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Bingo-Prompt 3

Titel: Der richtige Riecher - Kapitel 1
Fandom:
Tatort Münster
Prompt: in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Medium: Fanfiction
Zusammenfassung: Zwei junge Studentinnen sind ermordet aufgefunden worden; wie es aussieht, sind sie einem psychopathischen Vergewaltiger in die Hände gefallen. Aber nicht nur dieser Fall macht Silke Haller Sorgen...
Anmerkungen: Schließt sich an die Ereignisse aus Mörderspiele an. Ich beziehe mich ein wenig auf die Handlung der Tatort-Folge, aber das ist ziemlich nebensächlich
A.N.: Die Idee des Falles geisterte mir schon länger im Kopf herum; so hanebüchen wie der ist, passte er gut zum Tatort Münster (meiner Meinung nach). Durch den Prompt ist jetzt zusätzlich eine h/c Geschichte draus geworden, wer das nicht mag, soll es bitte nicht lesen. Gruß und Kuss, Schluss.
A.N.2: Gabi hat jetzt drüber gesehen und einiges verbessert. Danke, Gabi!!



Die Szenen glichen sich wieder und wieder. Nicht immer war es mitten in der Nacht, so wie jetzt, aber die blinkenden Blaulichter, das Absperrband, die KTU in ihren weißen Schutzanzügen… jedes Mal dasselbe. Das Einzige, was sich änderte, waren die Tatorte - und die Opfer.


Silke Haller rollte die Schultern und musste ein Seufzen unterdrücken; sie war müde. Wäre sie doch bloß nicht ans Telefon gegangen!

Gerade erst hatten sie einen sehr anstrengenden Fall abgeschlossen; eine ehemalige Freundin von Staatsanwältin Klemm hatte mit Hilfe ihres Lebensgefährten drei Menschen umgebracht, und die Ermittlungen in dieser Mordserie hatten ihr und besonders ihrem Chef einiges abverlangt. Sie selbst hatte ihr ganzes Wochenende im Institut zugebracht, DNA-Tests durchgeführt und unzählige Fingerabdrücke verglichen, die auf dem Bauernhof der Verdächtigen sichergestellt worden waren. Boerne war indessen wieder einmal an vorderster Front tätig gewesen und hatte sich dabei mehrmals in recht grosse Gefahr gebracht; letztendlich hatte sich aber herausgestellt, dass er die ganze Zeit den richtigen Riecher gehabt hatte, auch wenn Hauptkommissar Thiel und speziell Staatsanwältin Klemm seiner Theorie mehr als zweifelnd gegenübergestanden hatten.
Gestern Abend erst hatte der Mittäter die Morde gestanden und das Versteck des makabererweise noch fehlenden Kopfes eines der Opfer preisgegeben. Boerne war noch in der Nacht in die Kanalisation gestiegen, hatte das Körperteil geborgen und die Abschlussberichte verfasst.
Und anstatt dass nun ein paar wohlverdiente, ruhige Tage anstanden, hatten sie direkt wieder mit einem Doppelmord zu tun.


Kopfschüttelnd schaute Silke auf die Leichen der zwei jungen Frauen, die vor ihr auf dem Boden lagen. Beide waren hübsche Mädchen gewesen, steckten wahrscheinlich voller Träume für ihre Zukunft. Und nun hatte man sie erdrosselt in der maroden Laube eines Münsteraner Schrebergartens aufgefunden.
Diesen Gedankengang schüttelte die kleinwüchsige Rechtsmedizinerin aber schnell ab. Sie hatte schon früh gelernt, emotionale Distanz zu den Opfern zu wahren - nur auf die Art konnte sie ihren Job professionell ausführen.

Während Silke sich neben den beiden Frauen auf den staubigen Holzfußboden kniete und ihren Arbeitskoffer öffnete, näherte sich auf der Straße hinter den Gärten ein bekanntes Motorengeräusch.
Ihr Chef war eingetroffen.

Ein paar Schritte neben der Laube hob Nadeshda Krusenstern den Blick von ihrem Notizblock, als Hauptkommissar Frank Thiel in seinem unverkennbaren Hamburger Dialekt eben diese Tatsache feststellte: „Oh, der Herr Professor gibt sich die Ehre." Silke musste wie Nadeshda grinsen, als Thiel hinzufügte: „Wurde ja auch Zeit.“


