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Auf einmal konnte es Silke Haller nicht schnell genug gehen, sich ins Wochenende zu verabschieden. Dabei war ihr Dienst heute eigentlich so nett gewesen; aber in dem Moment, in dem Hauptkommissar Thiel schnaubend und vor Wut schäumend in die Rechtsmedizin gestürmt kam, hielt Silke die Zeit für gekommen, sich ganz schnell und dezent zu verdrücken. Ihre Gefechte konnten ihr Chef und Thiel allein austragen, damit hatte sie nichts zu tun... dachte sie.

Loser Bezug zu "Fakten, Fakten" - es ist nicht unbedingt nötig, die Folge zu kennen, aber von Vorteil. Ich habe mir Felix Kraft für diese Geschichte ausgeliehen. Außerdem taucht Thiels und Boernes Nachbar Obiak aus "Ruhe Sanft" namentlich auf.
Wörter: 2700
Genre: Krimi, Freundschaft, vielleicht etwas Drama, etwas h.c.



Auf einmal konnte es Silke Haller nicht schnell genug gehen, sich in den Feierabend zu verabschieden. Dabei war ihr Dienst heute eigentlich so nett gewesen; Boerne hatte gute Laune gehabt und den ganzen Tag über mit geistreichen oder augenzwinkernden Beleidigungen geradezu um sich gefeuert. Sie selber hatte ihm selbstverständlich jeden Kommentar gnadenlos heimgezahlt und mehr als einmal mussten sie sich beide das Lachen verkneifen, um nicht aus ihrer Rolle zu fallen.
Aber nun, innerhalb von einer Sekunde, war der Spaß vorbei – in dem Moment, in dem Hauptkommissar Thiel schnaubend und vor Wut schäumend in die Rechtsmedizin gestürmt kam, hielt Silke die Zeit für gekommen, sich ganz schnell und dezent zu verdrücken. Ein neuer Fall lag nicht an, soviel stand fest; und ihre Gefechte konnten die beiden allein austragen, damit hatte sie nichts zu tun.



Während sie ihren Arbeitskittel auszog um stattdessen ihre Straßenkleidung anzulegen, hörte sie schon, wie Thiel laut wurde. „Sagen Sie mal Boerne, sind Sie noch zu retten? Mir den Obiak auf den Hals zu hetzen! Denken Sie, ich habe nichts Besseres zu tun, als mir die Geschichten von diesem Rentner anzuhören, der den ganzen Tag vorm Fenster sitzt und jedem Fremden in Sichtweite kriminelle Absichten unterstellt?!"

Boerne versuchte wohl, etwas loszuwerden, aber sein „Thiel, ich…" wurde gnadenlos abgewürgt; der Kommissar war richtig in Fahrt. „Also echt, das ist doch zum Ausrasten! Der Mann hat mich ´ne geschlagene halbe Stunde vollgesabbelt! Nur weil da ein paar Mal der gleiche Typ vorm Haus stand, soll ich mit meinen Kollegen eine Überwachung durchführen? Ich bin bei der Mordkommission und nicht bei der Schutzpolizei!"

Thiel verstummte, vielleicht um Luft zu holen und diesen einen Moment nutzte Boerne. „Ehrlich, ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wovon Sie reden!" Er sprach schnell, wohl, um nicht wieder unterbrochen zu werden, und sein Tonfall machte deutlich, dass er ganz irritiert war.
Das schien auch Thiel zu merken; Silke hörte ihn erstaunt fragen: „Also haben Sie ihn gar nicht zu mir geschickt?"
Boernes Antwort war eindeutig: „Thiel, ich bin Herrn Obiak die ganze Woche noch nicht begegnet." Seiner Stimme nach war er zweifellos zornig, als er hinzufügte: „Und ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich mit Ihren unhaltbaren Anschuldigungen demnächst etwas zurückhalten würden."


Thiels „ähm" klang kleinlaut, und die Pause, die entstand, nutzte Silke, um sich zu verabschieden. Mit zwei schnellen Schritten war sie an der Glastür. „Chef, ich bin weg! Schönes Wochenende, die Herren!"
Damit drehte sie den beiden Männern im Büro den Rücken zu, winkte zu Thiels gegrummeltem „Tschüss Frau Haller" noch einmal über ihre Schulter und ignorierte Boernes: „Seit wann machen Zwerge denn Feierabend, bevor es dunkel ist?"


