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Story: 48 Stunden - Kapitel 15

Titel: 48 Stunden
Genre: Freundschaft, Krimi, Angst, etwas h/c
Zusammenfassung: Es hätte ein schönes Wochenende in Hamburg werden sollen. Doch es war der Beginn eines Alptraums.
A.N.: Das war jetzt das letzte Schnarch-Kapitel, dann geht's dem Ende entgegen. Heute habe ich mir einen fiesen Abschlusssatz erspart, dazu war das alles irgendwie zu fluffig - das Gefühl der Ruhe wollte ich mir selber nicht kaputtmachen nach diesem anstrengenden Tag.
Wörter: 20650


Gedämpfte Stimmen drangen langsam in sein Bewusstsein; ungewöhnlich träge und benommen brauchte Thiel ein Weilchen um zu verstehen, was gesprochen wurde. Wahrscheinlich war das Medikament von Boerne dafür verantwortlich, dass er gerade etwas neben sich stand - aber immerhin hatte es gewirkt, er fühlte im Augenblick keine Schmerzen.

„…zum Glück ganz in der Nähe, als Thiel angerufen hat. Aber warum haben Sie sich denn nicht früher gemeldet? Ich hätte Ihnen doch geholfen.“ Es war Frau Haller, die da sprach; sie klang ehrlich besorgt und auch ein klein wenig vorwurfsvoll.
„Sie hatten doch genug um die Ohren.“ Boernes Antwort war nur ein erschöpftes Flüstern. „Wie geht es Ihrer Mutter?“
Er hörte die kleine Frau seufzen. „Ach Chef, sie sah am Tag nach der OP schon wieder besser aus als Sie jetzt.“
„Gott sei Dank.“

Er spürte, wie Boerne sich ein wenig bewegte; das leise Stöhnen, das er dabei hören ließ, brachte Thiel dann allerdings dazu, den Kopf anzuheben und mühsam die Augen zu öffnen.
Wotan hockte vor der Couch, hatte seinen Kopf neben Boernes Ohr platziert und winselte ab und an ganz leise; Frau Haller saß neben ihm auf der Sofakante und fixierte ihn mit einem besorgten Blick.
„Sie können im Moment nichts tun, der DNA-Test braucht noch einige Stunden. Es ist mitten in der Nacht, ruhen Sie sich aus.“

„Wo ist Thiel? Sie haben ihn doch hoffentlich nicht gehen lassen?“ Boernes gemurmelte Worte klangen zittrig.
„Natürlich nicht! Er sitzt neben Ihnen und schläft.“ Thiel schmunzelte müde, als sie ganz kurz aufschaute und ihm verschwörerisch zuzwinkerte.
„Gut… “ Der Professor hatte diese stumme Kommunikation nicht bemerkt, seine Augenlider waren schon längst wieder herabgesunken, doch war sein immer noch beunruhigend bleiches Gesicht angespannt, eine steile Falte stand zwischen den Augenbrauen.


„Schlafen Sie. Sie müssen doch todmüde sein.“ Frau Haller drückte kurz seinen Arm, doch Boerne kniff die Augen zusammen und verzog schmerzvoll sein Gesicht. „Ich kann nicht.“
„Warum denn nicht?“
„Mein Rücken… das Atmen schmerzt.“ Er sprach so leise, dass er kaum zu verstehen war.
Die kleine Frau beugte sich verwundert vor und legte unwillkürlich eine Hand auf seine Seite. „Was? Wieso?“
„Als der Fußboden unter uns weggebrochen ist, hat mich ein Trümmerstück getroffen.“ Seine Stimme war heiser und müde.
„Unter uns weggebrochen? Sie sind auch abgestürzt??“ Frau Haller war ehrlich erschreckt.

Thiel, der dem Gespräch fassungslos gelauscht hatte, wollte ungläubig auffahren, doch eine energische Geste von Boernes Assistentin brachte ihn dazu, ruhig zu bleiben. Dann forderte sie ihren Chef auf: „Lassen Sie mich das sehen. Jetzt.“ Es war nicht zu überhören, dass sie es todernst meinte.
„Alberich, bitte….“ Boerne klang gequält, als er kraftlos in sein Kissen murmelte. „Das hat sich schon ein Arzt angesehen.“
Skeptisch blickte sie auf. „Wann? Und wer?“ Behutsam fühlte sie über seinen Rücken, woraufhin Boerne zusammenzuckte. „Jaschke“, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Als Thiel im Gipsraum war. Es sind nur Prellungen, nichts weiter.“
Frau Haller seufzte. „Aber warum haben Sie denn nichts gesagt?“
„Was hätte das denn genutzt?“ wisperte Boerne. „Thiel hat doch schon genug Sorgen.“


Bei diesen Worten fuhr Thiel sich frustriert durch die Haare und Frau Haller warf ihm einen mitfühlenden Blick zu bevor sie die Decke höher über Boernes Brust zog. „Brauchen Sie ein Schmerzmittel, damit Sie besser atmen können?“
Boerne schüttelte nur schwach den Kopf. „Das wäre zu früh. Ich habe etwas genommen kurz bevor Sie gekommen sind.“
„Dann versuchen Sie, sich zu entspannen.“ Sie steckte die Decke ein wenig fest und legte ihre Hand auf seine Schulter.