Sie hatte alle wichtigen Instrumente vorbereitet und zog gerade ihre Handschuhe über, als die Tür des PS-starken Wagens zugeschlagen wurde. Lächelnd blickte Silke auf, um ihren Vorgesetzten zu begrüßen. Das Lächeln verschwand aber recht schnell aus ihrem Gesicht und machte stattdessen einer besorgten Miene Platz. Mit einem Stirnrunzeln beobachtete sie durch die offene Tür, wie sich der Leiter der Rechtsmedizin, Professor Karl-Friedrich Boerne, unter dem Absperrband hindurchduckte und auf den Tatort zuschritt.
Nach einem kurzen Wortwechsel mit den beiden Polizisten kam er zu ihr in die Laube, griff ebenfalls ein paar Gummihandschuhe aus dem Koffer und hockte sich neben sie.
Auf Außenstehende wirkte er sicherlich wie immer, als er die erste Leiche in Augenschein nahm: professionell und hochkonzentriert.
Ein Blick in sein Gesicht aber bestätigte, was sie nur durch die Beobachtung seines kurzen Weges zum Tatort schon vermutet hatte. Kraftlose, für ihren sonst so energiegeladenen Chef fast schleppende Bewegungen sprachen eine deutliche Sprache, und die fahle Gesichtsfarbe mit Schatten unter fieberglänzenden Augen ließ keinen Zweifel – die Erkältung, die Boerne schon seit Tagen in den Knochen steckte, war nicht abgeklungen. Ganz im Gegenteil; seit seinem Ausflug in die Kanalisation am Abend zuvor hatte sich sein Zustand definitiv verschlechtert.


Wie um ihre Diagnose zu untermauern, begann der Professor zu husten. Der Anfall klang in Silkes Ohren unangenehm rasselnd und dumpf, aber zum Glück war er schnell vorbei, nach ein paar Sekunden richtete Boerne sich wieder auf. Aber es brauchte noch ein paar angestrengte Atemzüge, ehe er die Hand, mit der er seinen Brustkorb umklammert hatte, sinken ließ.
Silke wollte ihren Chef gerade auf diesen Vorfall ansprechen, als Nadeshda und Thiel die Laube betraten. Also zog sie nur ihren Arm zurück und blieb still. Es war nicht an ihr, Boernes Gesundheitszustand vor Publikum zu thematisieren und er schien wie immer darauf bedacht, dass man ihm nichts anmerkte.
Sie seufzte. Jeder andere wäre in diesem Zustand daheimgeblieben; aber es war immer ein bürokratisches Problem, wenn sie allein an einer Leichenfundstelle war, und das war wohl der Grund, warum ihr Chef sich in dieser Nacht an den Tatort gequält hatte.



Thiel und Nadeshda standen nun unmittelbar hinter ihnen; die beiden hatten ganz offensichtlich nicht bemerkt, dass mit dem Professor etwas nicht stimmte, und warteten auf eine erste Einschätzung.

„Chef?“ Es war nur ein einziges Wort, aber Silke kommunizierte damit ein halbes Dutzend Dinge gleichzeitig. Da war eine Begrüßung versteckt, Sorge um sein Wohlergehen sowie deutliche Missbilligung, dass er nicht im Bett lag. Und nicht zuletzt die Frage, ob er mit offenen Karten spielen oder stillschweigend den Job durchziehen wollte. Aber sie verlor kein unnötiges Wort, sondern signalisierte lediglich, dass sie sich nach ihm richten würde.

Boerne zog eine Augenbraue hoch und warf ihr über den Rand seiner Brille hinweg einen kurzen Blick zu. Es war eindeutig, dass er sie genau verstanden hatte; die Fülle an Aussagen, die sie in dieser kurzen Silbe und hinter einem eigentlich neutralen Gesichtsausdruck vermittelt hatte, war wohl allen entgangen, aber nicht ihm.

Seine Stimme klang in Silkes Ohren schmerzhaft belegt, als er ihr eine scheinbar unbekümmerte Bemerkung hinwarf, die ihre unausgesprochene Frage eindeutig beantwortete. „Das wird ´ne lange Nacht, Alberich. Ich hoffe, Sie sind mit Wotan schon Gassi gegangen, sonst haben Sie morgen früh ein paar große Pfützen im Haus. Bei Ihrem überdimensionierten molossoiden Vertreter des Canis lupus familiaris kommt ja in etwa so viel raus, wie bei einem kleinen Elefanten. Da hätten Sie dann ganz schön was zu wischen mit Ihren zarten Händchen.“
Silke schnaubte und schüttelte mit hochgezogenen Augenbrauen den Kopf. Sie bezog sich damit aber nicht auf seine für Normalsterbliche nahezu unverständliche Frotzelei, sondern zeigte ihm vielmehr, was sie davon hielt, dass er in seinem Zustand in dieser zugigen Laube hockte.
Das änderte Boernes Entscheidung natürlich nicht. Er zwinkerte ihr müde zu, schob mit der für ihn typischen Handbewegung seine Brille an die richtige Stelle und zog seine Handschuhe an.

Thiel, der sichtbar gereizt das Geplänkel zwischen den Forensikern mit angehört hatte, verlor die Geduld. „Heute noch, Boerne! Ich hab‘ nicht die ganze Nacht Zeit!“, blaffte er.
Ihr Chef zuckte zusammen und verzog für einen Moment das Gesicht. Es war nicht schwer zu erraten, dass er zu allem Überfluss auch noch von Kopfschmerzen geplagt wurde.