Sie war noch keine drei Meter weit gekommen, als ihr Chef begann, den Kommissar über die Beobachtungen dieses Herrn Obiak auszuhorchen. Silke grinste, als Boernes Fragen immer neugieriger und Thiels Antworten immer einsilbiger wurden; die beiden konnten sich aufführen wie Kinder.



Draußen war schönes Wetter und beschwingt marschierte sie heimwärts durch die Straßen.
Nach ein paarhundert Metern machte sie kurzentschlossen einen Abstecher in eine Metzgerei, in der Absicht, für ihre deutsche Dogge Wotan noch schnell ein paar Wiener Würstchen zu kaufen. Aber als sie das Fleisch bezahlen wollte, stellte sie fest, dass sie ihre Geldbörse in Boernes Büro vergessen hatte. Wie dumm!
Ziemlich peinlich berührt entschuldigte sie sich bei der Verkäuferin und eilte zurück Richtung Institut; einerseits ärgerlich über ihre Gedankenlosigkeit, andererseits froh, weil ihr das Missgeschick so zügig aufgefallen war.

Der Rückweg dauerte nur wenige Minuten, vor allem, weil Silke im Gegensatz zu sonst nicht der Auffahrt zum Haupteingang folgte, sondern eine Abkürzung nahm. Sie überquerte den Rasen, den Boerne ab und an zum Golfplatz umfunktionierte und betrat die Rechtsmedizin durch den Notausgang. Über ein wenig genutztes Treppenhaus gelangte sie ins Kellergeschoss.


Als sie die Tür öffnete und durch den Gang auf Boernes Büro zusteuerte, hörte sie in den Sektionsräumen erboste Rufe. Stritten die beiden immer noch oder schon wieder?
Grinsend schüttelte Silke den Kopf; da schien jemand ganz schön zornig zu sein. Sie hatte allerdings keine Intention, genauer zu ergründen was los war sondern eilte auf den Kicker zu. Heute hatte sie bei einem spannenden Duell gegen ihren Chef tatsächlich verloren und ihm zähneknirschend zwanzig Euro zahlen müssen - und danach ihr Portemonnaie liegenlassen.


Schnell schnappte sie ihre Geldbörse, doch gerade, als sie das Büro wieder verlassen wollte, wurde ihr schlagartig etwas bewusst: der schneidende Tonfall, der jetzt aus den Sektionsräumen tönte, stammte auf keinen Fall von Boerne oder Thiel; das war eine fremde Stimme. Und sie klang unheilverkündend.

Silke verharrte und lauschte konzentriert. Die Person, die da sprach, näherte sich eindeutig und die Worte, die sie nun verstehen konnte, jagten ihr einen Schauer über den Rücken: „Los jetzt Thiel, sonst trifft die nächste Kugel nicht mehr Ihr Bein sondern Ihren Kopf. Ich will verdammt nochmal keinen Mucks mehr hören. Das gilt auch für Sie, Professor!" Die bedrohliche Stimme war völlig gefühlskalt und kam ihr vage bekannt vor. Aber das Schlimmste war, dass der Sprecher sich ganz klar in ihre Richtung bewegte – und das Büro hatte nur einen Ausgang!

Silke musste sich zusammenreißen um nicht in Panik auszubrechen. Hektisch sah sie sich um. Es gab keine Fluchtmöglichkeit – wo sollte sie hin? Hastig und ohne noch eine Sekunde länger nachzudenken, tauchte sie unter Boernes Schreibtisch. Das war zwar kein fantastisches Versteck, aber wenigstens konnte sie von der Tür aus nicht gesehen werden; der Schreibtisch hatte eine Milchglasscheibe als Rückwand. Boerne hatte sich vom ersten Tag an darüber geärgert, weil er bei der Arbeit seine Beine nicht ausstrecken konnte, sondern immer hinten anstieß. Den Tisch abzuschaffen, war ein Punkt ganz oben auf seiner To-do-Liste, seit sie kürzlich in die Kellerräume des Institutes umziehen mussten; zu ihrem großen Glück hatte er es noch nicht geschafft, das Möbelstück auszutauschen.



Schritte näherten sich; Silke verzweifelte fast, als die Männer direkt vor der Bürotür stoppten.

