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Beta: josl, jolli
Genre: ein Hauch von Humor, Romanze, h/c, Angst, Drama
Pairing: Boerne/Alberich
Wortanzahl: ~35.000
Warnungen: ooc, cd. Loser Bezug zur Episode Eine Leiche zuviel, es ist von Vorteil, die Folge zu kennen!
Rating: Ab 12
Bingo-Prompt: in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Zusammenfassung: Gedankenverloren sah sie ihm nach, als er den Raum verließ. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung irgendwie verändert... doch sie konnte nicht einmal genau sagen, wie, warum und vor allem, in welche Richtung.
Wenige Stunden später allerdings war das ihre geringste Sorge.



Boerne hatte sie wortlos an sich gezogen, in dem Moment, in dem Kern und Nowak von ihr abgelassen hatten; Silke hatte sich für ein paar Sekunden verzweifelt an ihm festgekrallt, bis sie sich schließlich mit aller Kraft zusammenriss und sich von ihm löste. Sie konnte es sich jetzt nicht leisten, sich von ihrer Angst lähmen zu lassen.
Als sie sich wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte und es sogar schaffte, ihm ein halbherziges Lächeln zuzuwerfen, drückte er noch einmal ermutigend ihre Hände, bevor er sich abwandte und begann, ein leises Gespräch mit dem Verletzten zu führen.


Silke übernahm dagegen die Operationsvorbereitungen, so wie Nowak es gefordert hatte.
So schnell ihre zitternden Beine es zuließen, trug sie Instrumente, Infusionen und Verbandszeug zusammen. Aber bei jedem einzelnen Griff in die verschiedenen Schränke und Regale wurde der Kloß in ihrem Hals ein Stück dicker. Fast keine der eigentlich benötigten Materialen waren in der Rechtsmedizin vorhanden.
Es gab nur ein altes Blutdruckmessgerät, um den Kreislauf des jungen Mannes einigermaßen im Auge zu behalten, keine sterilen Tücher zum Abdecken des Tisches und des OP-Gebiets; Händedesinfektionsmittel zum desinfizieren des Beines und der offenen Wunde verdiente nicht einmal den Namen Notlösung, und Nadel und Faden, die in ihrer Stärke dafür gemacht waren, den aufgebrochenen Brustkorb eines Obduktionspatienten wieder zu verschließen, waren wohl das Letzte, was ein Gefäßchirurg wählen würde, um eine dünne Arterienwand zu nähen.
Aber das war alles, was sie hatte.

Als sie schließlich schwer beladen wieder am Sektionstisch ankam, wandte Boerne, der über ein Blatt Papier gebeugt stand, sich für einen Moment zu ihr um und sie sah an seinem farblosen, grimmigen Gesicht, dass er sich der ganzen Probleme ebenso bewusst war, wie sie.


Nur mit Mühe gelang es ihr, alle Sorgen beiseite zu schieben und sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren.
Als sie dem Verletzten gerade eine neue Infusion anhängte, hielt Boerne ihr plötzlich den Zettel hin, auf dem er offensichtlich allerhand Berechnungen angestellt hatte. Stirnrunzelnd besah sie sich die Notizen, bis ihr klar wurde, was sie da in der Hand hielt. Ein erleichtertes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, das Boerne kurz erwiderte, als sie zu ihm aufblickte.
Ihr wäre wohl nie wieder eingefallen, dass noch ein paar Ampullen Propofol im Laborschrank lagerten, aber im Gegensatz zu ihr hatte Boerne sich glücklicherweise daran erinnert. Er hatte dieses kurzwirksame Narkotikum einige Monate zuvor in der Apotheke bestellt, und durch verschiedenste Experimente nachzuweisen versucht, dass eine junge Frau auf eine ziemlich komplizierte Art und Weise damit umgebracht worden war. Zum Glück hatte er damals nicht die ganze Packung verbraucht.

Das bedeutete, sie hatten zumindest die Möglichkeit, den Verletzten einigermaßen zu betäuben. Silke war darüber unglaublich erleichtert. Eine ihrer größten Sorgen war gewesen, wie sie den Mann während des Eingriffs ruhig halten sollten; sie hatte tatsächlich darauf gehofft, dass er innerhalb kürzester Zeit vor Schmerzen das Bewusstsein verlieren würde.
Zum Glück war dieses Problem jetzt gelöst.



