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Beta: josl, jolli
Genre: ein Hauch von Humor, Romanze, h/c, Angst, Drama
Pairing: Boerne/Alberich
Wortanzahl: ~35.000
Warnungen: ooc, cd. Loser Bezug zur Episode Eine Leiche zuviel, es ist von Vorteil, die Folge zu kennen!
Rating: Ab 12
Bingo-Prompt: in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Zusammenfassung: Gedankenverloren sah sie ihm nach, als er den Raum verließ. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung irgendwie verändert... doch sie konnte nicht einmal genau sagen, wie, warum und vor allem, in welche Richtung.
Wenige Stunden später allerdings war das ihre geringste Sorge.

Mit einem Schmunzeln im Gesicht verließ Silke Haller den Supermarkt, in dem sie gerade erfolgreich ihren Wocheneinkauf erledigt hatte. Sie war ziemlich früh dran, in einer Anwandlung von Großzügigkeit hatte Boerne sie heute schon lange vor Feierabend heimgeschickt.
Naja, für eine Weile hatte sie gedacht, es sei wohl eher ein klein beigeben gewesen – nachdem sie Hauptkommissar Thiel und Nadeshda in einer sich über mehrere Tage ziehenden Gewaltanstrengung geholfen hatten, einen Mörder zu überführen, war sie heute energisch in sein Büro marschiert und hatte ihm damit gedroht, den Betriebsrat einzuschalten, wenn er sie nicht endlich einige der ungezählten Überstunden abfeiern ließ, die sie im Laufe der letzten Woche angesammelt hatte. Boerne hatte ihr daraufhin eine theatralische Rede über Pflichtbewusstsein und Undankbarkeit gehalten und sie anschließend tatsächlich gehen lassen.


Silke hatte sich natürlich eilig davongemacht, damit er es sich bloß nicht noch einmal anders überlegen konnte. Sie hatte in ihrem Büro allerdings noch einen kurzen Zwischenstopp einlegen müssen, um die schon lange überfällige Material-Bestellliste zu Ende zu schreiben, die sie wirklich schon längst hätte fertigstellen sollen - nur um festzustellen, dass Boerne diese ihr so verhasste Arbeit in der Zwischenzeit für sie erledigt hatte.
Sie hatte noch verwundert auf ihren Bildschirm gestarrt, als er hinter ihr im Türrahmen aufgetaucht war und sie lächelnd hinauskomplimentiert hatte.
Auch wenn sie es ihm niemals gesagt hätte, so hatte sie sich doch sehr über diese Geste gefreut; und Boerne schien sie durchschaut zu haben, denn seine Augen hatten nicht nur amüsiert, sondern regelrecht fröhlich geleuchtet, jedenfalls bis sie sich von ihm verabschiedet hatte.
Und nun hatte sie den ganzen Mittwochnachmittag für sich und als erstes schnell den längst überfälligen Wocheneinkauf erledigt, damit sie den Rest des Tages ohne Verpflichtungen genießen konnte.

Sie ignorierte die hochgezogenen Augenbrauen der sie passierenden Kunden, als sie den vollbepackten Einkaufswagen aus dem Supermarkt schob. Sie konnte ja verstehen, dass es seltsam anmuten musste, wenn ein Wagen scheinbar wie von Zauberhand Richtung Parkplatz rollte. Diese Blicke war sie gewohnt, sie prallten schon seit Jahren ihr ab.
Schwungvoll wich sie dem Geldtransporter aus, der vor dem Eingang des Supermarktes stand und wäre dabei fast mit einem großgewachsenen Mann mittleren Alters kollidiert. Ebenso wie sie sprang er einen Schritt zurück, nur um sie dann verwundert anzusehen und zu schmunzeln. „Silke! Sie habe ich ja lange nicht umgerannt! Wie geht es Ihnen?“
Es hatte nur den Bruchteil einer Sekunde gedauert, ihn einzuordnen; zwar war er mittlerweile ergraut und hatte sich einen Vollbart stehen lassen, doch seine Stimme war derart markant, dass die leicht veränderte Erscheinung sie nicht verwirren konnte. Vor ihr stand der Mann, der während ihrer ersten Jahre in der Rechtsmedizin das Kriminalkommissariat geleitet hatte.