Ganz offensichtlich hatte der Kommissar dieses Zusammenfahren ebenfalls bemerkt. Auch Boernes farbloses Gesicht und seine bleiernen Bewegungen waren ihm wohl nicht entgangen, aber er interpretierte sie völlig falsch. Grinsend und mit einem schadenfrohen Unterton richtete er einen entsprechenden Kommentar an den Mediziner: „Na, Boerne, brummt der Schädel? Haben Sie mal wieder mit ihrem Onkel eine Weinprobe abgehalten, oder sind Sie im Golfstübchen versackt?“


Silke verdrehte innerlich die Augen. Sie mochte Thiel gerne und wusste auch, dass er seine Stichelei nicht wirklich böse meinte. Doch in diesem Moment hätte sie ihn treten können. Sah er denn nicht, was los war?
Aber nein, er sah es nicht. Und ihr Chef ließ ihn einfach in seinem Irrglauben, statt mit der Wahrheit herauszurücken.

Boerne machte sich nicht die Mühe zu antworten, Silke dagegen bedachte Thiel über ihre Schulter hinweg mit einem zornigen Blick. Und dann ging sie Boerne zur Hand, wie sie es immer tat.

Die beiden waren ein eingespieltes Team und innerhalb kürzester Zeit machten Sie sich ein erstes Bild von den Opfern, tauschten leise Informationen aus präzisierten anhand der Todeszeichen den Zeitpunkt der Morde.
Thiel ließ es sich währenddessen nicht nehmen, ab und zu noch ein wenig auf Boernes vermeintlichem Kater herumzureiten. Dass er in der Hocke sein Gleichgewicht kaum halten konnte und sich deshalb tatsächlich mit seiner Anzughose in den Dreck kniete; seine zitternden Hände und jeder unbewusste Griff an den schmerzenden Kopf wurden beobachtet und genüsslich kommentiert.
Ihm entging nichts, das musste Silke zugeben. Für sie ziemlich schwer zu schlucken war allerdings die Tatsache, dass er ihrem Chef dabei so Unrecht tat; oder vielleicht noch mehr, dass Boerne sich die süffisanten Anmerkungen einfach so gefallen ließ. Er war scheinbar zu gerädert, um sich auf ein Wortgefecht einzulassen; allein das hätte dem Kommissar schon auffallen müssen.

Aber ganz eindeutig war Thiel mit seinen Gedanken ausschließlich bei den Leichen. Und definitiv ging ihm alles nicht schnell genug. Silke konnte seinen Missmut nicht überhören, als er brummte: „Hallo! Wird das heute noch was? Ich hätte gerne mal ein paar Fakten!"

Silke seufzte entnervt und wollte ihm schon eine deutliche Antwort zukommen lassen, als Boerne nur andeutungsweise den Kopf schüttelte und dann auf die junge Frau wies, die noch auf dem Bauch lag. „Drehen wir sie um“, sagte er leise.


Als sie auch diese Tote behutsam auf den Rücken gerollt hatten, schlug Silke entsetzt beide Hände vor den Mund. Sie konnte nicht glauben was sie sah und starrte ihren Chef an, in der Hoffnung, sie würde sich täuschen. Aber ein Blick auf Boerne zeigte ihr, dass ein Irrtum leider ausgeschlossen war; auch wenn er sich besser unter Kontrolle hatte, war sie sicher, dass er bestürzt war. Beinahe hektisch beugte er sich vor und tastete den Bauch der jungen Frau ab, bevor er für einen Moment regungslos verharrte; dann zog er seine Handschuhe aus, schob seine Brille hoch und rieb sich die Augen.

Thiel blickte zwischen ihnen beiden hin und her. "Was?" Seine Stimme war eindeutig beunruhigt.
Ihr Chef seufzte, als er sich aufrichtete und zu Thiel umdrehte; er sah regelrecht mitgenommen aus.
Der Kommissar verengte bei seinem Anblick die Augen. „Mein mieses Gefühl, was diesen Fall betrifft, verschlechtert sich gerade ganz gewaltig. Was zum Teufel ist los, Boerne?“


Boerne fuhr sich mit einer Hand über die Stirn, als er mit der anderen auf die dunkelhaarige der beiden Frauen wies und das aussprach, was Silke am liebsten nicht wahrhaben wollte. "Sie war schwanger, vielleicht Ende siebter Monat. Ich denke, das Kind wäre lebensfähig gewesen."
"Scheiße!“ flüsterte Thiel. Als er auf den zwar nicht großen, aber ganz eindeutig gewölbten Bauch der Frau starrte, spiegelte sein Gesicht die Fassungslosigkeit, die Silke selber auch spürte; Nadeshda wurde ganz blass und sagte gar nichts


Nach einem Moment gab der Kommissar sich einen sichtbaren Ruck und wandte sich wieder an ihren Chef. „Was können Sie mir noch sagen?“


Boerne holte tief Luft; dass er dabei ein wenig zusammenzuckte, fiel aber nur Silke auf. "Vermutlich sind beide Frauen vorgestern Abend getötet worden. Das Zeitfenster zwischen den Morden beträgt wohl nur zwei bis drei Stunden. Dass die beiden erdrosselt worden sind, haben Sie sicherlich selber schon gesehen."
"Und vergewaltigt." Thiel fragte es nicht, er stellte es fest.
"Ziemlich brutal, so wie es aussieht", bestätigte der Professor leise ihre vorherige Diagnose. „Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob das vor oder nach ihrer Ermordung passiert ist."