Schließlich waren alle Vorbereitungen getroffen, so gut es eben ging und Boerne begann mit der Operation.
Nowak war nach seiner energischen Aufforderung höchst widerwillig vom Tisch zurückgetreten und tigerte nun rastlos am anderen Ende des Raumes hin und her, Kern lehnte ein paar Meter entfernt am Schrank und wandte seinen stechenden Blick nicht eine Sekunde vom Professor ab. Zum Glück ließ der sich dadurch nicht beirren, er war nun ganz auf seine Aufgabe konzentriert.
Wie er es ihr aufgetragen hatte, behielt Silke indessen die Atmung und den Kreislauf des Verletzten im Auge. Außerdem achtete sie penibel darauf, die von Boerne berechnete Dosis des Narkosemittels in den erforderlichen Abständen nachzuspritzen, damit er nicht zu wach wurde und begann, sich zu bewegen.

Zügig eröffnete Boerne das Einschussloch so weit, dass er die Blutungsquelle ausmachen und die Schlagader abklemmen konnte. Nun beugte er sich mit gerunzelter Stirn über das Bein des jungen Mannes, starrte angestrengt durch die große Leuchtlupe, die sie eigentlich benutzten, um die Kleidung ihrer ermordeten Obduktionspatienten nach Spuren zu untersuchen und nähte das Gefäß mit akribischen, bedachtsamen Bewegungen.


Nach einer Zeitspanne, die Silke wie eine Ewigkeit vorgekommen war, schien er diese Arbeit abgeschlossen zu haben. Er entfernte den Overholt, der als Arterienklemme hatte fungieren müssen und wandte seine Augen nicht von der Wunde ab. Erst eine ganze Weile später verkündete er leise: „Alles ist trocken.“
Erleichtert atmete Silke auf; die Blutung war gestillt.
Boerne machte sich nun daran, den Schnitt Schicht für Schicht wieder zu verschließen. Und endlich richtete er sich mit einem Seufzen auf und warf Nadelhalter und Faden auf das Tablett vor sich.

Silke konnte nicht anders, als ihn anzustrahlen, doch Boerne lächelte nicht zurück. "Sie fühlen sich nicht zufällig inspiriert, mir beim Verbinden zu helfen?", murmelte er stattdessen, und jetzt, wo er ihr das Gesicht zuwandte, fiel ihr mit Schrecken auf, dass er mittlerweile wieder sehr blass geworden war und einen dünnen Schweißfilm auf der Stirn stehen hatte.
Sogleich umrundete sie den Tisch und trat an seine Seite. „Ich mach‘ das schon, Chef“, sagte sie dabei bestimmt.
Mit einem dankbaren Nicken ließ er sich das Verbandsmaterial aus der Hand nehmen, machte ein paar Schritte zur Seite und zog sich die improvisierte OP-Kleidung aus. Mit wachsender Besorgnis registrierte sie, dass er dabei kurz an die Wand taumelte. Er war nicht sicher auf den Beinen.


Nowak bemerkte nichts davon, er war inzwischen herbeigeeilt, hatte sich besorgt neben seinen Komplizen gekauert und ließ ihn keinen Moment aus den Augen.
Kern dagegen war Boernes Unsicherheit nicht entgangen; immer noch stand er mit verschränkten Armen an das Sideboard gelehnt und beobachtete ihn, das Gesicht zu einer höhnischen Fratze verzogen. Als er ihren Blick auffing, wurde sein spöttisches Grinsen noch breiter. Dann stieß er sich vom Schrank ab und schlenderte ebenfalls zum Sektionstisch.



Während Silke sich nun auf ihre Aufgabe besann und endlich das Bein verband, begann der junge Mann bereits, sich ein wenig zu regen. Die Narkose ließ schon nach, er würde bald unruhig werden, es war davon auszugehen, dass er starke Schmerzen spüren würde, sobald er wieder zu sich kam.
Aber nicht nur die Schmerzen würden ein Problem darstellen und Boerne sprach laut aus, was sie  sich selbst auch schon gedacht hatte.

