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Bingo-Prompt 3

Titel: Der richtige Riecher - Kapitel 3 und Epilog
Prompt:
in Ohnmacht fallen/ohnmächtig
Medium: Fanfiction
Zusammenfassung: Zwei junge Studentinnen sind ermordet aufgefunden worden; wie es aussieht, sind sie einem psychopathischen Vergewaltiger in die Hände gefallen. Aber nicht nur dieser Fall macht Silke Haller Sorgen...
Anmerkungen: Schließt sich an die Ereignisse aus Mörderspiele an. Ich beziehe mich ein wenig auf die Handlung der Tatort-Folge, aber das ist ziemlich nebensächlich



Aus dem Tiefschlaf gerissen vom unangenehmen Piepsen ihres Weckers, rieb Silke sich verschlafen die Augen. Nachdem sie geduscht und einen Kaffee getrunken hatte, überlegte sie, bei ihrem Chef anzurufen und nachzuhören, wie es ihm ging - aber dann entschied sie sich dagegen. Sie wollte ihn nicht wecken; außerdem würde Thiel heute Morgen bestimmt kurz bei ihm reinschauen.


Als Silke fünf Minuten vor acht das Präsidium betrat, saßen der Kommissar, Nadeshda und eine Handvoll ihrer Kollegen schon am großen Konferenztisch und hatten einen Wust von Vernehmungsprotokollen ausgebreitet. Thiel blickte auf, als sie den Raum betrat. „Ach, Moinsen Frau Haller. Na, Sie sehen aber etwas ausgeruhter aus als gestern.“
Silke lächelte ihn an. „Danke Herr Thiel. Sie ehrlich gesagt nicht!“
Thiel schnaubte grinsend. „Nee, ich hab‘ mir die halbe Nacht mit Verhören um die Ohren geschlagen. Da war nicht viel mit schlafen.“ Er musste ein Gähnen unterdrücken, als Silke ihn fragte. „Wie geht es dem Professor? Waren Sie bei ihm?“
„Ich war gestern Abend mal für ein paar Minuten zu Hause und hab‘ bei ihm reingesehen, so gegen 22 Uhr. Da schlief er ganz ruhig, er hat mich nicht bemerkt. Seitdem bin ich aber nicht mehr daheim gewesen.“
Silke nickte. Kurzentschlossen holte sie ihr Handy hervor, um doch noch schnell bei ihrem Chef anzurufen, die Besprechung hatte ja noch nicht begonnen. Aber in dem Moment öffnete sich die Tür und die Staatsanwältin trat ein.
„Guten Morgen zusammen.“ Ihre sonore Stimme klang nicht viel weniger mürrisch als am Abend zuvor.
Die versammelten Kollegen murmelten einen Gruß zurück und Silke steckte ihr Mobiltelefon wieder ein. Der Anruf hatte sich jetzt erst einmal erledigt.



Thiel neben ihr blickte auf. „Ah, moin Frau Klemm. Na, dann kann’s ja losgehen. Also, wir sind…“ Er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen, weil die Staatsanwältin ihn unterbrach. „Halt, Herr Thiel. Wir sind noch nicht vollständig, der Professor fehlt noch.“
Silke richtete sich verwundert auf, Thiel dagegen lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Boerne kommt nicht, der ist todkrank. Frau Haller ist hier.“ Er klang ganz irritiert.
Aber Frau Klemm schüttelte nur den Kopf. „Oh, er wird kommen. Ich habe gestern Nacht noch mit ihm telefoniert und ihm klargemacht, dass ich heute Morgen von ihm eine neue, weniger abstruse Theorie erwarte, sowie alle noch ausstehenden Befunde.“

