?

Log in

No account? Create an account

zurück | vor

Story: Feierabend - Epilog

Thiel hätte es besser wissen müssen; er hätte einfach schon ins Kalinka vorfahren und das erste Bier trinken können. Stattdessen hatte er sich breitschlagen lassen, Boerne zu begleiten…

Wörter: 8000
Genre: Freundschaft, h.c., etwas Krimi, anscheinend auch etwas Drama ;o)
A.N.::Die Krimihandlung ist exakt so realistisch, wie bei jedem echten Münsteraner Tatort; das bedeutet, auf einer Skala von eins bis zehn bekommt die Glaubwürdigkeit des Plots eine glatte minus vier. xD (ihr seid gewarnt worden… ich habe nie behauptet, Krimis schreiben zu können; genaugenommen habe ich nie behauptet, irgendwas schreiben zu können)
Warnungen: ohne Beta, ich weiß nicht, wie viele Fehler und Klöpse hier versteckt sind




Das erste, was er spürte, war eine kleine Hand, die seine drückte. „Hallo, Herr Thiel. Schön, dass Sie wieder unter den Lebenden weilen."
Thiel stöhnte leise und drehte ein wenig den Kopf. Die Stimme kam ihm bekannt vor, aber er war noch zu benommen, um sie direkt einordnen zu können.
Er versuchte, seine Augen zu öffnen, doch das wollte ihm nicht recht gelingen; seine Lider schienen bleischwer zu sein.
Wieder wurde seine Hand gedrückt. „Na kommen Sie, Herr Thiel. Sie schaffen das. Schauen Sie mich mal an."

Thiel versuchte es erneut und diesmal gelang ihm tatsächlich ein mühsames Blinzeln. Die Deckenlampe blendete ihn anfangs und das Gesicht vor ihm war zuerst noch stark verschwommen, aber nach und nach fiel es ihm leichter, zu fokussieren. Es war Frau Haller, die auf seiner Bettkante saß und seine Hand in ihrer hielt. Auf seiner Bettkante saß?
Thiel war verwirrt. Es war ihm nicht klar, wo er war, was die kleine Rechtsmedizinerin bei ihm machte… er blickte sich um und realisierte dann, dass er sich in einem Krankenzimmer befand. Irritiert zog er die Augenbrauen zusammen und versuchte, sich etwas aufzurichten, aber im gleichen Augenblick zuckte er zusammen, weil ein brennender Schmerz durch seine Wade schoss.
Und mit einem Schlag fiel ihm alles wieder ein.


Erschreckt fuhr er hoch und riss sich dabei fast die Infusionsnadel aus dem Arm, aber bevor das passierte, wurde er von Frau Haller energisch zurück auf das Kissen gedrückt. „Lassen Sie es ruhig angehen, Herr Thiel."
Aber Thiel hörte sie gar nicht. „Boerne! Wie geht es ihm?" Er wollte sich wieder aufsetzen, aber das ließ sie nicht zu. „Es geht ihm gut! Nun beruhigen Sie sich, Sie sind wirklich nicht in der richtigen Verfassung, hier große Turnübungen zu veranstalten!" Sie hielt ihn mühelos in Schach und Thiel stellte entgeistert fest, wie wenig er ihr entgegenzusetzen hatte. Er gab seinen Widerstand auf und ließ sich auf die Ellbogen sinken. „Frau Haller, bitte! Was ist mit Boerne?"
„Ich habe doch schon gesagt, es ist alles gut!" Die kleine Frau drückte seine Schultern noch einmal beruhigend, bevor sie ihn losließ. „Er ist noch im OP, wird aber bestimmt bald fertig sein. Solche Schrapnellverletzungen zu sanieren, dauert immer ein wenig, es sollen ja keine Splitter oder Bruchstücke in der Wunde bleiben."


