?

Log in

No account? Create an account

zurück | vor

Beta: josl, jolli
Genre: ein Hauch von Humor, Romanze, h/c, Angst, Drama
Pairing: Boerne/Alberich
Wortanzahl: ~35.000
Warnungen: ooc, cd. Loser Bezug zur Episode Eine Leiche zuviel, es ist von Vorteil, die Folge zu kennen!
Rating: Ab 12
Bingo-Prompt: in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Zusammenfassung: Gedankenverloren sah sie ihm nach, als er den Raum verließ. In den letzten Wochen hatte sich ihre Beziehung irgendwie verändert... doch sie konnte nicht einmal genau sagen, wie, warum und vor allem, in welche Richtung.
Wenige Stunden später allerdings war das ihre geringste Sorge.



Mit einem entschlossenen Ruck wandte sie sich wieder dem Verletzten zu, riss sich mit aller Kraft zusammen. Je länger sie wertvolle Zeit verschwendete, desto mehr Blut verlor er. „Sie müssen mir helfen!“
Nowak nickte ruhig. „Was soll ich tun?“
„Setzen Sie ihn etwas auf, ich muss ihn verbinden.“


So schnell sie konnte, bereitete Silke die Verbandsmaterialien vor, dann schob Nowak auf ihre Anweisungen hin die Hände unter Boernes Achseln, um ihn aufzurichten.
Als sein Oberkörper angehoben wurde, kippte Boernes Kopf unkontrolliert nach hinten. Hastig beugte Silke sich vor und stützte ihn, verfluchte sich gedanklich dafür, dass sie nicht besser aufgepasst und diese unnötige, ruckartige Bewegung verhindert hatte. Sie war sicher, dass alle Muskeln und Bänder in seinem Nacken überdehnt sein mussten, wenn es durch Kerns brutalen Tritt nicht gar zu Verletzungen an der Halswirbelsäule gekommen war.
Sie hatte allerdings keine Möglichkeit das herauszufinden, konnte nur hoffen, dass ihre Unachtsamkeit Boernes Zustand nicht noch verschlimmert hatte.

Als Nowak ihn schließlich weit genug aufgerichtet hatte, bettete sie Boernes Kopf behutsam gegen seine Schulter. „Passen Sie auf, dass sein Kopf nicht noch einmal so wegfällt, ja?“, bat sie unglücklich und der Angesprochene nickte verstehend und legte seine Hand auf Boernes Stirn.
Er hielt den Kopf die ganze Zeit vorsichtig gegen seine Schulter gedrückt, als Silke nun mit aller Kraft einen dicken Stapel Kompressen über die Wunde presste und sie mit einer breiten, langen Wickel fixierte, die sie wieder und wieder so stramm um seinen Unterleib wand, wie es eben vertretbar war.

Schließlich signalisierte sie ihrem Helfer, dass sie mit ihrer Arbeit fertig war und kaum, dass Nowak den Professor wieder auf dem Boden abgelegt hatte, begann sie, ihn behutsam in eine der stabilen Seitenlage ähnliche Position zu bringen.
Nowak verstand schnell was sie bezwecken wollte und übernahm es, den besinnungslosen Mann zu drehen, während sie seinen Kopf stabilisierte.
Es ging ihr mit der Lagerung allerdings nicht nur darum, dass Boerne nicht ersticken konnte. Sie war sich sicher, dass der Verband, so straff er auch gewickelt war, nicht ausreichte, um die Blutung zu stillen. Ohne weitere Maßnahmen war es nur eine Frage von Minuten, bis die Kompressen komplett durchtränkt sein würden, deshalb hatte Silke den Bewusstlosen auf seine verletzte Seite gelagert, sprang nun eilig auf und holte den Kittel, den sie ihm am frühen Abend als Kopfkissen untergeschoben hatte. Sie faltete ihn zu einem schmalen, langen Streifen und rollte ihn so stramm zusammen, wie sie konnte. Mit Nowaks Hilfe schob sie den festen Ballen dann in Höhe der Stichverletzung unter Boernes Seite, damit die Wunde durch den Druck seines Körpergewichtes auf den unnachgiebigen Widerstand der Stoffrolle zusätzlich zusammengepresst wurde.
Das schien auch gut zu funktionieren; aber Silke war klar, dass Boerne diese sicher extrem unbequeme Position nur besinnungslos ertragen konnte. Sobald er wieder zu sich kam, würde er die zusätzlichen Schmerzen, die ihm dadurch entstehen mussten, wohl kaum aushalten können.



