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Ein Blick nach vorn und viele Blicke zurück: Der dunkle Fleck im Vergleich zu den neuesten Folgen von Cantz und Hinter.
Mit anderen Worten, eine weit ausschweifende Rezension zu Erkläre Chimäre. Ernüchternd, wie ich finde.



Ich rede hier nur von mir, wenn ich sage, dass bei mir generell bei jeder neuen Tatort-Folge die Sorge mitschwingt, was diesmal wohl wieder mit Thiel und Boerne ‘angestellt’ wird. Grundsätzlich LIEBE ich diese beiden Figuren, aber einige Drehbücher der letzten Jahre waren alles andere als grandios, darüber müssen wir wohl nicht diskutieren.

Trotzdem überwiegt zuerst einmal die Freude wenn es wieder losgeht, so auch, als letztes Jahr Erkläre Chimäre angekündigt wurde.
Aber als ich gesehen habe, welches Autorenteam für diese Episode verantwortlich zeichnet, schlug meine Freude in Skepsis um. Erst recht, nachdem ich die kurze Zusammenfassung zum Drehstart und dann, in den letzten Wochen, die ausführliche Inhaltsangabe zur aktuellen Episode gelesen habe: Boerne zwingt Thiel gegen dessen Willen, seinen Ehemann zu spielen, weil er scharf ist auf das Erbe seines schwulen, todkranken Onkels.
Na bravo. Eine Geschichte, die auf einem solchen Schwachsinn fußt, ist einfach nicht mein Geschmack (um nicht zu sagen: ich hasse so etwas), und speziell in diesem Fall, bei diesen Autoren, erwartete ich den Super-Gau.

Tja, warum solche massiven Vorbehalte, stammt die Idee zu diesem neuen Krimi doch aus der Feder von Stefan Cantz und Jan Hinter? Die beiden sind schließlich die Erfinder der grandiosen Münsteraner Truppe, und allein für die Erschaffung dieser Figuren muss man ihnen lebenslange Dankbarkeit zollen. Tue ich auch. Und bis vor wenigen Jahren hätte ich ihnen sogar vor Begeisterung die Füße geküsst, wenn sie mir denn je irgendwo über den Weg gelaufen wären.
Inzwischen aber nicht mehr. Und ich kann auch begründen, warum.

Schauen wir einmal zurück auf das Jahr 2002. Der dunkle Fleck, der Einstieg in den Tatort Münster. Thiel und Boerne werden uns vorgestellt. Und wie! Selten hat man in Deutschland einen so genussvoll inszenierten Tatort gesehen. Da stimmt von Anfang an alles, das Timing, die Gags, und sogar der Fall war interessant. Ein Protagonist nach dem anderen taucht auf und jeden einzelnen muss man von der ersten Sekunde an mögen.

Allen voran wären da Frank Thiel, ein wortkarger, genügsamer, frisch geschiedener Kommissar aus dem hohen Norden. Ein zurückhaltender Zeitgenosse, der über ein ausgeprägtes Bauchgefühl verfügt und mit einer augenzwinkernden Ruhe ausgestattet ist, was seinen egozentrischen Kollegen/Nachbarn/Vermieter angeht – seines Zeichens Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne, die wohl genialste Figur, die der deutsche Krimi bis dahin gesehen hat. Um hier einmal meine Kollegin Gabi in ihrer Charakterisierung zu zitieren: Boerne ist egozentrisch und exzentrisch, ungeduldig, sarkastisch, rücksichtslos, arrogant, besserwisserisch, eitel… die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Was seinen Mitmenschen (bzw. vor allem Thiel) auch nicht gerade wenig zu schaffen macht, ist seine Arbeitswut – wenn Boerne ein wichtiges Ergebnis mitzuteilen hat, ist ihm egal wie spät es ist, da wird sein Nachbar nachts um drei ebenso aus dem Bett geklingelt wie im Hausflur abgefangen, bevor er den wohlverdienten Feierabend genießen kann.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist seine an Leichtsinn grenzende Furchtlosigkeit, mit der er nicht nur sich selbst in Gefahr bringt, sondern andere gleich mit. Diese wagemutigen Unüberlegtheiten sollte man ihm bei seiner Intelligenz eigentlich gar nicht zutrauen; denn er ist ausgesprochen intelligent, in jeder Hinsicht. Sicher auch einer der besten seines Fachs, und das weiß er – was nicht wenig zu seiner Überheblichkeit beiträgt und ihn umso unerträglicher erscheinen lässt.


