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Story: 48 Stunden - Kapitel 19

Titel: 48 Stunden
Genre: Freundschaft, Krimi, Angst, etwas h/c
Zusammenfassung: Es hätte ein schönes Wochenende in Hamburg werden sollen. Doch es war der Beginn eines Alptraums.
A.N. 1: Dieses Teil ist ganz kurz, tut mir leid.
Wörter: 26000


„Sie bleiben hinter mir und drehen keine Extratouren, klar?“
Warum er das immer wieder versuchte, wusste Thiel selber nicht genau – als ob es Boerne je interessiert hätte, was er ihm sagte. Aber es war seine Angst, die ihn zwang, diese eindringliche Warnung zu flüstern, und obwohl ein kleiner, noch rationaler Teil seines Gehirns ihn regelrecht anschrie, dass er den Professor als Zivilisten niemals mit in diesen Garten nehmen dürfte, war der emotionale Teil dagegen einfach nur mehr als dankbar, dass sein Kollege weiter an seiner Seite bleiben wollte; er war sich nicht sicher, ob er diesen Gang allein bewältigt hätte.
„Nun quasseln Sie nicht lange rum, sonst können wir wirklich auf Verstärkung warten“, raunte der Rechtsmediziner zurück. Er war angespannt, dessen war Thiel sich sicher; aber er war auch entschlossen, das war nicht zu übersehen. Boerne hatte seine Entscheidung getroffen, er würde ihn nicht im Stich lassen.


Sie nickten sich noch einmal zu, daraufhin drehte Thiel sich um, versuchte kurz, sich zu orientieren und schloss noch schnell die Gartentür hinter sich. Gleich dahinter wich er dann von dem ausgetretenen Pfad ab und schlich ein paar Meter neben der recht gut erkennbaren Fährte parallel Richtung Gartenhaus, um Michael Westkamp nicht zufällig in die Arme zu laufen. Wenn er das Foto richtig interpretiert hatte, musste sich die überwucherte Laube auf der linken Seite am Ende dieses Grundstückes befinden, das nah am Waldrand lag, umgeben von mannshohen Dornenhecken und wildwucherndem Unterholz. Ein unzugänglicher, verlassener Ort, zu dem wahrscheinlich schon seit Ewigkeiten keine Menschenseele mehr gekommen war.
Der perfekte Platz, sich zu verstecken. Der perfekte Platz, eine Geisel zu verstecken. Und auch der perfekte Platz, sich ihrer unbemerkt zu entledigen.



Thiel hatte das Gefühl, dass Boerne sein Herz rasen hören müsste, als er sich, immer hinter den verwilderten, hohen Büschen Deckung suchend, Meter für Meter zügig voran arbeitete. Die Pistole schussbereit in der Hand, ließ er seine Blicke pausenlos in alle Richtungen schweifen, besorgt, ganz plötzlich Michael Westkamp gegenüber zu stehen; doch schon nach einer Minute hatten sie das Gartenhaus ohne Zwischenfall erreicht.


Die Laube war inzwischen vollständig zugewuchert, wesentlich mehr noch als auf dem Foto, das sie hergebracht hatte. Der Jasminduft, der ihnen schon am anderen Ende des Gartens in die Nase gestiegen war, war hier geradezu betäubend.
Trotz dass es noch recht früh am Morgen war, war die Luft in diesem absolut windstillen, von der Sonne beschienenen Flecken Erde bereits stickig. Die Atmosphäre schien Thiel geradezu bedrohlich und unheilverkündend. Die einzigen Geräusche, die zu hören waren, stammten von den unzähligen Insekten, die in den Blüten des Jasmins nach Nektar suchten und vom Gezwitscher der Vögel, die in den Büschen und Bäumen des Gartens und des Walrandes lebten.

Die Tür des Gartenhauses war geschlossen, ein Fenster war unter dem wildwüchsigen Kletterstrauch auf den ersten Blick nicht auszumachen.
„Sie bleiben hier, ich geh' näher ran.“ Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme ein wenig zitterte.
Boerne, der mit angespanntem Gesichtsausdruck die Laube fixiert hatte, wandte seinen Blick davon ab und sah ihn kurz an. „Denken Sie, er ist hier?“
Thiel drehte sich nicht mehr um, als er flüsterte: „Genau das will ich herausfinden.“ Für einen Moment nahm er seine Pistole unbeholfen in die Finger seines Gipsarmes, um seine verschwitzte Hand an seiner Jeans abzuwischen. Dann entsicherte er die Waffe und huschte davon.