Während der letzten Minuten hatte Nowak sich nicht von ihr wegbewegt und ihre Anweisungen kommentarlos ausgeführt. Erst, als Silke sich schließlich seufzend aufrichtete und sich mit einer zittrigen Hand durch die Haare fuhr, kam er auf die Beine und trat zu seinem Bruder an den Tisch.

Sebastian Nowak richtete sich auf einen Ellenbogen auf, und als der ehemalige Kommissar sich ihm näherte, nahm er das Sofakissen und hielt es ihm hin. „Gib ihm das, er braucht es dringender als ich.“ Er wirkte einigermaßen erschüttert, hatte die ganze Zeit mit weit aufgerissenen Augen beobachtet, wie sie Boerne versorgten.
Doch Nowak legte das Kissen auf den Tisch und drückte den Verletzten mit sanfter Gewalt darauf zurück. „Leg‘ dich hin, du bist wieder weiß wie die Wand.“ Da lagen Ermahnung und Besorgnis gleichermaßen in seiner Stimme. Dann wies er auf die Decke. „Aber wenn dir nicht kalt ist, kannst du die meinetwegen abgeben.“

Ein unmittelbares Nicken war die Antwort und Nowak nahm die Decke, schlug sie grob zusammen und warf sie Silke zu. „Hier. Die sollte als Kissen funktionieren.“
Bevor sie etwas sagen konnte, drehte er sich von ihr weg und ging Richtung Büro. „Ich muss nachsehen, ob Uwe schon wieder wach ist.“

Silke hatte gerade begonnen die Decke zu falten, aber Kerns Name ließ sie erschreckt in ihrer Bewegung innehalten. Gleichzeitig brachte ein leises: „Was hast du mit ihm gemacht?“ des jungen Nowak den Älteren dazu, sich zu ihm zurückzudrehen. „Ich hab ihn ruhiggestellt. Aber wohl nur für ein paar Minuten.“ Dann warf er ihr einen kurzen Blick zu, schien ihre Gedanken lesen zu können. „Er wird das Büro nicht mehr verlassen, bis wir hier verschwinden. Ich garantiere es Ihnen.“ 
Alles, was Silke als Erwiderung bewerkstelligte, war ein lahmes Nicken.

„Aber was, wenn der Professor stirbt? Dann werden wir wegen Mordes gesucht!“
Silkes Magen zog sich bei diesen Worten schmerzhaft zusammen und auch der Angeschossene klang besorgt und aufgebracht, als er fortfuhr: „Wie konnte er so durchdrehen? Was machst du denn jetzt mit ihm?“

Sein Bruder sah ihn einen Moment still an, dann zuckte er nur mit den Schultern. „Was soll ich mit ihm machen? Du weißt, dass wir ihn brauchen.“ Damit drehte er sich wieder um und setzte seinen Weg fort.
Der Verletzte sah ihm noch einen Moment nach, ließ schließlich die Augen zufallen und murmelte ein ergebenes: „Ja, ich weiß." Und da war ein Unterton bei diesen Worten, es schien Silke fast, als höre sie Abscheu in seiner Stimme.


Doch dann wurde ihr bewusst, dass sie sich hatte ablenken lassen und sogleich wandte sie sich wieder Boerne zu.
Schnell faltete sie die Decke in eine kissenähnliche Form und bettete seinen Kopf behutsam auf dem weichen Polster. Beunruhigt stellte sie dabei fest, wie kalt und klamm Boerne sich mittlerweile anfühlte, registrierte besorgt den feinen Schweißfilm, der auf seiner Haut glänzte. Außerdem hatten mittlerweile sogar die Lippen in seinem ohnehin schon so blassen Gesicht sämtliche Farbe verloren.
Sie kannte die Symptome, hatte befürchtet, dass es dazu kommen würde; als sie ihre Finger an seinen Hals und eine Hand auf seine Seite legte, fühlte sie wie erwartet einen rasenden, schwachen Puls und zu schnelle, flache Atemzüge.

In diesem Moment trat Nowak zurück in den Raum und hastig blickte sie zu ihm auf. „Er rutscht in einen Schock!“ Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. „Sein Blutdruck ist sicher total im Keller, er braucht Infusionen und muss warmgehalten werden!“

Nowak zuckte mit den Schultern. „Tun Sie, was Sie für richtig halten, ich brauche nicht für jeden Handschlag eine Rechtfertigung. Sie können sich hier frei bewegen. Aber wenn Sie versuchen zu fliehen, werden Sie es für den Rest Ihres Lebens bereuen.“ 
Sein Tonfall machte deutlich, dass er es bitterernst meinte. Silke schluckte nur trocken und nickte, dann sprang sie auf und holte alles zusammen, was sie benötigte, um Boernes Kreislauf zu stabilisieren.


