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Story: Fassungslosigkeit

Ihre beste Freundin war eine dreifache Mörderin; und egal wie oft Wilhelmine Klemm sich fragte, was schiefgelaufen war, würde sich an der Tatsache nichts mehr ändern...

Post-ep zu "Mörderspiele" - es ist von Vorteil, die Folge zu kennen
Wörter: 2700
Genre: keine Ahnung... Freundschaft, h.c. vielleicht
A.N.: Die Geschichte ist mir eben in den Sinn gekommen. Ich wollte gerne mal was mit Frau Klemm machen und dies ist dabei rausgekommen; ABER: ich finde es total schwer, einzuschätzen, was in ihr vorgeht. Sie wird halt seltener gezeigt als Thiel und Boerne und ist doch sehr gleich in allen Folgen; tough, streng, kennt jeden und alle, weicht von einer einmal gefassten Meinung nur schwer ab... aber viel mehr Seiten habe ich an ihr noch nicht entdeckt.
Ich glaube, dass sie nicht kaltgelassen hat, dass ihre Freundin eine Mörderin ist; aber naja, ihre Gefühle einzufangen, finde ich sehr schwierig. Ihr könnt ja mal sagen, was ihr denkt, wie Frau Klemm vielleicht ticken würde.

A.N.2: cricri hat jetzt mal mit drübergeschaut und das Ganze verbessert. Ich bin jetzt langsam zufrieden damit und lasse es so. Danke, cricri!!!




Wilhelmine Klemm lehnte sich aufseufzend in ihrem Stuhl zurück und öffnete ihre Handtasche, um mit zittrigen Fingern eine Zigarette hervorzuziehen. Der aktuelle Fall hatte sie psychisch und physisch an ihre Grenzen gebracht. Sie hatte das Gefühl, seit Ewigkeiten kein Auge mehr zugetan zu haben; was letztendlich auch stimmte.

Seit Tagen kreisten ihre Gedanken um nichts anderes als diesen Fall: zwei Frauen waren ermordet worden.
Besonders makaber war dabei die Tatsache, dass von einer Leiche der Kopf fehlte; und ihre beste Freundin aus Jugendzeiten, Monika Hanke-Helmhövel, war unter dringenden Tatverdacht geraten.

Im Zuge von Thiels Nachforschungen waren weitere Ungereimtheiten ans Licht gekommen; Boerne hatte sich mit seiner typischen Energie in den Fall eingebracht und seitdem vehement die Theorie verfolgt, dass Monika nicht nur die beiden Frauen auf dem Gewissen hatte, sondern der Tod ihres Ehemannes, der als Unfall deklariert wurde, ebenfalls nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Sie hatte ihm kein Wort geglaubt; ihrer Meinung nach war Boerne wieder einmal mit seinen Ideen übers Ziel hinausgeschossen.



Zwei Nächte zuvor dann hatte Thiel sie in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geklingelt und sie in die Rechtsmedizin bestellt. Als sie dort angekommen war, traf sie auf einen ziemlich aufgelösten Professor; der Mann behauptete allen Ernstes, ihre Freundin und deren Lebensgefährte Kalmund Brozs hätten kurz zuvor versucht, auch ihn umzubringen. Boerne hatte es geschafft, den schießwütigen Hünen von einem Mann zu überwältigen, aber Monika war entkommen.


Sie hatte diese Vorwürfe einfach nicht glauben wollen, obwohl allein das Äußere des Professors deutlich zeigte, dass etwas vorgefallen sein musste. Der Professor war blass und fahrig, sein Anzug schmutzig; er wirkte sehr mitgenommen, ein Eindruck, der durch seine Erkältung und die ohnehin schon vorhandenen Blessuren, die er sich zuvor bei einem Sprung durch ein Fenster zugezogen hatte, noch verstärkt wurde.

