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Titel: Asche zu Asche
Prompt:
Biergarten
Genre: Angst und Drama, damit ihr trotz der vielen fluffigen Sommerbingos nicht verweichlicht. (Lesen auf eigene Gefahr)
Zusammenfassung: „Was ist passiert?", konnte er nur leise stammeln, doch sein Kollege reagierte nicht gleich.
„Herrgott Thiel, was ist passiert??" Er war nun wesentlich lauter geworden und Thiel ein wenig zusammengezuckt, aber das war ihm im Moment herzlich egal.
Er fühlte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte, als sein Nachbar ihn endlich wieder anblickte. Da war eindeutig Entsetzen in seinem Blick. Entsetzen, wie er es so offen noch nie bei Thiel gesehen hatte.

Wörter: 7900
A.N.: Mir. ist. ums. Verrecken. kein. Ende. eingefallen. Meine Herren, so ein KRAMPF!! Also, es tut mir echt leid, nach dem ganzen Mist in dieser Geschichte ist das Ende jetzt der Supergau. OOC-Warnung(!) kann ich nur noch mal wiederholen, und jetzt wird's auch noch melodramatisch und kitschig und schwülstig... wo das jetzt plötzlich hergekommen ist, weiß ich selber nicht, da schlägt das alles am Ende noch so um, ich bin selber ganz ungläubig.
Muss ich noch mehr warnen? Kann ich noch mehr warnen? Nein. Ich denke, es war deutlich genug.


Nachdem Silke Haller ihrer davonfahrenden Freundin kurz nachgewinkt hatte, wandte sie sich zum Eingang des Instituts. Mit einem Blick streifte sie dabei den Wagen ihres Chefs und zog die Augenbrauen hoch. Boerne hatte doch sicher gestern noch bis tief in der Nacht über den letzten Analysen gesessen und trotzdem war er wieder der erste bei der Arbeit. Manchmal fragte sie sich, wie ein Mensch mit so wenig Schlaf auskommen konnte; sie selber hatte jedenfalls das Gefühl, ihr fehlten nach den anstrengenden letzten Tagen noch mindestens sieben Stunden.


Das tat ihrer guten Laune allerdings keinen Abbruch. Beschwingt eilte sie die Kellertreppe hinab, riss schwungvoll wie immer die Schiebetür auf, marschierte schnurstracks in sein Büro und rief dabei fröhlich: „Guten Morgen, Chef! Warum sind Sie denn schon so früh…“
Mitten im Satz brach sie allerdings ab, denn im Büro fand sie entgegen ihrer Erwartungen nicht Professor Boerne.

Oh nein. „Herr Thiel? Nadeshda? Oje, habe ich einen Einsatz verpasst?“ Warum hatte sie bloß ihr Handy in ihrem Auto vergessen?? Ihre gute Laune erhielt einen schlagartigen Dämpfer; Boerne würde so aufgebracht sein, weil er die Arbeit heute Nacht allein hatte erledigen müssen! Das musste sie sich jetzt sicherlich den ganzen Tag anhören.



Thiel reagierte allerdings nicht so, wie sie es erwartet hatte. Bei ihren ersten Worten schon war er wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen und starrte sie nun an, als sei sie eine Erscheinung. Nadeshda neben ihm verhielt sich ähnlich seltsam; beide wirkten übernächtigt und sehr mitgenommen.

Hier stimmte doch etwas nicht? Besorgt trat sie auf den Kommissar zu. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Sie sehen aus, als hätten Sie ein Gespenst gesehen!“
Thiel lachte bellend auf, bevor er heiser murmelte: „Kann man so sagen!“

„Ich verstehe kein Wort!“ Silke hatte allerdings kaum Zeit, sich über sein seltsames Verhalten zu wundern, denn statt dass er sie nun endlich aufklärte, was passiert war, brüllte er nach Boerne in einer Lautstärke, die sie zusammenfahren ließ, fasste sie am Arm und zog sie mit sich.



In dem Augenblick, in dem sie von Thiel auf den Flur geschoben wurde, öffnete sich die Tür des Labors und Boerne trat in den Gang. Er erstarrte, als er sie sah. Er stand stocksteif und starrte nur, sagte keinen Ton.
Und wenn Thiel und Nadeshda sehr mitgenommen wirkten, war das nichts im Vergleich dazu, wie er aussah.