Die Stimme erschallte wieder: „Rein da. Thiel, hinsetzen. Boerne, schwingen Sie Ihren Hintern daneben oder Sie haben ein Loch in ihrer Denkerstirn."
Anscheinend ließ der Mann seinen ohnehin schon deutlichen Worten noch schlagende Argumente folgen; ein ersticktes Keuchen, das sehr nach ihrem Chef klang und der gleich darauf folgende dumpfe Aufprall ließen wenig Spielraum für Interpretation - den Geräuschen nach war Boerne aufgrund eines Hiebes oder Trittes zu Boden gegangen.
Von Thiel kam zuerst nichts; doch dann stieß er ein gequältes Ächzen hervor und einen zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurchzischenden Atemzug; die Geräusche konnten nur bedeuten, dass er Schmerzen hatte.



„Geht doch." Die Befriedigung in der Stimme des Fremden war eindeutig.
Silke hielt die Luft an, als plötzlich Thiel zu reden begann; er hörte sich ganz heiser und angestrengt an. „Kraft. Was zum Teufel wollen Sie von uns?"

In Silkes Hirn begann es zu rattern, und auf einmal konnte sie die Stimme einem Gesicht zuordnen. Felix Kraft, ein zweifacher Mörder, der vor Jahren von Thiel hinter Gitter gebracht worden war; natürlich nicht nur von Thiel, ihr Chef hatte sich ganz extrem in den Fall hineingekniet, weil einer seiner besten Freunde fälschlicherweise des Mordes bezichtigt wurde. Thiel war damals noch ziemlich neu in Münster gewesen, es war einer ihrer ersten gemeinsamen Fälle.
Silke selbst war mit Kraft nie direkt in Kontakt gekommen, hatte aber an der Gerichtsverhandlung teilgenommen und erinnerte sich mit einem Schaudern an den Gesichtsausdruck dieses Mannes, als das Urteil für eine lebenslange Freiheitsstrafe verkündet wurde.
Dieser Kraft war nun hier im Institut und es war klar, dass das kein Freundschaftsbesuch war.


„Was ich von Ihnen will? Ich will Sie büßen lassen für die Zeit, die ich ihretwegen im Knast verbringen musste!" Silke bekam eine Gänsehaut bei seiner Stimme; der Mann sprach seine Drohungen so beängstigend ruhig und klar aus; es gab keinen Zweifel, dass er es ernst meinte.
„Zehn Jahre hat es gedauert, bis ich diese hirnrissigen Knastpsychologen soweit verarscht hatte, dass sie mir Freigang gewährt haben. ZEHN JAHRE!! Aber diesen Ausgang werde ich nutzen; ich habe mich aus dem Staub gemacht, und nun werde ich Sie fertigmachen, darauf können Sie sich verlassen. Ich werde Sie beide zerlegen; ganz genüsslich und scheibchenweise. Wir haben Zeit!"
„Sie sind doch nicht ganz dicht", kam es leise von Thiel. Das klatschende Geräusch unmittelbar danach sprach Bände; Kraft ließ sich nichts gefallen.

Silke war fassungslos. Was sollte sie tun? Sie musste Hilfe holen; aber wie? Und dann, mit einem Mal, hatte sie eine Idee.
Mit einem Ohr lauschte sie Krafts Monolog über die Zeit im Gefängnis, während sie hektisch ihr Mobiltelefon aus der Tasche holte und es mit einem Tastendruck auf lautlos stellte; dann schrieb sie eine SMS. Felix Kraft bewaffnet in der Rechtsmedizin, bedroht Thiel und Boerne. Thiel angeschossen. Ich bin versteckt, kann nicht raus. HILFE!!!
Mit zitternden Fingern schickte sie die SMS an Nadeshda ab und betete, dass Thiels Assistentin sie sofort finden und ernstnehmen würde.



Thiel schien indessen von dem Schlag wenig beeindruckt, seine Sprache war nun allerdings etwas undeutlicher; Silke verzog mitfühlend das Gesicht, das hörte sich nach einer aufgeplatzten Lippe an. „Sie haben in den letzten Tagen vor unserem Haus gestanden, habe ich Recht? Sie haben uns beobachtet. Und ich Idiot habe unseren Nachbarn nicht ernst genommen." Thiel war wirklich sauer.
Felix Kraft dagegen nahm diese Bemerkung zum Anlass, sich weiter höhnisch auszulassen. „Ja, ich war vor Ihrem Haus. Und ich muss zugeben, es war ausgesprochen angenehm, dass Sie tatsächlich in der gleichen Hütte wohnen. Ihre Schritte zu verfolgen und Sie beide gleichzeitig in meine Gewalt zu bringen, war ein Leichtes."


