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Sommerbingo: Bloody Mary - Kapitel 2

Titel: Bloody Mary
Prompt: Cocktails
Genre: fragt gar nicht erst, ihr kennt mich inzwischen
Zusammenfassung: „Du müsstest mich gut genug kennen um zu wissen, dass ich mich auf solch ein mieses Spiel niemals eingelassen hätte. Niemals. Ich hätte euch alle hochgehen lassen.“
Das war keine Lüge, er sagte die Wahrheit. Aber sie wollte ihm nicht glauben, das sah er an dem Ausdruck in ihrem Gesicht.
Und selbst wenn sie es irgendwann tat, war sein Schicksal dennoch besiegelt.
Wörter: 1400
A.N.: Achtung, wenig Sinn, schwacher, extrem unrealistischer Plot. Bingo halt. Tatort Münster halt. Typisch Baggi halt. Und obendrein schwere BigBang-Prokrastination. Genug gewarnt?


Ein Eimer kalten Wassers, der unvermittelt über ihm ausgeschüttet wurde, riss ihn brutal aus der gnädigen Dunkelheit, die ihm für einige Stunden Zuflucht vor der schrecklichen Realität gewährt hatte.
Hustend und würgend fuhr Thiel auf, nur um gleich darauf mit einem heiseren Aufschrei wieder zurückzusacken; ein brennender Schmerz in seinen malträtierten Rippen verhinderte, dass er sich vollständig aufrichten konnte. Für ein paar Sekunden blieb er einfach nur liegen und schnappte nach Luft, aber bevor er selbst einen erneuten Versuch unternehmen konnte, sich aufzurappeln, wurde er an den Haaren gepackt und brutal auf die Knie gezerrt.
Während der Raum um ihm kreiste, musste Thiel sich eingestehen, dass er zu schwach war, um sich zu wehren; und die Tatsache, dass der vierschrötige Fremde, dem er die unsanfte Behandlung zu verdanken hatte, ihm den stählernen Lauf einer Pistole in den Nacken presste, erstickte ohnehin jede Hoffnung auf Flucht im Keim.


Langsame Schritte näherten sich, und auch wenn Thiel durch das Wasser, das aus seinen klatschnassen Haaren in seine Augen tropfte, nicht scharf sehen konnte, wusste er doch sehr genau, wer dort vor ihm stand.


„Hast du es dir überlegt?“
Die Stimme war kalt und schneidend und jagte Thiel einen Schauer über den Rücken. Er konnte nicht fassen, wie sie sich so hatte verändern können in der kurzen Zeit, seit er in Münster war. Sie schien ein völlig fremder Mensch zu sein, wie ausgetauscht.

Ungebeten tauchten Bilder aus der Vergangenheit vor ihm auf, von einer jungen, brünetten Frau, lachend und entspannt. Seine Partnerin in den Jahren in Hamburg, mit der er so viele Fälle bearbeitet hatte, durch dick und dünn gegangen war. Die er fast so gut kannte, wie sich selbst.
Zumindest hatte er das immer gedacht.
Nie im Leben hätte er ihr zugetraut, dass sie die Seiten wechseln würde.
Nie im Leben hätte er ihr zugetraut, dass sie eiskalt und ohne mit der Wimper zu zucken einen Unbeteiligten niederschießen würde, nur weil er das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.


Aber so wie es jetzt aussah, hatte sie ihn schon über Jahre hinters Licht geführt. Sie, und ein weiterer Kollege seines Teams. Angelogen und hintergangen, mit dem organisierten Verbrechen zusammengearbeitet.
Und diese Erkenntnis erfüllte ihn mit einer Bitterkeit, wie er sie noch nie im Leben gespürt hatte.


Er konnte diesen Gedanken nicht lange nachhängen, denn ihr Helfer rammte ihm in einer drohenden Bewegung die Waffe noch fester in den Nacken und knurrte: „Mach‘s Maul auf, oder du wirst es bereuen.“
Thiel wollte zu ihr aufblicken, doch die kalte Mündung verhinderte das und drückte seinen Kopf wieder weiter nach unten.

Erschöpft blinzelte er Wassertropfen aus einem Auge, bevor er heiser krächzte: „Ich habe es gestern Abend schon gesagt. Die Liste ist nicht bei mir, Ansgar hat dir was vorgemacht. Dein sauberer Kumpel ist längst über alle Berge, weil du so dämlich warst, darauf reinzufallen“, konnte er sich nicht zügeln, erbittert hinzuzusetzen, was ihm einen heftigen Schlag ins Gesicht einbrachte.


