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Bingo-Story: Abflug

Titel: Abflug - Kapitel 4
Bingo-Prompt: Prompt 81
Genre: Freundschaft, minimal Humor, h/c
Zusammenfassung: Schnee Ende Januar ist heimtückisch. Aber sowas von...
Wörter: ~7200
A.N.: Bullshit, weiß ich auch. OOC sicher auch, wie jede fanfiction, da nehme ich mich nicht aus. Ich betone nicht umsonst immer und überall wieder, dass meine beiden besorgter umeinander sind, als in geschätzt 23 Folgen im Canon. In einigen wenigen dürfen sie die Besorgnis ja zum Glück zeigen.
Aber Thiel ist wortkarg, immerhin. (Boerne ist auch wortkarg, fällt mir auf... aber das zählt nicht *kicher*)


Frau Haller meldete sich trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit schon nach dem zweiten Klingeln. „Herr Thiel, Leiche hin oder her, Sie müssen mit dem Chef allein vorlieb nehmen“, drang ihre fröhliche Stimme durch den Hörer. „Ich habe Urlaub.“
Thiel schnaubte amüsiert. „Nabend Frau Haller! Und nee, um ´ne Leiche geht’s nicht.“
„Nein?“ Boernes liebenswerte Assistentin war eindeutig verwundert. „Na dann spucken Sie mal aus, was Sie auf dem Herzen haben!“

Thiel ließ sich auch nicht lange bitten und platzte gleich mit seiner Frage heraus: „Sagen Sie, bei einem gebrochenen Steiß, kann man da wirklich gar nix machen?!“
„Oh je Herr Thiel, was um alles in der Welt haben Sie denn angestellt?!“ Frau Haller klang ganz mitfühlend. Sie ließ ihm gar keine Zeit, das Missverständnis zu korrigieren sondern sprudelte förmlich hervor: „Ich kann Ihnen da sicher nichts anderes sagen, als das, was Sie schon von Ihrem Arzt gehört haben: halten Sie unbedingt mehrere Tage Bettruhe ein, der Knochen braucht ganz viel Ruhe, um zu heilen. Und nehmen Sie regelmäßig die Schmerzmittel, die Sie verschrieben bekommen haben! Ich denke mal, zum Ende der Woche hin wird es dann nach und nach wieder etwas besser gehen mit dem Aufstehen... aber Nadeshda wird wohl mindestens vierzehn Tage ohne Sie auskommen müssen, wahrscheinlich noch länger.“

Thiel hatte schon während ihrer ersten Worte den nahezu unbezwingbaren Drang verspürt, seinen Schädel auf die Tischplatte zu hämmern und presste nun, da sie geendet hatte, nur ein fassungsloses „Bettruhe? Das ist nicht wahr, oder?“ hervor.
Er sah förmlich vor sich, wie sie die Augenbrauen zusammenzog und den Kopf schräglegte, als ein irritiertes: „Doch, natürlich. Hat Ihnen Ihr Arzt das etwa nicht gesagt??“, durch den Hörer tönte.

Nach einem ebenso tiefen wie frustrierten Seufzer klärte er sie auf. „Mir muss er das nicht sagen, Ihr Chef ist derjenige, der sich den Steiß zerlegt hat. Heute Morgen beim Joggen, in aller Herrgottsfrühe. Aber von Bettruhe oder Ruhe generell hat der offensichtlich noch nix gehört, der war den ganzen Tag in der Rechtsmedizin!“


Nach einem Augenblick des Schweigens hatte Frau Haller ihre Stimme offensichtlich wiedergefunden. "Ich bringe ihn um." Der vorherige Unglaube war einem so grimmigen Tonfall gewichen, wie Thiel ihn noch nicht bei ihr gehört hatte. "Oder noch besser, ich trete ihm in den..." An dieser Stelle brach sie ab und sprach erst nach einem tiefen Atemzug weiter, offensichtlich etwas gefasster. „Wo ist er jetzt? Bei Ihnen?“

