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Beta: josl, jolli
Genre: ein Hauch von Humor, Romanze, h/c, Angst, Drama
Pairing: Boerne/Alberich
Wortanzahl: ~35.000
Warnungen: ooc, cd. Loser Bezug zur Episode Eine Leiche zuviel, es ist von Vorteil, die Folge zu kennen!
Rating: Ab 12
Bingo-Prompt: in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Zusammenfassung: Gedankenverloren sah sie ihm nach, als er den Raum verließ. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung irgendwie verändert... doch sie konnte nicht einmal genau sagen, wie, warum und vor allem, in welche Richtung.
Wenige Stunden später allerdings war das ihre geringste Sorge.



Silke hatte das Gefühl, Jaschke müsse ihren plötzlich rasenden Herzschlag hören können, als er sichtlich verwundert fragte: "Silke? Was machen Sie denn so spät hier?"
Energisch riss sie sich zusammen. "Hallo, Professor Jaschke!"
Sie schluckte trocken, weil ihre Stimme in ihren eigenen Ohren unglaublich heiser klang, und presste ihre Lüge dann ohne Punkt und Komma hervor: "Ich wollte fragen, ob Sie mir ein Antibiotikum und vielleicht auch ein Schmerzmittel mitgeben können. So wie es aussieht, hat der Chef sich eine Angina eingefangen, er kann kaum noch Schlucken und hat eindeutig Fieber. Aber natürlich gibt er das nicht zu und wie immer weigert er sich zum Arzt gehen. Und morgen fliegt er doch nach London, zu diesem Kongress..." Sie stockte hilflos und sah Jaschke fast verzweifelt an.

„Sie wollen mich auf den Arm nehmen, oder?“
Das Gesicht des Professors hatte sich während ihrer hastigen Erklärung ärgerlich verzogen und Silkes Herz setzte einen Schlag aus. Reflexartig begann sie den Kopf zu schütteln, da fuhr er schon aufgebracht fort: „Ich habe doch vorhin noch mit ihm telefoniert. Glauben Sie, er hat auch nur mit einem Wort erwähnt, dass es ihm nicht gutgeht?" Eindeutig resigniert warf er die Arme hoch. „Meine Güte, manchmal möchte ich ihn zum Mond schießen! Wie kann man so stur sein?"



Silke konnte für einen Moment kaum fassen, dass Jaschke ihr diese Lüge tatsächlich abgekauft hatte. Erleichtert ließ sie den Atem entweichen, von dem sie gar nicht gemerkt hatte, dass sie ihn angehalten hatte. „Sie wissen ja, wie er ist…“ murmelte sie dann mit zittriger Stimme und verspürte dabei fast ein schlechtes Gewissen Boerne gegenüber.
„Ja, da haben Sie recht… es ist wirklich immer das Gleiche. Gut, dass wenigstens Sie auf ihn aufpassen.“ Der Oberarzt seufzte und winkte sie daraufhin energisch durch den Vorraum der Station auf den langen Flur. "Kommen Sie kurz rein, ich werde Ihnen was holen." Mit diesen Worten wandte er sich Nowak zu. "Michael Jaschke. Und Sie sind?"

Nowak hatte sich gut unter Kontrolle. Er griff sogleich die Hand, die Jaschke ihm so plötzlich hingestreckt hatte, und schüttelte sie. "Peter Heinrichs."
"Er ist unser neuer Obduktionshelfer. Ich dachte, ich nutzte mal die Gelegenheit und führe ihn etwas auf dem Gelände herum", mischte Silke sich sogleich ein und betete, dass Jaschke nicht aufgefallen war, dass sie viel zu hektisch und viel zu unsicher geklungen hatte.

Aber der Professor war weiterhin ganz arglos. Er warf Nowak ein trockenes: "Na dann viel Spaß bei Ihrer neuen Aufgabe“ hin, und in seinem Gesicht spiegelte sich eine Mischung aus Schalk und komischer Verzweiflung wieder, als er mit den Schultern zuckte und augenzwinkernd hinzufügte: „Langweilig wird es Ihnen mit Ihrem neuen Chef bestimmt nicht so schnell…“
Dann wandte er sich noch einmal Silke zu. „Ich bin gleich wieder da.“