Thiel ließ sich kraftlos zurück in die Kissen sinken und schloss für einen Moment die Augen. Voller Entsetzen erinnerte er sich daran, wie Boerne leblos und blutüberströmt vor ihm gelegen hatte... gequält stöhnte er auf.
Er merkte, wie sich die Matratze bewegte, weil Frau Haller sich vorbeugte. "Was ist los? Haben Sie Schmerzen?" Sie klang besorgt.
Thiel machte nur ein verneinendes Geräusch. Jetzt wo er wieder ruhig lag, waren die Schmerzen nicht der Rede wert.

„Aber was ist denn mit Ihnen?"
Mühsam öffnete Thiel seine Augen und fuhr sich mit einer zittrigen Hand durch die Haare. „Wie konnte ich so blind sein? Dieser Irre hat Boerne mit seinem ersten Schuss durchsiebt und ich hab’s nicht gemerkt! Die Zeichen waren doch eindeutig, aber ich habe es einfach nicht bemerkt!" Er konnte seine Verzweiflung nicht ganz aus seiner Stimme fernhalten.
Frau Haller versuchte, ihn zu beschwichtigen. „Ihnen ist doch hoffentlich klar, dass er Sie das nicht merken lassen wollte! Sie hatten mit Ihrem Bein weiß Gott genug eigene Sorgen!"
Thiel schnaubte aufgebracht. „Was heißt denn eigene Sorgen? Wenn ich gewusst hätte, dass er auch verletzt ist..."


Frau Haller ließ ihn gar nicht ausreden. „...dann hätte sich trotzdem nichts geändert. Er war mobil und Sie nicht, also musste er sich darum kümmern, dass Sie beide möglichst heil da rauskommen. Das hätten Sie an seiner Stelle doch genauso gemacht, oder wollen Sie das abstreiten?"

„Heil da rauskommen…" Thiel schüttelte sich unwillkürlich. „Er hat unseren Hintern fast im Alleingang gerettet, ich weiß gar nicht, wie er das in seinem Zustand geschafft hat." Er schloss nochmals für einen Moment seine Augen, bevor er flüsterte: „Ich habe gedacht, er stirbt dort in der Halle, er hat zu viel Blut verloren, weil er….", seine Stimme war fast nicht mehr zu verstehen. „…weil er sich nur um mich gekümmert hat, nicht um sich selbst."

„Mensch, Herr Thiel!" Die kleine Frau klang ganz erschüttert, nahm seine Hand nochmals in ihre beiden und drückte sie fest. „Sie haben ein falsches Bild von Boernes Verletzung. Die Betonsplitter haben ihn zwar ziemlich zugerichtet, aber das ist alles nicht so schlimm wie Sie denken!"
Thiel konnte ihr kaum glauben, hatte die Bilder noch zu deutlich in Erinnerung. „Sie hätten ihn sehen sollen! Es war alles voll Blut; sein Hemd, von oben bis unten, es war komplett durchtränkt…" Er konnte nicht weitersprechen, schluckte nur krampfhaft.

Frau Haller holte tief Luft. „Herr Thiel, bitte! Er hat Glück gehabt, das waren alles einigermaßen oberflächliche Wunden. Ich glaube Ihnen, dass das schrecklich aussah, aber die Situation war nicht lebensbedrohlich."
„Wirklich?" Er hatte selber das Gefühl, er klang wie ein verunsichertes Kind und fast war ihm die Frage peinlich, kaum dass sie ihm herausgerutscht war. Aber Frau Haller nahm ihn ganz ernst. „Wirklich. Ein paar Tage Krankenhaus, ein paar Wochen Eisentabletten, fertig. Obwohl…" Sie runzelte die Stirn und ihre Mundwinkel zuckten ein wenig. „… wenn es nach Boerne geht, werden es wohl eher ein paar Stunden Krankenhaus sein; immer vorausgesetzt, wir kriegen ihn hier so lange festgehalten." Ein spitzbübisches Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Sie haben nicht zufällig Ihre Handschellen dabei?"
Gegen seinen Willen musste Thiel ein wenig grinsen und Frau Haller strahlte ihn an.