„Die Wunde wird sich innerhalb kürzester Zeit infizieren, wenn wir ihn nicht antibiotisch behandeln.“
Nowak blickte stirnrunzelnd zu ihnen auf, während sein Komplize sogleich mürrisch forderte: „Dann besorgen Sie gefälligst was. Dieser Riesenkasten wird doch 'ne Apotheke haben?“
Der Professor verdrehte nur kommentarlos die Augen. Kern, dem das nicht entgangen war, öffnete bereits zornig den Mund, doch Silke war schneller. „Die Klinikapotheke scheidet aus. Normalerweise brauchen wir hier unten keine Medikamente, deshalb können wir nur auf Sonderrezept bestellen. Und die werden vom Apothekenleiter auf Notwendigkeit geprüft, das dauert zwei Tage", erklärte sie, bevor er laut werden konnte.
"Verdammt, lassen Sie sich was einfallen!" Nowak klang wieder mehr besorgt als aufgebracht.


Fieberhaft grübelte sie, wie sie an die für den Verletzten lebensnotwendigen Medikamente kommen konnten und schließlich blickte sie auf. "Wir müssen uns irgendwo eine Packung leihen."
Boerne schob seine Brille hoch und rieb sich das abgespannte Gesicht, brummte dabei eindeutig frustriert: "Herrgott Alberich, wie stellen Sie sich das vor? Sollen wir auf die Chirurgie marschieren und brav darum bitten?" Er ließ seinen Blick einmal an ihrer Statur auf und ab schweifen und sie wusste genau, worauf er sich bezog, als er fortfuhr: "Sie sind hier überall bekannt wie ein sehr kleiner, bunter Hund und bei mir sieht es nicht viel anders aus. Jeder weiß, dass unsere Patienten kein Antibiotikum mehr brauchen, da werden gleich neugierige Fragen kommen."

"Ach Chef, natürlich müssen wir uns irgendwas ausdenken!" Energisch strich sie sich eine Haarsträhne hinter das Ohr. Sie brauchten einen Plan. Sie wollte sich nicht ausmalen, was Nowak und Kern mit ihnen machen würden, wenn der Zustand des jungen Mannes sich im Laufe der Nacht verschlechtern sollte.
Schließlich machte sie den einzigen Vorschlag, der ihr auf die Schnelle eingefallen war: „Wir können nicht auf eine x-beliebige Station gehen, wir müssen zu Ihrem Freund Jaschke auf die Intensiv. Die haben auf jeden Fall, was wir brauchen. Ich werde denen sagen, dass Sie sich eine Angina eingefangen haben, aber morgen früh unter allen Umständen nach London fliegen wollen. Sie werden uns was geben, unter der Hand, ohne Rezept. Vielleicht kann ich dem Spätdienst sogar noch ein Schmerzmittel abschwatzen!"


Boerne verzog wie gequält das Gesicht und ließ sich gegen die Wand sinken, als er skeptisch murmelte: "Kann sein, dass es klappt. Aber wenn Sie auf Michael stoßen, kommen Sie in Teufels Küche. Ich habe vorhin noch mit ihm telefoniert und er weiß, dass ich nicht krank bin. Wenn er misstrauisch wird, bringen Sie uns in größte Schwierigkeiten." Dabei warf er einen bezeichnenden Blick auf die beiden Bewaffneten, die ihrem Gespräch stirnrunzelnd folgten.
Frustriert warf Silke die Arme hoch. "Meine Güte, haben Sie eine bessere Idee? Soll ich bei meinem Hausarzt ein Rezept besorgen und dann zum Apothekennotdienst fahren?" Etwas ruhiger fügte sie hinzu: „Ich werde ihn schon nicht treffen. Es ist gleich acht, er ist inzwischen bestimmt zu Hause.“
Daraufhin seufzte Boerne nur tief und es war Nowak, der das Wort ergriff: "Wir machen, was Silke gesagt hat. Und zwar sofort."
Sein Tonfall war eindringlich, als er Boerne fixierte. "Sie sind für Sebastian verantwortlich. Sie wissen, wer es ausbaden muss, wenn Sie Mist bauen." Dann drehte er sich zu seinem Komplizen um. "Uwe, du hast hier das Kommando, ich gehe mit auf die Intensivstation und sorge dafür, dass Silke sich nicht zu Dummheiten hinreißen lässt." Damit wandte er sich ihr zu und knurrte nur: "Los jetzt."
"Moment noch. Ziehen Sie sich einen Kittel vom Chef über, dann sind Sie etwas weniger auffällig." Sie hob das Kinn und wies damit in Richtung von Boernes Büro. "Im Schrank, links."


