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Beta: josl, jolli
Genre: ein Hauch von Humor, Romanze, h/c, Angst, Drama
Pairing: Boerne/Alberich
Wortanzahl: ~35.000
Warnungen: ooc, cd. Loser Bezug zur Episode Eine Leiche zuviel, es ist von Vorteil, die Folge zu kennen!
Rating: Ab 12
Bingo-Prompt: in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Zusammenfassung: Gedankenverloren sah sie ihm nach, als er den Raum verließ. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung irgendwie verändert... doch sie konnte nicht einmal genau sagen, wie, warum und vor allem, in welche Richtung.
Wenige Stunden später allerdings war das ihre geringste Sorge.



Als Nowak zum wiederholten Mal an diesem Tag besorgt die Decke vom Bein seines Kollegen hob und dann hektisch aufblickte, wusste Silke schon, was kommen würde.
"Er blutet wieder!“

Sogleich kam sie auf die Füße, aber wie sie schon erwartet hatte, reichte Nowak das nicht. „Sie auch, Boerne!“, bellte er. „Na los, pennen Sie nicht rum!“


Boerne, der bei Nowaks aufgebrachtem Ausruf zusammengefahren war, rappelte sich mühsam auf. Er schüttelte jedoch kaum merklich den Kopf, als Silke Anstalten machte ihn zu stützen, sondern straffte sich vorsichtig und schritt dann auf den Verletzten zu.
Sie folgte ihm und behielt ihn argwöhnisch im Auge, seine immer noch recht blasse Gesichtsfarbe gefiel ihr nicht; aber er bewältigte den Weg zum Seziertisch tatsächlich ohne Hilfe. Die Pause hatte seinem Kopf eindeutig gut getan, er wirkte nicht mehr so wackelig.


Eilig griff Silke nun eine Schere und durchschnitt den blutdurchtränkten Verband, den sie keine zwanzig Minuten zuvor so gewissenhaft angelegt hatte. Boerne hatte sich indessen, zum Glück ohne explizite Aufforderung, Handschuhe angezogen. Es schien ihm klar zu sein, dass jede Verweigerung der Zusammenarbeit im Moment nur negative Folgen nach sich ziehen konnte.


Kaum hatte Silke die Wunde freigelegt, schob er mit seiner typischen Bewegung die Brille hoch und nahm die Verletzung ganz genau in Augenschein.
Nach kurzer Zeit schon richtete er sich wieder auf, griff wortlos die Kompressen, die sie ihm hinhielt und presste sie auf die Wunde, während sie sie mit einer neuen Binde festwickelte, um den Blutverlust weiterhin so gering wie möglich zu halten. Dabei wandte er sich Nowak zu und bestätigte exakt das, was Silke ebenfalls schon festgestellt hatte.
„Die vordere Schienbeinarterie ist verletzt. Das muss von einem Gefäßchirurgen versorgt werden.“
So genau wie sie gewusst hatte, dass er ihre Diagnose bekräftigen würde, so genau wusste sie außerdem, dass Nowak das nicht gefallen würde.


Der ehemalige Kommissar schloss für einen Moment die Augen; als er sie schließlich wieder öffnete, starrte er ihren Vorgesetzten grimmig an. „Boerne, lügen Sie mich jetzt bloß nicht an. Ist eine Operation wirklich unumgänglich?“
Boerne antwortete mit einer Gegenfrage: „Die Blutung ist unverändert stark, seit er getroffen wurde?“ Als Nowak nur kurz nickte, fragte ihr Vorgesetzter weiter: „Und sie pulsiert, ist Ihnen das aufgefallen?“
Wiederum blieb dem ehemaligen Kommissar nichts anderes übrig, als das zu bestätigen.
Daraufhin zuckte Boerne nur kurz mit den Schultern. „Sie können doch eins und eins zusammenzählen, oder?“ Er wies mit der Hand auf die besudelten Kompressen, als er abschließend feststellte: „Sie können froh sein, dass das verletzte Gefäß das schwächere des Unterschenkels ist und sich durch den Verband noch einigermaßen komprimieren ließ, sonst wäre er Ihnen längst verblutet.“ Er zog seine Handschuhe aus und warf sie auf den Tisch. „Die Arterie muss genäht werden, da führt kein Weg dran vorbei.“