Boerne hielt ihn nicht zurück, als er gebückt an das Holzhaus heranschlich und sich so nah wie er konnte an die überwucherte Wand drückte. Zuerst gelang es ihm nicht, unter den Massen von Blättern und Blüten eine Öffnung auszumachen, doch als er das Gebäude vorsichtig umrundete, entdeckte er auf der Rückseite ein Fenster, das zwar mehr oder weniger zugewachsen war, ihm aber doch die Möglichkeit bot, einen Blick in die Laube zu werfen.

Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als Thiel sich äußerst vorsichtig aufrichtete und sich dann Zentimeter für Zentimeter so weit an der Wand entlang schob, bis er durch eine Lücke zwischen den Pflanzen in die Laube sehen konnte. Die Scheiben waren staubig, eine gesprungen, Spinnen hatte ihre Netze in die Ecken gebaut, doch konnte er einigermaßen hindurchsehen. Zum Glück lag die Rückseite des Holzhauses durch die unmittelbare Nähe zum Waldrand im Schatten, so dass das Fensterglas nicht zu sehr spiegelte und sich seine Augen einigermaßen schnell an das schummrige Licht des Raumes gewöhnten, in den er da blickte.


Ein paar Sprudelflaschen standen auf einem alten Holztisch und ein Schlafsack lag in einer Ecke; es hatte sich definitiv jemand hier eingerichtet. Die Ecken rechts und links konnte er allerdings nicht hundertprozentig einsehen, doch schien das Holzhaus leer zu sein. Zumindest dachte er das und es breitete sich schon eine wahnsinnige Enttäuschung in ihm aus, bis er direkt unter dem Fenster eine Schuhspitze ausmachte. Die Spitze eines hellen Schuhs, den er nur zu gut kannte.
Nadeshdas Schuh.


In diesem Moment stellte Thiel jegliches rationales Denken ein und rannte los. Innerhalb von Sekunden war er wieder vor der Laube angekommen und reagierte gar nicht auf Boernes zweifellos erschrockenen, unterdrückten Ausruf, als er um die Ecke stürmte und mit aller Kraft die Tür zu dem Raum aufriss, in dem Nadeshda lag. Noch bevor der völlig überraschte Professor zu ihm aufgeschlossen hatte und ihn irgendwie zurückhalten konnte, stürmte er hinein - doch bei dem Anblick, der sich ihm bot, kam er nach einem Meter geschockt zum Stillstand.



Dass Boerne inzwischen neben ihm zum Stehen gekommen war, nahm er nicht wahr. Dass der Professor sich nach einer Sekunde mit einem Fluch, wie er ihn noch nie gehört hatte, aus seiner Starre löste, registrierte er kaum.
Das Einzige was er sah, war die große Lache getrockneten Blutes, in der Nadeshddas Kopf lag; das Einzige was er sah, waren ihre blonden Haare, die nunmehr dunkelbraun an ihrem Kopf klebten und ihr bleiches Gesicht mit den geschlossenen Augen und den getrockneten Blutspuren wie ein grotesk steifer Vorhang nahezu komplett verdeckten; nur am Hinterkopf, unterhalb des stramm geknoteten, schwarzen Tuches, das ihren Mund bedeckte, hatten sie noch ihre natürliche, blonde Farbe behalten.


Als Nadeshda auf Boernes Fluch hin mühsam die Augen aufschlug und sie dann ungläubig anblickte, schwankte vor Erleichterung für einen Augenblick der Boden unter Thiels Füßen.




A.N. 2: An sich habe ich heute Abend 2000 Wörter geschrieben. Aber nun habe ich hier spontan einen Schnitt gesetzt, um vor dem nächsten Kapitel zu warnen.
Dies ist zwar kurz, aber Nadeshda ist gefunden und alles ist gut. Wer es dabei belassen will, soll das bitte tun. Ihr seid gewarnt.

Tags: action, alberich, angst, boerne, drama, fanfic, h/c, krimi, nadeshda, staatsanwältin klemm, thiel, thiel senior
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