Silke konnte kaum glauben, was sie da hörte aber bevor sie etwas sagen konnte, ergriff Thiel wieder das Wort. „Frau Klemm, Sie haben doch gestern selber gesehen, wie er aussah. Vergessen Sie's! Der kann nicht kommen, dazu ist er gar nicht in der Lage.“
Die Staatsanwältin verschränkte die Arme. „Er wird kommen. Ich habe ihm die Konsequenzen klargemacht, die es nach sich zieht, wenn er hier nicht erscheint.“
Thiel war fassungslos. „Sie haben was?“
Langsam schien Frau Klemm die Geduld zu verlieren. „Thiel, wenn ich auf Boernes Befindlichkeiten Rücksicht nehmen will, komme ich nicht weit. Er kann seine Erkältung auskurieren, wenn dieser Fall gelöst ist.“
Nun konnte Silke sich nicht mehr zurückhalten. „Erkältung? Der Professor hat eine Lungenentzündung!“ 


Zum ersten Mal zeichnete sich so etwas wie Überraschung in Frau Klemms Gesicht ab; trotzdem blieb sie in Verteidigungsstellung. „Eine Lungenentzündung, ja klar. Damit sitzt man ja dann auch hinterm Schreibtisch.“
Thiel beugte sich vor, er klang regelrecht zornig. „Er hat den ganzen Tag im Institut auf dem Sofa gelegen, weil Frau Haller ihn nicht allein lassen wollte, nachdem er nachts am Tatort bewusstlos zusammengebrochen ist.“
Silke nickte energisch und ergänzte: „Dass er am Schreibtisch saß, als Sie kamen, war der pure Zufall. Er konnte einfach nicht mehr liegen, ihm taten die Knochen weh.“

Frau Klemms Gesichtsausdruck wandelte sich langsam von Überraschung zu Betroffenheit. „Er ist zusammengebrochen? Aber warum hat denn niemand etwas gesagt? Das kann ich ja nicht ahnen!“
„Nein, das konnten Sie nicht ahnen. Aber man konnte sehr deutlich sehen, dass es ihm schlecht ging, doch das hat Sie anscheinend nicht interessiert. Und Sie haben uns auch keine Gelegenheit gegeben, Sie aufzuklären.“ Silke versuchte, nicht zu angreifend zu klingen, aber so ganz gelang ihr das nicht.

Die Staatsanwältin wollte wohl etwas erwidern, aber sie kam nicht dazu, denn in dem Moment öffnete sich die Tür. Blass und verschwitzt, die Augen wieder fieberglänzend, betrat Boerne den Raum. Er musste sich mit einer Hand an der Wand abstützen, als er mit unsicheren Schritten auf den Tisch zuging.
„Chef!“ Silke sprang auf und dirigierte den Professor auf ihren Platz, wo er sich mit einem leisen Keuchen setzte. Wie schon den ganzen Tag zuvor strengte ihn jeder Atemzug an, sein Zustand hatte sich noch nicht gebessert.

Thiel ließ sich indessen in seinen Stuhl zurückfallen und fuhr sich durch die Haare. „Ich kann’s nicht fassen. Boerne, was zum Teufel machen Sie hier?“
Boerne warf ihm einen müden Blick zu. „Ich konnte Frau Klemms freundliche Einladung einfach nicht ausschlagen.“ Die Staatsanwältin reagierte nicht auf diese zynische Antwort


„Mensch Chef, Sie gehören ins Bett.“ Aufgebracht funkelte Silke Frau Klemm an, die sich in ihrem Stuhl zurücklehnte und die Arme verschränkte. Sie wirkte, als fühle sie sich unbehaglich.
Boerne legte seine Hand auf den Aktenordner, den er mitgebracht hatte. „Lassen Sie‘s gut sein, Alberich. Nach dem Anruf von Frau Klemm ist mir eine Idee gekommen, die ein völlig neues Licht auf diesen Fall wirft.“

Silke beäugte erst ihn und dann diesen Ordner misstrauisch. „Das ist doch eine von unseren Mappen. Jetzt sagen Sie nicht, Sie sind noch mal im Institut gewesen.“
Boerne blickte nur flüchtig zu ihr auf, als er antwortete. „Ich bin die halbe Nacht dort gewesen. Es gab noch einen letzten Test, den wir nicht durchgeführt hatten, der sich aber als enorm wichtig herausgestellt hat.“