Sein Blutdruck war, wie befürchtet, gefährlich niedrig. Wie am frühen Abend schon den jungen Nowak versorgte sie nun auch ihn mit einer Infusionsnadel, allerdings zitterten ihre Hände diesmal so sehr, dass sie mehrmals zustechen musste, bevor sie die Vene endlich traf.
Aber schließlich hatte sie es bewerkstelligt, ihm den so dringend benötigten Zugang zu legen und schloss eilig die erste Infusionsflasche an.
Dann hastete sie in den Vorratsraum und holte einen Stapel Laken aus dem Schrank, verdrängte angestrengt jeden Gedanken daran, dass sie sie normalerweise verwendeten, um ihre Obduktionspatienten damit abzudecken. Diese Tücher waren das, was einer Decke am nächsten kam und entscheidend war, dass Boerne nicht noch weiter auskühlte. Alles andere war nebensächlich.
Nach einem letzten Blick auf den glücklicherweise noch trockenen Verband breitete sie vorsichtig ein halbes Dutzend der großen, weißen Laken über ihm aus und steckte sie behutsam um ihn fest, um seinen geschwächten Körper vor der Kälte des Fußbodens zu schützen.


Damit hatte Silke vorerst alles in ihrer Macht stehende getan, um Boerne zu helfen.
Mit einem langgezogenen Seufzen ließ sie sich nun neben ihn auf den Boden sinken und holte ein paarmal tief Luft. Ihr war ein wenig schwindelig, sie fühlte sich so ausgelaugt wie selten zuvor in ihrem Leben.
Eigentlich hätte sie sich jetzt umziehen und waschen müssen, blutverschmiert, wie ihre Kleidung und ihre Hände waren; doch stattdessen lehnte sie den Kopf an die Wand und für einen kurzen Moment hatte sie zu nichts anderem die Kraft, als ihren Vorgesetzten anzusehen.

Sie hoffte so sehr, dass er bald zu sich kommen würde, aber er hatte sich noch keinen Millimeter gerührt, hatte auf keine ihrer Maßnahmen reagiert, egal, wie unangenehm oder schmerzhaft sie für ihn gewesen sein mussten. Er schien so weit weg, war so still; seine Atemzüge waren derart flach, dass man die Bewegungen seines Brustkorbes kaum erahnen konnte.
Ohne groß darüber nachzudenken, schob sie die Decken ein kleines Stück von seinem Arm zurück, umfasste behutsam seine kalte Hand und legte zwei Finger an sein Handgelenk. Sie brauchte das Gefühl seines Herzschlags unter ihren Fingerspitzen, auch wenn das Klopfen weiterhin viel zu schnell und viel zu schwach war; sie brauchte die Bestätigung, dass er noch bei ihr war.


Und während sie weiter seine Hand hielt, erschöpft auf sein beängstigend weißes Gesicht starrte und ihre Gedanken zum ersten Mal seit Beginn dieser letzten, dramatischen Minuten zur Ruhe kamen, wurde ihr nochmals ganz bewusst, was alles passiert war… was ihr beinah passiert wäre, wenn Boerne nicht eingegriffen hätte; was Kern ihm angetan hatte, aus Zorn, weil der Professor ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.
Und ihr wurde klar, dass sie das alles hätte verhindern können.

Wie hatte sie sich gestatten können, die Augen zu schließen? Natürlich hätte sie aufmerksam bleiben müssen, dann hätte Kern sie niemals so überraschen können. Sie hätte doch ahnen müssen, dass er so etwas versuchen würde! Der narbige Mann war nun wirklich nicht subtil gewesen in seinem Verhalten und seinen Andeutungen. Sogar Boerne hatte sie noch eindringlich vor ihm gewarnt… und jetzt lag er hier, schwerverletzt, immer noch bewusstlos, ohne die ärztliche Versorgung, die er so dringend benötigte - und das nur, weil er ihr helfen wollte, nachdem sie sich hatte überrumpeln lassen.
Nur, weil sie nicht aufgepasst hatte. Weil sie geschlafen hatte, statt wach zu bleiben.

Es war alles ihre Schuld.
Der Gedanke war so fürchterlich, dass er ihr fast die Luft zum Atmen nahm.


Latest Month

April 2018
S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930     

Tags

Gehostet von LiveJournal.com
Designed by Tiffany Chow