Aber gleichzeitig ist er so viel mehr als das; speziell in ihren ersten Folgen lassen Cantz und Hinter immer wieder durchblicken, was alles hinter Boernes Fassade steckt. Denn es ist nur das, aufgesetzte Fassade, es ist nur Spiel. Die Frage „Wie war ich?“ – nach einer Tirade am Telefon; die Aussage „Keine Sorge, morgen bin ich wieder mein altes, garstiges Selbst!“… Da werden Charakterzüge offenbart, die man bei dem aufgeblasenen Snob auf den ersten Blick nicht erwartet, nicht vermutet, die aber genau das sind, was diesen arroganten Sack gleichzeitig absolut liebenswert macht: er verbirgt es hinter einer Mauer aus Überheblichkeit, aber er hat einen schrägen Sinn für Humor, ist trotz seines Standes vorurteilsfrei, zuverlässig, psychologisch geschult und einfühlsam – auch wenn er diese letztgenannten Eigenschaften nur selten aufblitzen lässt.

Und als ob das noch nicht reicht, ist vor allem auch das Zusammenspiel zwischen Boerne und seiner Assistentin extrem erfrischend. Alberich, die für all seine herausgefeuerten Beleidigungen eine passende Antwort parat hat, ihn als “besten Chef den’s gibt” bezeichnet und auch ganz ohne Tritthocker mit ihm auf Augenhöhe agiert.

Und jetzt frage ich allen Ernstes: was bitte ist davon in Erkläre Chimäre noch übrig geblieben?

Ok, im Vergleich zu dem letzten Tatort dieses Teams (Summ summ summ aus dem Jahre 2013) war die aktuelle Folge praktisch ein Freudenfest. Boerne und Thiel waren in meinen Augen tatsächlich „ein sehr schönes Paar“, wie der Professor noch ganz entspannt lallt, bevor Thiels Bredouille ihn schlagartig ernüchtern lässt. Das ganze Thema rund um Homosexualität war wirklich nicht so peinlich inszeniert, wie ich es bei diesen Autoren befürchtet hatte, sondern relativ amüsant und liebevoll dargestellt.
Etwas leid tat mir der arme Thiel natürlich schon, weil Boerne so gnadenlos ausnutzt, dass er ihm das Leben gerettet hat und ihn in diese Scharade zwingt – aber der Einstieg in diesen Tatort war furios, das kann man nicht wegdiskutieren. Das volltrunkene Geträller anfangs war in meinen Augen peinlich und unnötig, aber ab der Szene in Boernes Wohnung hat der Film an Fahrt aufgenommen und die nächsten Minuten waren genial gespielt und ebenso mitreißend wie komisch.

Keine Frage, dieser Tatort hat mir besser gefallen als Summ summ summ, in dem speziell Boerne nur noch als ätzend-unfreundlicher, eitler und geiziger Zeitgenosse dargestellt wurde, den man keine Sekunde mehr ernst nehmen konnte.

Trotzdem, auch in Erkläre Chimäre, vermisse ich den „alten“ Boerne. Jungenhaft, begeisterungsfähig, liebenswert, brillant. Fremdschämen gehört bei ihm dazu, sonst wäre es nicht Boerne, aber die Leichtigkeit, die der Mann einmal hatte, ist ihm vollständig verlorengegangen. Der Charakter wird so sehr dem billigen Lacher geopfert, ist so bitter geworden teilweise, dass es körperlich wehtut, wenn man das sieht. Er versteckt sich nicht mehr hinter seiner Fassade, er ist inzwischen wirklich so, wie er es in den ersten Folgen vorgegeben hat zu sein.