Nun meldete sich Boerne zu Wort. „Wenn Sie es noch etwas länger genießen wollen, dass wir beide Ihrer Willkür ausgeliefert sind, lassen sie mich sein Bein verbinden." Er klang nicht weniger aufgebracht als der Kommissar.

Kraft allerdings schien nicht zu seiner Zufriedenheit zu reagieren; vielleicht schüttelte er den Kopf, vielleicht ignorierte er den Professor vollständig, auf jeden Fall verlor Boerne die Geduld. „So hören Sie mir doch zu! Der Mann verblutet hier, sehen Sie das nicht? Wenn Sie ihn nicht baldmöglichst ins Jenseits befördern wollen, muss ich mich um diese Wunde kümmern!!"
Silke wurde ganz anders; da war ein kaum wahrnehmbares Zittern in Boernes Stimme und gleichzeitig ein dermaßen zorniger Unterton, wie sie ihn noch nie von ihrem Chef gehört hatte.

Es war eindeutig, dass Kraft über diese mehr als heftige Anfuhr nicht amüsiert war; man hörte das Klicken eines Abzughahnes, und dann Krafts eiskalte, leise Stimme: „Sie sollten sich ein wenig zurückhalten, Professor, sonst blase ich Ihnen schneller das Licht aus, als Ihnen lieb ist."

Silke rang ihre Hände und biss sich auf die Lippen, hoffte inständig, dass ihr Chef nun einfach einmal seine Klappe halten würde, egal, wie schwer ihm das fiel. Aber natürlich tat er das nicht. „Sagen Sie, verstehen Sie eigentlich, was ich von Ihnen will? Lassen Sie mich endlich sein Bein versorgen."
Silke musste sich zusammenreißen um nicht laut aufzuseufzen, als ein Schlag und direkt darauf ein Stöhnen ertönten; Boernes überdeutliche Respektlosigkeit hatte Kraft ganz offensichtlich nicht gefallen.

Thiels Stimme war leise und besorgt, als er seinen Kollegen anrief. „Boerne! Alles ok?"
„Bei mir ist alles in Ordnung; sorgen Sie sich lieber um sich selbst, dieser Irre hier begreift ja anscheinend nicht, was ich ihm gerade erklärt habe." Erleichtert ließ Silke ihren Atem entweichen; Boerne war ganz gut zu verstehen, als er ächzend antwortete. Wo auch immer Kraft ihn erwischt hatte, es schien nicht allzu schlimm zu sein.


Immerhin sah Kraft ein, dass Boerne scheinbar Recht hatte. Er klang allerdings bedrohlicher denn je an, als er forderte: „Na gut, kümmern Sie sich um das Bein! Aber keine Tricks!"
„Ich muss den Verbandskasten aus dem Labor holen." Boerne zeigte sich nun nicht etwa dankbar, sondern weiterhin extrem kratzbürstig und vorwurfsvoll; sicherlich keine gute Kombination einem Psychopathen wie Kraft gegenüber. Aber zum Glück provozierte er nicht direkt einen erneuten Ausbruch.
"Sehen Sie zu, wie Sie ohne klarkommen." Krafts Tonfall ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass er in dieser Angelegenheit gerade das letzte Wort gesprochen hatte.

Silke betete zu Gott, dass Boerne nun endlich still bleiben würde; Kraft war kurz vorm Durchdrehen, das war nicht zu überhören. Und überraschenderweise schwieg Boerne tatsächlich; anscheinend hatte sogar er eingesehen, dass er Thiel mit weiteren Widerworten eher Schaden als Nutzen bringen würde. Silke konnte sich allerdings gut vorstellen, wie schwer ihm das fallen musste.



Sie hörte das ratschende Geräusch eines Stoffstücks, das mit Gewalt zerrissen wurde; dann wurde es ziemlich ruhig, Boerne schien zu hantieren und hin und wieder ein ertönte ein leiser Schmerzlaut, den Thiel scheinbar nicht ganz unterdrücken konnte.