Sie war von Thiels Aktion so überrumpelt gewesen, dass sie sich widerstandslos hatte mitschleifen lassen, doch Boernes Anblick war ein Schock. Und in dem Moment schaltete sich ihr Gehirn wieder ein. „Wie sehen Sie denn aus?“ Hastig riss sie ihren Arm aus Thiels Griff und eilte auf ihren Vorgesetzten zu. „Meine Güte, was ist denn hier los?“


Boerne war beängstigend blass, krallte sich am Türrahmen fest, um sich aufrecht zu halten. Er sagte keinen Ton, als sie seine eiskalte Hand in ihre nahm, starrte sie nur ungläubig an.
Langsam bekam sie es mit der Angst zu tun. „Chef? Was ist passiert?“

Boerne wendete seinen Blick nicht von ihr ab und nach einigen Sekunden Stille murmelte er mit schwacher Stimme: „Sie haben sich Ihr Auto stehlen lassen.“


Das ergab für sie ebenso wenig Sinn wie Thiels Antwort kurz zuvor, auf ihr verwirrtes „Wie bitte?“ reagierte aber keiner ihrer Kollegen.
Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Thiel und Nadeshda sich umarmten, doch sie fragte sich jetzt gerade nicht, warum; sie war nur noch auf Boerne fixiert. Auf sein kreideweißes Gesicht, in dem sogar die Lippen sich innerhalb der letzten Sekunden in zwei blutleere Striche verwandelt hatten; auf die unzähligen kleinen Schweißperlen, die auf seiner Stirn ausgebrochen waren; auf die zitternde Hand, mit der er sich so fest an den Türrahmen geklammert hatte, die nun kraftlos herabfiel.
Und sie wusste schon, was passieren würde, unmittelbar bevor er mit einem fast lautlosen Seufzen in sich zusammensackte.

„Chef? Mein Gott Chef! Herr Thiel, helfen Sie mir!“


Als Boerne an der Wand entlang nach unten rutschte, tat sie ihr Möglichstes, um ihn zu stützen. Sie ging mit ihm in die Knie und in dem Moment, in dem seine Beine sich auf dem Boden zusammengefaltet hatten und er haltlos zur Seite wegkippte, zog sie ihn an sich.
Boerne, der eindeutig nicht mehr in der Lage war, sich allein aufrecht zu halten, machte noch den schwachen Versuch, sich an ihr festzuhalten. Nein, nicht nur festzuhalten; das war eine Umarmung, in die er sie zog. Eine zittrige, kraftlose, fast verzweifelte Umarmung, die er nur für wenige Sekunden halten konnte, bevor seine Arme ermattet herabsanken und er leise flüsterte: „Tun Sie mir so etwas nie wieder an, Alberich.“ Er klang in diesem Moment so... ehrlich, dabei so gequält und erschöpft, ihr lief ein Schauer über den Rücken.
So hatte sie ihn noch nie erlebt.


Sein Kopf fiel schwer gegen ihre Schulter, nachdem sie eine Hand in seinen Nacken gelegt und ihn dorthin dirigiert hatte. Dann ließ sie sich gegen die Wand sinken und hielt den entkräfteten Mann ihrerseits in einer festen Umarmung, während sie den Tränen nah drängte: „Aber was denn, Chef? Wovon reden Sie denn? Kann mir jetzt endlich mal jemand sagen, was passiert ist??"
Sie konnte nicht verhindern, dass sie zum Ende des Satzes immer lauter geworden war. Boernes Zustand machte ihr Angst, sie fühlte sich so hilflos und gleichzeitig aufgebracht. Und endlich rückte der Kommissar, der sich sichtlich aufgewühlt zu ihnen gehockt hatte und dem die Anklage in ihrer Stimme wohl nicht entgangen war, mit einer Erklärung heraus.

„Ihr Auto ist heute Nacht nach einem Unfall in Flammen aufgegangen. Wir haben zwei Leichen herausgeholt, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.“
„Mein… Auto?“ Es brauchte einen Moment, bis ihr klar wurde, was alles hinter dieser Aussage steckte. „Sie haben gedacht, ich habe drin gesessen!“ Ihr wurde ganz kalt.