Für eine Weile herrschte Schweigen.
Thiels Gesicht war starr, aber Silke sah in seinen Augen eine grimmige Entschlossenheit,  als er unvermittelt das Wort ergriff. "Wir werden das Schwein kriegen.“
Diese einem Schwur ähnelnde Versicherung brach den Bann. Silke erwiderte sein kurzes Kopfnicken, dann drehten die Polizisten sich von ihnen weg und begannen, ihr weiteres Vorgehen zu besprechen; kurz darauf entfernte Nadeshda sich mit neuen Arbeitsanweisungen.



Silke war froh, als sie mit ihren Aufgaben vor Ort endlich fertig waren; sie hatte das ungute Gefühl, dass Boerne neben ihr in den letzten Minuten ziemlich abgebaut hatte. Sie hockte nah genug neben ihm, um bei jedem seiner Atemzüge ein leises Rasseln zu hören; er war ganz still geworden und sie konnte spüren, wie er zu zittern begonnen hatte. Dahinter steckte bestimmt ein Fieberschub mit Schüttelfrost, es wurde Zeit, dass er aus dieser ungemütlichen Laube herauskam.

Gerade als der Kommissar für einen Moment vor die Tür gegangen war, weil er Staatsanwältin Klemm am Telefon hatte, brach der Professor erneut in einen Hustenanfall aus. Sie fasste für die Dauer der heftigen Stöße besorgt seine Schulter; sogar durch seine Anzugjacke konnte sie dabei die unnatürliche Hitze fühlen, die er ausströmte.
Die Attacke raubte ihrem Chef seine restliche Energie, ließ ihn erschöpft und zusammengesunken zurück.
Als er endlich wieder zu Atem gekommen war, holte Silke nun ihrerseits tief Luft, um ihm ein paar Takte zu seiner Unvernunft zu sagen, aber bevor sie loslegen konnte, hatte der inzwischen mehr als missmutige Thiel sein Telefonat beendet und kehrte zurück in die Laube, zog seinen kleinen Schreibblock hervor und begann, sich damit zu beschäftigen.
Also richtete sie nur ein leises: „Chef, so geht es nicht weiter!“ an den Professor und begann dann energisch, die Instrumente zusammenzupacken. Lange würde sie sich dieses Spiel nicht mehr stumm mit ansehen.


Boerne warf währenddessen mit einem Aufseufzen seine Handschuhe in den Koffer. Dann nahm er seine Brille ab und massierte für ein paar Sekunden Schläfen und Nasenwurzel. Man musste kein Arzt sein, um zu erkennen, dass er sich elend fühlte; und endlich sah Silke in den Augen des Kommissars, der den auf dem Boden kauernden Mann stirnrunzelnd gemustert hatte, so etwas wie Erkenntnis aufblitzen.

Mit einem heiseren Räuspern setzte Boerne seine Brille wieder auf und wandte sich Thiel zu. „Wenn Sie einverstanden sind, werde ich die beiden Frauen jetzt abtransportieren lassen“, sagte er, die Stimme ganz kratzig vom letzten Hustenanfall.
"Ja, lassen Sie sie wegbringen“, brummte sein Gegenüber etwas abwesend. Aber Silke fiel auf, dass Thiel sich nicht mehr wirklich auf seine Notizen konzentrierte, sondern stattdessen den Professor nicht mehr aus den Augen ließ.

Als Silke ihren Koffer mit einem finalen Klicken schloss, richtete Boerne sich mühsam auf. Aber kaum dass er einigermaßen aufrecht stand, verlor sein ohnehin schon blasses Gesicht alle restliche Farbe. Er taumelte und griff sich mit einer Hand an den Kopf, während er die andere hilfesuchend ausstreckte, als wolle er sich irgendwo festhalten. Nur dass es nichts zum Festhalten gab.

„Chef!“ Silke schnellte erschreckt hoch, um ihm zu helfen.
Doch noch bevor sie den ersten Schritt tun konnte, war Thiel in einem großen Satz nach vorne gesprungen und hatte den Arm des Professors geschnappt.
„Na, das konnte man aber kommen sehen. Sie sind heute echt nicht fit, was? Ist Ihnen schwindelig?“

Boerne reagierte nicht auf ihn. Er griff lediglich Thiels Jacke so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten und schüttelte benommen seinen Kopf, als wolle er ihn auf die Art wieder klarbekommen.
Thiel hatte ihn währenddessen sichtbar alarmiert näher an sich herangezogen und mit beiden Händen gefasst. „Hey, was ist denn mit Ihnen los? Boerne?“, drängte er dabei hektisch.
Aber der aschfahle Mann, auf dessen Gesicht der kalte Schweiß ausgebrochen war, gab keine Antwort mehr. Völlig unvermittelt rollten seine Augen in seinem Kopf nach oben, gleichzeitig löste sich sein verkrampfter Griff und er sackte rückwärts weg.
„BOERNE!!!“

