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Bingo-Prompt 1

Titel: Manche Menschen können nicht aus ihrer Haut
Fandom: Tatort Münster
Prompt: bequeme Klamotten
Medium: Fanfiction, Manip
Zusammenfassung: Boerne ist doch immer für eine Überraschung gut...
Anmerkungen: Boernes Nichte Betty aus der Frauenflüsterer wird namentlich erwähnt


Hauptkommissar Thiel musste gar nicht von seinem Monitor aufschauen, als die Tür zu seinem Büro ohne vorheriges Klopfen aufgerissen wurde. Er wusste auch so, wer da gerade den Raum betreten hatte. Nadeshda saß an ihrem Schreibtisch, die konnte es nicht sein - es blieb nur eine Person, die sich das Recht nahm, unangekündigt hereinzuplatzen.
„Moinsen Frau Klemm" brummte er in Richtung Tür, während er ohne Unterbrechung weitertippte.


„Thiel. Frau Krusenstern", kam die wortkarge, sonore Begrüßung zurück. Die Staatsanwältin ließ sich ohne Umschweife auf dem Besucherstuhl vor Thiels Schreibtisch nieder, durchwühlte ihre Handtasche nach einer Zigarette, zündete sie an und lehnte sich dann wohlig aufseufzend zurück.
Thiel schüttelte innerlich grinsend ein wenig den Kopf, als sie ihm den Qualm mehr oder weniger ins Gesicht blies. Manche Menschen konnten einfach nicht aus ihrer Haut.



„Wie ich höre, hat der Verdächtige heute Morgen gestanden. Gute Arbeit, Thiel." Frau Klemms rauchige Stimme hatte einen wirklich zufriedenen Unterton. Mit Genuss nahm sie einen weiteren tiefen Zug und ließ den Rauch dann langsam wieder entweichen. „Ich will so schnell wie möglich vor die Presse. Haben Sie alle Unterlagen vervollständigt?"

„Ja, jetzt gerade", bestätigte Thiel und hämmerte auf die Enter-Taste seiner Tastatur, um seinen Bericht zu speichern. Dann endlich blickte er die Staatsanwältin an. „Boerne bringt den Autopsiebericht auch gleich vorbei, ich habe vorhin mit ihm telefoniert. Der müsste jeden Moment kommen."

Bevor die Staatsanwältin antworten konnte, ertönte ein kurzes, scharfes Klopfen an der Tür. Thiel kannte dieses Geräusch schon in- und auswendig, er machte sich gar nicht die Mühe, „Herein!" zu rufen. Das hätte den Mann vor der Tür ohnehin nicht interessiert, er stürmte grundsätzlich in den Raum, bevor einer der Anwesenden reagierte. So natürlich auch dieses Mal.

„Tach, Boer…" Thiel brach mitten im Wort ab und riss erstaunt die Augen auf. Nadeshda entfuhr beim Anblick des Rechtsmediziners ein verwundertes „Wow!" und Staatsanwältin Klemm fiel fast die Zigarette aus dem Mund.


Sich seiner Wirkung auf seine Kollegen anscheinend nicht bewusst, marschierte Professor Karl-Friedrich Boerne zielstrebig auf Thiels Schreibtisch zu und wedelte dabei mit einer dicken Mappe in seiner Hand. „Hier sind alle Befunde, Thiel. Dafür habe ich was gut bei Ihnen, ich habe nämlich wirklich noch anderes zu tun, als für Sie den Postboten zu spielen. Schönen Tag noch."
Mit diesen Worten warf er den Ordner auf Thiels Schreibtisch und drehte sich auf dem Absatz um, um wieder aus dem Raum zu eilen.


Thiel brauchte einen Moment, um seine Überraschung zu verdauen, dann aber stoppte er den zügig davonschreitenden Forensiker mit einem: „Boerne! Moment mal!"
Gereizt drehte der Angesprochene sich zurück. „Was ist denn noch?"
Thiel musterte ihn nochmals von oben bis unten und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Sagen Sie, geht es Ihnen gut? Sie sehen so anders aus heute."
Irritiert zog Boerne die Augenbrauen hoch. „Wieso, was ist denn? Hab‘ ich Flecken im Gesicht oder was?"
Staatsanwältin Klemms Stimme klang fast ehrfürchtig, als sie antwortete. „Sie tragen Jeans. Und eine Lederjacke."