Thiel zuckte müde mit den Schultern. „Wir konnten Sie nicht erreichen, Sie waren nirgends zu finden. Und eine der beiden Leichen ist… auffällig klein.“ Hierbei sah er sie wie entschuldigend an, doch die Bemerkung war im Augenblick ihr geringstes Problem. Stattdessen löste die Vorstellung, was den unglücklichen Menschen in ihrem Wagen passiert war und was Boerne und auch ihre Kollegen in dieser Nacht durchgemacht haben mussten, Übelkeit in ihr aus.


„Ich habe bei meiner Freundin übernachtet…“ Sie stammelte tonlos, hatte das überwältigende Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, wobei ein kleiner, noch rationaler Teil ihres Verstandes ihr sagte, dass das völliger Unsinn war. „Warum habe ich kein Taxi nach Hause genommen? Aber ich konnte doch nicht ahnen… mein Gott!“

Unwillkürlich zog sie ihren Vorgesetzten noch etwas näher an sich, doch dann registrierte sie mit einem Male, dass er mehr und mehr in sich zusammengesunken war, alle Anspannung war aus seinem Körper gewichen. Instinktiv verstärkte sie ihren Griff und verdrehte den Kopf, um einen Blick in sein aschfahles Gesicht zu werfen, musste dann alarmiert feststellen, dass es mittlerweile schweißüberströmt war und seine Augen halb geschlossen.
„Chef? Hey, wach bleiben! Hören Sie mich?“ Bestürzt rüttelte sie ihn ein wenig, doch er war kaum noch ansprechbar, zuckte lediglich schwach, als sein Kopf von ihrer Schulter rutschte und ihm in den Nacken fiel.

„Herr Thiel!“


Der Kommissar hatte ihren erschreckten Ruf gar nicht gebraucht, er hatte sich schon herübergebeugt, stützte Nacken und Oberkörper des erschlafften Mannes und hielt ihn, während sie sich in fieberhafter Eile unter ihm hervorwand.
Silke rappelte sich hektisch auf und kniete sich neben Boerne, sobald Thiel ihn vorsichtig auf dem Boden abgelegt hatte.
Hastig kontrollierte sie seine Atmung und den Puls, lockerte seine Krawatte und öffnete die obersten Hemdknöpfe, Nadeshda besaß auch ohne Aufforderung die Geistesgegenwart, seine Beine anzuheben.
Thiel hatte währenddessen mit fahrigen Bewegungen seine Jacke ausgezogen, sie zusammengefaltet und bettete nun den Kopf des halb besinnungslosen Professors darauf. Dabei konnte er ein angespanntes: „Kacke Boerne, was machen Sie denn?“ wohl nicht unterdrücken. Er wirkte sehr beunruhigt, und Nadeshda nicht minder, als sie fast ängstlich fragte: „Soll ich einen Arzt rufen?“


„Warten Sie noch damit. Jetzt im Liegen sollte er sich schnell erholen.“
In den letzten Minuten war so viel auf sie eingestürzt, Silkes Finger zitterten, als sie ihrem Vorgesetzten ein paar feuchte Haare aus der Stirn strich. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr eine einzelne Träne über das Gesicht rann, als sie seine Schulter drückte und ihn leise und unglücklich drängte: „Chef, sehen Sie mich mal an! Na kommen Sie schon. Sie wollen doch nicht wirklich ins Krankenhaus, oder?“

Nach einigen Sekunden ließ Boerne ein langgezogenes Stöhnen hören und verzog gequält das Gesicht.
„Ganz ruhig, alles ist gut.“ Behutsam wischte sie sein schweißnasses Gesicht ab, ließ eine Hand an seiner Wange ruhen, bis er schließlich den Kopf ein wenig zu ihr drehte und dann mühsam die Augen öffnete. „Da sind Sie ja wieder.“ Sie war ehrlich erleichtert. „Wie fühlen Sie sich?“
Statt einer Antwort kniff er die Augen wieder zu und schluckte ein paarmal krampfhaft.


Hilflos blickte Thiel auf. „Was ist denn mit Ihm?“
„Ihm ist schlecht. Kein Wunder, so wie sein Kreislauf abgerauscht ist.“ Silke hielt weiterhin Boernes Gesicht, flüsterte dabei beruhigend: „Es wird bald besser. Versuchen Sie, sich zu entspannen.“
Sie konnte sich nicht bremsen, strich ihm sacht durch die Haare, wieder und wieder, bis die Übelkeit, gegen die er mit aller Macht anzukämpfen schien, sich offensichtlich etwas abschwächte und er in einen benommenen, einer Ohnmacht ähnlichen Zustand zurücksank.