Hilflos musste Silke mit ansehen, wie der total überrumpelte Kommissar von Boernes so plötzlich erschlafften Körper nach vorne gerissen wurde und ins Stolpern kam. Zum Glück hielt er ihn weiter umklammert, als er unbeholfen auf ein Knie fiel; Boerne landete zwar ziemlich hart, aber wenigstens konnte Thiel verhindern, dass er mit dem Kopf aufschlug.
Ihr war sofort klar, dass ihr Chef das Bewusstsein verloren hatte; er hing völlig reglos in Thiels klammerartigem Griff, sein Kopf weit in den Nacken gekippt, die Augen geschlossen.
In höchster Eile schnappte sie ihren Instrumentenkoffer, während Thiel sachte Boernes Oberkörper ablegte und dann fast panisch zu ihr aufblickte. „Mein Gott, was ist denn mit ihm?", stammelte er. "Eben war doch noch alles in Ordnung…“

„Ach Blödsinn, nichts war in Ordnung!“, antwortete sie aufgebracht. „Der Professor ist ernsthaft krank, haben sie das nicht bemerkt?“
Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme ziemlich bitter klang, als sie den schwarzen Koffer neben Thiel auf den Boden knallte. „Mensch Herr Thiel! Sie als erwachsener Mann müssten doch eine akute Grippe von einem Kater unterscheiden können! Aber statt dem Chef die Arbeit leichter zu machen, ärgern Sie ihn nur. Und er ist zu starrsinnig, um ein Wort zu sagen! Ein Kindergarten ist das hier!"

Thiel schien von ihrem Ausbruch wie vor den Kopf geschlagen und beobachtete nur stumm, wie sie die Temperatur ihres Chefs überprüfte. „Meine Güte“, flüsterte sie.
Wieder zu Thiel gewandt, fuhr sie mit ruhigerer Stimme fort: „Das ist ein Kreislaufkollaps. Kein Wunder bei seinem Zustand, er glüht vor Fieber. Legen Sie ihm was unter den Kopf und lagern Sie seine Beine auf dem Koffer hoch, ja?"


Hastig zog Thiel seine Jacke aus und bette Boernes Kopf vorsichtig darauf, danach hob er die Beine des Kranken, schob den schweren Koffer an die richtige Stelle legte sie darauf ab.
Silke lockerte indessen Boernes Schlips und öffnete seinen obersten Hemdknopf, um ihm das Atmen zu erleichtern. Dann nahm sie sein Gesicht behutsam in beide Hände und strich ihm seine kurzen, verschwitzten Haare aus der Stirn. „Chef, aufwachen! Na kommen Sie, öffnen Sie die Augen!“ Aber Boerne rührte sich nicht, nahm ihre sorgenvollen Bemühungen nicht wahr.
Thiel neben ihr wurde immer nervöser.

Silke bemerkte seine Unruhe und warf ihm einen ermutigenden Blick zu. „Nun nehmen Sie die Sache nicht so schwer, Herr Thiel, das wird gleich wieder.“ Und sie hatte Recht. Nach ein paar Sekunden bewegte Boerne ein wenig den Kopf und stöhnte leise.

Thiel neben ihr ließ mit einem zischenden Geräusch seinen Atem entweichen. „Er kommt zu sich!“ Seiner Stimme war die Erleichterung deutlich anzuhören.
Silke studierte den Professor kritisch. „Ja, aber noch ist er nicht ganz wieder da.“  Dann beugte sie sich vor und sagte recht nah an seinem Ohr: „Chef, jetzt haben sie aber genug gefaulenzt. Hören Sie?“
Das brachte endlich die gewünschte Reaktion. Boerne verzog ein wenig das Gesicht und machte mit seiner Hand eine matte, abwehrende Geste, wobei er heiser flüsterte: „Nun brüllen Sie mal nicht so rum, Alberich, da platzt einem ja das Trommelfell.“ Dann fiel sein Arm wieder kraftlos auf den Boden.
„Hey Chef, wach bleiben!“ Silke schüttelte ihn leicht an der Schulter, und endlich öffnete er mühsam die Augen.
„Was ist passiert?“ Er klang noch ziemlich benommen.
„Sie sind umgekippt“ erwiderte Silke schlicht. „Wie fühlen Sie sich?“
Boerne antwortete nicht sofort. „Ganz gut“, sagte er schließlich und holte tief Luft. Aber dabei fuhr er zusammen und hielt sich mit einem erstickten Schmerzlaut die Rippen.
„Ja, das sieht man“ kommentierte Silke trocken, dann legte sie vorsichtig eine Hand auf Boernes Seite. „Chef, Grippe hin oder her, dass Sie hier solche Schmerzen haben, ist nicht normal.“
„Ich habe mir beim Husten die Intercostalmuskeln gezerrt“, murmelte der Kranke.
Silke war nicht überzeugt. „So, wie Sie sich bei jeder Bewegung zusammenfalten, wirkt es eher, als hätten Sie sich dabei eine Rippe gebrochen!“
Bei diesen Worten sah Thiel plötzlich auf und runzelte die Stirn. „Boerne, ist daran dieser Sturz in den Kartoffelroder Schuld? Das Ding hat Sie doch ganz schön zugerichtet! So wie Sie danach aussahen, würden mich ein paar angeknackste Rippen nicht wundern.“
Silke wurde ganz hellhörig. „Wie jetzt, Sie haben sich dabei verletzt? Das haben Sie mit keinem Wort erwähnt!“ Ohne groß zu fragen zog sie Boernes Hemd ein Stück nach oben und schluckte, als sie ein wirres Muster von  Blutergüssen und verkrusteten Schnittwunden sah. Aber Zeit zu einer genaueren Untersuchung hatte sie nicht; Boerne schauderte heftig in der kalten Luft, schlug fast unmittelbar ihre Hand weg und zog das Hemd wieder herunter. „Meine Güte, lassen Sie das!“ ächzte er dabei. „Das sind nur ein paar Kratzer.“
„Mensch Chef, das sollten sie aber unbedingt überprüfen lassen!“ Aufgeben würde Silke jedenfalls nicht so schnell.