Sie drückte nochmals seine Hand, bevor sie vom Bett rutschte. „Ihr Vater müsste jeden Moment zurückkommen, der ist kurz in Ihre Wohnung gefahren und packt ein paar Sachen. Ach, und ich soll viele Grüße von Nadeshda ausrichten. Die war die ganze Zeit bei Ihnen, aber eben kam Staatsanwältin Klemm hier vorbei und hat sie weggeschleppt. Die beiden verhören gerade den Bankräuber." Sie zwinkerte Thiel zu. „In dessen Haut möchte ich nicht stecken, der hat zwei ganz schön aufgebrachte Frauen vor sich. Ich glaube, die werden ihn ordentlich durch die Mangel drehen." Thiel lächelte müde und war froh, dass er sich um diese Dinge jetzt nicht kümmern musste.

Frau Haller wies mit dem Kopf zur Tür als sie sagte: „Ich werde mal nachforschen, ob der Chef die OP schon überstanden hat. Sie ruhen sich jetzt noch etwas aus, Sie sind weiß wie die Wand. Und bitte hören Sie auf, sich unnötige Sorgen zu machen, versprochen?"

„Jau, versprochen", murmelte Thiel und schloss mit einem Seufzen die Augen. Er war tatsächlich noch ziemlich erschöpft. Ein paar Stunden Schlaf klangen sehr verlockend…




Als Thiel das nächste Mal die Augen öffnete und an die Decke starrte, schien die Sonne in das Zimmer. Es dauerte diesmal nur den Bruchteil einer Sekunde, bis ihm einfiel, wo er sich befand. Es dauerte einige Sekunden länger, bis ihm auffiel, dass er leise, regelmäßige Atemzüge hörte.
Er hob den Kopf, um einen Blick in die entsprechende Richtung zu werfen und ein Lächeln erhellte sein Gesicht. Im Bett nebenan, ihm zugedreht und fast komplett unter der Decke verschwunden, lag Boerne - ohne Brille, scheinbar fest schlafend und furchtbar blass, aber ganz unverkennbar lebendig.
Thiel setzte sich mit neuer Energie auf und dachte dabei wieder nicht an seine Verletzung; aufstöhnend musste er für einen Moment innehalten, griff sein Bein und krümmte sich zusammen. Und gerade als er sich wieder aufgerichtet hatte, ertönte eine etwas heisere, müde Stimme: „Eigentlich zeichnet sich der homo sapiens doch vor allem durch seine Lernfähigkeit aus. Aber bei Ihnen gewinnt man den Eindruck, Sie hätten in Ihrer kognitiven Entwicklung diesen signifikanten Evolutionssprung ausgelassen."
Thiel starrte entgeistert in Boernes Richtung. „Hä?"
Boerne blinzelte ihn an. „Herrgott Thiel, inzwischen sollten sogar Sie kapiert haben, dass es wehtut, wenn Sie so hektisch rumhampeln." Er ließ die Augen mit einem Seufzen wieder zufallen. „War das jetzt verständlich?"
Thiel war nicht sicher, ob er genervt war oder sich freute, dass Boerne schon wieder seinen typischen Schwachsinn von sich gab; aber bevor ihm eine passende Antwort einfiel, murmelte Boerne: „Sie sind noch reichlich blass um die Nase. Es bekommt Ihnen definitiv nicht gut, wenn Sie sich die unteren Extremitäten perforieren lassen."


Nun, dazu fiel Thiel allerdings einiges ein. „Das sagt der Richtige!", schnaubte er und schüttelte ungläubig den Kopf. "Wer ist denn hier blass? Sie lassen Sich von Splittern durchlöchern und rödeln so lange rum, bis Ihnen vom Blutverlust die Lichter ausgehen! Hatten Sie vor, mich irgendwann darüber aufzuklären, dass es Sie erwischt hat?" Er konnte nicht verhindern, dass sich eine gute Portion Frust in diesem Satz entlud; und wahrscheinlich konnte sein Kollege sogar die Angst heraushören, die er ausgestanden hatte, nachdem Boerne zusammengebrochen war. Die Gefühle steckten noch so nah unter der Oberfläche, dass sie sich ohne seinen Willen verselbständigten.
Boerne öffnete die Augen und starrte ihn für einen Moment wortlos an. "Das waren nur Kratzer." Auch wenn es besänftigend gemeint war, kam das bei Thiel nicht an.