In Summ summ summ zog sich das tatsächlich durch die komplette Geschichte, im aktuellen Fall war es Gott sei Dank nicht ganz so ausgeprägt. Die meiste Zeit konnte man dem Professor zuschauen und zuhören, ohne sich zu sehr zu ärgern.
Dennoch, Boerne (und auch die andere Charaktere, wenn auch weniger ausgeprägt) wie einen Deppen dastehen zu lassen, damit man einen Kalauer nach dem anderen heraushauen kann, scheint mir speziell bei Cantz und Hinter inzwischen das einzige Bestreben zu sein.

Ich könnte jetzt Folge für Folge der beiden Autoren aufdröseln und aufzeigen, wie und wo sich die einst so starken Figuren mehr und mehr zum Negativen gewandelt haben, aber ich will nur ein paar kurze Beispiele bringen, sonst würde das hier den Rahmen sprengen.
Ein Boerne, der in der ersten Folge einem Fernsehteam gegenüber schweißgebadet und kamerascheu war, mutiert in Der Fluch der Mumie zum mediengeilen sich-ins-Bild-Drängler. Ein Boerne, der in 3x schwarzer Kater auf freche, liebenswerte, ‘herrlich inkorrekte’ Weise eine Rollstuhlfahrerin umgarnt, macht sich in Ruhe sanft mit seinen unterirdisch peinlichen Baggereien ‘zum Gimpel’.
Ein Thiel in Der dunkle Fleck, zurückgelehnt, mit verschränkten Armen und einem Grinsen im Mundwinkel Boernes Eskapaden beobachtend, wird in den späteren Folgen zum dauermaulenden Proleten, der nur noch die Augen verdreht und kaum noch etwas anderes tun darf, als zu betonen, dass Boerne sich in seine Arbeit nicht einzumischen hat.
Silke Haller, die ihrem Chef einfach hinreißend Kontra geben und ihn immer wieder auf den Teppich zurückholen durfte, wenn er zu sehr mit dem Kopf in den Wolken schwebte, wird nur noch mit den dümmlichsten Zwergenwitzen zugedonnert, darf nichts mehr erwidern und wird in einer Geschichte wie Summ summ summ gar von einem ekelhaften Boerne darauf reduziert, Einkaufswagen zu schieben und Kisten zu schleppen. Als ob eine Alberich aus der ersten Folge das je mit sich hätte machen lassen?!

Und ich frage: warum das alles? Die Figuren waren doch genial angelegt. Es ärgert mich unbeschreiblich, dass man sie so ‘kaputtschreiben’ muss. Das ist unerträglich!

Egal, ich komme jetzt zurück zu den letzten beiden Folgen dieses Autorenduos. War Boerne in Summ summ summ die schlimmste Karikatur seiner selbst, war es in dieser Folge die arme Alberich und außerdem Boernes Zusammenspiel mit ihr. Was bitte war das für ein Mist, den man beiden da an den Hals geschrieben hat? Silke Haller durfte nur einstecken, nur mürrisch schauen, keine Widerworte geben. Es gab bis zu Thiels Erkenntnismoment recht am Ende kein liebenswertes Geplänkel, nur ein paar sekundenkurze Szenen, in denen ihr Boerne ein ums andere Mal über den Mund fuhr… dabei wurde dieses Gespann einmal so genial eingeführt.
In Der dunkle Fleck sind sie zwar wohl keine wirklichen Freunde, doch sie sind weiß Gott auch keine normalen Kollegen. Sie sind ein Team, wie man keines zuvor gesehen hat: schwer zu definieren, schwer zu beschreiben, auf jeden Fall schwer zu schlagen.

Und was ist in dieser Episode davon in Erinnerung geblieben? Schlauchhalter – und der Mega-Absturz am Ende, im Schneewittchenkostüm, damit Boerne den überflüssigsten und schlechtesten aller Zwergenwitze loswerden konnte.