Als Frau Haller in diesem Moment einen Meißel aus dem Besitz von Kalmund Brozs anhand von Bauer Hankes Blut eindeutig als Mordinstrument identifizierte, konnte sie es nicht fassen.

Boerne selbst sah sich natürlich bestätigt; aber er ritt erstaunlicherweise relativ wenig auf der Tatsache herum, dass er die ganze Zeit Recht gehabt hatte. Er war wohl zu angegriffen, um ihr stundenlange Entschuldigungen abzunötigen, was er sonst sicherlich mit Begeisterung getan hätte.



Die Fassungslosigkeit war einem dumpfen Gefühl von Enttäuschung und Trauer gewichen, als sie erschöpft zurück in ihre Wohnung gekommen war. Wo ihre frühere Freundin sie schon erwartete. Von Monika mit der Schrotflinte bedroht zu werden, war eine emotionale Extremsituation, wie sie sie seit Jahren nicht erlebt hatte.
Es war Thiel, der sie rettete, als sie dachte, es würde zum Äußersten kommen.

An dem Tag hatte sie keine Ruhe gefunden, war ziellos durch den Dauerregen gelaufen. Und gerade, als sie am späten Abend für einen Moment auf dem Sofa eingedöst war, hatte wieder das Telefon geklingelt. Thiel hatte ihr mitgeteilt, dass Kalmund Brozs das Versteck des abgetrennten Kopfes von Solveijg Helmhövel preisgegeben hatte; Boerne war daraufhin in die Kanalisation gestiegen und hatte das fehlende Körperteil geborgen. Nach einer kurzen Überprüfung vor Ort hatte er den Kopf mit ins Institut genommen, um noch in der Nacht den Autopsiebericht zu vollenden.
Nach diesem Telefonat war sie wieder so aufgelöst, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Drei Stunden und zwanzig Zigaretten später fuhr sie ins Präsidium; sie wollte nicht mehr mit ihren inneren Dämonen allein sein.





Monika Hanke-Helmhövel saß stoisch im Verhörraum und verzog keine Miene. Wilhelmine starrte sie eine Weile durch die verspiegelte Glasscheibe an und fragte sich, wie es soweit hatte kommen können... alte Geschichten aus der Vergangenheit, sie selbst hatte sie längst vergessen; aber Monika anscheinend nicht. Wann hatte ihre Freundin sich so verändert? Und warum hatte sie selbst das nicht bemerkt?

Seufzend wandte sie sich irgendwann ab und machte sich auf den Weg in Thiels Büro. Im Gegensatz zu dem düster-grauen Verhörraum mit der noch dunkleren Seele, die darin saß, kam ihr dieser eigentlich etwas kahle Raum geradezu hell und einladend vor; was bestimmt nicht zuletzt an den beiden Personen lag, die an ihren Schreibtischen arbeiteten.

Nadeshda lächelte sie kurz an und wandte sich dann wieder ihrer Arbeit zu. Thiel dagegen zog die Augenbrauen hoch und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, als sie durch die Tür trat. "Frau Klemm." Er nickte ihr zu. Wenn er sich wunderte, dass sie hier zu dieser nachtschlafenden Zeit auftauchte, zeigte er es nicht.

"Wie kommen Sie voran?" Da war ein leichtes Zittern in ihrer Stimme, das wahrscheinlich kaum jemandem aufgefallen wäre. Aber Thiel war es nicht entgangen, sie sah es an dem Blick, den er ihr zuwarf.
Seine Antwort war jedoch rein dienstlich, genau wie sie es erwartet hatte; über die Dinge zu reden, die sie bewegten, war noch nie ihre Art gewesen - und seine auch nicht.

"Frau Hanke-Helmhövel schweigt, aber wir haben ein umfassendes Geständnis von Kalmund Brozs. Wir können einwandfrei alle drei Morde rekonstruieren. Sobald ich den endgültigen Autopsiebericht habe, kann sie dem Richter vorgeführt und weggeschlossen werden." Er wies mit dem Kopf auf das Telefon. "Ich habe jetzt gerade mit Boerne telefoniert. Er hat alle Unterlagen vervollständigt und wird seinen Bericht morgen früh vorbeibringen."

