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Sommerbingo: Asche zu Asche - Kapitel 5

Titel: Asche zu Asche
Prompt:
Biergarten
Genre: Angst und Drama, damit ihr trotz der vielen fluffigen Sommerbingos nicht verweichlicht. (Lesen auf eigene Gefahr)
Zusammenfassung: „Was ist passiert?", konnte er nur leise stammeln, doch sein Kollege reagierte nicht gleich.
„Herrgott Thiel, was ist passiert??" Er war nun wesentlich lauter geworden und Thiel ein wenig zusammengezuckt, aber das war ihm im Moment herzlich egal.
Er fühlte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte, als sein Nachbar ihn endlich wieder anblickte. Da war eindeutig Entsetzen in seinem Blick. Entsetzen, wie er es so offen noch nie bei Thiel gesehen hatte.

Wörter: 4800
A.N.: Wieder nur kurz. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.


Als hinter ihr plötzlich ein leises Alarmsignal ertönte, zuckte Nadeshda zusammen. In der allerersten Sekunde dachte sie voller Schreck, dass dies Geräusch den Abschluss der DNA-Tests vermelden würde; aber dann wurde ihr sogleich klar, dass es dafür noch entschieden zu früh war. Sie hatte schon in den ersten Wochen bei der Kriminalpolizei gelernt, wie viele Stunden ein solcher Test in Anspruch nahm, Resultate waren frühestens im Laufe des Vormittages zu erwarten.

Müde schob sie sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und warf einen kurzen Blick auf einen der Bildschirme, auf dem irgendeine Statusmeldung blinkte, die für sie keinerlei Sinn ergab.
Und so absurd es war, in diesem Moment war sie froh darüber, dass es noch keine endgültige Gewissheit gab.



Sie fuhr wieder herum, als sie Schritte auf dem Flur hörte. Gleich darauf trat der Professor zurück in den Raum und steuerte auf den Monitor zu, dicht gefolgt von ihrem Chef, der allerdings im Türrahmen stehenblieb.

Thiel sah elend aus, doch war das harmlos im Vergleich zu dem, wie Professor Boerne sich in den letzten Stunden verändert hatte; der Rechtsmediziner schien um Jahre gealtert zu sein. Seine Augen wirkten trüb, das lebendige, intelligente Funkeln, das sie normalerweise definierte, war vollständig aus ihnen verschwunden. Seine Bewegungen und Körpersprache hatten nichts mehr gemein mit dem normalerweise so energiegeladenen, von sich selbst überzeugten Mann, den sie seit ihrem ersten Tag bei der Kriminalpolizei kannte.

Natürlich war der emotionale Stress dieser Nacht nicht allein schuld an seinem katastrophalen Aussehen. Seine Übermüdung, die durchgearbeiteten Tage ohne Schlaf und ohne nennenswerte Pause, taten sicher ihr Übriges. Und nun hatte die unglückliche Kombination beider Ereignisse ihn derart blass und zittrig zurückgelassen, dass Nadeshda Sorge hatte, er könnte jeden Moment umkippen.


Thiel schien das ebenso zu sehen. Er fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare, und als habe er einen plötzlichen Entschluss gefasst, ergriff er nach einem tiefen Atemzug das Wort: „Boerne, das dauert doch hier noch ewig. Warum legen Sie sich nicht etwas hin?“

Nadeshda wusste gleich, dass dieser Vorstoß zum Scheitern verurteilt war. Der Professor drehte sich auch gar nicht erst um, beugte sich lediglich über die Tastatur und tippte einige Befehle ein, während er heiser erwiderte: „Ich kann hier nicht weg. Sie sollten doch wissen, dass die Tests in unregelmäßigen Abständen mein Eingreifen erfordern. Wenn ich mich dann nicht zeitnah darum kümmere, sind die Ergebnisse hinfällig.“

„Ich bleibe hier sitzen und rufe Sie, wenn etwas ist.“ Ihr Chef wollte sich wohl nicht einfach so geschlagen geben, aber ihm war sicher ebenso klar wie ihr, was der Professor darauf antworten würde.
Und wie erwartet schüttelte der Rechtsmediziner den Kopf. „Ich will mich nicht hinlegen.“ Er klang nicht von oben herab, wie so oft, wenn er ein gutgemeintes Angebot ausschlug, weil er meinte, es besser zu wissen. Er klang nur erschöpft und so leise, dass man ihn kaum verstehen konnte.
Dann zog er sich einen der Laborstühle heran, ließ sich hineinsinken und drehte ihnen den Rücken zu. Und das war deutlich genug.


Nadeshda konnte nur mit Mühe ein Seufzen unterdrücken, als sie beobachtete, wie Thiel ihn noch einen Moment hilflos anstarrte; dann nickte er langsam und müde wie zu einem inneren Dialog, bevor er sich umwandte und den Raum verließ.
Und da es eindeutig war, dass Professor Boerne Zeit für sich brauchte, folgte sie ihm.