Zu Silkes Verwunderung war es der Kommissar, der nach einigen Minuten letztendlich wieder das Wort ergriff. „Kraft, damit kommen Sie doch niemals durch. Wo wollen Sie denn hin? Alle Polizisten in Deutschland werden Sie suchen, wenn Sie nach Ihrem Freigang nicht wieder im Knast auftauchen."
„Das lassen Sie mal meine Sorge sein, Thiel. Ich habe genug Zeit, zu verschwinden, bevor man mich sucht. Das ganze Wochenende, um genau zu sein. Sie wird man frühestens Montag finden, und bei Professor Dreiden wird das nicht anders sein. Den vermisst auch so schnell niemand, wenn ich meine Rechnung mit ihm beglichen habe!"


„Was jetzt, Bernhard wollen Sie auch noch ans Leder?" Bei dem Tonfall konnte sie förmlich vor sich sehen, wie Boerne hochging. „Mein Gott, Sie sind doch wirklich wahnsinnig!" Mit seiner vor Verachtung triefenden Stimme brachte ihr Chef jedoch endgültig das Fass zum Überlaufen. Kraft verlor die Kontrolle.

„Ich hatte Ihnen gesagt, Sie sollen… sich… zurückhalten!"
Noch während Kraft sprach, konnte man hören wie er jemanden hochriss. Silke hielt sich verzweifelt die Hände vor den Mund, als der entflohene Häftling seine vor Anstrengung geschnaubten Worte eindeutig mit heftigen Schlägen untermauerte. Der erste dumpfe Hieb presste seinem Opfer die Luft aus den Lungen, das erstickte Keuchen - zweifellos Boernes Keuchen - sprach Bände. Dem zweiten Schlag folgte ein aufgebrachter Aufschrei von Thiel und gleichzeitig fuhr Silke zu Tode erschreckt zusammen, als ein schwerer Körper auf ihr Versteck prallte. Den Bruchteil einer Sekunde später segelte in einem Schauer von Schreibtischutensilien ihr Chef über die Tischplatte und krachte zwischen Stuhl und Tisch mit Kopf und Rücken voran auf den Boden.

Die Augen geschlossen, bewegungslos und alle viere von sich gestreckt blieb er liegen; eine blutige Platzwunde an der Schläfe stand in erschreckend starkem Kontrast zu seinem blassen Gesicht.
Für einen Moment herrschte absolute Stille.
„Boerne? Boerne!!" Thiels Stimme spiegelte solche Besorgnis wieder, wie Silke sie selten von dem sonst so unerschütterlichen Mann gehört hatte.
Boerne antwortete nicht; doch dann, nach einem gurgelnden Stöhnen, lief plötzlich ein Blutrinnsal aus seinem Mundwinkel und tropfte auf den Boden. Sein Kopf rollte kraftlos auf die Seite, er öffnete mühsam seine Augen und starrte Silke, die wie versteinert unter dem Schreibtisch hockte, benommen ins Gesicht. Entsetzt sah sie, wie Boernes schmerzverschleierte, glasige Augen sich vor Verwunderung weiteten; und in dem Moment wusste Sie, dass ihr Versteck auffliegen würde.


t.b.c.

Comments

( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
12. Sep 2012 19:45 (UTC)
Du hast aber auch ein Händchen für Cliffhanger!

Felix Kraft hatte ich schon völlig verdrängt, aber er paßt ausgezeichnet für diese Rolle. Das war ein wirklich unangenehmer Bösewicht.

Klasse fand ich auch, wie Du Herrn Obiak eingesetzt hast. Erst als Gag, und man ahnt noch nix Böses, und dann bekommt das eine ganz andere Dimension. Den Dialaog zwischen Thiel und Boerne am Anfang hast Du super getroffen.

Und dann wird's spannend. Daß man das alles aus Frau Hallers Perspektive sieht, macht es irgendwie realer und bedrohlicher. Ich hoffe, die Kavallerie kommt rechtzeitig!

Ach ja ... schön, daß es auch mal Thiel erwischt ;) Wobei Boerne zum Ende hin ja auch ganz schön was abgekriegt hat ...


P.S. Gute Besserung!

Edited at 2012-09-12 19:46 (UTC)
baggeli
12. Sep 2012 20:05 (UTC)
Huhuuu! Danke für deine Wünsche, wird langsam besser. Mein Kopf ist seit 24 Stunden ohne Dröhnung ausgekommen, ein ganz neues Lebensgefühl.