"Warum erst morgen früh, wenn er doch schon fertig ist?" Ihre Stimme klang in ihren eigenen Ohren irritiert, obwohl sie es eigentlich gar nicht so meinte.
"Er hat noch etwas zu erledigen. Vielleicht muss er aufräumen, Frau Haller ist ja nicht da", grinste Thiel. "Nee ohne Quatsch, warum soll er jetzt kommen, heute Nacht können wir sowieso keinen Richter aus dem Bett werfen." Dann streckte er sich ein wenig in seinem Stuhl und musste eindeutig ein Gähnen unterdrücken. "Ich hab schon überlegt, ob ich im Institut vorbeifahre und den Papierkram abhole", sagte er dann. "Boerne klang total fertig, der ist bestimmt froh, wenn er hier nicht noch vorbeikommen muss sondern direkt heimfahren kann."
Wilhelmine überlegte keine Sekunde. "Ich komme mit. Bei dem Regen draußen lasse ich Sie nicht das Rad benutzen."
Thiel nickte ihr stumm zu, kommentierte ihr untypisches Verhalten aber nicht. Er schien ganz genau zu wissen, dass es ihr nicht um das Wetter ging.
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die Rechtsmedizin.




Ein paar Minuten später stellte sie ihren Wagen neben dem dunklen Audi des Professors ab. Ansonsten war der Parkplatz leer; sie waren die einzigen, die zu dieser Zeit unterwegs waren.

Thiel schüttelte sich den Regen aus dem Haar, während er ihr die Tür aufhielt und hinter ihr die stillen Gänge des Institutes betrat.
Nachdem sie an den dunklen Sektionsräumen vorbeigekommen waren, lief er zielstrebig voran und steuerte auf das Büro des Professors zu. "Boerne? Ich wollte den Bericht holen!", rief er schon von weitem. „Boerne!! Wo sind Sie?"
Aber es kam keine Antwort, die Rechtsmedizin schien komplett verlassen.

"Wo steckt der Mann?" Sie blickte sich irritiert um. Durch die großen Glasfenster sah man im Büro die Schreibtischlampe brennen, der PC war ebenfalls an, aber der Professor saß nicht dort. Ansonsten war alles dunkel, auch im Labor und in der kleinen Küche war kein Licht. „Ich schau mal oben bei den Toiletten nach", brummte Thiel und ging noch einmal den Flur zurück.



Sie nickte bestätigend und betrat dann den Arbeitsraum des Professors. Der Schreibtisch war wie immer recht aufgeräumt, deshalb war ihr schon vom Flur aus eine rote Mappe aufgefallen, die darauf lag.
Die Beschriftung auf dem Rücken zeigte ihr, was sie sich ohnehin schon gedacht hatte; etwas widerwillig nahm sie den Ordner zur Hand und blätterte ihn durch. Sie hielt die nun vervollständigten Autopsieberichte der drei Mordopfer in der Hand, die durch ihre Freundin und deren Lebensgefährten zu Tode gekommen waren; Boerne hatte seinen Bericht tatsächlich schon fertiggestellt.
Eine Weile schaffte sie es, berufliche Distanz zu wahren, aber nachdem sie ein paar der Fotos gesehen hatte, konnte sie es nicht mehr ertragen; sie schüttelte sich unwillkürlich und klappte den Aktenordner energisch zu.

In dem Moment ertönte direkt hinter ihr ein rasselndes Husten.