„Verflucht nochmal! Er hatte Fotos von dir mit der Liste! Beweise! Es gibt keinen Zweifel, dass du hast, was ich brauche!“ Sie war nun wirklich zornig, schob die Waffe ihres Komplizen beiseite, umfasste mit krallenartigem Griff Thiels Gesicht und zerrte es nach oben, so dass sie ihren Blick in seinen bohren konnte. „Mach es dir und mir doch nicht so schwer! Ich will das hier nicht, verstehst du? Aber wenn du nicht kooperierst, lässt du mir keine Wahl!“

Mehr als eine gequälte Grimasse hatte Thiel nicht mehr für sie übrig und spukte dann das Blut auf den Fliesenboden, das sich nach ihrem Fausthieb in seinem Mund gesammelt hatte. „Marie, red‘ dir doch nichts ein. Du weißt, wie gut Ansgar am PC ist. Er hat die Bilder gefälscht, das muss dir doch klar sein.“
Er konnte nicht tief genug atmen, um laut zu sprechen, aber auch sein ersticktes Flüstern drang in die letzten Winkel des Kellerraumes, so still war es hier. „Du müsstest mich gut genug kennen um zu wissen, dass ich mich auf solch ein mieses Spiel niemals eingelassen hätte. Niemals. Ich hätte euch hochgehen lassen.“
Das war keine Lüge, er sagte die Wahrheit. Aber sie wollte ihm nicht glauben, das sah er an dem Ausdruck in ihrem Gesicht.
Und selbst wenn sie es irgendwann tat, war sein Schicksal dennoch besiegelt. Er würde dieses Zusammentreffen mit dem Leben bezahlen, sie hatte zu viel preisgegeben. Sie konnte keine Zeugen zurücklassen; sie würde keine Zeugen zurücklassen.
Aus diesem Keller würde er nicht mehr lebend herauskommen.



Abrupt ließ sie ihn los und sein Kopf fiel schwer zurück nach unten, er konnte sich nur gerade so abfangen und verhindern, vollständig zusammenzubrechen.

„Bullshit! Du willst mit Ansgar die Liste verticken und die Kohle für euch allein einkassieren, das ist alles. Aber ich werde mich nicht so einfach geschlagen geben! Wir werden sehen, wer am längeren Hebel sitzt.“ Ihre gezischten Worte troffen vor Zorn; aber Thiel wusste, dass dieser Zorn sich auf Dauer nicht nur gegen ihn richten würde, sondern auch gegen sie selbst. Denn sie hatte sich hereinlegen lassen und das schwante ihr langsam, auch wenn sie noch nicht bereit war, es sich einzugestehen.

„Ich gebe dir noch eine Stunde Bedenkzeit. Danach werden wir andere Geschütze auffahren.“ Er hörte mehr als dass er sah, wie sie herumwirbelte und aus dem Kellerraum stürmte.

Noch bevor ihre Schritte verhallten, hieb ihm der Grobian, der immer noch hinter ihm stand, mit aller Kraft seine mit der Waffe beschwerten Fäuste über den Rücken; geschwächt wie Thiel war, ging er wie ein Stein zu Boden. Halb bewusstlos blieb er liegen und registrierte kaum, wie die massive Metalltür, die ihn von der Außenwelt abschnitt, ins Schloss fiel und der schwere Hebel erneut umgelegt wurde.


Er machte sich nicht mehr die Mühe, sich wieder aufzurappeln; sein Gefängnis war ausbruchssicher, das hatte er schon vor Stunden festgestellt. Es gab keine Chance, herauszukommen, und egal, wie laut er geschrien hatte, er war definitiv nicht gehört worden. Nicht dass er das erwartet hätte; so dumm war seine ehemalige Kollegin nicht, ihn an einem Ort unterzubringen, an dem er auf sich aufmerksam machen konnte.



Thiel war körperlich und emotional so erschöpft, dass er zu kaum einer Regung mehr fähig war. Er verspürte keinen Zorn mehr über seine Kollegen, kein Entsetzen. Er war so apathisch, dass er sich nicht einmal mehr Sorgen um sein Schicksal machte.
Die einzigen Gedanken, die seinen Kopf wie ein statisches Rauschen erfüllten, kreisten um Boerne.
Dass ihre Freundschaft Boerne zum Verhängnis geworden war, raubte ihm fast den Verstand; dass er nie mehr herausfinden würde ob er noch lebte, ließ ihn verzweifeln.



Als sich die schwere Tür eine undefinierbare Zeitspanne später ein weiteres Mal öffnete, wusste er, seine Zeit war gekommen.
Aber es war ihm gleichgültig.

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Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
29. Mai 2013 05:08 (UTC)
Fiese Sache das ... und weil Du auch noch Nadeshda getaggt hast, hatte ich ernsthaft befürchtet, Du hast sie die Seiten wechseln lassen.

Dass ihre Freundschaft Boerne zum Verhängnis geworden war, raubte ihm fast den Verstand; dass er nie mehr herausfinden würde ob er noch lebte, ließ ihn verzweifeln.
:(

Aber da kommt doch noch was? Der Cocktail fehlt doch immer noch ... ;) *Hoffnung*
baggeli
29. Mai 2013 06:00 (UTC)
und weil Du auch noch Nadeshda getaggt hast, hatte ich ernsthaft befürchtet, Du hast sie die Seiten wechseln lassen.
Das solltest du ja auch für kurze Zeit denken =)

Aber da kommt doch noch was? Der Cocktail fehlt doch immer noch ... ;) *Hoffnung*
Ja, das letzte Kapitel kommt noch. Aber heute morgen kann ich leider nicht schreiben, muss jetzt mit der Kleinen zum Zahnarzt. Und heute Abend muss ich zum Sport. Ob es danach noch was wird, glaube ich nicht, dazu ist die Zeit dann etwas kurz. Aber es kommt ja auf einen Tag nicht an bei dem Quatsch.

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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