Boerne sah an sich herab. „Ach, die Verkleidung meinen Sie? Hören Sie bloß auf!" Er winkte genervt ab. „Meine Schwester hatte die glorreiche Idee, dass ich meiner Nichte Betty zum vierzehnten Geburtstag Konzertkarten schenke. Was sie mir dabei verschwiegen hat, ist, dass ich Betty dorthin begleiten muss, weil sie selbst gerade mit ‚Ärzte ohne Grenzen‘ in Kambodscha im Busch umherkriecht. Und ganz nebenbei hat sie mir zu verstehen gegeben, dass ich dort nicht im Anzug auftauchen kann." Sein Tonfall und Gesichtsausdruck machten mehr als deutlich, was er von der Hinterlist seiner Schwester hielt, aber Nadeshda war von dieser offenen Entrüstung wenig beeindruckt. „Oh, toll!" strahlte sie. „Auf was für ein Konzert gehen Sie denn?"

„Tokio Hotel". Boernes Zähne waren so eng zusammengepresst, dass man die Worte kaum verstehen konnte. Thiel und die Staatsanwältin lachten laut auf, auch Nadeshda schaffte es dabei nicht, ernst zu bleiben.
„Ich sehe schon, auf Ihr Mitgefühl kann ich nicht rechnen" knurrte Boerne mürrisch. „So, jetzt muss ich aber wirklich los, in der Apotheke einen Gehörschutz besorgen. Sonst komme ich am Ende noch mit einem Tinnitus heim." Mit diesen Worten wandte Boerne sich zum Gehen, schaute aber noch einmal zurück, als Thiel schnaubte. „Wieso brauchen Sie Ohrenstöpsel? Sie übertönen doch tagtäglich mit Ihren Opern jeden startenden Düsenjet, Sie sind den Krach doch gewohnt."
Boerne warf der kichernden Nadeshda einen vernichtenden Blick zu, bevor er Thiel mit einer Antwort bedachte. „Es ist nicht die Musik, die mir Sorgen bereitet, es sind die kreischenden Teenager. Da rupturiert einem doch das Trommelfell, wenn die loslegen!" Entrüstet fuhr er sich durch die Haare und schob seine Brille nach oben. „Wahrscheinlich will Betty auch noch in der ersten Reihe stehen. Naja, vielleicht habe ich Glück und sie kollabiert vor Aufregung, bevor das Konzert überhaupt begonnen hat. Also, auf Wiedersehen."
Er drehte seinen herzhaft lachenden Kollegen den Rücken zu und war schon fast an der Tür, als Thiel ihm grinsend nachrief: „Boerne, ganz ehrlich, an den Anblick könnte ich mich gewöhnen! Der Look steht ihnen gut!"


Der Professor blickte sich noch einmal um. „Sparen Sie sich Ihren Sarkasmus, Thiel. Ich bin froh, wenn ich heute Abend wieder in  - wie würde Betty es formulieren? - bequeme Klamotten schlüpfen kann." Damit war er aus der Tür.

Thiel zog die Augenbrauen hoch und blinzelte Nadeshda und der Staatsanwältin zu. „Bequeme Klamotten. Ein Armani-Dreiteiler."
Prustend wie die beiden Frauen lehnte er sich in seinem Stuhl zurück.
Manche Menschen konnten einfach nicht aus ihrer Haut.
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bequeme Klamotten

Comments

( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
readonly56
18. Sep 2012 14:16 (UTC)
Super :) Absolut O-Ton *g* Und die Fotomontage ist der Knaller. Diese Blicke ...
baggeli
18. Sep 2012 14:26 (UTC)
Hihi, danke Gabi! *hüpf* (Und ist es dir aufgefallen, keiner hat was auf die Rübe bekommen...*stolz-bin*)
Spaß beiseite, die Fotomontage ist natürlich nur bullshit, man findet nicht genug Bilder, auf denen die Lichtverhältnisse, Farben und Größen wirklich gut zusammenpassen... das ist alles ziemlich gepfuscht, aber macht ja nichts; ich denke, man sieht, was ich mit der Geschichte erzählen wollte oder? =) Frau Klemms Blick finde ich selber immer wieder zum schieflachen!
cricri_72
18. Sep 2012 18:58 (UTC)
Tokio Hotel
Ich habe lauthals losgelacht :D

Sehr schöne Idee. Auch das mit dem "nicht aus der Haut können"; das DU zweimal aufgreifst. Das mit dem Anzug ist zwar schon ein wenig dramatisiert, weil man Boerne doch gelegentlich in was bequemeren sieht (oder sind das immer nur seine Schlafsachen?), aber es spitzt die Sache so schön zu :)

„Bequeme Klamotten. Ein Armani-Dreiteiler."
*snicker*

Nur eine kleine Anmerkung - ich glaube, ich würde Betty hier jünger machen, 13 oder 14. Dann wäre es logischer, daß Boerne sie begleiten muß. (Von der Korrelation zwischen Alter und Musikgeschmack will ich gar nicht reden ...)
baggeli
18. Sep 2012 20:33 (UTC)
Hi cricri!