Silke wollte schon ungläubig aufbegehren, aber Thiel, der für den Moment seinen Ärger über die ganze Situation beiseite zu schieben schien und sich stattdessen auf den Fall konzentrierte, wirkte ganz gespannt. „Was haben Sie entdeckt, Boerne?“
Der Angesprochene schlug den Aktenordner auf und schob ihn dem Kommissar hin. „Das ungeborene Baby von Frau Kristen und die zweijährige Tochter von Frau Schätzle haben den gleichen Vater.“ 


Silke war mindestens so überrascht wie der Rest der Versammlung.
„Das gibt’s doch nicht!“ Die erstaunte Äußerung stammte von Frau Klemm.
Thiel musterte den Professor anerkennend. „Mensch Boerne, was für eine Idee.“ Er warf einen Blick auf die Staatsanwältin. „Sie müssen zugeben Frau Klemm, dass damit plötzlich viel mehr für Boernes Beziehungstat spricht, als für Ihren psychopathischen Vergewaltiger.“
Die Staatsanwältin nickte bedächtig. „Ja, da haben Sie Recht. Gute Arbeit, Professor.“ So aufrichtig wie sie das sagte, war Silke mit ihr versöhnt.

Als unter den Polizisten direkt eine lebendige Diskussion ausbrach, kam von ihrem Chef ein heiseres: „Ich war noch nicht fertig.“
Er war über das erregte Gerede kaum zu verstehen gewesen, aber die Art, wie er das sagte, ließ die Gespräche direkt verstummen und alle Augen richteten sich erwartungsvoll auf ihn.
„Ich habe die DNA des Kindsvaters durch alle bekannten Datenbanken gejagt und bei der Deutschen Knochenmarksspenderdatei einen Treffer gelandet.“ Er blätterte eine Seite um, bevor er die Mappe wieder zu Thiel drehte. „Es ist Professor Peter Gerhards.“

Das war jetzt die zweite Bombe, die er innerhalb einer Minute hatte platzen lassen, und dementsprechend überrascht starrten ihn alle an. Alle, bis auf Nadeshda. Verwundert bemerkte Silke, wie die junge Frau bei Boernes Aussage plötzlich die Stirn gerunzelt hatte und nun ganz abwesend wirkte. Sie reagierte gar nicht, als Frau Klemm lospolterte: „Thiel, Krusenstern, schaffen Sie mir den Mann aufs Revier. Aber sofort.“


Thiel war schon aufgesprungen und hatte seine Jacke von der Stuhllehne gerissen. „Er kann es nicht selbst gewesen sein, er war bis nachts um drei auf diesem Fest. Es gibt viele Zeugen dafür. Aber wir werden ihn weichkochen und herausfinden, wer ihm geholfen hat.“ Er blickte zu seiner Assistentin und verharrte dann mitten in der Bewegung. „Nadeshda? Alles klar?“

Endlich löste sich die junge Frau aus ihrer Starre und schaute ihn an. „Ich kann es nicht glauben, dass mir das nicht schon eher aufgefallen ist! Gestern, schon in der Rechtsmedizin hätte ich darauf kommen müssen, bei den Erläuterungen von Professor Boerne.“

„Was ist Ihnen aufgefallen, Nadeshda?“ Thiel hatte sich gespannt vorgebeugt.
„Die Sekretärin; die Ehefrau von Professor Gerhards! Sie ist höchstens 1,50 m groß. Und sie war umgeben von dieser Duftwolke.“
Erkenntnis dämmerte in Thiels Blick. „Das stimmt, der ganze Vorraum stank nach ihrem Parfüm. War das etwa dieses Zeugs, dieses Opium?“
Nadeshda nickte nur stumm und Silke wandte wie alle anderen ihren Blick zu Boerne, als er plötzlich das Wort ergriff.
„Na Thiel, dann sollten Sie Frau Gerhards ebenfalls aufs Präsidium bringen. Der Nase von Frau Krusenstern können Sie auf jeden Fall vertrauen. Ich bin ziemlich sicher, dass Sie in diesem Fall den richtigen Riecher hat.“