Der Kommissar fuhr sich ebenfalls durch die Haare, aber bei ihm war es eindeutig die pure Frustration. „Können wir denn nicht irgendetwas tun?“
Darauf gab es nur eine Antwort. „Doch. Helfen Sie mir, ihn aufs Sofa zu legen. Bald ist alles wieder gut, er muss sich nur ausruhen.“



Thiel und Nadeshda von der Richtigkeit dieser Aussage zu überzeugen, war mindestens so schwer, wie den Professor auf die Couch in seinem Büro zu bekommen. Ersteres brauchte eine Menge Überzeugungskraft, letzteres forderte eher die Muskeln, aber anstrengend war beides. Umso erleichterter war sie, als sie die beiden besorgten Kommissare endlich erfolgreich herauskomplimentiert hatte und Boerne ungestört schlafen konnte. Denn das war im Augenblick das Allerwichtigste.


***


Die Mittagszeit war schon vorbei und wie so oft in den letzten Stunden saß sie bei ihrem Vorgesetzten auf der Sofakante. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hätte sie auch gleich den ganzen Morgen hier bei ihm im Büro zubringen können; keine der Aufgaben, die sie heute halbherzig angefangen hatte, hatte sie ohne ein dutzend Unterbrechungen zu Ende geführt. Sie war so aufgewühlt und unruhig nach den ganzen Ereignissen und gleichzeitig sehr müde; der Schlafmangel und der Schrecken vom frühen Morgen forderten ihren Zoll.
Zusätzlich war sie wesentlich besorgter um Boerne, als sie sich das vor Thiel und Nadeshda hatte anmerken lassen wollen. Seine Vitalzeichen nach dem Zusammenbruch waren eine ganze Weile wirklich grenzwertig gewesen; bei jedem anderen hätte sie sich das nicht lange angeschaut und medizinische Hilfe angefordert, aber Boerne und Krankenhaus waren zwei Worte, die einfach nicht zusammen in einen Satz passten.
Dementsprechend hatte sie alle paar Minuten überprüft, ob er noch ruhig schlief, ständig seinen Puls und oft genug sogar seinen Blutdruck kontrolliert, um sich zu versichern, dass es ihm gutging. Vorhin hatte sie sich fast ungläubig dabei ertappt, dass sie bestimmt eine Viertelstunde bei ihm gesessen und ihn einfach nur beim Schlafen beobachtet hatte. Ihn angesehen hatte wie nie zuvor; vielleicht, weil sie ihn an diesem Morgen tatsächlich gesehen hatte wie nie zuvor: schwach, besorgt, zu mitgenommen, um die Fassade, hinter der er sich grundsätzlich verbarg, aufrechtzuerhalten. Wegen ihr. Und das hatte sie sehr berührt.



Er hatte sich bislang nicht geregt, aber nun, in den letzten Minuten, war er allmählich unruhiger geworden. Als er sich schließlich auf den Rücken rollte, einen Arm anwinkelte und ihn neben seinen Kopf warf, griff sie eilig danach und legte ihn neben seinem Oberkörper auf der Decke ab, flüsterte dabei: „Nicht abknicken, Chef. Sonst läuft die Infusion nicht mehr.“
Obwohl sie so leise und vorsichtig gewesen war, hatte die Bewegung ausgereicht, ihn zu wecken. Mit einem schläfrigen „Hmmmm?“ drehte er den Kopf in ihre Richtung und blinzelte sie dann mühsam an. „Alberich?“

Sie konnte ein kleines Lächeln nicht unterdrücken, war einfach froh, dass er endlich wieder ansprechbar war. Aber das Lächeln verschwand sogleich, als er die Augen wieder zufallen ließ und ein ersticktes „Gott sei Dank“ murmelte.
Während er geschlafen hatte, waren seine Gesichtszüge friedlich und entspannt gewesen, aber nun konnte sie sie sehen, dass die Erinnerung an die Nacht schlagartig zurückgekehrt war. Die Entspannung war wie weggewischt.


