jüngeren und auch deutlich agileren Mann nicht aus den Augen zu verlieren.

Sein Gegner raste um eine Kurve und nur wenige Sekunden später war Thiel an der gleichen Stelle, folgte ihm verbissen. Es gelang ihm nicht, den Abstand zu verringern, doch schaffte er es zumindest, ihn auch nicht viel größer werden zu lassen.
Mittlerweile war ihm der Schweiß ausgebrochen, sein Hemd klebte ihm am Rücken.


Die wilde Jagd ging über Stock und Stein, an einem tristen Spielplatz vorbei, durch einen alten Hinterhof, um eine Mauer herum, bis plötzlich ein mehr als mannshoher Maschendrahtzaun den Weg versperrte. Mit einem gewaltigen Satz sprang der Flüchtige bis fast nach oben, krallte sich fest und warf die Beine hinüber. Kaum war er auf der anderen Seite, ließ er sich fallen, landete kurz stolpernd auf dem Boden und schlug sich in die Büsche, die auf dem Gelände der alten Fabrik, an der sie jetzt angekommen waren, wild und hoch wucherten.

Bislang hatte Thiel keinen Gedanken daran verschwendet, seine Waffe herauszureißen, sein Gegner hatte es verstanden, ständig Menschen oder Hindernisse zwischen ihnen zu halten, sodass er keine freie Schussbahn gehabt hatte.
Und auch in diesem Augenblick hatte er seine Waffe nicht gezogen. Der Mann war so schnell über den Zaun gehechtet und im Grün verschwunden, dass ihm dafür keine Zeit geblieben wäre, und so sehr wie er keuchte und dabei zitterte, hätte er außerdem viel zu viel Angst gehabt, ihn zu erschießen - oder aber, ihn gar nicht zu treffen. Der erste Fall wäre eine Katastrophe gewesen, der zweite nur Verschwendung von Zeit, die er nicht hatte.


So zügig er konnte, kletterte auch Thiel den Maschendrahtzaun hinauf. Er war dabei weniger geschickt und sicherlich nicht halb so elegant, aber er schaffte es schnell nach oben und das war das, worauf es ankam. In dem Moment, in dem er mit einem verwegenen Satz vom Zaun weghechtete, sah er, dass Boerne fast zu ihm aufgeschlossen hatte, er kam gerade um die Ecke gestürmt. Auch der Professor nahm den Zaun im Sprung und ähnlich wie der Verdächtige, war er wenige Handgriffe später oben. Thiel war noch nicht sehr weit gekommen, als er den Aufprall hörte, der ihm zeigte, dass auch Boerne den Zaun bereits überwunden hatte. Weitere Hilfe schien allerdings noch nicht in der Nähe zu sein.



Jeder Schritt war inzwischen eine Qual und langsam aber sicher bekam Thiel Schwierigkeiten beim Atmen. Und ihm wurde klar, dass er den Mann verlieren würde, wenn es ihm nicht gelang, die Jagd jetzt bald zu beenden.

Nach vielleicht fünfzig Metern gingen die Büsche in wildwuchernden Rasen über und Thiel hatte endlich wieder freien Blick auf den Flüchtigen, der inzwischen an dem dunkelroten, aus uralten Klinkersteinen errichteten Bau angekommen war und gerade versuchte, eine verbeulte Metalltür aufzureißen. Das wollte ihm allerdings nicht gelingen, die Tür schien verschlossen zu sein.
Der Mann warf einen panischen Blick zurück und Thiel ergriff seine Chance. Er fuhr mit den Händen unter seine Jacke um seine Waffe herauszureißen und brüllte dabei: „Stehenbleiben oder ich schieße!“
Doch noch bevor er den Satz zu Ende gesprochen und die Waffe ausgerichtet hatte, hatte der jüngere Mann den Ellbogen hochgerissen, schützte mit den Händen sein Gesicht und sprang mit aller Kraft durch eines der großen Sprossenfenster, dessen viele kleine Scheiben größtenteils geborsten waren, in das Gebäude hinein.

