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Genre: Angst
Wortanzahl: 1000
Bingo-Prompt: Die Suche
Zusammenfassung: Er war gefangen in seiner persönlichen Hölle und es gab kein Entkommen.
A.N.: Ich habe ja bereits angedroht, dass es hier noch etwas weitergeht. Leider fehlt mir die Zeit für regelmäßige, schnellere Updates. Aber vielleicht könnt ihr euch ja noch an die Stimmung der Story erinnern, auch wenn sie nun schon ein paar Wochen zurückliegt



Er war gefangen in seiner persönlichen Hölle und es gab kein Entkommen.


Unbeschreibliche Schmerzen. Unerträgliche Kälte. Angst. Er spürte nichts anderes, jede einzelne, endlose Sekunde, jeden einzelnen, gequälten Atemzug. Seit einer wahren Ewigkeit.

Die Ereignisse, die zu diesem Zustand geführt hatten, konnte er im Moment nicht mehr wirklich rekapitulieren. Sie waren so weit weg, so verschwommen, er konnte sich kaum an sie erinnern. Er konnte ohnehin kaum einen klaren Gedanken fassen. Für ihn existierte zurzeit nichts, außer die Schmerzen; die Kälte. Die Angst.
Und Silke.

Silke. Nur für sie klammerte er sich am Leben fest, mit aller Kraft, die er hatte. Lange schon. Unendlich lange.
Unter anderen Umständen hätte er eine solch endlose Zeitspanne niemals durchgehalten, hätte sich längst ergeben - dass er es bis jetzt nicht getan hatte, war einzig ihrer intensiven, selbstlosen Präsenz zu verdanken, die ihn festhielt; die ihn dazu brachte, weiterzukämpfen, obwohl alles in ihm danach schrie, loszulassen.

Ihr warmer Körper an seiner Seite, ihre zitternde Hand an seinem Gesicht und die ihrer Verzweiflung zum Trotz aufmunternden, voller Liebe gewisperten Worte waren das erste, was er wahrnahm, jedes Mal, wenn er sich aus der Bewusstlosigkeit zurück in die schreckliche Realität kämpfte.
Der Arm, der sich noch fester um ihn legte, der unbeugsame Wille, ihn nicht gehen zu lassen und ihre maßlose Angst, dass er es dennoch tun könnte, waren das letzte, was er spürte, wenn er einmal mehr einbrach, einmal mehr den Kampf gegen seine Schmerzen verlor und zurück in die Ohnmacht fiel.


Zu wissen, dass sie bei ihm war, war das einzige, das ihn während dieses Martyriums am Leben hielt.


Er hielt durch, so lange es ging; doch irgendwann war er so entkräftet, in einem Moment größter Schwäche gestand er ihr, dass er nicht mehr konnte.
Die schlicht unbeschreibliche Verzweiflung und Panik, die ihm daraufhin entgegenschlugen, taten ihm in der Seele weh. Er wünschte sich, er hätte den Mund gehalten; er wünschte sich, er hätte ihr das nicht angetan. Er konnte noch aushalten, er musste noch aushalten. Für Silke.

Er wollte ihr versichern, dass er noch nicht aufgeben würde, sich noch nicht geschlagen geben würde. Er hätte sie so gerne beruhigt - aber die Worte kamen ihm einfach nicht mehr über die Lippen, er brachte keinen Ton hervor. Eine unbesiegbare Schwärze zog ihn wieder nach unten, bevor es ihm gelang, noch etwas zu sagen.



Als er schließlich wieder einigermaßen zur Besinnung kam, war irgendetwas anders.
Unbeschreibliche Schmerzen. Unerträgliche Hitze. Angst.
Aber keine Silke.
Die Angst vervielfachte sich.

Er war nicht allein, das nahmen seine vernebelten Sinne wahr. Menschen umgaben ihn; doch seine kleine Alberich, um derentwillen er all die Qualen ausgehalten und sich ihnen bis jetzt nicht geschlagen gegeben hatte, die war nicht bei ihm. Er fühlte es genau.