Er eilte ein Stück den Gang hinab und kaum, dass er hinter einer der vielen Türen verschwunden war, ließ Silke sich mit einem zittrigen Seufzen gegen den Türrahmen sinken und fuhr sich mit beiden Händen durch das Gesicht. Schließlich schaute sie wieder auf und stellte verwundert fest, dass Nowak ein wenig grinste und kurz den Kopf schüttelte, als er ihren fragenden Blick bemerkte.
„Als ich sein Namensschild gelesen habe, dachte ich, wir sind geliefert“, brummte er leise.
Silke, ein wenig überrascht über diese Worte, nickte nur. „Ich auch.“
Nicht zum ersten Mal in den letzten Stunden hatte sie das Gefühl, dass Nowak wohl wirklich vor allem daran gelegen war, dass es seinem verletzten Kollegen besser ging.
Eine leichte Hoffnung machte sich langsam in ihr breit; wenn weiterhin alles gut lief, konnten Boerne und sie vielleicht doch noch einigermaßen ungeschoren aus dieser ganzen Geschichte herauskommen.


Sie konnte diesen Gedanken nicht lange nachhängen, denn bereits wenige Sekunden später trat Jaschke zurück in den Flur, zwei Medikamentenschachteln in den Händen.
Silke machte unwillkürlich einen Schritt auf ihn zu und wollte schon danach greifen, als er die Verpackungen neben sich auf eine Fensterbank warf. „Wissen Sie was, ich komme kurz mit. Ich will mir diesen Sturkopf anschauen, sicher ist sicher. Wer weiß, was er da ausbrütet, es sind einige unschöne Sachen im Umlauf.“
Silke wurde siedend heiß und sie warf einen entsetzen Blick zu Nowak, der mit versteinerter Miene zusah, wie Jaschke in die Kleiderschleuse trat und gleich neben der Tür seine weißen Turnschuhe gegen Straßenschuhe tauschte.
Panisch durchforschte sie ihr Gehirn nach irgendeinem Argument, irgendeinem Grund, um den Oberarzt von seinem Vorhaben abzubringen, doch ihr Kopf war wie leergefegt. Sie war nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, schien zu nichts anderem fähig, als nur mit offenem Mund zu beobachten, wie der Professor nun seinen Kittel weghängte, eine Lederjacke schnappte und dabei bemerkte: „Und ich werde ihm gehörig den Kopf waschen, das macht er besser nicht noch einm…“

Er führte den Satz nicht zu Ende, denn in diesem Augenblick polterten eilige Schritte über den Flur und gleich darauf schoss ein junger Arzt um die Ecke und rief aufgeregt: „Michael, die Nephrektomie blutet nach! Wir müssen den Bauch noch mal aufmachen!“

„Verdammt!“ Jaschkes Kopf war schon bei den lauten Fußtritten herumgefahren, und nun warf er seine Jacke zurück in die Umkleide und spurtete los, rief nur noch über seine Schulter: „Ich muss in den OP. Nehmen Sie die Sachen für Karl mit und zur Not schleppen Sie ihn heute Abend noch zum Arzt, versprochen?“
Endlich fand Silke ihre Sprache wieder. „Ja, das mache ich, versprochen! Vielen Dank!“
Sie sah Jaschke nur noch einmal kurz winken, dann war er um die Ecke verschwunden und Nowak und sie waren allein.


Silke war so mitgenommen von diesem Auf und Ab, dass sie für ein paar tiefe Atemzüge bewegungslos stehenblieb, bevor sie schließlich die Medizin schnappte, einen erleichterten Blick mit Nowak austauschte und sich dann endlich in Bewegung setzte.





Der Rückweg ins Institut kam ihr wesentlich länger vor, als der Hinweg; vielleicht, weil ihre Beine nach den wiederholten Adrenalinstößen so wackelig waren, dass sie die ersten Minuten kaum gehen konnte. Aber schließlich hatten sie auch diese Strecke ohne besondere Vorkommnisse bewältigt.
Kaum im Keller angekommen, riss Silke die Schiebetür auf und rief einigermaßen stolz: „Es hat geklappt!“, während sie in den Raum eilte.
Eine Sekunde später setzte sie ein erschrecktes: „Was ist denn hier los?“ hinzu.

Nowak neben ihr war schon fluchend vorangestürmt und sprang an den Sektionstisch, um dem sichtbar entnervten Kern dabei zu helfen, den gequält stöhnenden jungen Mann ruhig zu halten, während Boerne offensichtlich dabei war, eine neue Infusionsnadel zu legen.

