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Sommerbingo: Bloody Mary - Kapitel 3

Titel: Bloody Mary
Prompt: Cocktails
Genre: fragt gar nicht erst, ihr kennt mich inzwischen
Zusammenfassung: „Du müsstest mich gut genug kennen um zu wissen, dass ich mich auf solch ein mieses Spiel niemals eingelassen hätte. Niemals. Ich hätte euch alle hochgehen lassen.“
Das war keine Lüge, er sagte die Wahrheit. Aber sie wollte ihm nicht glauben, das sah er an dem Ausdruck in ihrem Gesicht.
Und selbst wenn sie es irgendwann tat, war sein Schicksal dennoch besiegelt.
Wörter: 2010
A.N.: Nur ein lächerlich kurzes Intermezzo, tut mir leid! RL hat mir heute einfach keine Zeit gelassen.


„Verdammt!“ Der Ausruf war leise, unterdrückt.

Wäre es Thiel nicht zu anstrengend gewesen, er hätte wohl frustriert aufgestöhnt. Als wäre seine Situation nicht schon elend genug, spielte sein misshandelter Kopf ihm jetzt auch noch Streiche; nun bildete er sich schon ein, Nadeshdas entsetzte Stimme gehört zu haben. Dabei war die Idee völlig absurd, niemand konnte wissen, wohin er verschleppt worden war.


„Wir brauchen einen Notarzt! Schnell!“
Dieser wesentlich lautere, ängstlich klingende Ausruf passte nun aber wirklich nicht mehr ins Bild.
Mit aller Kraft, die er hatte, konzentrierte er sich auf die sich nähernden, eiligen Schritte. Wie durch einen Nebelschleier hindurch nahm er wahr, dass sich jemand neben ihm auf den Boden kniete. Dann wurde er an der Schulter berührt, aber nicht grob, wie sein halb weggetretenes Unterbewusstsein es noch befürchtet hatte, sondern behutsam. „Chef? Können Sie mich hören?“

Mühsam drehte Thiel den Kopf ein wenig zur Seite. War das denn wirklich keine Einbildung? Das war doch eindeutig Nadeshda, die da neben ihm kauerte?

„Chef, bitte! Sagen Sie doch was!“
Es fiel ihm nicht leicht, die Augen zu öffnen, aber irgendwann war er erfolgreich und wurde mit dem undeutlichen Bild der Kellerdecke belohnt; und dann schob sich ein Gesicht in sein Blickfeld, von dem er geglaubt hatte, er würde es nie wiedersehen. Ausdrucksstarke, weit aufgerissene Augen, die Besorgnis darin fast greifbar.


So ganz wollte Thiel seinen vernebelten Sinnen immer noch nicht trauen - dass Nadeshda hier hockte war einfach nicht möglich, er musste an Halluzinationen leiden. Doch die gefaltete Jacke, die vorsichtig unter seinen Kopf geschoben wurde und die schmale, warme Hand, die seine kalten Finger griff und behutsam drückte, ließen keinen Zweifel mehr zu.

„Nadeshda?“ Er versuchte, den Kopf ein wenig anzuheben um die anderen Personen zu sehen, die er nun in den Raum stürmen hörte, aber die Bewegung bereitete ihm Schmerzen und seine Assistentin drückte ihn vorsichtig zurück auf den Boden.
„Bleiben Sie einfach liegen. Der Krankenwagen ist unterwegs, wir haben Sie bald hier raus“, versicherte sie ihm mit zittriger Stimme und strich ihm sichtbar besorgt eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn.