Er wollte nach ihr rufen, doch er brachte nur ein heiseres Krächzen zustande. Verzweifelt versuchte er, die Augen aufzuschlagen; er musste herausfinden, wo sie war.
Aber als er endlich bewerkstelligt hatte, seine bleischweren Lider einen Spalt breit zu öffnen, erkannte er nur undeutliche Schemen, war geblendet vom grellen Licht der Deckenleuchten. Jede kleine Bewegung provozierte Wellen von Schwindel, die die ohnehin schon verschwommene Umgebung bis zur Unkenntlichkeit verzerrten.
Es war, als lasteten Zentnergewichte auf seinem Brustkorb. Jeder Atemzug fiel ihm schwer, seine extreme Kraftlosigkeit und die Schmerzen machten es ihm nahezu unmöglich, sich zu bewegen. Trotzdem versuchte er, sich aufzurichten, sich auf einen Ellbogen zu stützen, rief nach ihr, so laut er konnte.

Aber sie antwortete ihm nicht.

Stattdessen wurde er an Schultern gefasst und nach unten gedrückt. Jemand redete auf ihn ein, doch die Laute ergaben keinen Sinn, er verstand sie nicht. Er war nicht wirklich in der Lage zu denken, er konnte nur fühlen.
Und was er fühlte, war nackte Angst. Angst um Silke. Es war das einzige, was immer und immer wieder durch seinen schmerzenden Schädel hämmerte; er musste sie finden; er musste sie beschützen.

Er begann, sich gegen die Person zu wehren, die ihn festhielt; er wand sich, bäumte sich auf, während die Panik mehr und mehr Besitz von ihm ergriff. Silke war weg. Er brachte nicht mehr zusammen, was der Grund dafür sein konnte, er wusste nur mit absoluter Sicherheit, dass sie in Gefahr schweben musste. In großer Gefahr.
Er wurde immer heftiger in seinen Bewegungen, immer lauter in seiner Angst.
Schmerzen wie Feuer rasten durch seinen Oberkörper. Er kniff die Augen zusammen, als er kaum noch Luft bekam, hatte das Gefühl, sein Herz würde aus seinem Brustkorb springen. Etwas Weiches wurde ihm über Mund und Nase gepresst und inzwischen schwirrten verschiedene Stimmen durcheinander, mehrere Hände hielten ihn fest.
Trotzdem kämpfte er weiter gegen sie an. Er musste Silke finden, er würde sich nicht geschlagen geben, solange er noch lebte. Er durfte nicht zulassen, dass ihr jemand etwas antat.

Er spürte nicht, dass die Menschen, die ihn hielten, bemüht waren, ihm keine zusätzlichen Schmerzen zuzufügen, realisierte nicht, dass die Maske, die auf sein Gesicht gepresst wurde, ihm das Atmen erleichtern sollte. Er spürte nur, wie er all seiner Gegenwehr zum Trotz zurück auf den Rücken gedrückt wurde, spürte nur die niederschmetternde Gewissheit, dass er Silke nicht helfen konnte.

Sein rasender Puls hämmerte in seinen Ohren, vermischte sich mit den drängenden Rufen seiner Angreifer zu einem weißen Rauschen, als er in einer unmenschlichen Gewaltanstrengung ein letztes Mal versuchte, sich aufzubäumen.

Aber die Strapazen waren zu viel, sein Zustand ließ ihm keine Chance.


Die fieberhafte Hektik, die um ihn herum ausbrach, die schrillen Alarmsignale und die erschreckten Flüche, die durch den Raum schallten, als sein überforderter Körper ihn im Stich ließ und er mit einem Male still und leblos zusammensackte, nahm er nicht mehr wahr.