In solchen Momenten frage ich mich, was passieren würde, wenn Darsteller wie ChrisTine Urspruch (oder auch Jan Josef Liefers, dem dieser Schwachsinn in den Mund gelegt wurde) eine solche Szene schlicht verweigern würden. Ich würde applaudieren, so viel steht fest! Es kann mir doch niemand erzählen, dass jemand vom Team den Unwitz des Jahrtausends als gelungen angesehen hat?!

Das alles war in den ersten Folgen nicht nötig, genial komisch waren sie trotzdem. Und das werfe ich den Autoren vor: sie nehmen ihre Figuren nicht mehr ernst.

Um jetzt endlich zum Abschluss meiner Beobachtungen zu kommen:

insgesamt rangiert die Folge Erkläre Chimäre bei mir im Mittelfeld. Die Lösung des Falles war ja durch diverse unmögliche Zeitungsrezensionen eh schon vorweg genommen, da gab es ohnehin keine Überraschung. Den Anfang fand ich furios, dazu stehe ich. Und auch mittendrin habe ich mich ganz gut unterhalten gefühlt, wenn ich die Dialoge auch nicht als ganz so spritzig empfand, wie einige Zeitungen sie dargestellt hatten.
Das Schauspieler-Team hat genial(!) agiert, das hat sicher signifikant dazu beigetragen, dass Erkläre Chimäre nicht noch viel weiter nach unten gerutscht ist in meiner ganz persönlichen Rangliste. Das Stammteam und vor allem auch Christian Kohlund haben mir wirklich sehr gefallen.

Aber eigentlich ist es doch schade, dass ich mich am Sonntagabend über eine mittelmäßige Folge so sehr gefreut habe, als wäre es eine der richtig guten gewesen, nur weil die Sorge im Vorfeld so groß war, dass es die schlechteste werden würde, die jemals gedreht wurde.
Dieses Team ist so beliebt, die ganze Figurentruppe wie auch die Schauspieler, die dahinter stehen, stecken so voller Potential. Mit denen könnte man alles machen: Spannung, Action, Dramatik, kritische Themen, alles wäre möglich und durchgängig könnte man dabei diese besondere Dynamik zwischen den einzelnen Protagonisten aufrechterhalten.
Aber was macht man? Man degradiert sie zu Clowns. Nicht mehr und nicht weniger.

Cantz und Hinter sagen über sich selber: „Da wir Thiel und Boerne seinerzeit unter schmerzvollen Wehen geboren haben, sind wir ihnen so nah, daß wir ziemlich genau zu wissen meinen, wie weit die beiden gehen dürfen, ohne unglaubwürdig zu werden.“
Ich sage: das stimmt nicht. Sie sind nicht nur bis an die Grenzen der Glaubwürdigkeit gegangen, sie haben sie längst überschritten.

Etwas läuft gewaltig schief bei den beiden Erfindern von Thiel und Boerne. Dabei müssten gerade sie sich nur auf ihre Anfänge besinnen!


So. Meine Meinung. Ich gebe mich hiermit zum Abschuss frei.

Comments

( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
5. Jun 2015 11:51 (UTC)
Silke Haller und Boerne - das ist in der aktuellen Episode wirklich zu kurz gekommen. Ich habe sie gerade nochmal geschaut, und während ich beim ersten mal nur dachte, daß man verdammt wenig von Frau Haller gesehen hat, ist mir jetzt auch aufgefallen, daß die zwei sich praktisch nur in den Haaren hatten. Obwohl das für die Handlung und überhaupt gar nicht nötig war. Und das mit Schneewittchen am Ende, das habe ich überhaupt nicht verstanden. Warum hatte sich denn Frau Haller als einzige verkleidet? Das war echt nicht sonderlich witzig und für die Schlußszene auch nicht nötig.

Ansonsten war ich aber mit der Folge schon ziemlich zufrieden. Ist ja klar - was Thiel und Boerne angeht, war sie super, und für Thiel/Boerne Shipperinnen natürlich ein echtes Freudenfest. Aber auch ansonsten fand ich, daß das, was Cantz und Hinter bei Hinkebein z.B nicht gelungen ist, das Timing, hier wieder gestimmt hat. "Hinkebein" war für mich wahnsinnig gehetzt, hier war es wieder rasant, aber eben nicht gehetzt, und auch komisch (wenn man auch über die kalauer-Komik als solche unterschiedlicher Meinung sein kann).