"Kratzer?" Er konnte nicht glauben, was er da hörte. "Das soll wohl ein Witz sein! Sie haben geblutet wie verrückt! Was glauben Sie, wie ich mich gefühlt habe, als Sie plötzlich zusammengesackt sind…" Er schloss für einen Moment die Augen und schluckte hörbar.
"Thiel?"
Der Kommissar reagierte nicht.
Boerne stützte sich auf einen Ellenbogen, nahm die Beine aus dem Bett und drückte sich dann vorsichtig in eine sitzende Position. „Thiel!" Er sprach erst weiter, als Thiel ihn widerwillig ansah. "Glauben Sie mir, wenn die Verletzung wirklich dramatisch gewesen wäre, hätte ich Sie das schon wissen lassen! Aber der Schütze hatte Priorität, der war die größere Gefahr. Sie selber haben das doch heftig genug zu spüren bekommen, ich musste Ihr Bein abbinden, damit Sie nicht verbluten. Das bei mir waren nur Splitter; davon stirbt man nicht."
"Aber genau das habe ich für eine Weile gedacht", murmelte Thiel heiser und ließ sich wieder in sein Kissen zurücksinken.

Boerne sah müde, aber tatsächlich auch etwas beschämt aus. "Thiel, es… es tut mir leid. Erst war keine Zeit und dann habe nichts mehr gesagt, weil ich Sie nicht zusätzlich beunruhigen wollte. Aber so wie es aussieht, hat das wohl nicht funktioniert."
"Nee, in dem Moment, in dem Sie umgekippt sind, war die Idee irgendwie für den Arsch", brummte Thiel.
Boerne schüttelte ein wenig den Kopf. "Ich..." Er schüttelte seinen Kopf erneut, und murmelte dann mit schwacher Stimme: "Ich glaube, ich muss mich erst mal wieder hinlegen." Noch während er das sagte, sackte er zur Seite weg und fiel mit geschlossenen Augen auf sein Kissen. Den Versuch, die Beine zurück ins Bett zu heben, gab er ziemlich schnell auf.

Thiel fuhr hoch, sein Puls direkt wieder auf 180. "Mann, nicht schon wieder! Boerne? Boerne!! Was soll ich tun, soll ich nach einer Schwester klingeln?"
Aber bevor der Professor antworten konnte, ertönte ein kurzes Klopfen an der Tür und Frau Haller steckte ihren Kopf ins Zimmer. Thiel rief sofort um Hilfe: "Frau Haller, schnell! Boerne geht’s nicht gut!"

Die kleine Frau schien die Situation mit einem Blick aufzunehmen. "Chef, Sie sollten doch noch nicht aufstehen! Das haben wir doch vor ein paar Stunden erst ausdiskutiert!", schimpfte sie, während sie durch das Zimmer eilte und dem inzwischen kaltschweißigen Professor half, sich auszustrecken. Sie drehte ihn auf den Rücken, stellte das Kopfteil des Bettes flach, stopfte ihm ein dickes Kissen unter die Beine und beobachtete ihn für einen Moment."Geht's wieder?"
Boerne holte tief Luft und hielt sich dabei die Seite. "mhmhm." Die Antwort war zwar nicht sehr ergiebig, aber schien Frau Haller erst einmal zufriedenzustellen.

„Keine Sorge, Herr Thiel, alles ist gut", wurde der aufgewühlte Kommissar von ihr beschwichtigt, als sie an ihm vorbeiging und im Bad verschwand. Ein paar Sekunden später sah Thiel sie mit einem nassen Waschlappen in der Hand wieder herauskommen.