„Nadeshda…“ Er konnte immer noch nicht fassen, dass seine Kollegin ihn gefunden hatte. Aber statt dass er Erleichterung verspürte aufgrund der Erkenntnis, dass er sich nun tatsächlich in Sicherheit befand, schnürten ihm Verzweiflung und Panik die Kehle zu. Mit aller Macht drängten sich die schrecklichen Bilder vom Vorabend in seine Erinnerung zurück; in einem heiseren Krächzen stellte er die einzige Frage, die ihn seit Maries verhängnisvollem Schuss quälte und vor deren Antwort er mehr Furcht verspürte als je zuvor in seinem Leben: „Boerne… was ist mit ihm? Hat sie ihn umgebracht?“ Er erkannte seine eigene Stimme kaum, so schwach und verängstigt klang sie.


Nadeshdas Griff um seine Hand verstärkte sich, als sie hektisch den Kopf schüttelte. „Nein um Himmels Willen! Er lebt, er ist im Krankenhaus. Es wird ihm bald wieder besser gehen!“
„Gott sei Dank!“ Seine Erleichterung brach sich in diesem heiseren Flüstern Bahn, glich eher einem erstickten Schluchzen als Worten. „Gott sei Dank…“ wisperte er nach einem zittrigen Atemzug noch ein zweites Mal und ließ die Augen erschöpft wieder zufallen.

„Ruhen Sie sich aus Chef, Ihnen kann nichts mehr passieren. Bald ist alles vergessen.“
Er spürte, wie Nadeshda ihm beruhigend durch die Haare strich, wieder und wieder; und langsam sank ein, was sie gesagt hatte. Langsam fiel die unglaubliche Anspannung, unter der er gestanden hatte, von ihm ab und machte einer unbeschreiblichen Erleichterung Platz.


Langsam versank er in Dunkelheit und wie einige Stunden zuvor kämpfte er nicht dagegen an; doch diesmal hatte er keine Angst davor, wieder aufzuwachen.




Comments

( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
30. Mai 2013 06:22 (UTC)
Puh ....

Schön, daß Du das Intermezzo trotz wenig Zeit veröffentlicht hast und wir nicht so lange bangen müssen. Bei Dir kann man sich ja nie sicher sein, ob Du sie leben läßt ;)

Nadeshda <3

... und ich geh jetzt schnell frühstücken, hier ist so was helles am Himmel, an das ich mich vage erinnere - die nächsten Tage soll es ja schon wieder nur regnen :(
Ich sollte mich vielleicht morgen mal an dem Prompt "verregneter Sommer" versuchen, gibt ja reichlich Inspiration.
baggeli
30. Mai 2013 11:02 (UTC)
Schön, daß Du das Intermezzo trotz wenig Zeit veröffentlicht hast und wir nicht so lange bangen müssen
Bis zu deiner Meldung war ich mir nicht sicher, ob überhaupt irgendjemand mitbangt. ^^ aber auf ff.de ist grad viel los, oder? Die Hits der letzten zwei Tage haben mich echt verwundert. Ist ja sonst recht überschaubar, immer grob die gleichen Zahlen, wahrscheinlich immer so die gleichen Verdächtigen, die sich da verbeiklicken. Naja, bei dem Wetter haben die Leute Zeit zum lesen...

Bei Dir kann man sich ja nie sicher sein, ob Du sie leben läßt ;)
Ich hab' kürzlich schon mal auf einen anderen Review geantwortet, so schnell hintereinander hab' ich doch noch nie jemanden umgebracht. Das Drabble von neulich reicht mir erst einmal, und die Tatsache, dass ich mich jetzt langsam mal dem annehmen muss, was ich im BigBang angedroht habe.

Nadeshda <3
Ich mag sie auch! Und sie würde Thiel nie hintergehen, da bin ich mir sicher... nicht so, wie die miese kleine Kröte, mit der er früher zusammengearbeitet hat *hust*

... und ich geh jetzt schnell frühstücken, hier ist so was helles am Himmel, an das ich mich vage erinnere - die nächsten Tage soll es ja schon wieder nur regnen :(
Ja, wenn man bei wetter-online schaut, was da auf uns zukommt, wird einem ganz anders... *schluck*

Ich sollte mich vielleicht morgen mal an dem Prompt "verregneter Sommer" versuchen, gibt ja reichlich Inspiration.
Worauf wartest du? :D