Nun holte Nowak tief Luft und fixierte seinen bleichen, wie betäubt daliegenden Kollegen mit einem langen Blick. Er hatte Boernes Argumenten eindeutig nichts mehr entgegenzusetzen und als er kurz darauf wieder aufblickte, hatte er seinen Entschluss gefasst, das sah Silke ihm an.
Sie werden die Operation durchführen. Jetzt.“

Voller Sorge presste sie die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen; schon in dem Moment, in dem ihr Chef in der Rechtsmedizin aufgetaucht war, war ihr klar gewesen, dass es letztendlich zu dieser Forderung kommen musste. Nowak kannte Boernes berufliche Laufbahn und wusste, dass ihm nun ein ausgebildeter Chirurg zur Verfügung stand.
Silke selber hegte auch keinerlei Zweifel daran, dass er dieser Aufgabe gewachsen war; aber natürlich nicht unter diesen Bedingungen, in dieser Umgebung.
Nur würden Nowak solche Nebensächlichkeiten nicht interessieren.



Boerne begann, energisch den Kopf zu schütteln, unterbrach diese Bewegung aber gleich wieder und beschränkte sich auf ein aufgebrachtes: „Niemals! Das ist unter keinen Umständen zu verantworten!“ Silke machte unwillkürlich einen Schritt auf ihn zu, als er sich dabei für einen Moment am Seziertisch festhalten musste; die unbedachte Kopfbewegung hatte ihm eindeutig nicht gutgetan. Man merkte ihm die Folgen des Schlages jetzt gerade mehr als deutlich an, trotzdem hatte eine außerordentliche Vehemenz in seinen Worten gelegen. Und sie war Nowak nicht entgangen, sein Gesicht verfinsterte sich schlagartig, bevor er nun bedrohlich leise knurrte: „Wie Sie schon am eigenen Leib erfahren mussten, sind wir zu allem bereit. Also provozieren Sie mich nicht und tun Sie, was ich Ihnen sage!“


Der junge Mann vor ihr auf dem Tisch stöhnte ganz leise und sie legte wie beschwichtigend eine Hand auf seine Schulter, während Boerne, gänzlich unbeeindruckt von der Drohung seines Gegenübers, wieder das Wort ergriff: „Herrgott, schalten Sie jetzt endlich das bisschen Gehirn ein, das Sie besitzen! Einen solchen Defekt zu versorgen, ist ein mikrochirurgischer Eingriff, der ist hier nicht durchführbar, das müssten doch sogar Sie kapieren!“

Silke hielt erschrocken die Luft an; nicht einmal in einer Situation wie dieser schaffte es Boerne, sein loses Mundwerk unter Kontrolle zu halten. Wären ihre Knie nicht plötzlich so weich geworden, sie hätte ihn am liebsten getreten.
Doch der ehemalige Kommissar blieb zum Glück ganz ruhig. Er ersparte sich jegliche Erwiderung, drehte sich stattdessen um und rief seinen Komplizen vor der Tür. „Uwe, komm her! Da oben ist inzwischen Feierabend, uns wird niemand mehr stören.“


Ein wenig erleichtert ließ sie den Atem entweichen. Sie hatte für einen Moment Sorge gehabt, der eindeutig extrem angespannte Nowak könnte sich ebenfalls zu Tätlichkeiten hinreißen lassen, aber er hatte sich wesentlich besser unter Kontrolle, als sein reizbarer Begleiter.
Genau der schien ihn allerdings nicht gehört zu haben, und nach wenigen Sekunden brüllte Nowak nun doppelt so laut: „Verflucht Kern, sitzt du auf deinen Ohren? Schwing deinen Hintern hier rein und hilf mir!“
Diesmal war er wohl bis in den Flur durchgedrungen. Die Schiebetür öffnete sich und der narbige Mann trat zurück in den Sektionsraum.