Sie kletterte zu Boerne auf die Bettkante. „Da hat der liebe Gott Ihnen so ein übergroßes Gehirn mitgegeben, aber den gesunden Menschenverstand hat er definitiv vergessen!", schalt sie, während sie ihrem Chef das verschwitzte Gesicht abwischte. Thiel entging nicht, wie behutsam sie vorging, obwohl sie so aufgebracht schien.
Boerne blinzelte sie sichtbar erschöpft an. „Ihr Hirn hat er Ihrer Statur angepasst, aber bei Ihrem Mundwerk hat er sich vertan; die große Klappe passt zu einem Riesen, nicht zu einem Zwerg."

Frau Haller ließ den Waschlappen sinken und rutschte dann wieder vom Bett. „Chef!" Ihre Stimme klang drohend. „Erinnern Sie sich an unsere Vereinbarung von heute Nacht? Sie benehmen sich vernünftig, oder ich werde vier Wochen lang nicht mit Ihnen kickern. In Ihrem Zustand allein aufzustehen ist nun alles andere als vernünftig, und Ihre hochgeschätzte Mitarbeiterin zu beleidigen, grenzt geradezu an Wahnsinn."
„Sie sind doch viel zu klein um hochgeschätzt werden zu können", flüsterte Boerne und drehte sich mit einem schmerzerfüllten Ächzen wieder auf die Seite.
Thiel hörte diesem Schlagabtausch amüsiert zu und grinste, als Frau Haller die Hände in die Seite stemmte und versuchte, streng zu klingen. „Mensch, Chef! Sie haben mir vor wenigen Stunden noch lebenslange Dankbarkeit zugesichert, weil ich Sie von diesem grausigen OP-Hemd befreit und Ihnen in Hose und T-Shirt geholfen habe. Und jetzt werfen Sie mir solche Beleidigungen an den Kopf?"

„Immerhin habe ich Sie getroffen, die meisten anderen Menschen hätten doch glatt drüber her geworfen." Boernes Stimme war inzwischen fast unverständlich leise und ziemlich schlaftrunken.

Frau Haller schnaubte empört, aber Thiel war klar, dass das gespielt war. Wie vorsichtig sie die Decke unter Boernes Beinen hervorzog, bevor sie sie behutsam über ihm ausbreitete, zeigte das mehr als deutlich. „Ruhen Sie sich aus, Sie Kindskopf."
Boerne seufzte noch einmal auf und sackte tiefer in sein Kissen, sagte aber nichts mehr.


Frau Haller schüttelte lächelnd den Kopf, dann wandte sie sich dem Kommissar zu. „Sie sehen etwas besser aus, Herr Thiel."
Thiel machte es sich selber auch wieder bequem. „Ich würde bestimmt noch besser aussehen, wenn er mir nicht gerade schon wieder so einen Schrecken eingejagt hätte", knurrte er dabei.
„Ja, so ist er halt, der Chef", sagte sie in einem resignierten Tonfall. „Er kann alles, nur nicht mit Menschen umgehen."
Thiel lachte mit ihr zusammen laut auf.
„Das habe ich gehört!" Es gelang Boerne nicht, richtig beleidigt zu klingen, dazu war er wohl zu müde.

„Na, ich muss wieder zurück ins Institut, ich wollte nur mal schnell reinschauen." Sie war schon an der Tür angekommen, als sie sich noch einmal umwandte. „Ach, weil Sie beide gestern so erfolgreich die kleine Party im Kalinka gesprengt haben, hat Herr Krusenstern uns netterweise für den kommenden Freitag nochmals eingeladen. Also ruhen Sie sich aus, damit Sie bis dahin aus dem Krankenhaus sind." Sie zwinkert den beiden zu, dann verschwand sie.



Thiel drehte sich direkt zu seinem Kollegen. „Ich schwöre Ihnen, Boerne, dieses Mal fahre ich. Nicht, dass Sie wieder auf die Idee kommen, noch schnell irgendeine bescheuerte Theorie nachprüfen zu müssen. Ich lasse mir nicht noch mal meinen Feierabend von Ihnen versauen."