Sie zuckte so erschreckt zusammen, dass sie fast die Berichtmappe fallen gelassen hätte und fuhr herum. Ungläubig zog sie ihre Stirn in Falten; auf der Couch in der Ecke des Raumes lag Boerne.
Sie hatte ihn im schwachen Licht der Schreibtischleuchte gar nicht gesehen, al sie eingetreten war; er war fast vollständig unter einer Decke verschwunden. Wahrscheinlich hätte sie sein Büro wieder verlassen ohne ihn zu bemerken, wenn er nicht plötzlich von dieser heftigen Hustenattacke geschüttelt worden wäre, die ihn keuchend zurückließ.

„Professor!" Sie legte die Mappe ab und ging mit schnellen Schritten auf das Sofa zu. Boernes Augen waren geschlossen, er war bleich und verschwitzt.
"Professor?" Sie ging neben ihm auf ein Knie und schüttelte ihn leicht am Arm. Im gleichen Moment war sie erschreckt über die Hitze, die er ausströmte; er glühte förmlich.
Boerne rührte sich etwas und sah sie an; seine Augen, die er nur mit Mühe öffnen konnte, glänzten vor Fieber. "Frau Klemm", flüsterte er.
"Meine Güte, was machen Sie hier? Sie sind ja todkrank!" Sie war ehrlich erschreckt. Boerne war erkältet gewesen, seit dieser unglücksselige Fall angefangen hatte. Aber wann war das so schlimm geworden?

Boerne schloss die Augen wieder, als er murmelte: "Ich habe Ihre Berichte fertiggestellt, die müssen doch morgen früh auf Ihrem Tisch liegen." Er klang nur müde, nicht zynisch oder angreifend. Trotzdem fühlte sie sich von dem Kommentar unangenehm berührt; sie musste sie sich eingestehen, dass er Recht hatte - sie akzeptierte tatsächlich keine Verzögerungen, wenn es um einen Fall ging.

Zu ihrem schlechten Gewissen gesellte sich jetzt Sorge um den Kranken, aber auch eine gute Portion Unverständnis. "Das hätten Sie doch morgen noch machen können, das hätte auch gereicht!" Wo hatte der Mann denn seinen Verstand gelassen? Sie gab sich Mühe, nicht vorwurfsvoll zu klingen: "Warum sind Sie nicht nach Hause gefahren? Sie gehören ins Bett!"
Seine leise Stimme klang schmerzhaft heiser, als er ihr ungewohnt aufrichtig antwortete: "Wenn ich einmal drinliege, werde ich drei Tage nicht mehr rauskommen. Und das hätte Ihnen bestimmt nicht gefallen." Ein weiterer Hustenanfall schüttelte ihn und er hielt sich mit einem gequälten Gesichtsausdruck die Seite. Als er wieder Luft bekam, blinzelte er sie erschöpft an und setzte hinzu: "Besonders nicht bei diesem Fall."

Wie er diesen letzten Satz sagte, schnürte ihr die Kehle zu
Sie wusste für einen Moment nichts zu erwidern; dann wurde sie erst einmal einer Antwort enthoben, weil sich auf dem Flur Schritte näherten. Schnell blickte sie auf. "Thiel? Thiel, kommen Sie hierher, ich brauche Ihre Hilfe!"
Die Schritte beschleunigten sich daraufhin und ein paar Sekunden später eilte der Kommissar in das Büro. Bei dem Anblick, der sich ihm bot, verharrte er für eine Sekunde. "Was ist denn hier los?"

Sie zuckte die Schultern. "Ich glaube, er schafft den Weg nach Hause nicht allein."
Thiel trat eilig auf das Sofa zu und hockte sich neben sie. Ein Blick auf den fiebrigen Mann schien ihm zu reichen. "Mensch Boerne, das hat man ja kommen sehen", brummte er. "Sie waren doch eh schon so am Arsch, ich hab‘ Ihnen doch gesagt, Sie sollen mit Ihrer Grippe nicht noch im Eiswasser der Kanalisation baden gehen."