Edited at 2013-05-30 11:13 (UTC)
anja79
30. Mai 2013 11:11 (UTC)
Gefällt mir gut. Lese weiter mit. :)
baggeli
30. Mai 2013 11:15 (UTC)
*hüpf* *radschlag* *handstand* *spektakulär-umkipp-aufgrund-von-völliger-bodenturn-unfähigkeit*
joslj
30. Mai 2013 11:24 (UTC)
Ganz toll ! Und ich bin im richtigen Moment eingestiegen - von mir aus könnte das hier schon enden (falls du noch irgendwelche Fiesigkeiten vorhast). Ich finde Thiels Gedankengänge in solchen Extremsituationen bei dir immer sehr logisch und nachvollziehbar; das könnte ich nie.

Ich sollte deine Geschichten immer so lesen, dass ich erst anfange, wenn es mal keinen fiesen cliffhanger im letzten geposteten Kapitel gibt. Könntest du deine Kapitel entsprechend markieren ? :-) - Nee, nur ein Scherz, so lange könnte ich nie warten, außer aus Zeitmangel.
baggeli
30. Mai 2013 11:47 (UTC)
Ganz toll !
Danke!!! *jubel*

von mir aus könnte das hier schon enden
Das geht leider nicht, ich muss ja die Cocktails noch verwursten und aufklären, wie Nadeshda Thiel überhaupt finden konnte. ^^

(falls du noch irgendwelche Fiesigkeiten vorhast)
Nein, ganz im Gegenteil. Ich hatte ja schon gesagt, diese Story wird nur ganz kurz und ich denke, ich war fies genug zum armen Thiel. Und zu Boerne ja auch. (Da fällt mir ein, vielleicht solltest du es dann doch mit diesem Kapitel gut sein lassen, mit dem 'c' hast du es ja nicht so...)

Ich finde Thiels Gedankengänge in solchen Extremsituationen bei dir immer sehr logisch und nachvollziehbar
Ja, das ist so die Frage... ich schreibe es halt so, wie ich denke, dass es sein könnte und freue mich, wenn ihr es nicht völlig neben der Spur findet.

Ich sollte deine Geschichten immer so lesen, dass ich erst anfange, wenn es mal keinen fiesen cliffhanger im letzten geposteten Kapitel gibt. Könntest du deine Kapitel entsprechend markieren ? :-)
Hehe, ich schreib demnächst ne cliffhanger-warnung drüber, ok?





Edited at 2013-05-30 11:49 (UTC)
joslj
30. Mai 2013 15:33 (UTC)
Hehe, ich schreib demnächst ne cliffhanger-warnung drüber, ok?
Wäre wohl einfacher, nur vor Kapiteln ohne Cliffhanger zu "warnen". Wenn ich mir deine üblichen Geschichten so angucke: Sollten mehrere Leser auf das erste Kapitel ohne Cliffhanger warten, um mit dem Lesen anzufangen, könnte es bis dahin ganz schön ruhig bei den Kommentaren werden ;-)

vielleicht solltest du es dann doch mit diesem Kapitel gut sein lassen, mit dem 'c' hast du es ja nicht so...)
Och, wird schon gehen ... Ich freue mich jedenfalls jetzt noch mehr auf den Rest :-)
baggeli
30. Mai 2013 15:52 (UTC)
Wenn ich mir deine üblichen Geschichten so angucke: Sollten mehrere Leser auf das erste Kapitel ohne Cliffhanger warten, um mit dem Lesen anzufangen, könnte es bis dahin ganz schön ruhig bei den Kommentaren werden ;-)
Da hast du Recht! Also werde ich mich besser hüten. ^^

Och, wird schon gehen ... Ich freue mich jedenfalls jetzt noch mehr auf den Rest :-)
Na, versprich dir nicht zu viel, kommt nur noch etwas Nachgeplänkel. Alles für's Bingo... :p
( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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