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So, ich dachte mir, so ein schwülstiges Prompt ist doch mal genau das Richtige für mich. *lol*
Entscheidet selber, ob ihr euch das antun wollt. Es ist wie so oft mehr als nur eigenwillig.
Hatte ich erwähnt, dass ich mit meinem BigBang nicht vorankomme? (*haare-rauf* *kreisch*)


Titel: Das Wunder einer Sommernacht
Prompt: Das Wunder einer Sommernacht
Genre: tja, der Anfang... typisch Baggi halt. Und das Ende: pfffffffffff, ich würde mal sagen, Kitsch hoch zehn. Genug gewarnt?
Zusammenfassung: Er hätte ein Wunder gebraucht. Aber Wunder gibt es nun einmal nicht.
Wörter: 1200


Strömender Regen. Ein jähes, grelles Licht. Ein plötzliches Hindernis, keine Chance, noch rechtzeitig auszuweichen. Ein fürchterlicher Aufprall. Dann Schwärze.


Als er die Augen mühsam wieder aufschlägt, kann er nicht sagen, wie viel Zeit vergangen ist. Der nächtliche Himmel ist immer noch düster und wolkenverhangen. Er ist allein. Von dem Auto, das den Unfall verursacht hat, fehlt jede Spur.
Obwohl die Luft nach dem Gewitter schwül ist, spürt er nur Kälte. Das letzte bisschen Körperwärme, das ihm geblieben ist, die kühle, nasse Straße entzieht es ihm. Lediglich die Lache unter seiner Seite scheint etwas wärmer als die restliche Umgebung; das liegt daran, dass es keine Pfütze ist, in der er liegt. Deutlich fühlt er, wie das Blut an seiner Seite hinab auf den Asphalt rinnt; die Tatsache, dass seine Beine und auch seine Arme immer gefühlloser werden, zeigt ihm mehr als deutlich, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt.


Er ist unfähig, sich zu bewegen, festgenagelt an Ort und Stelle von einem schweren Gewicht. Im Augenblick definitiv nicht in der Lage, zu rufen, geschweige denn, zu schreien; er schafft es gerade so, genug Sauerstoff in sich aufzunehmen, um nicht wieder das Bewusstsein zu verlieren.

Er ist nicht panisch, er ist auch nicht aufgeregt, wie er immer gedacht hat, dass ein Mensch es in solch einem Moment sein müsste; er ist einfach nur. Er denkt einfach nur; zu nichts anderem hat er im Augenblick die Kraft.
Die Chance, hier gefunden zu werden, geht Richtung Null, er ist rational genug, sich das einzugestehen. Aber noch gibt er die Hoffnung nicht auf.


Eine Zeitlang versucht er, seine Kräfte zu sammeln, wehrt sich verzweifelt dagegen, so weit wegzudriften, dass er es nicht mehr schafft, zurückzukehren. Doch nach und nach versinkt er in Apathie, ohne dem wirklich etwas entgegensetzen zu können.
Irgendwann fällt ihm ein feuchtes, rasselndes Geräusch auf, das er zuvor nicht bemerkt hat; es dauert eine Weile bis einsinkt, dass es von ihm stammt.
Das gequälte Keuchen macht ihm bewusst, dass seine Zeit immer schneller abläuft.
Der Gedanke macht ihm nun doch Angst. Er kann sich kaum rühren, doch noch will er nicht aufgeben. Verzweifelt versucht er, tief Luft zu holen, um zu schreien, um auf sich aufmerksam zu machen. Der heiße Schmerz, der daraufhin durch seinen Körper fährt, ist pure Agonie; aber zu schreien gelingt ihm nicht; das röchelnde Stöhnen das er zustande bringt, ist so leise, dass man es wahrscheinlich keine fünf Meter weit hört.


Es vergeht eine undefinierbare Zeitspanne, in der er einfach nur stillliegen kann, sich auf jeden einzelnen Atemzug konzentriert, in der Hoffnung, dass es nicht sein letzter ist.
Aber so soll es nicht enden. Noch ist er am Leben.
Mit letzter Kraft versucht er, seine tauben, bebenden Hände zu bewegen. Zuerst bringt er es nicht fertig, er ist wie gefesselt; doch endlich zerreißt Stoff, und ein Arm ist frei. Die Erschütterung lässt Schmerzen wie Feuer durch seinen Brustkorb jagen.
Aber er gibt sich dem nicht geschlagen.

Sein Mobiltelefon ist in seiner Jackentasche. Er muss es nur herausnehmen. Nur herausnehmen... es ist ein Mantra, das er sich wieder und wieder vorsagt.
Die Schmerzen, die er mit seinen unbeholfenen Bewegungen auslöst, sind derart schlimm, dass er kurz davor ist, das Bewusstsein zu verlieren, aber mit aller Macht kämpft er dagegen an. Alle anderen Gedanken sind wie weggewischt. Nur eines zählt jetzt noch: das Handy, es zwischen die klammen Fingerspitzen zu bekommen und es aus der Tasche zu ziehen.
Endlich hat er es, doch er kann es nicht halten, es rutscht ihm weg, zurück in die Jacke; aber er gibt nicht auf, versucht es weiterhin, seine Finger schlüpfrig von Blut.
Doch kaum hat er es aus der Tasche befreit, fällt es ihm aus der Hand und klappert auf den Boden.
Das verzweifelte Stöhnen, dass ihm daraufhin entfährt, jagt erneut eine Welle von Schmerzen durch seinen Körper.

