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BigBang 2013 - Herzrasen (Kapitel 9: Eskalation)

Beta: josl, jolli
Genre: ein Hauch von Humor, Romanze, h/c, Angst, Drama
Pairing: Boerne/Alberich
Wortanzahl: ~35.000
Warnungen: ooc, cd. Loser Bezug zur Episode Eine Leiche zuviel, es ist von Vorteil, die Folge zu kennen!
Rating: Ab 12
Bingo-Prompt: in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Zusammenfassung: Gedankenverloren sah sie ihm nach, als er den Raum verließ. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung irgendwie verändert... doch sie konnte nicht einmal genau sagen, wie, warum und vor allem, in welche Richtung.
Wenige Stunden später allerdings war das ihre geringste Sorge.



Sie waren fast an der Schiebetür angekommen, als in Silkes Rücken mit einem Mal ein zorniges „HÄNDE WEG VON IHR!!!“ ertönte. Zeitgleich wurde der Arm, der die Waffe an ihren Hals presste, so kraftvoll weggerissen, dass Silke halb um ihre eigene Achsel gewirbelt wurde und Kern die Pistole im hohen Bogen aus der Hand flog. Nowak und sein Bruder am Sektionstisch fuhren im selben Moment erschrocken auf, in dem sie irgendwo im Raum klappernd auf die Fliesen schlug.


Mit einem unartikulierten Aufschrei stieß der so plötzlich entwaffnete Kern Silke von sich weg und fuhr zu seinem Angreifer herum.
Sie konnte sich nicht rechtzeitig abfangen, schlug hart gegen die Schiebetür und rutschte daran zu Boden. Benommen beobachte sie, wie der narbige Mann gleich darauf durch einen Stoß des Professors zu Boden ging, bevor er auch nur den Arm zum Schlag erheben konnte.

Wie durch einen leichten Nebel hindurch sah sie dann, wie der aschfahle, unsicher schwankende Boerne sich von ihm abwandte und offensichtlich besorgt auf sie zu eilte, so schnell sein Zustand es zuließ; aber sogleich rappelte sich auch Kern wieder auf. Das Gesicht zu einer wutentbrannten Fratze verzogen, riss er dabei ein kleines Klappmesser aus der Tasche und warf sich in zwei pantherartigen Sätzen auf den nichtsahnenden Professor.


Silke hatte erschrocken aufgeschrien, kaum dass sie das Messer hatte aufblitzen sehen, aber die Warnung kam zu spät; bevor Boerne reagieren konnte, rammte Kern ihm die Klinge bis zum Anschlag in die Seite, riss sie fast unmittelbar wieder heraus und hob den Arm zu einem erneuten Stoß. Doch er kam nicht mehr dazu ihn auszuführen, denn gerade noch rechtzeitig zerrte der herbeigeeilte Nowak seinen rasenden Komplizen vom Professor weg, verhinderte in letzter Sekunde, dass er ein zweites Mal zustach.


In dem Augenblick, in dem sich Kerns krallenartiger Griff von ihm löste, sackte Boerne mit einem erstickten Keuchen in die Knie. Sein Gesichtsausdruck war so fassungslos und schmerzverzerrt, vor Entsetzen wimmernd krabbelte Silke auf ihn zu und fasste ihn an den Schultern, versuchte verzweifelt, ihn zu stützen, als er nach zwei Sekunden geschockter Starre kraftlos nach vorne sank.


Es war eindeutig, dass Kern nun vollständig rot sah; während Nowak ihn umklammerte und ihn mit brachialer Gewalt vom Professor wegschleifte, wehrte er sich mit aller Kraft und riss in einer letzten brutalen Attacke seinen Fuß hoch.
Das geschah zu schnell, als das Silke den Verletzten noch hätte beiseite ziehen können; Kerns schwerer Stiefel traf den langsam vornüber sinkenden Boerne am Kinn. Es gab ein Geräusch wie einen Peitschenknall, als Boernes Kiefer zusammenschlugen und sein Kopf ihm in den Nacken flog. Er wurde Silke förmlich aus den Händen gerissen und krachte einen Meter von ihr entfernt auf den Rücken, ohne sich zu rühren.

Silke, die durch den unerwarteten Ruck ihr Gleichgewicht verloren hatte und ebenfalls zu Boden gegangen war, starrte nur wie gelähmt auf ihren bewegungslosen Vorgesetzten; für einen Moment war sie sicher, dass Kerns wuchtiger Tritt ihm das Genick gebrochen hatte.



Kern versuchte weiterhin, sich aus Nowaks Umklammerung freizukämpfen, doch das ließ der ehemalige Kommissar nicht zu. Nach ein paar Sekunden unnachgiebigen Ringens hatte er ihn in die Knie gezwungen. Mit einem Würgegriff drückte er ihm die Luft ab und schleppte ihn in Richtung Büro, während er Silke über die Schulter zubellte: „Kümmern Sie sich um ihn!“


Die Aufforderung war wie ein Weckruf; die paralysierte Silke löste sich endlich aus ihrer Schockstarre und warf sich neben Boerne auf die Knie.
Sie spürte die Tränen nicht, die ihr über die Wangen rannen - sie war nur voller Panik auf den regungslosen Mann vor sich fixiert, dessen Blut in dicken Tropfen durch das Hemd quoll und auf dem Boden bereits langsam aber sicher eine Lache bildete.