„Nein.“ Ohne nachzudenken wollte Thiel das Telefon in die andere Hand wechseln um seinen Auflauf aus der energisch vor sich hin piepsenden Mikrowelle zu holen, zuckte aber mit einem Fluch zusammen, als ein heißer Schmerz durch seine Schulter fuhr. Mit zusammengebissenen Zähnen ließ er den Arm fallen und sank zurück gegen die Arbeitsplatte, ließ das Gerät einfach weiter alarmieren.
„Nein, er liegt jetzt in seinem Bett“, setzte er schließlich erklärend hinzu. “Er war so dermaßen hinüber, er ist innerhalb von zwei Minuten eingeschlafen. Aber der kriegt das fertig und geht morgen wieder arbeiten!“

"Ich garantiere Ihnen, das wird er nicht tun. Dafür werde ich schon sorgen." Frau Hallers Entschlossenheit war auch durchs Telefon praktisch greifbar, der Kommissar konnte sich ein Grinsen nun nicht mehr verkneifen.
"Den Steiß hat kein Arzt gesehen, soviel steht fest."
Auf diese offensichtliche Feststellung erwartete sie sicher keine Antwort, also blieb Thiel einfach still und sie fuhr auch gleich fort: "Was er vor allem braucht, sind vernünftige Schmerzmittel. Sie wissen nicht zufällig, was er im Haus hat?"

Natürlich hatte er nicht den Hauch einer Ahnung, was Boerne sich da vorhin eingeworfen hatte und musste die Frage verneinen. Aber es war ihm klar, was als nächstes kommen würde und so schlug er einmal mehr den Weg Richtung Nachbarwohnung ein, bevor die Rechtsmedizinerin ihn überhaupt darum bitten konnte. "Ich schau', was für Zeugs im Bad steht, ok?"
"Das ist nett von Ihnen, danke."

Thiel kommentierte das nicht, denn er wurde sich nun wieder seines kleinen, verletzungsbedingten Logistik-Problems bewusst. Frustriert von diesem ätzenden Tag mit all seinen unnötigen Unfällen murmelte er ein ergebenes: "Muss mal eben aufschließen, kleinen Moment", in den Hörer und wechselte das Handy danach in die linke Hand. Dann kramte er Boernes Schlüssel aus der Tasche und ließ sich ein.


Leise huschte er durch den Flur ins Bad, schloss die Tür hinter sich und öffnete den Medikamentenschrank. Der Inhalt war, wie es beim Professor nicht anders zu erwarten gewesen war, penibel sortiert und von der Menge her recht überschaubar. Dementsprechend schnell hatte er Frau Haller die verschiedenen Produktnamen vorgelesen.
Fast jedes Mal kommentierte sie verneinend, erst bei der letzten Tablettenschachtel kam ein ansatzweise zustimmendes Geräusch. "Naja, wenn er alle paar Stunden zwei davon nimmt, sollte das gerade so ausreichen. Zumindest diese eine Nacht, solange er ganz ruhig liegt. Aber morgen früh muss ich ihm auf jeden Fall etwas Potenteres vorbeibringen."

"Da sind Sie der Fachmann." Thiel hatte eigentlich die Schranktür mit dem erhobenen Ellenbogen zudrücken wollen, doch aus einer spontanen Eingebung heraus nahm er das Telefon vom Ohr, legte es auf dem Waschbeckenrand ab und holte die kleine Verpackung aus dem Schrank. Als hätte er es geahnt – sie war sehr leicht. Entschieden zu leicht, genaugenommen.
Schon wissend, was ihn erwartete, öffnete er die Schachtel und schüttelte den kläglichen Inhalt heraus.

Seufzend starte er für einen Moment auf die einsame Tablette in seiner Hand, dann nahm er das Telefon wieder auf.
"Ähm, reicht vielleicht auch eine von diesen Pillen? Mehr sind nämlich nich' mehr da."