Hilflos tastet er die Straße ab, mit dem einen Arm, den er nutzen kann. Irgendwann bekommt er das Telefon tatsächlich zu fassen; er schleift es kraftlos über den Asphalt, bis zu seinem Gesicht, fühlt, wie die nassen Steine ihm die Knöchel aufreißen.
Das Atmen fällt ihm nun schwerer und schwerer, sein Puls rauscht immer lauter in seinen Ohren.
Er schafft es nicht mehr, das Telefon bis  ans Ohr zu heben, aber das ist nicht wichtig.
Er schafft es nicht mehr, den Notruf zu wählen, seine Umgebung ist längst bis zur Unkenntlichkeit verschwommen, er kann die Zahlen nicht erkennen. Sein Blickfeld wird langsam schwarz, als er mit letzter Kraft die Kurzwahltaste und die eins drückt. Diese Tastenkombination hat er schon so oft benutzt, er würde das im Halbschlaf bewältigen, auch, wenn er taub und blind wäre.
Kaum hat er gewählt, fällt seine Hand matt zu Boden. Und er weiß, um nichts in der Welt kann er sie nochmals anheben.

Regen und leichtem Wind zum Trotz ist es ihm möglich, den Freiton auszumachen, das Telefon liegt nah genug neben seinem Gesicht. Verzweifelt lauscht er, wie es klingelt. Zweimal. Viermal. Aber niemand hebt ab.
Irgendwann meldet sich die Mailbox.
Es gelingt ihm nicht, etwas zu sagen; es gelingt ihm kaum noch, zu atmen.
Das war seine letzte Chance, und er weiß das.

Er hätte ein Wunder gebraucht. Aber Wunder gibt es nun einmal nicht.

Als die Schwärze ihn überrollt, hat er keine Kraft mehr, sich zu wehren.


~~~


Die Ereignisse überschlagen sich in dieser Nacht, nachdem sie ihre Mailbox abgehört hat. Nachdem sie für einen Moment verwundert darüber ist, warum ihr Vorgesetzter nichts darauf gesprochen, aber auch nicht aufgelegt hat. Bis sie ganz leise Geräusche hört; bis sie realisiert, was sie da hört: Regen, und ein rasselndes Keuchen; gurgelnde, gequälte Atemstöße.

In Panik hat sie ihre Kollegen alarmiert und noch bevor sie im Präsidium eingetroffen ist, war die Handyortung erfolgreich. In weiser Voraussicht hat nicht nur ein Streifenwagen das Ziel angesteuert, sondern auch ein Rettungsfahrzeug.

Sie erschaudert bei dem Gedanken, dass der Notarzt wenige Minuten später nichts mehr hätte ausrichten können.


Sie ist müde. Unsagbar müde. Aber sie wird nicht heimgehen. Nicht, bevor er wieder aufgewacht ist. Nicht, bevor sie sich mit eigenen Augen davon überzeugt hat, dass er sich erholen wird. Sie wird hier auf seiner Bettkante sitzen bleiben und so lange warten, bis er sich regt, bis er langsam wieder zu sich kommt. Egal wie lange es noch dauert.

Endlich rührt er sich ein wenig, bewegt mit einem leisen Stöhnen den Kopf. Augenlider flattern, dann öffnen sie sich.
Er braucht eine Weile, um seinen Blick zu fokussieren; braucht noch etwas länger, um zu registrieren, dass er nicht allein ist, dass sie an seinem Bett sitzt.
Sie kann nicht verhindern, dass ihr eine Träne der Erleichterung über das Gesicht rinnt, als er sie ansieht und ein schwaches Lächeln über seine bleichen Gesichtszüge gleitet. Behutsam drückt sie seine Hand, als seine Augenlider erschöpft wieder herabsinken. Er soll sich ausruhen. Er muss sich ausruhen.


Der diensthabende Arzt kann immer noch nicht verstehen, dass er in seinem Zustand überhaupt sein Telefon bedienen konnte.
Ihre Kollegen können immer noch nicht verstehen, dass sie aus den leisen Geräuschen auf ihrer Mailbox die richtigen Schlüsse ziehen konnte.
Aber für sie ist das ganz einfach.

Er hat ein Wunder gebraucht. Und ab und zu gibt es sie.

Comments

florencewelsh
13. Mai 2013 18:51 (UTC)
Gute Besserung!

fallen mir eher Sachen für die Bingokarte ein ;)
Also so ganz literaturwissenschaftlich gesprochen gibt es einen Zusammenhang zwischen der großen und der kleinen Form - z.B. erkundet man im Kleinen Dinge, die dann beim Schreiben des Großen helfen sollen ... Vielleicht macht das ja Mut :)
baggeli
13. Mai 2013 19:31 (UTC)
Das klingt gut.
Ich habe meinen BigBang ja auch noch nicht ganz aufgegeben...

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