„Das werden Sie mir noch ewig vorhalten, was?" murmelte Boerne verschlafen. Er war wohl schon halb weggedriftet.
„Ja, hatte ich vor", grinste Thiel, bevor er selbst die Augen schloss. Ein paar Tage Ausruhen klang gut, aber auf das Bier freute er sich jetzt schon.

<<( Feierabend - Kapitel 2 )

Comments

( 13 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
veradee
17. Aug 2012 19:28 (UTC)
Die beiden zusammen in einem Krankenzimmer müssen ja der Alptraum jeder Krankenschwester sein. ;)

Ich bin aber froh, dass es letztlich für beide gut ausgegangen ist. Das war wieder eine sehr schöne, emotionale Geschichte.

Besonders nett fand ich ja im letzten Kapitel den Moment, in dem Boerne umkippt. Nicht weil ich so furchtbar gehässig bin, aber weil er natürlich genau den gleichen Fehler begeht und etwas tut, was er besser nicht tun sollte, obwohl er Thiel vorher praktisch genau das vorgeworfen hat. :)
baggeli
17. Aug 2012 19:48 (UTC)
Hehe, danke für deine lieben Worte! Ja, eigentlich würden die beiden wohl nie auf einem Zimmer landen, Boerne ist ja nun sicher privat Einzelzimmer versichert und Thiel Kassenpatient. :D Macht ja nix, tun wir einfach so, als wäre grad kein Platz gewesen und die zwei mussten zwangsläufig zuammen campen... ich hab noch kurz überlegt, irgenwie mit reinzunehmen, dass Boerne darüber mosert, aber da hatte ich dann keine Lust mehr drauf.

Naja, was das Umkippen angeht: Boerne hat sich ja noch nie viel drum geschert, was andere ihm sagen, solange er es selbst besser weiß. Und das ist ja immer so! :D Dass Alberich in dem Fall wohl eher den richtigen Riecher hatte, musste er dann halt mal auf die harte Tour erfahren. *zwinker*
cricri_72
17. Aug 2012 21:13 (UTC)
Hm ... über Realismus habe ich mir keine Gedanken gemacht ;)
Aber Thiel ist verbeamtet, von daher vermutlich auch privat versichert.

Und im Canon ist ja auch jeder Vorwand recht, um die zwei zusammen(unter)zubringen ;)
baggeli
17. Aug 2012 21:20 (UTC)
Stimmt, der ist ja Beamter. Na dann passt das ja. *prust* Ich glaube, bei zwei solchen Kalibern auf einem Zimmer wäre ich an meine Grenzen gekommen; wobei mir das im Krankenhaus wahrlich noch nicht oft passiert ist... (also jetzt bezogen auf die Leute, die rumticken und anstrengend sind - nicht unbedingt bezogen auf die Dramen, die man da sonst so erlebt)
cricri_72
17. Aug 2012 21:11 (UTC)
Oh, toll, das ging ja doch ganz schnell! :)

Ich bin zu müde für sinnvolle Formulierungen, aber mir gefällt das Ende auch gut! Zwar war ich mir schon sicher, daß das mit Boerne nicht zu ernst ist - sonst hätte er das alles ja gar nicht mehr geschafft (selbst als hero!Boerne ;) Trotzdem schön, daß sich die Spannung udn Aufregung auflöst. Das Geplänkel hat mir ausgesprochen gut gefallen, sowohl zwischen Thiel und Boerne, als auch zwischen Haller und Boerne. Außerdem mag ich es, wenn sich die ernsteren Gefühle und der Humor die Waage halten.

„Das werden Sie mir noch ewig vorhalten, was?" murmelte Boerne verschlafen. Er war wohl schon halb weggedriftet.
„Ja, hatte ich vor", grinste Thiel, bevor er selbst die Augen schloss.