Die Staatsanwältin nickte und deutete dann mit dem Kopf Richtung Tür. „Worauf warten Sie noch?“
Thiel grinste. „Wir sind schon weg. Kommen Sie, Nadeshda, die Frau gehört Ihnen.“




Als die beiden ihren langsamer nachfolgenden Kollegen voran aus dem Raum gestürmt waren, drehte Silke sich zu ihrem Vorgesetzten zurück und stemmte die Hände in die Hüften. „Mensch, Professor, über diese Nachtschicht reden wir aber noch. Warum haben Sie mich denn nicht angerufen? Ich hätte die Untersuchungen doch für Sie durchgeführt.“
Müde blickte Boerne auf. „Alberich, Sie hatten achtzehn Stunden am Stück durchgearbeitet. Auch fleißige Heinzelmännchen brauchen mal eine Pause.“
Silke schluckte. „Ach Chef. Was mache ich nur mit Ihnen?“ Er erwiderte ihr Lächeln mit einem erschöpften Augenzwinkern.

Sie legte eine Hand in seinen Nacken. „Meine Güte, Sie glühen ja schon wieder. Na kommen Sie, ich bringe Sie heim.“
Als Boerne nickte und dann aufstand, kam die Staatsanwältin um den Tisch. „Lassen Sie mal, Frau Haller. Sie haben bestimmt eine Menge im Institut zu tun. Ich fahre den Professor nach Hause. Ich denke, ich habe etwas gutzumachen.“
Silke erhob keine Einwände, als Frau Klemm Boernes Oberarm umfasste und ihn langsam zur Tür herausführte.




Epilog

Als Silke am Nachmittag das Rechtsmedizinische Institut verließ, steuerte sie ihren Wagen nicht nach Hause, sondern fuhr kurz beim Supermarkt vorbei und dann zur Wohnung ihres Vorgesetzten.
Auf ihr drittes oder viertes Klingeln hin öffnete Boerne die Tür; zufrieden stellte sie fest, dass er Pyjamahose und T-Shirt trug und seinen verwuschelten Haaren nach zu urteilen offensichtlich gerade aus dem Bett gekommen war.
Bevor sie allerdings etwas sagen konnte, brach er in einen Hustenanfall aus, der ihn dazu brachte, sich zusammenzukrümmen.

Als er endlich wieder zu Atem kam, löste Silke die Hand, mit der er sich am Türrahmen stützte und schob ihn zurück in sein Schlafzimmer und ins Bett. „Sie ruhen sich aus. Ich koche. Sie haben doch bestimmt ewig nichts gegessen.“
Sie ließ ihm keine Zeit zur Gegenwehr, sondern verschwand ohne ein weiteres Wort grinsend in der Küche. So oft überrumpelte ihr Chef seine Mitmenschen auf diese Art und Weise, es machte ihr Spaß, das mit ihm einmal genau so zu machen.



Es dauerte etwas, bis sie mit ihren Vorbereitungen fertig war, aber nach zwanzig Minuten stand die Hühnersuppe auf dem Herd und köchelte vor sich hin. Ein Blick ins Schlafzimmer zeigte ihr, dass Boerne schon wieder eingedöst war. Vorsichtig fühlte sie seine Stirn, aber das Fieber war wesentlich niedriger als am Morgen im Präsidium.
Zufrieden ließ Silke sich auf die Couch in seinem Wohnzimmer fallen und nahm eine der Zeitungen in die Hand, die dort lagen. Sie hatte seit Tagen keine mehr gelesen, und bis das Essen fertig war, würde es noch eine Weile dauern.