Eine?? Keine Chance“, kam Frau Hallers Antwort unmittelbar. Nach einer oder zwei Sekunden Pause fuhr sie dann fort: „Es nützt alles nichts, ich werde jetzt stärkere Medikamente besorgen und sie ihm dann bringen, sonst geht er in ein paar Stunden die Wände hoch."
Thiel hörte ein leises Klappern wie von Autoschlüsseln, während sie energisch weitersprach: "Das wird aber ein Weilchen dauern, ich habe auch nichts Entsprechendes im Haus.“ Sie klang nun etwas gequetscht, als hätte sie das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt und würde sich schon die Schuhe zubinden. Was ihr in ihrer zupackenden Art durchaus zuzutrauen war.
„Herr Thiel, eine Bitte habe ich noch: ich kann und werde den Chef unter keinen Umständen aus dem Bett klingeln. Können Sie mir vielleicht irgendwo seinen Schlüssel hinlegen, damit ich nachher zu ihm reinkomme?“

Obwohl sie das nicht sehen konnte, hätte Thiel beinah abgewunken. In letzter Sekunde hielt er aber den lädierten Arm still. „Ist nicht nötig. Klingeln Sie einfach bei mir, ich kann eh noch nicht schlafen.“
Das war nicht gelogen. Er war zwar müde, aber inzwischen wirklich unglaublich hungrig. Bevor er nicht endlich etwas im Magen hatte, würde an Schlaf nicht zu denken sein. Und so wie ihm seine Schulter mittlerweile zu schaffen machte, hegte er die leise Befürchtung, dass es ihm einigermaßen schwer fallen würde, eine bequeme Position im Bett zu finden. Dementsprechend war er wirklich noch nicht scharf darauf, sich hinzulegen, auch wenn Frau Haller diese Bettflucht offensichtlich als reine Selbstlosigkeit einschätzte.
Fast verlegen brummte er ein leises „Da nich‘ für“, in den Hörer, als Boernes Assistentin sich herzlich für seine Hilfe bedankte, dann legte er auf.


An sich hatte er die Wohnung seines Nachbarn nun wieder verlassen wollen, doch ein ganz leises Geräusch aus Boernes Schlafzimmer brachte ihn dazu, bis zum Ende des Flurs zu schleichen und einen kurzen Blick in den Raum zu werfen.
Der schwache Lichteinfall reichte aus zu erkennen, dass der Professor sich ziemlich unruhig bewegte und dabei leise stöhnte. Es sah aus, als versuche er, tiefer unter die Decke zu schlüpfen.

Zügig trat Thiel bis ans Bett und legte eine Hand auf Boernes Schulter. Ok, übermäßig warm war er immer noch nicht, obwohl er keinesfalls mehr so ausgekühlt schien wie vorhin. Aber so wie er auf der Matratze rumzappelte, fühlte er sich eindeutig unwohl.

Er drückte Boernes Arm. „Hey, was ist denn? … … Boerne? Is‘ ihnen noch kalt?“
Die Reaktion, die auf seine leise Frage hin aus Richtung des Kopfkissens kam, klang wie eine Mischung aus dem finalen Röcheln eines sterbenden Bären und Zähneklappern, was Thiel in diesem Fall einfach mal als ein Ja wertete. „Ich hol‘ denn mal noch ´ne Decke, ok?“

Boernes Antwortgeräusch auf diese Aussage konnte man noch weniger irgendeiner bekannten Lebensform zuordnen, aber Thiel reichte es als Bestätigung. Er eilte zurück durch Flur und Treppenhaus und holte die St. Pauli-Decke von seinem Sofa, um sie ebenfalls noch über dem offensichtlich immer noch frierenden Mann auszubreiten.

Während er die dicke, braune Wolldecke oben auf Plumeauberg packte und sie rund um seinen lang ausgestreckten Nachbarn herum feststeckte, schwächten sich Boernes fahrige Bewegungen nach und nach ab, bis er schließlich wieder ganz reglos lag.

Zufrieden mit sich selbst richtete Thiel sich auf und marschierte zurück in seine Wohnung.
Endlich essen.
Tags: alberich, bingo 2014, boerne, fanfic, freundschaft, h/c, humor, thiel
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