Silke entging nicht, wie Nowak seine Augen einmal an ihr auf und ab schweifen ließ, aufmerksam wie immer. Sie nahm ihm das nicht übel, wie alle Polizisten konnte er sich diesen schnellen Scan des Gegenübers wohl nicht abgewöhnen, auch wenn er nun schon seit fast vier Jahren nicht mehr in seinem alten Beruf arbeitete.

Mit einem leichten Lächeln schüttelte sie die Hand, die er ihr entgegengestreckte.
„Herr Nowak! Was machen Sie denn mal wieder hier? Planen Sie, zu uns zurückzukehren?“
Sie meinte das nicht ernst und wusste, dass er das auch so verstand, als er schnaubend abwinkte. „Bloß nicht! Aus der Nummer bin ich raus.“


Sie lächelte, während er schon fortfuhr: „Und Sie? Immer noch in Boernes Mausoleum beschäftigt?“ Sein Feixen ließ deutliche Falten in seinen Augenwinkeln erscheinen. Und nicht nur dort; ihr wurde bewusst, dass er ziemlich gealtert war in den letzten paar Jahren, zumindest mehr, als sie das erwartet hätte.
Silke nickte und grinste ebenfalls. „Immer noch. Sie wissen doch, er braucht jemanden, der ihn im Zaum hält.“
„Oh ja, zweifellos. Und Sie sind auch wohl die einzige Person auf diesem Planeten, auf die er hört. Sie sind doch sicherlich inzwischen verheiratet, oder?"
Er sagte das so ernst, dass Silke verblüfft die Augen aufriss, doch dann warf er den Kopf in den Nacken und begann lauthals zu lachen.

Dieses Lachen kannte sie noch gut, es klang wie immer; naja, vielleicht nicht mehr so dröhnend wie früher und etwas weniger ehrlich. Aber vielleicht bildete sie sich das auch nur ein... sie hatte zwar einige Jahre mit ihm zu tun gehabt, aber so besonders gut kannte sie ihn trotzdem nicht und so richtig sympathisch war er ihr nie gewesen. Die Kooperation mit ihm war zwar nicht konfliktbelastet gewesen, aber doch ganz anders als mit Thiel. Weniger eng. Wesentlich weniger eng, nur rein nach Vorschrift. Nowak hätte niemals akzeptiert, dass Boerne sich in seine Ermittlungen einmischte.
Seine Aufklärungsquote hatte sich durchaus sehen lassen können, Nowak hatte ein gutes Gespür dafür besessen, sein Team zu leiten, war perfektionistisch gewesen, und hartnäckig. Aber im Laufe der Zeit auch immer zynischer und verbitterter, was wohl letztendlich einer der Hauptgründe gewesen war, warum er seinen Job an den Nagel gehängt hatte.

Er und ihr Chef hatten sich so gut es ging zusammengerauft, aber als er jetzt so vor ihr stand, wurde ihr bewusst, dass sie ihn nicht wirklich vermisst hatte. Das Leben in der Rechtsmedizin war speziell nach Thiels Ankunft - und wohl vor allem durch seinen und Boernes extrem eigenwilligen Umgang miteinander - wesentlich unterhaltsamer und zweifellos spannender geworden.

Auf ein längeres Gespräch mit Nowak verspürte sie gerade wenig Lust und für eine Sekunde überlegte sie, ob es unhöflich wäre, sich jetzt einfach zu verabschieden, als Nowak ihr das Problem schon abnahm. „Frau Haller, nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich bin auf dem Sprung. Es hat mich gefreut, Sie mal wieder zu sehen!“ Er ließ ihr kaum Zeit für eine kurze Erwiderung, nickte nur noch einmal und eilte dann zu seinem nahestehenden Auto, das er gleich nach dem langsam anfahrenden Geldtransporter aus seiner Parklücke lenkte und dann in den Verkehr einfädelte.
Für einen Moment sah Silke ihm gedankenverloren hinterher, doch dann schüttelte sie den Kopf und widmete sich ihren Einkäufen.
Sie konnte nicht ahnen, dass sie ihn schon bald unter wesentlich dramatischeren Umständen wiedersehen würde.

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