Sie fand Thiel im Büro des Professors, wo er sich auf das Sofa hatte fallen lassen und sich mit beiden Händen die Augen rieb. Als sie sich zu ihm setzte, warf er ihr einen müden Blick zu. „Fahren Sie heim, Nadeshda. Schlafen Sie ein paar Stunden.“
Aber davon wollte sie nichts wissen und schüttelte energisch den Kopf. „Kommt nicht in Frage. Ich werde Sie hier nicht allein lassen. Gut möglich, dass Sie nachher noch meine Hilfe brauchen“, setzte sie leise hinzu und drückte kurz die Hand, die neben ihr auf dem Sofa lag.
Thiels gequälter Gesichtsausdruck sprach Bände; er hatte definitiv ähnlich viel Sorge vor dem endgültigen Ergebnis des Testes und davor, wie Professor Boerne das Ganze aufnehmen würde.
Er erwiderte ihren Druck und ließ dann mit einem leisen Seufzen den Kopf auf die Rückenlehne sinken und schloss die Augen.
Wenige Minuten später tat Nadeshda es ihm gleich.

Das würden ein paar lange Stunden werden.

t.b.c.

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Comments

( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
joslj
14. Jun 2013 22:47 (UTC)
Grrr... natürlich brauchen DNA-Tests viel länger, aber was ist mit der künstlerischen Freiheit ? Jetzt hälst du uns ja doch noch hin, aber du hattest ja vorgewarnt ...

Mir gefällt die Interaktion zwischen Thiel und Nadeshda sehr gut, auch wenn ich denke, dass sie zu Hause besser schlafen würde als unbequem in der Forensik. Dann wäre zumindest eine(r) ausgeruht. Thiel wird mit Boerne schon allein fertig :-) Allerdings passt es zu ihr, dass sie Thiel nicht allein lassen will und das Ergebnis auch sofort mitbekommen möchte. Boernes Verhalten kann ich mir gut vorstellen, fast unheimlich ruhig und unbeweglich, das passt sehr gut zur Situation.

Gute Nacht noch, und schönes Wochenende :-)


Edited at 2013-06-14 22:48 (UTC)
baggeli
14. Jun 2013 23:09 (UTC)
Grrr... natürlich brauchen DNA-Tests viel länger, aber was ist mit der künstlerischen Freiheit
Hmmm, eigentlich versuche ich doch bei solchen Details immer, mir nicht zu viele Freiheiten zu nehmen; es reicht ja schon, dass die Geschichten an sich absurd und dementsprechend die Charaktere und ihre Handlungen nur sehr sehr frei an die Vorlage angelehnt sind. OOC im Quadrat, jetzt mal am Canon gemessen. Da lass mich doch wenigstens ein paar Sachen richtig machen. ^^

Mir gefällt die Interaktion zwischen Thiel und Nadeshda sehr gut
=)

auch wenn ich denke, dass sie zu Hause besser schlafen würde als unbequem in der Forensik. Dann wäre zumindest eine(r) ausgeruht
Naja, so lang ist's ja nicht. Zwei Stunden vielleicht... dafür lohnt es kaum, heimzufahren.

Thiel wird mit Boerne schon allein fertig :-)
Weiß nicht... in meinen Augen ist Thiel selber auch ziemlich fertig. Und ziemlich hilflos. Etwas Unterstützung kann da nicht schaden.

Gute Nacht noch, und schönes Wochenende :-)
Dir auch ein schönes Wochenende!
Mal sehen wie unseres so wird. Zu kurz jedenfalls. Morgen sind wir von 9 bis 15 Uhr bei einem Schulfest eingespannt. Pflichtveranstaltung! *gnarf* Als ob ich sonst nichts mit meinem Wochenende anzufangen wüsste... es ist zum würgen.






joslj
14. Jun 2013 23:21 (UTC)
Die o.g. Anmerkungen waren nicht als Kritik gemeint ! Ist doch klasse, wenn du dich an die Realität hälst, aber sonst hätten WIR das Ergebnis eben jetzt schon gehabt. Da sprach nur meine Ungeduld :-)

Ich glaube, im canon muss Nadeshda immer gehen, weil es schwieriger ist, drei Personen in solchen Szenen zu "verarbeiten". Am Tatort etc. gibt es ja für alle was zu fragen/tun, aber in persönlicheren Szenen ist Nadeshda meist nicht dabei. Ich habe nichts dagegen, dass du sie da lässt! Und Thiel wird froh drum sein.
baggeli
14. Jun 2013 23:28 (UTC)
Die o.g. Anmerkungen waren nicht als Kritik gemeint
Ich hab's auch nicht als ganz ernst aufgefasst. ^^

Da sprach nur meine Ungeduld :-)
Hab' ich mir wohl gedacht... ich wäre ja selber nicht besser, ich bin bei allen Fortsetzungsgeschichten immer ganz fürchterlich ungeduldig.

aber in persönlicheren Szenen ist Nadeshda meist nicht dabei
Nee, das stimmt. Wobei ich mir in einem Tatort mal wieder eine schöne persönlichere Szene wünsche und nicht immer nur blödes Gekabbel. (Hatte ich erwähnt, dass ich auf die nächste Folge hoffe??)

Ich habe nichts dagegen, dass du sie da lässt! Und Thiel wird froh drum sein.
Dann ist ja gut. Kann sie nämlich jetzt schlecht noch rausschneiden =)
( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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