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Story: 48 Stunden - Kapitel 20

Titel: 48 Stunden
Genre: Freundschaft, Krimi, Angst, etwas h/c
Zusammenfassung: Es hätte ein schönes Wochenende in Hamburg werden sollen. Doch es war der Beginn eines Alptraums.
A.N.: Wieder kurz, weil eigentlich die zweite Hälfte vom Kapitel zuvor. Ich hoffe, ihr habt die Warnung unter dem letzten noch im Kopf.
Out there be monsters.
Wörter: 27000


Sie waren nicht zu spät gekommen! Sie hatten es geschafft, er konnte es kaum glauben. Es brauchte einen tiefen Atemzug, bis Thiel sich wieder soweit unter Kontrolle hatte, dass er Boerne zur Hilfe eilen konnte, der bereits hastig aber behutsam versuchte, die junge Frau von ihrem Knebel zu befreien.

Thiel sank nahezu hilflos neben ihm auf die Knie und ließ achtlos seine Waffe fallen, fasste Nadeshdas Arm und begann leise, beruhigende Worte zu murmeln, als ihre Augen sich schlossen und sie vor Erleichterung zu schluchzen begann. Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen, doch ging das nicht, Nadeshdas auf dem Rücken gefesselte Hände waren an einem Ring in der Wand fixiert. Er bemerkte es in der Sekunde, in der Boerne drängte: „Thiel, haben Sie ihr Taschenmesser dabei? Dann her damit!“
„Ja, Moment!“ Hastig begann Thiel mit seiner gesunden Hand nach dem Messer zu suchen und er drückte es Boerne, der in diesem Augenblick erfolgreich den Knebel entfernt hatte, in die Hand.

„Nicht bewegen Nadeshda, ich will Sie nicht verletzen.“ Mit ruhiger Hand schob Boerne die offene Klinge unter die strammen Fesseln, die ihre Handgelenke umspannten und begann dann fieberhaft, an den breiten Kabelbindern herumzusäbeln, bis sie mit einem befriedigenden Geräusch auseinanderplatzten.
Nadeshda konnte ein Wimmern nicht unterdrücken, als Boerne ihre Arme behutsam ablegte und Thiel konnte keine Sekunde mehr warten, er rutschte an sie heran, fasste sie unter den Achseln und richtete sie vorsichtig auf. Im gleichen Moment warf sie sich regelrecht nach vorn in seine Arme und schluchzte noch mehr als zuvor, die abgehakten Laute jetzt nicht mehr gedämpft durch den Knebel.

Thiel hielt sie fest an sich gezogen rieb ihr mit seinem geschienten Arm immer wieder unbeholfen über den Rücken, bis sie sich nach und nach ein wenig beruhigte. Irgendwann löste sie sich etwas von ihm und blickte ihn mit tränennassen Augen an. „Mein Gott Chef, wie sehen Sie denn aus? Sie sind ja ein Wrack“, murmelte sie mit heiserer Stimme und der Hauch eines Lächelns huschte über ihr Gesicht.
Thiel schnaubte leise, legte behutsam seine Hand an ihren Kopf und zog die eindeutig völlig erschöpfte junge Frau wieder an sich. „Schauen Sie mal in den Spiegel, Nadeshda. Ihnen gegenüber wirke ich taufrisch.“


Boerne hatte auch die Fußfesseln durchschnitten und inzwischen sein Mobiltelefon hervorgenommen. Mit einem Ohr hörte Thiel, wie er einen Rettungswagen orderte und nickte ihm dankbar zu, war aber gleichzeitig besorgt auf seine Assistentin konzentriert.
„Wo ist dieser Wahnsinnige, wissen Sie das?“
Doch Nadeshda schüttelte nur den Kopf. „Er ist heute Morgen verschwunden, als es hell wurde. Seitdem habe ich ihn nicht gesehen.“

Thiel merkte, wie sie in seinen Armen zitterte; umso erstaunlicher, dass sie sich bis auf diesen ersten emotionalen Ausbruch nun wieder derart unter Kontrolle hatte.
Behutsam strich Thiel ihr eine Haarsträhne aus der Stirn und fixierte sie. Sie war leichenblass, das staubige Gesicht durch die Tränen von schmutzigen Spuren durchzogen. Ihre Lippen waren spröde und aufgeplatzt, woran der Knebel sicherlich nicht unschuldig war, vor allem aber wohl der Mangel an Flüssigkeit, den sie in dieser Hitze über so viele Stunden ertragen musste.