Hach ja. Ausgleichende Gerechtigkeit :)



baggeli
17. Aug 2012 21:31 (UTC)
Nee nee, so schlimm war das alles nicht; der arme Thiel hat da etwas überreagiert. :D Aber woher soll er auch wissen, dass ein halber Liter Blut im Hemd erschreckend viel mehr aussieht, als die Menge, die beim Blutspeden in formschöne kleine Beutelchen verpackt wird...

Ja, ich hoffe, es war zum Schluss nicht zu klamaukig. *am-Kopf-kratz* Aber naja, ist ja Münster - die sind halt immer etwas gaga. Ich habe kein schlechtes Gewissen! :D
veradee
17. Aug 2012 22:05 (UTC)
Ja, als Frau Haller die Situation erklärt hat, habe ich auch begriffen, dass es gar nicht so ernst um Boerne gestanden haben kann. Aber nach der Beschreibung im Kapitel zuvor war ich ähnlich entsetzt wie Thiel. Wir armen Laien halt. ;)
baggeli
17. Aug 2012 22:07 (UTC)
Hehe, so sollte es ja auch sein. :D
t_sihek
31. Okt 2013 00:13 (UTC)
Also ich weiß zwar, dass ein halber Liter Blutverlust für einen erwachsenen Mann nicht viel ist und dass das eine ziemliche Lache bildet, aber geschockt war ich schon.

Als Boerne beim ersten Schuß so zusammenzuckte, habe ich schon gedacht, der hat was abbekommen... wie es dann aber weiterging war grandios.

Beim Epilog hatte ich einen Dauergrinser im Gesicht. Ich liebe Alberich einfach und du hast sie wunderbar getroffen.

Und ja, Boerne lässt kaum mal durchblicken wie es ihm geht... egal wie schwer die Verletzung ist. Mutig ist er auch... schon deshalb hätte das ganz gut eine originale Szenerie sein können.

Ich brauche mehr davon!
baggeli
31. Okt 2013 10:33 (UTC)
Nun, genaugenommen wird es wohl etwas mehr als ein halber Liter gewesen sein, sonst kippt ein erwachsener Mann nicht so um. Einigen wir uns auf einen Liter, das reicht nach dem ganzen Stress, um ihm die Lichter auszuknipsen. :o)

Ich brauche mehr davon!
Tja... hmmmm... da kann ich dich im Moment nur an die vorhandenen Geschichten verweisen, weil ich zurzeit nicht schreibe. Aber ich hoffe, irgendwann packt es mich wieder.
t_sihek
31. Okt 2013 12:21 (UTC)
Das wäre schön.

Aber Du warst ja fleißig, so dass einiges an Schmökermaterial da ist.
guenni
13. Nov 2013 09:17 (UTC)
Ha! Jetzt weiß ich endlich warum ich im letzten Münstertatort ein kurzes Deja vue hatte. Nämlich als die zwei sich da in der Werkhalle rumtreiben. Beide Situationen haben zwar abgesehen von der Ähnlichkeit der Kulisse nicht wirklich was gemeinsam, aber irgendwie hab ich mich erinnert so was in der Art schon mal gelesen zu haben. ;) Na jetzt weiß ichs wieder.
Schöne Geschichte, die ich mir so auch lebhaft in einem Tatort vorstellen kann.
baggeli
13. Nov 2013 09:33 (UTC)
Schöne Geschichte, die ich mir so auch lebhaft in einem Tatort vorstellen kann.
Oh, vielen Dank! *hüpf*

Wobei ich zugeben muss, dass ich mit der alten, halb zerfallenen Fabrik, mit Laub auf dem Boden und alten, verrosteten Gerätschaften ganz andere Bilder verbinde, als mit der Lagerhalle aus der 'Prinzessin'. Aber ja, dass die zwei wieder mal allein irgendwo unterwegs sind (und Verstärkung in dem Moment gar nicht so übel wäre), das passt schon. :D
( 13 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

Latest Month

April 2018
S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930     

Tags

Gehostet von LiveJournal.com
Designed by Tiffany Chow