Mit einem Blick nahm er die Situation auf. „Scheiße.“ Eilig kam er zu ihnen und musterte die blutigen Verbandsreste, die noch neben Silke auf dem Tisch lagen. Dann blickte er Nowak an. „Was hast du vor?“
Nowaks Antwort war ruhig. „Professor Boerne wird operieren, Silke wird ihm dabei helfen.“


Silke schluckte trocken, während Boerne neben ihr sich versteifte und sogleich wieder loslegte. „Nun kommen Sie endlich zu Verstand! Das ist eine Rechtsmedizin, kein OP! Die Bedingungen hier sind absolut mangelhaft!“ Er klang immer noch respektlos und angreifend und auch die Hand, die sie zur Warnung auf seinen Arm legte, ließ ihn nicht verstummen. „Wir haben keine suffizienten Narkosemittel hier, keine Schmerzmittel, von den nötigen Instrumenten und Überwachungsgeräten ganz zu schweigen! Verstehen Sie mich?
Natürlich hatte Boerne Recht, doch es war wahrscheinlich sein Glück, dass Nowak wiederum keinerlei Interesse an seinem Ausbruch zeigte; auch wenn Boerne das vermutlich anders sah.
Der ehemalige Kommissar wandte sich lediglich Kern zu: „Silke wird alle Materialien zusammentragen. Du hältst sie im Auge.“


Der Professor verschränkte die Arme, wurde ganz leise. „Sie können mich nicht dazu zwingen.“
„Ich kann.“
Boerne funkelte ihn an. „Die Verantwortung übernehme ich nicht.“
Nowak lachte nur bellend auf. "Meine Güte Boerne, wann hören Sie endlich auf zu labern? Es muss Ihnen doch klar sein, dass das nichts nutzt.“
Er machte eine knappe Kopfbewegung in ihre Richtung und seine Stimme wurde mit einem Male bedrohlich kalt. „Tun Sie endlich, was ich Ihnen sage, oder sie wird den Preis dafür bezahlen.“
Silke wurde ganz übel; richtiggehend geschockt zuckte sie zusammen, als sein Kollege unmittelbar darauf einen Arm um ihren Hals legte, sie an sich zerrte und neben ihrem Ohr knurrte: „Oh, das gefällt mir. Da fällt mir doch gleich einiges ein.“ Sein Tonfall und sein heißer Atem in ihrem Nacken ließen keinen Zweifel daran, worauf er abzielte.


Silke begann unkontrolliert zu zittern und als sie ihren panischen Blick auf Boerne richtete, sah sie, dass inzwischen das letzte bisschen Farbe aus seinem Gesicht gewichen war.
Doch Nowaks schneidendes: „Sowas gibt’s bei mir nicht und das weißt du ganz genau“, ließ sie ein wenig aufatmen; zumindest, bis er hinzufügte: „Es geht auch anders.“ Er nahm ihre Hand in seine große und die Haare an ihren Armen stellten sich auf, als er mit seinen rauen Fingerspitzen über ihren Handrücken fuhr. Gedankenverloren, ganz wie nebenbei bemerkte er: „Wenn ich hier eine Kugel durchjage, kann sie ihren Job an den Nagel hängen. Und ich glaube, dann würde für unseren guten Professor eine Welt zusammenbrechen.“ Er wandte seinen Blick nun Boerne zu und fragte lauernd: „Habe ich recht?“

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Boerne sein Gegenüber an; und zum ersten Mal seit sie ihn kannte, sah Silke so etwas wie Angst darin schimmern.
Schließlich entrang sich ihm ein heiseres Krächzen: „Nowak, das ist nicht Ihr Ernst. Lassen Sie sie da raus.“
„Es ist mein voller Ernst. Ich bin kein Mörder, aber wenn Sie jetzt nicht auf der Stelle meinen Forderungen nachkommen, schwöre ich Ihnen, ich werde Silkes Leben zur Hölle machen. Also?"
Er entsicherte seine Waffe und das war deutlich genug.


Als Boerne nach einigen, unendlich lang scheinenden Sekunden schließlich langsam nickte,  verschwamm für einen Moment die Welt vor ihren Augen. Silke wusste nicht, was gerade stärker wog: die Dankbarkeit, dass er ihretwegen auf die Forderung der Kerle eingegangen war, oder die Heidenangst davor, was mit ihnen geschehen würde, falls die Operation nicht lief wie geplant.
Denn die Gefahr war groß. So groß, dass sie sich nicht traute, genauer darüber nachzudenken.


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