Boerne öffnete mühsam die Augen. „Wollten Sie Alberich da runterschicken?" ächzte er leise. „Die wäre in den Fluten doch untergegangen. Außerdem ist das nur ein grippaler Infekt, keine Grippe."
Wilhelmine lächelte ein wenig, als Thiel sie ansah und eine genervte Grimasse schnitt, dann blickte sie zurück zum Professor, der seine Augen jetzt wieder geschlossen hatte. „Er muss nach Hause ins Bett. Helfen Sie mir, Herr Thiel?"
"Bleibt mir ja wohl nix anderes übrig
", war die trockene Antwort. Der Kommissar wandte sich seinem Kollegen zu. „Na kommen Sie schon, Boerne, schwingen Sie Ihre Gräten mal von der Couch."

Der Professor war wohl zu krank, um großartig Widerstand zu leisten. Er rollte sich auf die Seite, nahm die Beine vom Sofa und setzte sich mühsam auf. Sie wechselte einen Blick mit Thiel, dann beugten sie sich beide wie auf Kommando herunter, griffen unter Boernes Achseln und halfen ihm hoch. Ihr entging nicht, dass er sich dabei nochmals mit einem Ächzen seine Seite hielt.
Thiel schien das auch bemerkt zu haben. „Boerne, haben Sie Ihre Rippen inzwischen von einem Arzt ansehen lassen? Dieser Kartoffelroder hat Sie doch halb geschreddert."
Der Professor schüttelte nur ein wenig den Kopf.
„Ich hab‘ schon verstanden, Sie sind ja selber Arzt!" Thiels Tonfall war der eines Mannes, der sich in sein Schicksal ergeben hat.


Wilhelmine konnte sich eines leichten Lächelns nicht erwehren. Es hatte eine Zeit gegeben, in der sie und Monika ähnlich miteinander umgegangen waren. Aber das war lange her. Naja, sie hatten immer offen gesagt, dass sie Freundinnen waren; die beiden Männer vor ihr hatten darüber noch nie ein Wort verloren und würden das wohl auch niemals tun. Sie versteckten diese Tatsache eher hinter täglichen Rededuellen und gewitzten Zankereien. Das war aber auch der einzige Unterschied.


Erst mit einem Augenblick Verspätung wurde ihr bewusst, dass Thiel sprach. „Ich nehme ihn. Frau Klemm, machen Sie uns die Türen auf?" Mit diesen Worten legte er sich Boernes Arm um die Schulter und führte ihn aus dem Büro.
Sie holte noch schnell die Mappe mit den Autopsieberichten vom Schreibtisch und eilte den beiden nach.




Eine halbe Stunde später hatte sie es mit Thiels Hilfe geschafft, den fiebrigen Rechtsmediziner in sein Bett zu verfrachten. Der Mann hatte sich erstaunlich wenig gewehrt und fast keinen Ton gesagt, allein das zeigte schon, dass es ihm wirklich nicht besonders gut ging. Er war innerhalb von fünf Minuten eingeschlafen.

Thiel entschied sich daraufhin, ins Präsidium zurückzukehren; Nadeshda saß dort noch über den Unterlagen und er wollte sie nicht mit der ganzen Arbeit allein lassen.
Als er ihr die Autopsieberichte für den Haftrichter abnahm, fixierte er sie mit seinen leuchtend blauen Augen. "Sie kommen klar?"
Sie wusste genau, dass er sich damit nicht auf den kranken Professor bezog - und sie wußte plötzlich auch, sie würde klarkommen; irgendwie. Die Zeit würde es bringen; und das Wissen, dass da Menschen um sie waren, auf die sie sich verlassen konnte. Die sich, anders als ihre frühere beste Freundin, nicht gegen sie wenden würden.
Die Antwort fiel ihr leicht und sie war auch nicht gelogen: "Ja, ich komme klar."
Damit schien er sich zufrieden zu geben, nickte ihr noch einmal zu und verließ Boernes Wohnung.