Ja, das mit dem jünger machen ist so eine Sache - wenn ich mich an den Tatort-Zeitstrahl halten will, gab es Tokio-Hotel noch nicht, als Betty 14 war. Ich habe heut eine ganze Weile Zeit verschwendet, nach einer Teenie-Kreisch-Band zu suchen, die zu der Zeit bekannt war, aber ich bin da nicht recht fündig geworden. Aber wenn ihr meint, das kommt nicht so genau drauf an, würde ich das Alter frech umändern.

Was die bequemen Sachen angeht: ich kenne Boerne in einer Waschmaschinen-Szene in legerer Hose und Hemd. Aber draußen unterwegs ist er immer nur in Anzug und Schlips bzw. Golfklamotten. (Und einmal mit Betty im peinlichen Jogginganzug, aber das war ja nun auch eine Verkleidung. *lol*)

Daheim kommt dann schon mal der Schlips weg und der Bademantel drüber oder Pyjamahose mit T-Shirt; aber darum soll es ja in dem kleinen Unsinnspost gar nicht gehen. :)

EDIT: ich habe Betty jetzt auf 14 verjüngt; vergesst den Zeitstrahl. Wenn die Tatortschreiber sich da schon nicht dran halten, muss ich das erst recht nicht...


Edited at 2012-09-18 21:01 (UTC)
cricri_72
18. Sep 2012 21:09 (UTC)
gab es Tokio-Hotel noch nicht, als Betty 14 war
So was habe ich mir schon gedacht ;) Aber ich finde das nicht so tragisch. Mir gefällt die Vorstellung zu sehr, daß Boerne mit seiner 14jährigen Nichte auf ein Konzert muß ...
baggeli
18. Sep 2012 21:13 (UTC)
Ja, ich hatte selber mächtig Spaß an der Vorstellung; speziell bei dieser Band. xD
farfarello88
19. Sep 2012 10:37 (UTC)
Herrlich, kann ich da nur sagen. Herrlich! :D

Ich musste schon den ganzen Text über grinsen, aber bei Tokio Hotel habe ich mich dann vor Lachen tatsächlich an meinem Brötchen verschluckt. xD

Ich hoffe mal, dass Boerne weiß, dass Eltern und Erwachsene generell von den jungen Konzertgängern lieber vor der Halle stehen gelassen als mit reingenommen werden. ; ) Oder versorgt er seine Nichte nur mit frischem Essen und begleitet sie lediglich bis zum Eingang, nachdem sie wie hunderte andere Fans Tage vor dem Gebäude gezeltet hat, um als eine der ersten in die Halle zu kommen? (Wer zu der damaligen Zeit BRAVO gelesen hat, der weiß, was vor den Konzerten von TH abging... xD)

Um nochmal auf Boerne in 'gemütlichen Klamotten' zurück zu kommen: In 3 x schwarzer Kater trägt er immerhin freiwillig einen Jogginganzug und bei Wolfsstunde sitzt er im T-Shirt (ob die Hose eine Jeans war oder etwas anderes Legeres, da bin ich mir grade nicht sicher) vorm Computer.
baggeli
19. Sep 2012 11:00 (UTC)
Huhuu Farfie!!

Hehe, keine Ahnung, ob er weiß, was ihn da auf so einem Konzert erwartet. :D (Ist es rechtlich zulässig, die Kurzen da allein in die Halle zu lassen?)

Ich vertrete die Meinung, dass Boerne andere Bekleidung als einen Anzug in der Öfentlichkeit nicht freiwillig anlegt. Zum Sport (Joggen, Golf - ja, klar), mit Betty in der Disco (sonst wäre er nicht mit reingekommen - ja, klar). Aber sonst ist er doch immer nur in Schlips und Kragen unterwegs.

Abends in seiner Wohnung ist das was anderes. Da sieht man ja von Pyjamahose und Shirt (Wolfsstunde) über Bademantel (diverse Male) bis hin zum chinesischen Dress (Hinkebein) allerhand verschiedene Outfits. Im Institut natrürlich Arzt/Krankenhausklamotten, auch klar.

(Ich persönlich würde ihn gerne mal mit Jeanshose und Lederjacke sehen. Aber den Gefallen wird uns wohl niemand tun; wenn ich diese Fotos mit Cowboyhut von der nächsten Folge sehe, wird mir ganz anders... *sigh*)
( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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