Besorgt griff sie seine Hand etwas fester und drückte sie nochmals. Sie hätte nicht gewusst, was sie sagen sollte, aber Worte waren gar nicht nötig im Moment. Erleichtert registrierte sie, wie er den Druck erwiderte und schließlich die Augen wieder öffnete.
„Wer hat in Ihrem Wagen gesessen? Das muss doch ein Kind gewesen sein.“

Silke seufzte. Er sprach noch ganz schlaftrunken, war kaum wieder richtig bei sich, aber schon forderte er diese Auskunft von ihr.
Nach einem tiefen Atemzug klärte sie ihn auf: „Der Dieb war ein Sechzehnjähriger, der der Polizei gut bekannt ist. Er hat schon ungezählte Autos geknackt und mehrere Jugendstrafen abgesessen.“ Sie blickte kurz an sich herab und schluckte trocken, bevor sie hinzufügte: „Wir gehen inzwischen davon aus, dass er seinen kleinen Bruder dabei hatte. Er war nicht viel größer als ich und mir von der Statur her ähnlich. Das Ergebnis müsste jeden Moment feststehen.“


„Großer Gott.“ Boerne hatte die Augen wieder zufallen lassen und hob nun die Hände, um sich durch das Gesicht zu reiben. Wie schon zuvor schnappte Silke seinen Arm und er bemerkte nun etwas verspätet die Nadel in seiner Ellenbeuge. „Was ist das denn?“

Sie konnte ein kurzes Schnauben nicht unterdrücken. Die Frage war ja schon wieder typisch. „Wonach sieht’s denn aus?“
Aber als er die Stirn runzelte, sich umblickte, als realisiere er jetzt erst, wo er sich befand und dann zurück auf die Infusion sah, wurde ihr klar, dass er an seinen Zusammenbruch offenbar keine Erinnerung hatte. Also beeilte sie sich, ihn aufzuklären.
„Sie sind zusammengeklappt heute Morgen, Ihr Blutdruck war quasi nicht mehr messbar. Erst nachdem ich Ihnen einen Liter im Schuss einlaufen lassen habe, sind Sie langsam wieder in einen Bereich gekommen, in dem ich mich getraut habe, Sie immer mal für ein paar Minuten allein zu lassen.“
Als er bloß mit einem müden Seufzen reagierte, setzte sie besorgt nach: „Wie fühlen Sie sich?“

Er sah sie für einen Moment an, ließ die Augen wieder zufallen und murmelte fast unverständlich leise. „Fragen Sie besser nicht.“
Daraufhin huschte dann doch wieder ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht. „Ich glaube, das ist das erste Mal, dass Sie mir auf diese Frage eine ehrliche Antwort gegeben haben.“
Diesmal war es an ihm, leise zu schnauben. „Gewöhnen Sie sich nicht dran, morgen ist alles wieder beim Alten.“


Sie lachte amüsiert und war sich sicher, dass auch seine Mundwinkel ein wenig gezuckt hatten, auch wenn die Bewegung kaum zu erahnen gewesen war.
Für einen Moment musterte sie sein Gesicht, das immer noch ungesund bleich und angespannt war und ihr wurde klar, dass er jetzt unbedingt noch Ruhe brauchte. „Schlafen Sie noch etwas. Mit den paar Stunden lasse ich Sie nicht davonkommen.“

Damit machte Silke Anstalten, aufzustehen, doch er griff nach ihrer Hand und hielt sie fest. Und sie verstand die Bitte, die er niemals im Leben laut ausgesprochen hätte, ließ sich zurück auf das Sofa sinken und blieb bei ihm sitzen, bis seine leisen, tiefer werdenden Atemzüge ihr zeigten, dass er wieder eingeschlafen war.

Heute waren seine Schutzschilde so weit unten gewesen wie nie zuvor und er hatte eine Seite von sich offenbart, die sie vorher nie gesehen hatte. Aber wie er schon gesagt hatte, morgen würde alles wieder beim Alten sein.
Und sie wusste selber nicht genau, ob sie sich darüber freuen sollte.




Comments

( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
21. Jun 2013 21:24 (UTC)
Ach was, Melodrama ;) Also mir ist's nicht zu kitschig. Ich fand's sehr schön, nach der ganzen Aufregung.

Nur der letzte Absatz ist nach dem Drama vielleicht nicht stark genug. Oder zu wenig, man möchte lieber weiterlesen ...