Wilhelmine ging noch kurz zurück in Boernes Zimmer, stellte dem Kranken etwas zu Trinken ans Bett und legte das Telefon daneben.
Gerade als sie den Raum verlassen wollte, hielt Boernes heisere Stimme sie zurück. "Sie sehen schrecklich aus. Fahren Sie endlich nach Hause und ruhen Sie sich aus", murmelte er leise.

Sie wandte sich noch einmal um und lächelte ihn an. "Ja, das werde ich. Schlafen Sie gut, Professor."
Er ließ seine Augen erschöpft wieder zufallen, und sie durchquerte seine Wohnung, schloss die Tür hinter sich und ging zu ihrem Auto. Sie war wirklich müde; etwas zu schlafen, klang sehr verlockend.

Und diesmal war sie sicher, dass sie tatsächlich Ruhe finden würde. 

Comments

( 13 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
18. Aug 2012 20:50 (UTC)
Ganz allgemein ist es toll, mal was mit einer anderen Münsteraner Figur als Hauptperson zu lesen. Hat mir großen Spaß gemacht.

Ich finde es auch nicht unstimmig. Frau Klemm ist wirklich nicht einfach zu fassen, aber bei Dir erkenne ich sie gut wieder. Sentimentalität ist nicht ihr Ding, aber daß das mit ihrer Freundin sie mitgenommen hat, war ja auch in der Episode unverkennbar. Ebenso wie die Tatsache, daß die beiden sich einmal sehr nahe gestanden haben. Das merkt man vor allem in der Szene, als sie sich auf der Straße begegnen.

Mir gefällt die Beziehung Thiel & Klemm hier gut. Also, daß er sich wohl denken kann, was in ihr vorgeht, das aber nicht anspricht. Ein solches Gespräch könnte ich mir bei den beiden nämlich nicht vorstellen :) Aber diese wortlose ... Unterstützung? ... schon. Und ihr Blick auf die Thiel & Boerne Beziehung ist auch passend :)

Sehr lustig finde ich übrigens, daß Boerne bei Dir krank wird. Ich glaube ja, daß JJL bei den Dreharbeiten zu Mörderspiele erkältet war. Und weil die Szenen nicht hintereinanderweg gedreht werden, ist Boerne immer mal verschnupft und dann wieder nicht :) Mein Mann meint, er merkt davon nix - aber mir fällt das total auf. Da freue ich mich doch, daß Dir das wohl auch aufgefallen ist und ich nicht alleine bin :)

Ein oder zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen, aber die kann ich auch anmerken, wenn Du mit den Umarbeitungen fertig bist. ;)
baggeli
18. Aug 2012 21:25 (UTC)
Ja, JJL war ja nun wohl voll verschnieft, das kann keiner wegdiskutieren, oder? Also musste Boerne sozusagen seinen Kopf mal wieder hinhalten... bzw seine Rotznase. ;o)
Mir ist gerade beim Fahrradfahren (ja, ich bin jetzt erst los, tagsüber war es zu HEISS) noch eine Sache eingefallen, die ich etwas deutlicher herausarbeiten will. Aber naja, sind nur Kleinigkeiten.

Ich denke, insgesamt lasse ich es so. Ist halt meine Sicht auf die Dinge, so ganz viel werde ich da nicht mehr abändern.
cricri_72
18. Aug 2012 21:04 (UTC)
Mir fallen noch ein paar Seiten zu Frau Klemm ein (auch wenn die unbedingt in diesen Text passen).

Sie hat Humor, der sich manchmal auch sehr politisch unkorrekt Bahn bricht (z.B. bei "Der Frauenflüsterer", als sie sich vor Lachen kaum wieer eikriegt, als sie von dem kastrierten Hengst hört).