„Er hat starke Schmerzen, wir kriegen ihn nicht gebändigt.“ Boerne war kaum zu verstehen, er hatte die Schutzkappe der Nadel, die er gerade mit den Zähnen abgezogen hatte, noch im Mundwinkel klemmen, hielt mit einer Hand eisern den Arm des Verletzten umklammert und schob jetzt in einer vorsichtigen Bewegung die spitze Stahlkanüle in die Vene.
Silke schnappte sogleich das Pflaster, das er schon vorbereitet hatte und befestigte den neuen Zugang, kaum dass er an der richtigen Stelle lag. Mit wenigen Griffen hatte Boerne die Führungsnadel entfernt, die Infusion wieder angeschlossen und richtete sich dann mit einem unterdrückten Stöhnen auf.

Besorgt musterte Silke sein erschöpftes Gesicht, als er Richtung Kern murmelte: „Passen Sie gut auf, sonst reißt er diese auch gleich wieder raus.“
Doch Kern hatte andere Pläne. „Vergiss‘ es Mann, ich brauch ´ne Pause!“ Aufgebracht fuhr er herum und blaffte Nowak an: „Ich steh‘ hier seit zwanzig Minuten und halte deinen Bruder fest, ich hab' die Schnauze echt voll! Was lässt er sich das Bein durchlöchern? Deswegen sitzen wir jetzt alle bis zum Hals in der Scheiße!“

Bevor Silke diesen plötzlichen Wutausbruch und die ebenso unerwartete Erklärung für Nowaks auffällige Besorgnis verdaut hatte, ließ Kern den Arm einfach los. „Ich geh‘ jetzt erst mal eine rauchen. Ihr seid dran!“
Mit diesen Worten und ohne einen Blick zurück marschierte er zur Tür.


Boerne hatte geistesgegenwärtig wieder die Hand des Verletzten geschnappt und musterte nun mit gerunzelter Stirn den älteren Nowak, dessen Gesicht sich zu einer finsteren Grimasse verzogen hatte.
Wenn Nowaks Blicke hätten töten können, Kern wäre schon nach zwei Metern zusammengebrochen, doch erstaunlicherweise verlor der frühere Kommissar kein einziges Wort, sondern konzentrierte sich fast unmittelbar wieder darauf, seinen Bruder zu beruhigen.

In Boernes Gesicht spiegelte sich Verwunderung, bis er sich einen Moment später zu ihr wandte und sich in einer müden Bewegung die Brille hochschob. „Wir brauchen unbedingt etwas gegen die Schmerzen, der Junge springt uns sonst vom Tisch. Ich kann ihm jetzt noch den Rest vom Propofol spritzen, aber wenn er dann wieder aufwacht, haben wir nichts mehr, um ihm zu helfen!“
„Nein, lassen Sie das mit dem Propofol!“ Sogleich holte Silke die Medikamente aus der Tasche, die Jaschke ihr gegeben hatte. „Hier, ich hab was bekommen.“
„Gott sei Dank!“ Boerne nahm ihr die Tabletten aus der Hand und nach einem kurzen Blick auf die Schachteln riss er sie auf und drückte mehrere heraus. Silke hatte sich indessen schon umgewandt und griff das Glas Mineralwasser.
„Heben Sie ihn etwas an, damit er besser schlucken kann“, wies sie Nowak an, und er reagierte sofort. Vorsichtig fasste er seinen Bruder unter den Schultern und richtete ihn soweit auf, dass Silke ihm die Medikamente einflößen konnte.

„Wie lange wird es dauern, bis das Zeug wirkt?“ Der bärtige Mann klang angespannt und strich dem Verletzten in beruhigenden Bewegungen über die Schulter, kaum dass er ihn wieder abgelegt hatte.
„Das Schmerzmittel? Sicher eine halbe Stunde“, brummte der Professor leise, während er weiterhin stoisch den Arm mit der Infusionsnadel hielt. Dabei beugte er sich zur Seite und hob mit der freien Hand die Decke an, um das verletzte Bein in Augenschein zu nehmen. Zu Silkes großer Erleichterung hatten die fahrigen Bewegungen des jungen Mannes bislang keine neue Blutung verursacht. Und sie mussten versuchen, dass das so blieb.

Aber es würde eine lange Nacht werden.




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