Ohne Kommentar betrat Nowak das Büro und steuerte den entsprechenden Schrank an und sogleich wandte Silke sich Boerne zu.
"Großer Gott Chef, reißen sie sich bloß zusammen, während ich weg bin!", flüsterte sie drängend. Der Gedanke, den arroganten, impulsiven Professor mit dem aufbrausenden Kern allein zu lassen, bereitete ihr beinahe körperliche Schmerzen.
Doch Boerne sah sie nur aufgebracht an, als er ebenso leise antwortete: "Machen Sie sich doch keine unnötigen Sorgen um mich, seien Sie lieber froh, dass Nowak mit Ihnen geht und nicht der da!“ Damit wies er in einer knappen Geste auf den narbigen Mann, der neben seinem schlafenden Kollegen am Seziertisch lehnte und sich eine Zigarette drehte. „Der würde doch schon über Sie herfallen, kaum dass Sie aus der Tür sind!"
Da war ein Unterton in seiner Stimme, wie sie ihn noch nie von ihm gehört hatte; aber sie ging nicht darauf ein, sondern griff seine Hand. "Versprechen Sie mir, dass Sie ihn nicht provozieren. Bitte."
"Wie kommen Sie darauf, dass ich ihn provozieren könnte?" Er klang so ehrlich erstaunt, dass Silke für einen Moment versucht war, die Augen zu verdrehen, doch da murmelte er leise: "Aber ich habe kein sehr gutes Gefühl, was Ihre Idee angeht." Er wirkte nun mindestens so besorgt um sie, wie sie es seinetwegen war, als er hinzufügte: "Ich hoffe, Sie wissen, was Sie tun."
"Wird schon werden, Chef." Noch einmal drückte sie seine Hand, dann stand Nowak auch schon wieder hinter ihr, umfasste energisch ihren Oberarm und drängte sie aus dem Raum.



Glücklicherweise war in der Rechtsmedizin längst Feierabend und Silke und ihr Begleiter erregten keine Aufmerksamkeit, als sie aus dem Treppenhaus schossen, durchs Foyer eilten und ohne einen Blick nach rechts oder links zu werfen, über den Parkplatz hasteten.
Auch auf dem ganzen Weg quer über das Uniklinikgelände bis zur Waldeyerstraße und in den zweiten Stock zu der Station, die Boernes Freund leitete, begegneten sie niemandem, der von ihnen besondere Notiz genommen hätte.
Schließlich waren sie ohne den Hauch eines Zwischenfalls vor der chirurgischen Intensivstation angekommen. Silke gratulierte sich selbst zu diesem Glück und Nowak schien darüber ebenfalls erleichtert, jedenfalls nickte er ihr kurz zu.
Sie holte tief Luft, als sie an der Doppelflügeltür klingelte; jetzt musste sie nur noch das Pflegepersonal von ihrer Story überzeugen, dann waren sie im Nullkommanichts wieder zurück.

Als sich einige Sekunden später die Tür öffnete und anstelle einer Intensivschwester Boernes Freund vor ihnen stand, wusste sie, sie steckte in Schwierigkeiten.




Comments

( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
anja79
30. Sep 2013 07:45 (UTC)
oh Mann. Es bleibt spannend. Ich leide richtig mit. Bin schon gespannt wie Silke die Situation retten wird. :)
baggeli
30. Sep 2013 07:48 (UTC)
oh Mann. Es bleibt spannend. Ich leide richtig mit
Hehehe, du bist so süß!
Ja, Silke ist nicht zu beneiden. Aber irgendwie wird es weitergehen. ^^
( 2 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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