Ich denke, sie kann besser mit Männern als mit Frauen. Sie hat kein Problem damit, mit Männern nach deren Spielregeln zu spielen (und zu gewinnen). Deshalb paßt für mich das Verhältnis Thiel und Klemm in Deinem Text auch sehr gut.

Sie klüngelt vielleicht gerne und nutzt ihre Beziehungen, aber sie läßt sich nicht benutzen (Herrenabend).
baggeli
18. Aug 2012 21:32 (UTC)
Ja, das stimmt, da hast du noch ein paar wichtige Dinge aufgezählt. Das mit dem Hengst war wirklich spaßig, ihr Lachkrampf hat mir auch gut gefallen!

Herrenabend mag ich insgesamt nicht; die Folge habe ich bisher nur einmal gesehen und dann nicht wieder angeschaut. Aber benutzen oder erpressen läßt sie sich nicht, das stimmt. Die Szene in dem Moment erinnerte mich ein wenig an Satisfatktion, wo dieser Stielecke (stimmt das?) Boerne erpressen will und er das auch ganz cool nicht hat mit sich machen lassen, eventuellen Konsequenzen zum Trotz. Fand ich damals super.

Außerdem hat sie kein Problem damit, sich über Regeln hinwegzusetzen - das ständige Rauchen überall (inklusive Flucht von Hinkebein) ist das beste Beispiel. Aber auch, als sie für Thiel eine Exhumierung durchboxt, nur weil sie ihm einen Gefallen schuldet ('Sag nichts')

Edited at 2012-08-18 23:32 (UTC)
baggeli
19. Aug 2012 10:25 (UTC)
So, ich hab mich jetzt zuende ausgetobt und nehme gerne Kritik an. Vielleicht wird auf die Art aus dem Text ja noch was...
readonly56
19. Aug 2012 10:58 (UTC)
Auch ich finde die Idee einer Klemm-zentrischen (:D ) Story sehr reizvoll. Ihre Gedanken und Empfindungen sind nachvollziehbar. Was auffällt: trotz allem bleibe ich Wilhelmine gegenüber merkwürdig kalt, während ich sofort bereit bin, mit Boerne mitzuleiden. Das kann Absicht von dir sein, schließlich ist die Klemm auch im Tatort keine Figur, die einem wirklich nahe steht. Wenn aber deine Absicht war, uns den Charakter näherzubringen, hätte ich zwei Vorschläge:
- Ersetze "Frau Klemm" im Text durch "Wilhelmine".
- Versuche, uns ihre Gefühle noch mehr durch ihre eigenen Gedanken als durch reine Beschreibungen zu vermitteln (in etwa das Prinzip 'show, don't tell'). Bewährt hat sich, Gedankengänge im Präsens kursiv zu schreiben; Nicht 'Wann hatte ihre Freundin sich so verändert? Und warum hatte sie selbst das nicht bemerkt?', sondern Wann hat Monika sich so verändert? Und warum habe ich das nie bemerkt?

Edited at 2012-08-19 11:00 (UTC)
baggeli
19. Aug 2012 11:12 (UTC)
Hehe, das ist genau das Problem; sie steht mir selber nicht so nah, deshalb geht mir das Wilhelmine nicht über die Lippen (bzw. Tastatur). Ich habe mich hauptsächlich auf "sie" geeinigt, weil ich damit Vorname, Nachname und Titel umschifft habe. Immer ging das aber irgendwie nicht - nach meinem Empfinden.


Direkte Gedankengänge im 'ich' (ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll) habe ich noch nie verwendet. Ich schreibe da immer drumherum, keine Ahnung... damit tu ich mich immer schwer, ich finde immer, das passt nicht in meinen Textfluss.

Ich weiß trotzdem nicht, ob eine Frau wie sie generell in solche Richtungen denken würde, wie ich sie hier angedeutet habe. Deshalb interessiert es mich, wie ihr das seht. Vielleicht wäre da ja auch viel mehr Wut im Spiel oder so... keine Ahnung.