Boerne entgegnete allerdings nichts, er ließ nur die Augen mit einem gequälten Stöhnen wieder zufallen und rührte sich nicht mehr.
Sie nutzte die Gelegenheit und legte zwei  Finger an seinen Hals, um nochmals in Ruhe seine Herzfrequenz zu überprüfen. Die Schläge waren wie erwartet schwach und entschieden zu schnell, bestätigten das hohe Fieber. Noch weniger als das allerdings gefiel ihr die Tatsache, dass Boerne ihre Hand nicht direkt abschüttelte. Er musste sich wirklich schlecht fühlen, wenn er ihre Untersuchung so widerspruchslos über sich ergehen ließ.


Thiel hatte sie weiterhin unruhig beobachtet. Ganz unvermittelt ergriff er das Wort: „Sollten wir nicht lieber einen Krankenwagen rufen?“ Er klang ziemlich angespannt und besorgt.
Diese Bemerkung brachte dann doch etwas Leben in ihren Chef; er blinzelte den Kommissar aus einem Auge an. „Einen Krankenwagen? Mein Gott, Thiel, das war doch nur eine orthostatische Synkope, getriggert durch eine fieberinduzierte Hypovolämie. Dafür braucht man doch keinen Arzt.“
Silke grinste, als Thiel die Augen verdrehte. „Na prima, kaum aufgewacht, schon ist der Klugscheißermodus wieder aktiv.“ Der Kommissar hatte seinen üblichen genervt-knurrigen Tonfall angeschlagen. Aber das erleichterte Lächeln auf seinem Gesicht zeigte eindeutig, wie gut es ihm tat, dass Boerne sein Fachchinesisch abspulte. Das schien ihn zu beruhigen.

Silke mischte sich nun in das Gespräch ein. „Ich denke, ein Krankenwagen ist tatsächlich nicht notwendig, Herr Thiel.“
Der Kommissar schien nicht hundertprozentig überzeugt, seine Antwort kam eher zögerlich. „Wenn Sie meinen… Sie sind die Experten, nicht ich.“


In diesem Moment kam Nadeshda schnellen Schrittes zurück in die Laube, den Blick auf zwei Ausdrucke gerichtet. „Chef, die Kollegen von der Schutzpolizei haben am Montag zwei Vermisstenmeldungen reinbekommen, die Beschreibungen passen scheinbar auf diese beiden jungen Frauen hier.“ Sie schaute von ihren Unterlagen auf und verharrte mitten in der Bewegung, starrte mit aufgerissenen Augen auf die Szene vor ihren Füssen. "Was ist passiert? “ Schnell trat sie an die Gruppe heran. „Kann ich helfen?“

Silke klärte sie mit einigen wenigen Worten auf. „Der Professor hat hohes Fieber und ist deshalb kollabiert. Aber es geht schon wieder."
Dann drehte sie sich zu ihrem Vorgesetzten. „Chef, Sie müssen hier von diesem kalten Fußboden weg. Können Sie aufstehen?“ Ihr war nicht entgangen, dass Boerne wieder zu zittern begonnen hatte.
Der Kommissar und Nadeshda schauten sie zweifelnd an. Sie konnte das auch verstehen, Boerne sah so aus, als ob er es kaum schaffen würde, seinen Kopf zu heben. Aber so konnte er nicht liegen bleiben.
Er selbst schien das ebenso zu sehen und versuchte, aufzustehen.
Besorgt beobachtete Silke, wie Boerne die Beine vom Koffer nahm und sie auf dem Boden aufstellte. Aber als er sich aufsetzen wollte, kam er nicht sehr weit, sondern sackte mit einem verzerrten Gesicht wieder zurück auf den Boden. Die Schmerzen in seinen Rippen hinderten ihn daran, hochzukommen.