Thiel und Boerne fand ich eigentlich wieder näher an den früheren Folgen. Boerne sicher nicht ganz - aber da bin ich mir manchmal nicht sicher, ob das vielleicht auch daran liegt, daß die Figur inzwischen älter ist. Also, sowohl als Figur, so daß vieles einfach nicht mehr so neu ist, aber auch tatsächlich, wodurch manches an jungenhaftem Charme naturgemäß auf der Strecke bleibt. Ich glaube, Liefers muß Boerne da manchmal etwas zurücknehmen, weil manches nicht mehr so wirken würde. Aber das ist auch nur so eine Idee, die mir manchmal durch den Kopf geht.

Leider kann man ja keine besseren Drehbücher erzwingen. Da bleibt nur das beste draus machen! Und Fanfiction schreiben! :)
baggeli
5. Jun 2015 20:34 (UTC)
Thiel und Boerne fand ich eigentlich wieder näher an den früheren Folgen
Ja, näher an den letzten Cantz/Hinter-Folgen. Nur dass das weiterhgin genau das Problem ist. Sie haben einfach nicht mehr viel mit den Figuren der ersten Tatorte gemein.
Ihr Thiel-Fans könnt mir nicht erzählen, dass ihr den schmunzelnden, extrem wortkargen, zurückgelehnten Mann der ersten Folgen nicht vermisst?! Und den habe ich in 'Hinkebein', 'Summ summ summ' und 'Erkläre Chimäre' nicht gesehen.

aber da bin ich mir manchmal nicht sicher, ob das vielleicht auch daran liegt, daß die Figur inzwischen älter ist
Älter bedeutet aber nicht gleich bitterer und zynischer und die Figur komplett ad absurdum geführt.
Münster spielt generell in der permanenten Gegenwart, das dürft ihr nicht vergessen! "Älter" gibt es also nicht außer optisch, das bleibt nicht aus in 13 Jahren. Aber sich verändern darf es dementsprechend gar nicht geben und das jungenhafte hätte Liefers auf jeden Fall noch drauf. Das zeigt er in anderen Rollen sehr eindrucksvoll. Genau wie Prahl sein Augenzwingern nicht verlernt hat in den Jahren. Die beiden könnten das auf Anhieb abrufen, wenn das Drehbuch es hergeben würde.

Leider kann man ja keine besseren Drehbücher erzwingen
Wem sagst du das. Aber das hindert mich sicher nicht daran, meinen Frust kundzutun.
sandrine
5. Jun 2015 17:19 (UTC)
Ich stimme Dir, was Bournes und Alberichs Interaktion in der letzten Folge angeht, absolut zu. Das war wirklich extrem lieblos geschrieben und OOC.

Ansonsten fand ich "Erkläre Chimäre" eigentlich hervorragend. Vielleicht ist es einfach so, dass ich nach ein paar nicht so tollen Folgen leichter zufriedenzustellen bin, aber ich fand die Charakterzeichnung sowohl von Thiel als auch von Boerne in der Episode sehr nah an ihren Ursprüngen. Die Dialoge haben Spaß gemacht, die Sache mit der vorgegebenen Ehe war erfreulich wenig ins Peinliche gezogen und so ganz ohne "no homo" Gehabe, und der Erzählton der Folge insgesamt war stimmig. Gut, der Fall war jetzt eher so la-la, aber ich habe die Münsteraner Tatorte noch nie wegen der Fälle geguckt.

Ich muss aber auch gestehen, dass ich den bielgeschmähten "Summ, Summ, Summ" jetzt nicht so grottig fand, wie viele andere Fans. Vielleicht auch deshalb, weil ich die Folgen vorher viel schlimmer fand: Seit einschließlich "Satisfaktion" ging's meiner Meinung nach (mit wenigen Ausnahmen) bergab. Da war jetzt die neue Folge dagegen echt ein Highlight.
baggeli
5. Jun 2015 20:45 (UTC)
Ich fand die Charakterzeichnung sowohl von Thiel als auch von Boerne in der Episode sehr nah an ihren Ursprüngen
Nein, sorry. Thiel vielleicht noch so gerade, mit Ach und Krach. Aber Boerne??? Nicht an den Ursprüngen. Allerhöchstens nahe an den mittelmäßigen Folgen dieser Autoren.