Mit einem Seufzen sackte Boerne etwas tiefer in sein Kissen. Doch nach ein paar Minuten, gerade als Thiel dachte, er sei wieder eingeschlafen, flüsterte sein Kollege: „Was, wenn der Test kein Ergebnis bringt? Ich weiß nicht, wie ich Nadeshda dann noch helfen soll.“
Thiel lief ein Schauer über den Rücken. Die ganze Zeit hatte er vermieden, darüber nachzudenken, dass sein letzter Strohhalm sich bald schon als Fehlschlag herausstellen könnte; diese Sorge jetzt von Boerne so deutlich zu hören, machte ihm das Ausmaß seiner Verdrängung brutal bewusst.

Er schluckte lautlos und schloss für einen Moment die Augen; als er sie wieder öffnete, sah er Frau Hallers besorgten Blick, der sich in seinen bohrte, bevor sie sich Boerne zuwandte. „Wir werden uns dem stellen, wenn es soweit ist. Aber nicht jetzt.“ Sie strich ihm vorsichtig eine Haarsträhne aus der Stirn. „Bitte, Chef. Grübeln Sie nicht so viel und versuchen Sie, zu schlafen. Sie tun niemandem einen Gefallen, wenn Sie sich die Ruhe verwehren, die Sie so bitter nötig haben.“


Boerne erwiderte auf diese Worte nichts mehr, doch sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Er wirkte entkräftet und niedergeschlagen, die Entschlossenheit und Ruhe, mit der er Thiel durch die schlimmsten Stunden dieses Tages begleitet hatte, waren komplett verschwunden. Doch aller Erschöpfung zum Trotz schien er einfach nicht wieder in den Schlaf zu finden.

Seine Assistentin blieb bei ihm sitzen und ließ ihn nicht aus den Augen. Irgendwann griff sie behutsam nach seiner Hand; Thiel konnte deutlich sehen, dass Boernes schlanke Finger sich sogleich um ihre schlangen und er sich regelrecht an ihr festhielt. Frau Haller seufzte leise und rutschte noch etwas näher an ihn heran, legte eine Hand in seinen Nacken und strich ihm in leichten, beruhigenden Bewegungen durch die Haare.


Es dauerte eine ganze Zeit, bis Boernes krampfhafter Griff sich allmählich lockerte und seine langsamer und tiefer werdenden Atemzüge zeigten, dass er endlich wieder zur Ruhe gekommen war.
Frau Haller beobachtete ihren erschöpften Vorgesetzten noch ein paar Minuten, bevor sie sich schließlich aus seinem erschlafften Griff löste, mit einem erneuten leisen Seufzen aufstand und die Decke behutsam noch ein wenig höher zog. Dann kraulte sie Wotan hinter den Ohren, der seinen Kopf jetzt ganz nah an Boernes Hand gelegt hatte und den schlafenden Mann so aufmerksam fixierte, als wolle er über ihn wachen.

Ihr Gesicht war ernst, als sie sich Thiel zuwandte. „Lassen Sie sich nicht entmutigen, Herr Thiel. Wir werden nicht aufgeben.“
Thiel, der diese letzte halbe Stunde apathisch und zusammengesunken dagesessen und seine beiden Kollegen nicht aus den Augen gelassen hatte, nickte mechanisch.
Die Rechtsmedizinerin machte sich nicht die Mühe, ihn zu ermahnen, sich auszuruhen und zu schlafen; es war ihr wohl klar, dass seine wild kreisenden Gedanken ihm dazu kaum eine Chance ließen.
„Ich muss wieder ins Labor. Rufen Sie, wenn etwas ist.“ Sie drückte kurz auch seine Hand und Thiel nickte nochmals, bevor er seinen Kopf kraftlos auf die Rückenlehne zurückfallen ließ.


Er konnte nicht sagen, wie lange er ohne zu sehen an die Decke gestarrt hatte, bis ein Kopfstoß und ein lautes Winseln von Wotan ihn aus seinem geistesabwesenden Zustand rissen.
Mit zusammengebissenen Zähnen setzte er sich ein wenig auf und stellte fest, dass Boerne sich mittlerweile zurück auf den Rücken gedreht hatte; er schlief noch, aber nicht mehr ruhig. Seine Stirn war wieder mit einem Schweißfilm bedeckt und immer rastloser bewegte er den Kopf und die Hände, verzog einige Male das Gesicht wie im Schmerz. Ohne nachzudenken legte Thiel seine gesunde Hand auf Boernes Brust und flüsterte leise, beruhigende Worte, registrierte dabei konsterniert, dass Boernes Hemd ganz klamm war und er ein wenig zitterte.

Er hielt seinen leisen Monolog aufrecht, bis die fahrigen Bewegungen seines Kollegen langsam nachließen, zog dabei vorsichtig und ein wenig mühselig die Decke, die halb heruntergerutscht war, wieder zurecht. Dann lehnte er sich in die Sofapolster zurück, ließ seine Hand aber sicherheitshalber wo sie war, in der Hoffnung, dass die kleine Geste seinen Kollegen etwas mehr Ruhe finden ließ.
Und das schien zu funktionieren. Erleichtert schloss Thiel für einen Moment die Augen, als er fühlte, wie Boernes unruhiger Herzschlag sich allmählich wieder verlangsamte und seine hektischen Atemzüge wieder regelmäßiger wurden; als er fühlte, wie er endlich wieder aufhörte zu zittern.


Dass Frau Haller ein paar Minuten später zurückkehrte und mit einem leisen Lächeln im Gesicht eine Decke über ihm ausbreitete, fühlte er dagegen nicht.




Tags: action, alberich, angst, boerne, drama, fanfic, h/c, krimi, nadeshda, staatsanwältin klemm, thiel, thiel senior
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