Doch noch erschreckender wirkte ihr blutverklebtes Haar auf ihn. „Was ist mit Ihrem Kopf? Was hat er Ihnen angetan?“
Nadeshda machte eine unbeholfene Bewegung mit der Hand, die scheinbar noch recht gefühllos war. „Er wollte von mir wissen, wo wir Sabine Jansen untergebracht haben. Als ich ihm nicht geantwortet habe, ist er sauer geworden.“ Sie schluckte hörbar, als sie auf den Boden sah. „Das Blut da ist nicht meins... Das bei mir ist nur eine Platzwunde, nicht schlimm.“


„Das sollte vielleicht besser ein Arzt beurteilen, Frau Krusenstern.“ Boerne lächelte ein wenig, als er sein Mobiltelefon wieder einsteckte und sich zu ihnen hockte. Ganz vorsichtig drehte er Nadeshdas Gesicht, so dass er ihren Hinterkopf in Augenschein nehmen konnte.

„Hat er Ihnen sonst noch Verletzungen zugefügt?“ Wie schon öfter in den letzten Stunden bebte Thiels Stimme ein wenig, diesmal war es allerdings der pure Zorn, der das auslöste.
Erneut schüttelte sie den Kopf, als sie leise antwortete. „Nein. Nach dem Schlag hat er mir nur noch gedroht. Er würde mich umbringen, wenn ich nicht rede. Immer wieder. Aber er ist nicht mehr handgreiflich geworden.“
Thiel zog sie noch fester an sich und Nadeshda ließ das zu und schloss die Augen; ihr schmales Gesicht war gezeichnet von der Panik und der Todesangst, die sie in diesen vierundzwanzig Stunden ausgestanden hatte, ebenso wie ihre Hand und Fußgelenke, die durch die strammen Fesseln extrem gelitten hatten.

Boerne runzelte bei ihrem Anblick die Stirn, dann sah er auf. „Die Wunde an ihrem Kopf scheint tatsächlich nur oberflächlich zu sein, aber hier ist es zu dunkel, um das genau beurteilen zu können. Bringen wir sie raus.“
Thiel war skeptisch. „Sollten wir nicht besser auf den Rettungswagen warten?“
Boerne schüttelte energisch den Kopf. „Wir können draußen auf den Notarzt warten. Ich helfe ihr, aber lassen Sie uns hier verschwinden!“

Nadeshda hatte auf diese Worte hin die Augen wieder geöffnet und sich ein wenig aufgerichtet. „Geben Sie mir einen Schluck zu trinken, dann schaffe ich das mit dem Aufstehen. Ich möchte hier weg.“

Thiel nickte ergeben. Dass Nadeshda aus diesem Loch heraus wollte, konnte er gut verstehen, und wenn Boerne meinte, dass nichts dagegen sprach, würde er sich nicht mehr querstellen. „Alles klar. Da vorn, Boerne!“


Der Professor benötigte seinen Hinweis nicht sondern war bereits mit ein paar schnellen Schritten auf den Tisch zugetreten und griff eine der Mineralwasserflaschen, die dort standen. Während er zu Nadeshda zurückeilte und den Deckel abschraubte, sagte er: „Sie werden gewiss nicht selber gehen, das werden Ihre Beine und vor allem Füße noch nicht mitmachen. Ich werde Sie tragen, dann…“

Er sprach seinen Satz nicht zu Ende sondern stolperte mit einem Male wie von einem heftigen Stoß in den Rücken getroffen nach vorn und die Wasserflasche, die er gerade geöffnet hatte, zerplatzte.
Im gleichen Augenblick schlug etwas neben Thiel in die Wand ein. Sein Kopf ruckte instinktiv herum und sein Blick fiel auf ein kleines Loch in den Holzpaneelen. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, bis er realisierte, dass er auf ein Einschussloch starrte; es dauerte nicht viel länger, bis ihm klar wurde, dass das Projektil, das nun dort steckte, nicht nur die Flasche in Boernes Händen durchschlagen hatte.


Thiels fassungsloser Aufschrei wurde von Nadeshdas Entsetzensschrei noch übertönt; als er geschockt zurückwirbelte, sah er gerade noch, wie Boerne lautlos in sich zusammensackte und Michael Westkamp vollends in den Raum trat und seine Waffe auf Nadeshda anschlug.



Comments

baggeli
2. Mär 2013 16:36 (UTC)
Ich hoffe doch, Du planst kein Massaker
Nein, in die Kettensägen-Splatter-Fraktion wollte ich dann nicht ganz abrutschen.

zumindest Thiel müßte überleben, da er ja anfangs aus der Rückschau erzählt hat
Nun, das ist wohl logisch, dass Thiel überlebt. =)

Ansonsten gewohnt spannend, und die Szene, in der sie Nadeshda losbinden, v.a. Thiel und Nadeshda, das geht einem echt zu Herzen.
Schön, wenn du das so denkst. Ich war mir nicht ganz sicher, wie ich Nadeshda nach dieser Tortur reagieren lassen sollte. Also habe ich die beiden einfach knuddeln lassen.

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