...die Sache mit der vorgegebenen Ehe war erfreulich wenig ins Peinliche gezogen
Das ist zweifellos richtig und das habe ich ja auch mehr als deutlich betont. Ich dachte, Cantz und Hinter mit ihrem "wir hauen jetzt auf Kosten der Figuren wieder einen Kalauer nach dem anderen raus"-Humor würden das schlicht unerträglich machen. Haben sie aber nicht.

Ich muss aber auch gestehen, dass ich den bielgeschmähten "Summ, Summ, Summ" jetzt nicht so grottig fand, wie viele andere Fans...
Dann kannst du kein Boerne-Fan sein. Denn wer Boerne wirklich liebt, kann die Witzfigur in der Folge nicht mehr ernstnehmen.

...vielleicht auch deshalb, weil ich die Folgen vorher viel schlimmer fand: Seit einschließlich "Satisfaktion" ging's meiner Meinung nach (mit wenigen Ausnahmen) bergab
Da stimme ich dir absolut nicht zu, es gab geniale Folgen nach (und inklusive) 'Satisfaktion'. Aber ich gehe jetzt nicht weiter drauf ein, denn die, die ich zwischendurch gut bis sehr gut fand, waren bis auf die Mumie nicht von Cantz und Hinter.
In diesem Frusttext geht es aber ausschließlich um die beiden Autoren, das ist hoffentlich klar geworden. Und eben die haben massiv abgebaut nach dem gerade genannten 'Fluch der Mumie'. Massiv. Und auch mit diesem letzten Fall konnten sie mich nicht überzeugen, dass jetzt alles wieder gut wird. Er (speziell Boerne) war etwas erträglicher, ja. Das habe ich mehrfach betont. Aber die ganze Folge war weit weit weg von Episoden wie den ersten, die sie geschrieben haben.


Edited at 2015-06-05 20:47 (UTC)
veradee
6. Jun 2015 09:56 (UTC)
Ich bin noch nicht dazu gekommen, mir "Erkläre Chimäre" ein zweites Mal anzusehen.

In meinen Augen sind die Folgen in Laufe der Jahre schwächer geworden. Da ich allerdings "Der dunkle Fleck", auch wenn es die erste Folge war und Cantz/Hinter somit die Erfinder von Thiel und Boerne waren, noch nie als so überragend angesehen habe, kann ich den Qualitätsverlust nicht nur an Cantz/Hinter fest machen. "Der dunkle Fleck" ist zwar der Ausgangspunkt gewesen, aber nie mein persönlicher Höhepunkt.

Als beste C/H-Filme würde ich "Dreimal schwarzer Kater", "Der doppelte Lott" und "Der Fluch der Mumie" bezeichnen. Schon "Der Frauenflüsterer", "Ruhe sanft" und "Krumme Hunde" waren für mich schwächer, auch wenn ich sie mir trotzdem gern angucke.

Was das angeblich so tolle Verhältnis zwischen Boerne und Alberich angeht, hatte ich von Anfang an Probleme damit. Wenn ein Chef seiner Mitarbeiterin einen Handschuh ins Gesicht wirft, wie in "Der dunkle Fleck", ist das für mich indiskutabel.