Verzweifelt suchte sie nach Lebenszeichen, doch ihre Hände zitterten so sehr, dass es ihr völlig unmöglich war, einen Puls zu fühlen. Nach wenigen Sekunden gab sie den Versuch auf, hielt in ihrer Not ein Ohr ganz nah über Boernes Mund und presste beide Hände auf seine Rippen. Sie konnte ein erleichtertes Schluchzen kaum zurückhalten, als sie flache Atemzüge spürte.

In fahrigen Bewegungen zerrte sie nun sein Hemd aus der Hose, suchte hektisch nach der Einstichwunde. Aber sie konnte sie nicht gleich finden. Erst, als sie seinen erschlafften Körper unter Aufbietung all ihrer Kräfte ein Stück auf die Seite gedreht hatte, entdeckte sie die schmale, tiefe Verletzung, die Kern ihm beigebracht hatte: seitlich am Rücken, knapp über dem Beckenknochen.

Doch für einen längeren Blick blieb keine Zeit, sie konnte Boerne allein nicht halten. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als ihn zurück auf den Rücken sinken zu lassen. Kaum, dass er lag, riss sie sein blutdurchtränktes Hemd so gewaltsam auseinander, dass die Knöpfe in alle Richtungen flogen. Dann ballte sie den Hemdflügel zusammen, presste ihn von unten gegen die Einstichstelle und übte gleichzeitig mit der anderen Hand von seiner Bauchdecke aus heftigen Gegendruck aus, um die stark blutende Wunde noch fester zu komprimieren.
„Tut mir leid Chef, aber es geht nicht anders“, wisperte sie heiser und ließ sein Gesicht dabei keine Sekunde aus den Augen, hoffte auf irgendeine Reaktion. Doch der kreidebleiche Mann rührte sich nicht. Er schwebte in einer zu tiefen Bewusstlosigkeit, spürte die Schmerzen nicht, die sie ihm zufügte. 



Als Nowak plötzlich an ihre Seite trat und sich zu ihr hockte, blickte Silke hastig zu ihm auf und drängte: „Er braucht einen Arzt!“ Sie hatte keine Ahnung, was er mit Kern gemacht hatte, und es war ihr im Augenblick auch vollständig egal; ihre Gedanken kreisten einzig und allein um Boerne.
Doch Nowak lehnte ihre Bitte entschieden ab. „Kommt nicht in Frage.“

In diesem Augenblick zerbrach etwas in ihr. Die verschmierten Hände weiterhin mit aller Kraft auf Boernes Seite gepresst, schrie sie ihren ehemaligen Kollegen an: „MEIN GOTT, SEHEN SIE NICHT, WIE ER BLUTET? ER MUSS INS KRANKENHAUS!!!"

In jedem anderen Moment hätte sie sich wahrscheinlich über ihre eigene Vehemenz erschreckt, doch inzwischen war sie an einem Punkt angekommen, an dem ihr alles egal war. Tränen ohne Ende rannen ihr aus den Augen, doch sie weigerte sich sie fortzuwischen, weil sie dafür die Hände von der Wunde hätte nehmen müssen.


Aber ihr Ausbruch bewirkte rein gar nichts; Nowak sah sie für einen Moment wortlos an, dann stand er auf und holte die Kiste mit dem Verbandsmaterial, das Silke für die Operation zusammengetragen, aber nicht benutzt hatte.
„Ich wollte nicht, dass das passiert“ brummte er, als er ihr den Kasten hinhielt. "Das müssen Sie mir glauben.“
Als Silke den Kasten nicht annahm, legte er ihn neben Boerne ab.


Fassungslos sah sie von der Plastikkiste auf, in sein Gesicht. „Bitte.“ Ihre Stimme war nur noch ein zittriges Flüstern. „Sie können ihn doch hier nicht so liegen lassen.“
Doch Nowak reagierte nicht auf ihr Flehen; in seinen Augen lag Bedauern, aber gleichzeitig eine unerbittliche Entschlossenheit, als er leise klarstellte: „Sebastian wird sich hier so lange ausruhen, wie es geht. Wir fahren morgen früh, Boerne muss ohne Arzt klarkommen, bis wir verschwunden sind. Versorgen Sie ihn, so gut Sie können."


Für die Dauer eines zittrigen Atemzugs schloss Silke die Augen. Übelkeit stieg in ihr auf, als wirklich einsank, was Nowaks Entscheidung bedeutete: Boerne würde die so dringend benötigte ärztliche Hilfe vorläufig nicht erhalten, es war an ihr, ihn lebend durch die nächsten Stunden zu bringen. Allein an ihr.

Aber sie würde jede einzelne Sekunde um ihn kämpfen.



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