Ja, was meinen Bösewicht angeht: ich habe mir die Liste aller Tatort-Folgen angesehen und eine Weile überlegt, wen ich nehmen könnte; und Kraft paßte einfach mit Abstand am Besten. Vor allem, weil er als so intelligent dargestellt wurde, dass er meiner Meinung nach einen Gefängnispsychologen nach Strich und Faden manipulieren könnte. (Ich bezweifle allerdings, dass Täter, die lebenslang mit anschließender Sicherheitsverwahrung eingebuchtet werden, Freigang bekommen; bzw. hoffe ich, dass sie keinen bekommen - aber naja, ihn ausbrechen zu lassen, fand ich noch unrealistischer.)

Ich hoffe, es ist etwas beklemmend, die Geschichte aus Silkes Sicht zu lesen; ich meine, was soll sie als kleine Frau schon ausrichten... da würde sich doch jeder wimmernd in der letzten Ecke verkriechen, oder?

Mit Cliffhangern habe ich einfach Spaß, tut mir auch Leid. Ich bin da ganz schrecklich, aber die entstehen einfach so. Bis eben hatte ich die Geschichte gar nicht unterteilt! Aber dann waren mir knapp 5000 Wörter einfach zu viel des Guten, also habe ich einen Schnitt gesetzt. Die Stelle bot sich doch an, oder?

Naja, und Boerne hat eins auf die Nuss bekommen, weil er sein übergroßes Mundwerk einfach nicht unter Kontrolle hat. Das hat ihm doch schon öfter Schwierigkeiten eingebracht; auch in vielen fanfics, wenn ich das richtig in Erinnerung habe... da wasche ich meine Hände in Unschuld und bin der Meinung, ich bewege mich da auf absolut sicherem Grund. =D

cricri_72
12. Sep 2012 20:21 (UTC)
Silkes Sicht IST beklemmend. In der Situation kann man ja erstmal gar nix machen. Außer Hilfe herbeirufen, und das hat sie ja geistesgenwärtig bereits getan :) Hoffentlich hat Nadeshda ihr Handy im Blick ...

Ausgang würde der Typ wohl nicht bekommen - der Sinn von Freigang ist ja, den Übergang in die Freiheit zu erleichtern, und das steht bei Sicherheitsverwahrung erst mal nicht an. Außerdem besteht dann logischerweise hohe Fluchtgefahr, weil die Person nix zu verlieren hat. Aber ehrlich gesagt - das finde ich jetzt nicht so schlimm ;) Wenn Du's wasserdicht haben willst, kannst Du aber auch einfach die Sicherheitsverwahrung weglassen.

Aber dann waren mir knapp 5000 Wörter einfach zu viel des Guten
Oh, gut, dann geht es ja sicher bald weiter :D

Mein Kopf ist seit 24 Stunden ohne Dröhnung ausgekommen
Dafür fange ich jetzt an zu schniefen ... hatschi
baggeli
12. Sep 2012 20:37 (UTC)
Dafür fange ich jetzt an zu schniefen ... hatschi
Oje, du hast mein vollstes Mitgefühl!!

Das geht hier in der Ecke voll rum, in der Klasse meiner Tochter fallen die Kinder (und Lehrer) wie die Fliegen. Kopfweh ohne Ende durch vereiterte Stirnhöhlen, Halsweh und Husten; ich weiß, wovon ich rede.

(Ein super Konzert hat mir das beschert, die Kopfschmerzen fingen schon Samstag an. Ich habe zwei Stunden auf dem Deich an der Meyer-Wert gelegen und gebetet, dass die viel zu früh nach der vorherigen eingeworfene anderthalbfache Dosis Ibuprofen mir endlich soweit den Brummschädel nimmt, dass ich die Bands im Stehen anschauen kann, ohne dabei umzufallen. Atze Schröder und Frida Gold habe ich im wahrsten Sinne verpennt; aber danach konnte ich den Rest des Abends immerhin genießen; wenn auch etwas zugedröhnt. Ab Sonntag ging es dann total bergab, die Story kennst du ja... *seufz*)

Das mit dem Freigang lasse ich jetzt einfach so. Hat ja niemand behauptet, ich hätte das wasserdicht recherchiert. ;o) Da müsst ihr wohlwollend drüber weg lesen. ;o)
EDIT: hab' noch etwas im Grundgesetz gestöbert und es dann doch geändert

Edited at 2012-09-13 07:03 (UTC)
( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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