Da ich von den letzten Münsteraner Tatorten insgesamt nicht mehr so angetan war, war ich diesmal positiv überrascht und habe auch viel gelacht. Das liegt natürlich auch daran, dass mir als T/B-Fan die Handlung in die Karten spielte. Vielleicht werde ich mein eher positives Urteil revidieren müssen, wenn ich den Film noch einmal und aufmerksamer angucke.
baggeli
6. Jun 2015 11:09 (UTC)
Da ich allerdings "Der dunkle Fleck", auch wenn es die erste Folge war und Cantz/Hinter somit die Erfinder von Thiel und Boerne waren, noch nie als so überragend angesehen habe, kann ich den Qualitätsverlust nicht nur an Cantz/Hinter fest machen
Ich habe hauptsächlich mit der ersten Folge verglichen, weil da (für all die, die sich nicht so intensiv mit dem Tatort beschäftigen wie wir) sogar verbalisiert wird, was ich in dem Frusttext angesprochen habe. Boernes Aussagen, die ihn verraten, die der Staatsanwältin, die in meinem Text allerdings fehlt... die hat man halt in ‚3x schwarzer Kater‘ nicht, deshalb habe ich als Dreh- und Angelpunkt für meine Argumentation Episode eins gewählt. Ganz einfach, um die Leser nicht zu überfordern, die erste und die letzten beiden. Neben Erkläre Chimäre sollte auch ‚Summ summ summ‘ noch präsent sein, an die Folgen in der Mitte werden die meisten im Gegensatz zu uns Fans aber kaum noch deutliche Erinnerungen haben. Da so drauf herumzureiten, machte keinen Sinn.
Und die Wiederholung von ‚Der dunkle Fleck‘ hatte gerade noch mehrere Millionen Zuschauer, der ist in den Köpfen präsent.

‚3x schwarzer Kater‘ sehe ich auch wohl mit als Höhepunkt an, keine Frage. ‚Lott‘ dagegen hat schon einige Schwächen, und die späteren Folgen auch. Auch darauf habe ich ja mehr als deutlich hingewiesen: es hätte zu weit geführt, die negativen Veränderungen aus jeder einzelnen Folge zusammenzutragen, da wären wir ja morgen mit dem Text noch nicht fertig.
Mit euch kann man da anders diskutieren, aber nicht mit den Lesern auf der Fanseite. Die geben in der Regel nach 5 Sätzen schon auf, da ziehen eigentlich fast nur Bilder. Schlimm, aber ist so.

Wenn ein Chef seiner Mitarbeiterin einen Handschuh ins Gesicht wirft, wie in "Der dunkle Fleck", ist das für mich indiskutabel
Da unterscheidet sich wohl unser Humor. Mit der Stelle habe ich sowas von kein Problem, da lache ich drüber! Bei mir hört es allerdings auf wie in Folgen wie ‚Satisfaktion‘ oder eben ‚Summ summ summ‘, wo er sie seine schweren Sachen tragen lässt. HALLO, geht’s noch?! Sowas ist so unbeschreiblich lächerlich, da könnte ich durchdrehen.

...war ich diesmal positiv überrascht und habe auch viel gelacht
Das habe ich auch, habe ich ja auch extra geschrieben. Ich habe mich ganz gut unterhalten gefühlt. Was ich von ‚Herrenabend‘, ‚Hinkebein‘ und ‚Summ summ summ‘ nun mal gar nicht sagen kann. Außerdem haben Jan und Axel genial gespielt, fand ich. Auch die Szenen als Paar. Die Interpretation war sehr schön „zurückgenommen“ und gleichzeitig komisch. Hut ab dafür. Das hätte auch ganz anders aussehen können.

Vielleicht werde ich mein eher positives Urteil revidieren müssen, wenn ich den Film noch einmal und aufmerksamer angucke
Das glaube ich eigentlich nicht, für euch Slasher muss das doch ein Fest gewesen sein. So wie ich die Folge im Krankenhaus rundum genossen habe, war diese doch genau das richtige Futter für euch. Und das ist ja auch ok so.
Für nicht-Slasher war das sicher grenzwertiger, aber ok.

Nur die Grundidee, Boernes Gier und die Art, Thiel da reinzuzwingen, werfe ich den Autoren vor. Das ist wieder ein einziges „lächerlich machen“, und das war früher nicht nötig. Und es wäre auch heute nicht nötig. Absolut nicht. Man könnte die Figuren liebenswert und amüsant und flott gestalten, ohne sie wieder und wieder zum Deppen zu machen.

Edited at 2015-06-06 11:11 (UTC)
( 6 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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