Unmittelbar setzte auch Thiel sich wieder in Bewegung, der Fluch, der ihm dabei entfuhr, war einer, den er im Leben noch nicht oft benutzt hatte.
Hastig kletterte er ebenfalls durch die zerspungenen Scheiben, fluchte noch lauter, als sich ein paar Glassplitter in seine linke Hand bohrten, mit der er sich auf der Fensterbank aufgestützt hatte.
Weiter hinten im Raum hetzte der Verdächtige durch einen Türrahmen und kaum, dass Thiels Füße wieder den Boden berührten, sprintete er hinterher. Ständig musste er dabei alten Mauerresten oder Trümmern ausweichen, das Gebäude war mehr als heruntergekommen.
Er hatte just den Türrahmen passiert, als das Knirschen von Glas ihm zeigte, dass nun auch Boerne auf den Scherben gelandet und bei ihnen im Gebäude war.


Durch die Tür waren sie in einen weitläufigen, hohen Raum gelangt, in dem alte, metallene Gerätschaften vor sich hin rosteten, deren Sinn sich Thiel nicht erschloss. Er hatte keine Ahnung, was früher in dieser alten Fabrik hergestellt worden war.
Leider kamen diese unförmigen Maschinen, die noch recht massiv und längst nicht so verfallen waren wie der Rest der Umgebung, dem Flüchtenden sehr zupass. Thiel hatte wiederum keine freie Schussbahn, war nur froh, dass er den Mann nicht aus den Augen verlor sondern hin und wieder einen Blick auf ihn erhaschen konnte.

Kaum hatten sie die Fabrikhalle durchquert und waren in einem breiten Flur angekommen, sah Thiel gerade noch, wie der Verdächtige durch eine Tür rannte die ins Treppenhaus führte. Er brüllte Boerne ein lautes „Er will nach oben!“ zu, damit der Professor sie nicht verfehlen und geradeaus rennen würde; er fühlte sich definitiv besser bei den Gedanken, Boerne weiterhin als Unterstützung in seinem Rücken zu haben.

Keuchend stürmte Thiel ebenfalls in das Treppenhaus und hielt sich mit einer Hand am Geländer fest, um sich von seinem eigenen Schwung durch die enge Kurve tragen zu lassen, als er mit Gewalt gegen die Wand flog; das alte Metallgeländer hatte seiner Wucht nicht standgehalten und war zerbrochen.
Einen schmerzerfüllten Fluch ausstoßend, rappelte Thiel sich wieder auf und während er die ausgetretene Treppe, die sich in Absätzen nach oben wand, weiter hinaufsprintete, schrie er noch eine Warnung über die Schulter. „Vorsicht Boerne, das Geländer ist marode!“

Er hatte gar nicht bemerkt, dass sein Kollege inzwischen bis auf wenige Schritte an ihn herangekommen war, nahm immer drei Stufen auf einmal und hastete dem Flüchtigen nach mit aller Kraft, die er noch hatte.

In der zweiten Etage ging es dann nicht mehr weiter aufwärts, die Treppe ging in einen dunklen Flur über, an dessen Ende sich wieder ein größerer Raum anzuschließen schien. Thiels Puls rauschte mittlerweile so laut in seinen Ohren, dass er außer seinem eigenen gequälten Keuchen so gut wie nichts hörte; dem seltsamen Knirschen, das ertönt war, als der Fliehende mit schweren Schritten durch den Flur hetzte, hätte er aber wohl ohnehin keine Beachtung geschenkt.

Doch in dem Moment, in dem er selber an dieser Stelle ankam, potenzierte sich das Geräusch und jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Thiel stoppte mitten im Schritt und wusste schon, was passierte, bevor der Boden unter ihm mit einem schrecklichen, kreischenden Stöhnen nachgab.
Er konnte nichts mehr tun, spürte nur, wie er fiel.

Es war das letzte, was er für die nächste Zeit spüren sollte.

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Tags: action, alberich, angst, boerne, drama, fanfic, h/c, krimi, nadeshda, staatsanwältin klemm, thiel, thiel senior
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