Edited at 2012-08-19 11:13 (UTC)
readonly56
19. Aug 2012 11:26 (UTC)
Eine Frau wie sie? Wir wissen nicht, was für eine Frau Wilhelmine Klemm ist. Sie ist im Tatort klar definiert als festes Ensemblemitglied mit bestimmten Funktionen, sehr oft Stichwortgeberin für die anderen, auch Hemmschuh, der die Dinge für die gebeutelten Ermittler noch komplizierter macht, und mit den bekannten Comedy-Attributen. Ihre trockene Art tut ein Übriges. Selbst die Geschichte mit Herbert bringt uns die Figur Klemm nicht näher. - Wir müssen also selbst definieren, was für eine Frau sie ist.
baggeli
19. Aug 2012 11:56 (UTC)
Das was du da schreibst, gilt ja im Prinzip für jede einzelne Figur des Tatorts, wir wissen auch nicht, was Thiel für Mann ist oder Nadeshda für eine Frau. Klar definieren wir das ein Stück weit selbst.
Das habe ich in diesem Fall mal bei Frau Klemm versucht; ein wenig auf sie zu schauen, auch ein wenig auf ihre Sicht der Dinge in Bezug auf ihre Kollegen. Kann gut sein, dass das voll in die Hose gegangen ist. Naja, war ja nur ein Zeitvertreib bei der Hitze mit kreischenden Kindern im Planschbecken... :D
readonly56
19. Aug 2012 12:18 (UTC)
Ich seh's nicht ganz so. Für mich ist da schon ein Unterschied zwischen mehr 'funktionalen' Figuren wie Klemm oder Herbert und Charakteren wie Thiel, Boerne, etwas weniger ausgearbeitet Alberich und Nadeshda.
Ich finde deine Geschichte gut, und dein Ziel hast du auch erreicht. Es ist ein eher nachdenklicher Text über echte und falsche Freunde, über den Wert von Verläßlichkeit, über Veränderungen in Beziehungen und Missverständnisse... man kann eine ganze Menge herauslesen.
baggeli
19. Aug 2012 12:40 (UTC)
Ja, natürlich ist da ein Unterschied zwischen den (ich sag' jetzt einfach mal) Nebenrollen und den Hauptrollen. Das habe ich auch ganz oben in der A.N. geschrieben, das sehe ich genau wie du.
Das Die Staatsanwältin recht eingeschränkt eingesetzt wird, war bestimmt ein Grund, warum sie mir schwerer gefallen ist; vielleicht auch aufgrund ihrer ganzen Art und Weise (dies frech-forsch-kratzbürstige ist nicht gerade meine Art) und vielleicht auch ein Stück weit bedingt durch ihr Alter und ihre Lebenserfahrung.
Ich habe immer das Gefühl, ich kann mich gut in Alberichs fröhlichen und bodenständigen Charakter versetzen. Nadeshda ist vom Alter her meine Liga, die fällt mir von daher auch leichter (wobei auch bei ihr wenig 'greifbares' zu finden ist in den Episoden. Finde ich zumindest).

Wie gesagt, nur ein Schuß ins Blaue - im wahrsten Sinne des Wortes, bei dem superblauen Himmel, den wir zur Zeit haben. :D
baggeli
21. Aug 2012 19:22 (UTC)
Hi Gabi!
Cricri war deiner Meinung, was "Wilhelmine" angeht und ich bin jetzt über meinen Schatten gesprungen und habe es ersetzt. Zu Anfang ging es mir etwas schwer von der Hand, aber jetzt hab' ich mich dran gewöhnt. :D

Danke dir noch mal für den guten Hinweis, auch wenn es noch einen zweiten Tritt in den Hintern brauchte, ihn auch umzusetzen. *rumms* *flieg-vom-Stuhl* ;o)
readonly56
21. Aug 2012 19:54 (UTC)
Na denn :)
( 13 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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