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Sommerbingo: Asche zu Asche - Kapitel 2

Titel: Asche zu Asche
Prompt:
Biergarten
Genre: Angst und Drama, damit ihr trotz der vielen fluffigen Sommerbingos nicht verweichlicht. (Lesen auf eigene Gefahr)
Zusammenfassung: „Was ist passiert?", konnte er nur leise stammeln, doch sein Kollege reagierte nicht gleich.
„Herrgott Thiel, was ist passiert??" Er war nun wesentlich lauter geworden und Thiel ein wenig zusammengezuckt, aber das war ihm im Moment herzlich egal.
Er fühlte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte, als sein Nachbar ihn endlich wieder anblickte. Da war eindeutig Entsetzen in seinem Blick. Entsetzen, wie er es so offen noch nie bei Thiel gesehen hatte.

Wörter: 2400
A.N.: Kurz!!! und ziemlich scherzlos. Real life sucks sometimes. Mit anderen Worten, ich war heute zwar oft, aber immer nur minutenweise am Computer. Da kommt man echt zu nix.


Obwohl diese Sommernacht wunderbar warm war, spürte Thiel nur Kälte. Eine Eiseskälte, die sich in ihm breitgemacht hatte, seitdem Nadeshda ihn an diesem Abend mit ihrem Anruf aus dem Schlaf gerissen hatte. Eine Kälte, die sich immer tiefer in seine Knochen gefressen hatte, als sich langsam herauskristallisierte, dass wohl tatsächlich Frau Haller in den tödlichen Unfall verwickelt war, der sich in der Nähe einer der beliebtesten Biergärten Münsters ereignet hatte; eine Kälte, die sich noch vervielfacht hatte, als er beobachtete, wie sich Boernes Gesichtsausdruck veränderte in der Sekunde, in der er ihm von dem Unglück erzählen musste.



Müde und kraftlos wie selten zuvor in seinem Leben lehnte Thiel an seinem Dienstwagen und beobachtete aus sicherer Entfernung, wie der eindeutig erschütterte Professor sich zwang, seiner Arbeit nachzugehen.
Er war immer noch der Meinung, dass es besser gewesen wäre, wenn ein anderer Rechtsmediziner diese Aufgabe übernommen hätte, doch noch bevor er versucht hatte, seinen Kollegen davon zu überzeugen, hatte er schon mit Sicherheit gewusst, dass Boerne diese Untersuchungen niemals jemand anderem überlassen hätte. Niemals.
Frühere Fälle hatten gezeigt, dass der Professor in jeder erdenklichen Situation in der Lage war, Persönliches hintenanzustellen und sich rein auf seine Aufgabe zu konzentrieren, egal, wer da vor ihm lag. Ob es eine fremde Person war, eine ihm bekannte oder sogar ein enger Freund. Er kontrollierte sich unerbittlich und erledigte seine Arbeit.

Woher der Mann allerdings in diesem Fall die Kraft nahm, sich aufrecht zu halten und derart ruhig zu bleiben, war dem Kommissar ein Rätsel.
Doch realistisch betrachtet war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Boerne einbrechen würde.
Und Thiel hatte sich geschworen, diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen.



Nadeshda stand neben ihm, hatte seit Minuten kein Wort mehr gesagt. Auch sie hatte er in den Jahren ihrer Zusammenarbeit so noch nicht erlebt; so unerschütterlich sie sich immer präsentiert hatte, diese Situation jetzt hatte ihr eindeutig den Boden unter den Füßen weggezogen.
Aus dem Augenwinkel nahm er wahr, wie sie die Arme um sich schlang und zitterte; ein Blick in ihr Gesicht zeigte ihm ein paar stumme Tränen, die ihre Wangen hinabliefen. Ohne groß darüber nachzudenken zog er sie in seine Arme und mit einem erstickten Laut hielt sie sich an ihm fest.
Apathisch und wortlos blieben sie so aneinander gelehnt stehen und fixierten Boerne und jeden einzelnen seiner Handgriffe, ließen ihren Kollegen keinen Moment aus den Augen.




Nach schier endlos scheinenden Minuten schien der Professor endlich fertig zu sein. Er räumte mit kontrollierten, mechanischen Bewegungen seinen Koffer ein, nickte dann den Männern zu, die schon eine ganze Weile darauf gewartet hatte, die beiden Brandopfer abzutransportieren und stand auf. Doch statt, dass er nun zu ihnen kam, verschwand er in der Dunkelheit des Feldes, auf dem sich Frau Hallers Auto überschlagen hatte.
Verwundert richtete Thiel sich auf, gleichzeitig fragte Nadeshda mit heiserer Stimme: „Wo will er hin?“

„Sehen wir besser nach.“ Er hatte mit einem Mal ein ungutes Gefühl und eilte über den unebenen Acker, seine Assistentin dicht auf den Fersen. Angestrengt starrte er in die entgegengesetzte Richtung, als sie die beiden Leichen passierten und lief dann auf gut Glück aus dem Lichtkegel der mobilen Strahler hinaus in die nächtliche Finsternis, an die sich seine Augen im ersten Moment gar nicht gewöhnen wollten. Für ein paar Sekunden verharrte er nahezu blind und völlig orientierungslos.


Doch es waren seine Ohren, die ihm den richtigen Weg zeigten.
„Er ist dahinten!“ Nadeshda hatte die gequälten Geräusche ebenfalls gehört und zerrte ihn in die entsprechende Richtung. Thiel beeilte sich, mit ihr Schritt zu halten und schon nach wenigen Metern sahen sie Boernes dunkle Silhouette, die sich im Mondlicht vor dem schwach leuchtenden Stoppelfeld abzeichnete. Er lag auf Händen und Knien und würgte ohne Unterlass.


„Boerne!“
Sie stürzten auf ihren Kollegen zu und stützen ihn, konnten nur hilflos beobachten, wie er sich wieder und wieder erbrach.
Konnten nur hilflos bei ihm bleiben und ihm zeigen, dass er nicht allein war.

t.b.c.


Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
anja79
11. Jun 2013 15:06 (UTC)
Oh je. Die drei tun mir leid. Intensiv geschrieben. Gefällt mir. Warte auf das nächste Kapitel mit ganz leiser Hoffnung :)
baggeli
11. Jun 2013 20:35 (UTC)
Die drei tun mir leid
Mir auch, ehrlich gesagt.

Warte auf das nächste Kapitel
Das wird leider etwas dauern

mit ganz leiser Hoffnung :)
Du kennst mich doch inzwischen. Aber ist schon ok, dass die Hoffnung zuletzt stirbt
^^
( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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