Thiel suchte über den Kranken hinweg ihren Blick. Sie nickte ihm kurz zu, dann griffen sie beide wie auf Kommando unter Boernes Achseln und halfen ihm in eine sitzende Position, ohne dass er sich selber anstrengen musste. Obwohl er es mit Sicherheit lieber verhindert hätte, kam Boerne ein schmerzerfülltes Stöhnen über die Lippen, als er aufgerichtet wurde.
Thiel positionierte sich hinter ihn und brachte Boerne durch einen leichten Zug an der Schulter dazu, sich anzulehnen, wohl damit er sich nicht aus eigener Kraft gerade halten musste.
Silke nickte ihm dankbar zu, dann hockte sie sich vor ihren Vorgesetzen und beobachtete ihn genau. Aber ihre Sorgen waren unbegründet, sein Blutdruck schien nicht wieder abzusacken.
Sie nickte zufrieden. Zeit, einen Schritt weiterzugehen. „Schaffen Sie es auf die Bank da drüben?“ Sie deutete mit dem Kopf auf eine Konstruktion aus drei Holzklötzen, die wohl zum Sitzen gedacht war und an der Rückwand er Laube stand. Boerne warf einen Blick auf das rohgezimmerte Objekt und nickte nur stumm.

Diesmal ließ Thiel dem Professor gar keine Wahl, er erhob sich aus seiner Hocke und griff Boerne ohne weiteres Wort unter die Arme. Dann zog er den größeren Mann nach oben. Silke und auch Nadeshda beschränkten sich aufs Zusehen, sie waren in diesem Fall keine wirkliche Hilfe.

Silke verzog mitfühlend ihr Gesicht, als ihr Chef mit zusammengebissenen Zähnen seinen Brustkasten umklammerte, während er von Thiel hochgewuchtet wurde. Boerne keuchte leise, als er endlich stand, und blieb noch für einen Moment vornübergebeugt, bevor die Schmerzen anscheinend soweit nachließen, dass er sich aufrichten konnte. Thiel hielt ihn die ganze Zeit mit beiden Händen fest, wirkte jede Sekunde darauf gefasst, ihn wieder zu fangen, sollte sein Kreislauf nochmals versagen. Doch Boerne blieb stehen, klar und ansprechbar.
„Chef, Sie haben die gleiche Gesichtsfarbe wie die Leute, die normalerweise auf unserem Tisch liegen. Jetzt setzen Sie sich erst mal für ein paar Minuten hin.“ Noch während Silke sprach, nickte der Kommissar bestätigend und schob Boerne ohne Umschweife auf die Holzbank zu.



An der Bank angekommen, sank Boerne auf das Sitzbrett, lehnte sich an die Wand und schloss die Augen. Die paar Meter schienen ihm seine letzten Kräfte abverlangt zu haben, sein Atem ging ganz angestrengt.

Silke hatte ihn genau im Auge, hörte aber gleichzeitig zu, wie Nadeshda den Kommissar über die Vermisstenanzeigen informierte.
„Die Fotos hier sind den beiden Leichen einwandfrei zuzuordnen. Bei der dunkelhaarigen Schwangeren handelt es sich um Birgit Kristen, eine 22-Jährige Studentin. Sie wohnt in einer WG in der Nähe der Uni. Die blonde Frau ist Manuela Schätzle, 23 Jahre alt, ebenfalls Studentin. Sie wohnt noch bei ihren Eltern in Hiltrup.“ Nadeshda blickte auf, sie schien recht aufgewühlt. „Sie ist Mutter einer zweijährigen Tochter.“
Silke seufzte laut, als sie das hörte, Thiel murmelte nur „Oh Mann.“
Nadeshda holte tief Luft. „Sie haben unterschiedliche Studiengänge belegt, überschneiden sich aber in einem Kurs.“ Sie blätterte schnell durch ihre Unterlagen, bis sie die entsprechende Seite fand. „Beide sind eingeschrieben für Soziologie bei Professor Gerhards.“
Thiel nickte nachdenklich. „Dann ist das wohl unser erster Ansatzpunkt. Das kann kein Zufall sein, wahrscheinlich sitzt der Täter mit in diesem Kurs.“ Er sah seine Kollegin ernst an. „Nadeshda, informieren Sie die Eltern der beiden Frauen. Sie müssen erfahren, was passiert ist.“
Seine Assistentin nickte und wandte sich zum Gehen. Silke beneidete sie nicht; das war eine undankbare Aufgabe, die Thiel aber prinzipiell nie den Kollegen von der Schutzpolizei allein überließ. Er sorgte immer dafür, dass er selber oder Nadeshda bei diesen Gesprächen anwesend waren.
Sie rief Nadeshda ein leises "Bis später!" hinterher, als die junge Kommissarin sich von ihnen verabschiedete.