Ich hab' gerade zu wenig Zeit zum Kommentieren, Arbeit + Familienbesuch, aber das hole ich noch nach!
baggeli
21. Jun 2013 21:52 (UTC)
Ach was, Melodrama ;) Also mir ist's nicht zu kitschig.
Du darfst nicht vergessen, dass du abgehärtet bist, was Melodrama angeht. Wie war das mit deinem Boerne in "Wege, die sich kreuzen?" xD
Aber ich bin froh, wenn du denkst, es war noch geradeso erträglich.

Nur der letzte Absatz ist nach dem Drama vielleicht nicht stark genug.
Hmmm. Was hättest du denn draus gemacht?


Ich hab' gerade zu wenig Zeit zum Kommentieren, Arbeit + Familienbesuch, aber das hole ich noch nach!
Da würde ich mich sehr drüber freuen!! :D
cricri_72
22. Jun 2013 05:37 (UTC)
Hmmm. Was hättest du denn draus gemacht?
Wenn's mir einfällt, schreibe ich Dir ;)

Ich weiß es nicht so genau, aber ich habe überlegt, daß es entweder mehr hätte werden können - so ein Drama ist ja durchaus ein hübscher Auslöser für eine Liebesgeschichte ;) - oder daß man es im Gegenteil noch etwas angedeuteter hätte lassen können, so daß man beim Lesen erst mit Verzögerung kapiert, was das ist / werden könnte. Aber das ist leichter gesagt als getan. Sobald ich Zeit habe, gehe ich in mich und melde mich nochmal.
baggeli
22. Jun 2013 09:06 (UTC)
aber ich habe überlegt, daß es entweder mehr hätte werden können
Das kann es doch? Alberich ist jedenfalls ins Grübeln gekommen und hat etwas realisiert, was Boerne offenbar schon lange vor ihr klar war, aber natürlich würde er nie ein Wort drüber verlieren. Aber wenn sie nicht einfach so zum Alltag zurückkehrt, wird Boerne das schon merken. ^^

oder daß man es im Gegenteil noch etwas angedeuteter hätte lassen können, so daß man beim Lesen erst mit Verzögerung kapiert, was das ist / werden könnte.
Tut mir leid, so subtil kann ich leider nicht schreiben. Dazu fehlt mir das Talent.

Es bleibt in der Schwebe, aber für mich keine rein negative Schwebe. Wer weiß, wie es weitergeht.
(Wie es bei mir weitergehen würde, ist ja wohl klar. *kicher*)

Edited at 2013-06-22 09:07 (UTC)
iskandra
23. Jun 2013 01:52 (UTC)
Puh, da komme ich bei dem ganzen Stress, den ich momentan habe, endlich mal zum Lesen...und dann das! Was ein Glück war die Geschichte schon fertig, ich glaube, sonst hätte ich ein bisschen die Krise gekriegt! ;-)

Aber das war echt wieder toll geschrieben, und ich fand auch den Epilog klasse. Obwohl ich nicht so sicher bin, ob am nächsten Tag wirklich alles wieder so ist wie vorher *man kann ja hoffen!*

(Und sorry für die Funkstille - Arbeit, Arbeit, Arbeit und beim Schlafentzug komm ich mir langsam manchmal vor wie dein Boerne - "gestern" war ich um 5 fertig. Morgens. Und hatte die Woche mal wieder so eine beknackte Fortbildung, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde...)
baggeli
23. Jun 2013 19:27 (UTC)
Ohhh hallo!!!
Ich hatte mich wirklich schon gefragt, ob du am Tatort die Lust verloren hast! Wie schön, dass du noch da bist!! *hüpf*
Mensch, das klingt aber nicht so toll, was du da schreibst. Ich wünsche dir bald mal wieder ruhigere Zeiten!
Dies Wochenende war bei uns aber auch Highlife, wir haben im Kindergarten das diesjährige Eltern-Kind-Zelten organisiert. Das war wie jedes Jahr der Knüller; und die Nacht dementsprechend kurz... ^^

Puh, da komme ich bei dem ganzen Stress, den ich momentan habe, endlich mal zum Lesen...und dann das!
*ähem*

Was ein Glück war die Geschichte schon fertig, ich glaube, sonst hätte ich ein bisschen die Krise gekriegt! ;-)
Echt? Warum? Hab doch schon seit ein paar Wochen niemanden sterben lassen. :D

Aber das war echt wieder toll geschrieben, und ich fand auch den Epilog klasse
*hüpf* *freu*

Bis dann!!

( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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