***


Nur langsam driftete er wieder Richtung Oberfläche; nur langsam tastete sich sein Verstand zurück in die Realität.
Für eine Weile schwebte er in einem Zustand, in dem er noch nicht richtig fühlen, geschweige denn, denken konnte. Ein Moment ohne Angst, ohne Nöte, ohne Schmerzen.
Doch diese gnädige Schwerelosigkeit hielt nicht lange an.

Die Erkenntnis traf ihn ganz plötzlich.
Silke. Da war keine tröstende Hand mehr an seinem Gesicht, die ihm zeigte, dass sie mit ihm zusammen kämpfte. Da waren keine gemurmelten Worte mehr, die ihm Mut machten, wenn er so erschöpft war, dass er alle Hoffnung aufgeben wollte.
Er hatte sie nicht beschützen können; er hatte sie verloren.

In diesem Augenblick wünschte er sich, zurück in die Schwärze zu sinken und nie wieder aufzuwachen.
Er konnte nicht mehr und er wollte nicht mehr. Er war endgültig am Ende seiner Kräfte.


Comments

( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
19. Okt 2013 10:03 (UTC)
Sehr mitreißend geschrieben - und ich habe mich sofort erinnert, zu welchen Szenen in der Hauptgeschichte das gehört. "Die Suche" ist als Prompt toll umgesetzt, finde ich.

Armer Boerne ... zum Glück weiß ich ja, daß alles gut ist, aber er weiß es in dem Moment am Ende Deines Textes noch nicht. Und obwohl ich weiß, daß sich die Stimmung gleich ändern wird, leide ich mit ...

Gute Besserung! Ich hoffe doch, Du kannst den Tatort morgen ohne Kopfschmerzen schauen!
baggeli
19. Okt 2013 10:57 (UTC)
Sehr mitreißend geschrieben
=)

und ich habe mich sofort erinnert, zu welchen Szenen in der Hauptgeschichte das gehört
Dann ist ja gut, wenn man das korrekt einordnen kann. Wäre sonst ziemlich doof für den Text

"Die Suche" ist als Prompt toll umgesetzt, finde ich.
Ja, das passte ganz gut. Ich hoffe, noch ein paar weitere Prompts abgrasen zu können mit Oneshots zum BigBang. Da sind ja ein paar, die man vielleicht auf Boerne und Alberich beziehen kann

Und obwohl ich weiß, daß sich die Stimmung gleich ändern wird, leide ich mit ...
Ich hoffe, ich komme bald dazu, den armen Mann zu erlösen.

Einen hab ich noch, der kommt jetzt noch. Dann muss ich mich Partyvorbereitungen widmen, mein Mann feiert heute Abend Geburtstag. Und genau das ist mein Problem; das ist wieder so ein Tag, von dem ich jetzt schon weiß, dass die Kopfschmerztabletten mir nicht helfen. *seufz*
justinterest65
19. Okt 2013 13:27 (UTC)
Puh, schon heftig, was der arme Boerne da in seinem Delirium auszustehen hat. Was für ein Glück, dass ich das Ende der Geschichte ja schon kenne.

Unwahrscheinlich gut geschrieben. Ich fühlte mich an meine eigene Verwirrung erinnert, die mich im Griff hatte, als ich mit doppelseitiger Lungenentzündung auf Intensiv lag.

Dir gute Besserung und lass' es Deinen Kopfschmerzen möglichst schlecht gehen. Als Ex-Migränikerin weiß ich, wovon Du redest :-(
baggeli
20. Okt 2013 12:21 (UTC)
Ja, wie immer bin ich ungnädig, ich weiß. Aber wie es ja in der Hauptgeschichte schon angedeutet war, war die Zeit des langsamen Aufwachens einfach ein Horror. Ich habe kein schlechtes Gewissen, wie du schon sagst, wir wissen ja, wie es weitergeht. ^^ Auch das will ich natürlich noch ausformulieren, hab ja nur noch ca. 20 Bingo-Prompts abzuarbeiten. *facepalm*
( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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