Ihr war nicht entgangen, dass Thiels Hand während des ganzen Gesprächs auf der Schulter ihres Chefs geruht hatte. Als Nadeshda die Laube verlassen hatte, beugte er sich zu Boerne hinab. „Soll ich meinen Vater anrufen, damit der Sie nach Hause fährt?“
Boerne schüttelte nur wortlos den Kopf.
Silke konnte sich recht genau denken, was in ihrem Vorgesetzten vorging und ergriff das Wort. „Das ist nett von Ihnen Herr Thiel, aber nicht nötig. Ich kümmere mich um den Professor.“
Thiel nickte und musterte Boerne noch einmal skeptisch, aber dessen Aussehen schien ihm weiterhin nicht zu gefallen. „Ich begleite Sie zum Auto. Nur sicherheitshalber", entschied er kurzentschlossen.
Silke lächelte ihn dankbar an und griff unter Boernes Arm, um ihm beim Aufstehen zu helfen. „Dann mal los, Chef, fahren wir ins Institut.“

Thiel, der Boerne auf der anderen Seite unterstützen wollte, starrte sie ungläubig an. „Ins Institut? Sind Sie noch zu retten?“ Er war wirklich fassungslos. „Der Mann ist krank, der gehört ins Bett!“

Aber bevor Silke Gelegenheit bekam, sich zu verteidigen, mischte sich Boerne selber ein. „Thiel, entweder ich fahre jetzt mit Alberich ins Institut und erledige die Autopsien heute Nacht oder Sie werden bestimmt drei Tage auf Ihre Ergebnisse warten.“
Thiel blickte verständnislos zwischen ihnen hin und her. „Warum das denn?
Silke übernahm die Erklärung. „Herr Thiel, Sie wissen doch, dass ich ohne Boernes Anwesenheit im Institut keine Obduktionen durchführen darf. Wenn der Professor unerwartet ausfällt, muss ein anderer Forensiker für ihn einspringen. Dieses Quartal sind die Kölner Kollegen für uns zuständig, Dr. Roth dürfte ihnen ja ein Begriff sein.“
Boerne schaute Thiel von seinem Sitzplatz aus müde an, als er ihre Ausführungen heiser ergänzte. „Selbst Sie mit Ihrer begrenzten Gehirnkapazität dürften sich des fraglichen Unfallopfers entsinnen, den der Kollege seinerzeit auf dem Tisch hatte. Den Mann haben wir hin- und hertransportieren müssen.“ Er wurde von einem Hustenanfall unterbrochen, aber Silke übernahm den Rest der Erklärung.
„Genau wie damals wird Roth sich beiden Leichen nach Köln bringen lassen, der kommt niemals hierher nach Münster. Allein für den Verwaltungsaufwand geht ein Tag drauf. Bis Sie von dem Ihre Ergebnisse haben, wird es eine ganze Weile dauern.“

Thiel fuhr sich nach dieser Erläuterung aufgebracht durch die Haare. „Mann, so ein Mist. Warum muss das denn alles so kompliziert sein?“
Silke hatte nichts anderes als Unmut von Thiel erwartet. So wichtig ihm schnelle Ergebnisse waren, dass Boerne in seinem Zustand die Nacht durcharbeiten wollte, war ihm auch nicht recht.
Für Boerne war das Thema allerdings schon erledigt. „Es ist nicht kompliziert, Thiel. Wir machen die Autopsien und Ende. Kommen Sie, Alberich.“ Er drückte sich von seiner unbequemen Sitzbank ab, richtete sich langsam auf und ging in Richtung Auto davon. Silke und Thiel eilten hinterher

Ohne Widerworte ließ Boerne sich auf den Beifahrersitz von Silkes Auto dirigieren; aber als Silke ihre Tür öffnen wollte, hielt Thiel sie am Arm fest. „Frau Haller, wollen Sie Boerne jetzt wirklich mit ins Institut nehmen? Das gefällt mir nicht.“
Silke seufzte. „Der Professor weiß genau, wie wichtig gerade Ihnen schnelle Ergebnisse bei einem solchen Fall sind.“
Thiel war fast ungehalten. „Ja, schon. Aber der kann sich doch kaum auf den Beinen halten, der kackt Ihnen doch ab in der Nacht! Und daran will ich nu wirklich nicht schuld sein!“
Silke zuckte ein wenig mit den Schultern und lächelte. „Sparen Sie sich die Grübelei, der Chef hat seine Entscheidung doch längst getroffen.“
Thiel öffnete schon den Mund, aber Silke ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. „Ich werde schon auf ihn aufpassen. Und sobald wir fertig sind, rufe ich Ihren Vater an, damit der ihn heimfährt, einverstanden?“
Thiel starrte sie noch für einen Moment unentschlossen an, bis er endlich einlenkte. „Einverstanden. Aber Sie versprechen, dass er es nicht übertreibt! Und wenn es nicht mehr geht, dann brechen Sie ab, verstanden?“
Silke nickte nochmals bestätigend und stieg in ihr Auto ein, während Thiel sich abwandte und wieder auf seine Kollegen bei der Laube zusteuerte.


t.b.c.

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