Es war schon dunkel draußen, als Silke zu ihrem Chef ins Schlafzimmer zurückging. Er hatte die letzten zwei Stunden geschlafen, ohne sich zu rühren und ohne von einer Hustenattacke aufgeweckt zu werden. Die Ruhe hatte ihm sicher gutgetan, aber jetzt musste er dringend etwas Nahrung zu sich nehmen.
Sie beugte sich vor, stellte das Tablett mit der Suppe darauf auf seinen Nachttisch und berührte in an der Schulter. „Chef, Essen ist fertig.“


Boerne rollte sich seufzend auf den Rücken und öffnete mühsam die Augen. „Suppe?“, murmelte er verschlafen.
„Ja, Suppe. Was haben Sie denn erwartet, was ich Ihnen koche? Ein halbes Schwein auf Toast?“
Boerne schnaubte nur und setzte sich dann auf. Sein Blick fiel auf das Tablett, dann schaute er fast bittend zu Silke auf. „Ich würde gerne am Tisch essen; mal wieder ein paar Minuten sitzen.“
Silke musterte ihn für einen Moment; er sah etwas besser aus, nicht mehr ganz so blass. Zu hohes Fieber hatte er auch nicht, also sprach nichts dagegen, ihn ein Weilchen am Tisch sitzen zu lassen.
„Klingt nach einer guten Idee. Na kommen Sie, ich bringe Ihren Teller rüber.“
Boerne sah sie dankbar an, dann richtete er sich langsam auf und ging zum Esstisch hinüber.

Gerade, als er sich auf einen der Stühle sinken ließ, klopfte es leise an der Tür. Bevor Silke jedoch öffnen konnte, wurde ein Schlüssel im Schloss gedreht und Thiel steckte den Kopf durch den Türrahmen.

„Boerne, Sie sind ja wach. Ich wusste nicht, ob Sie schlafen, deshalb habe ich nicht geklingelt.“ Als er vollends hereinkam, fiel sein Blick auf Silke. Er lächelte. „Frau Haller; hab‘ ich doch richtig gesehen, dass da draußen ihre Flohkiste geparkt steht.“

Silke lächelte zurück. „Ja, ich bin vor einer Weile gekommen und habe etwas zu Essen gemacht.“ Spontan wies sie auf Boernes Teller. „Wollen Sie auch eine Suppe? Ich würde wetten, Sie leben seit Tagen von dem schrecklichen Kantinenfraß.“
Thiels Augen leuchteten auf. „Ja, gerne!“ Schwungvoll ließ er sich Boerne gegenüber auf einen Stuhl fallen und rieb sich die Hände.


„Setzen Sie sich doch“, kam Boernes sarkastischer Kommentar.
Thiel grinste. „Na, Ihnen geht’s etwas besser, was?“ Dann nahm er mit einem dankbaren Lächeln den Teller an, den Silke ihm reichte. Sie selbst bediente sich ebenfalls und gesellte sich dann zu den Männern an den Tisch.
Thiels Suppe verschwand ziemlich schnell, Boerne dagegen nahm nur ein paar Löffel und hörte schon bald ganz auf zu essen. So recht schien er noch keinen Appetit zu haben. Aber Silke war zufrieden, immerhin hatte er jetzt wieder ein wenig im Magen.


Nach kurzer Zeit schob Thiel seinen nun leeren Teller beiseite und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Es dürfte Sie interessieren, dass Frau Gerhards die Morde schon gestanden hat. So wie es aussieht, hatten die beiden Studentinnen sich zusammengetan und wollten Unterhalt für ihre Kinder vom Professor einfordern. Sie ist dahintergekommen und hat die beiden Mädchen erledigt. Aus Eifersucht, und um zu verhindern, dass die Geschichte an die Öffentlichkeit kommt und 'der gute Ruf ihres Mannes besudelt wird', wie sie es ausdrückte.“

Silke legte den Kopf schräg. „Hat der Professor selber also nichts mit den Morden zu tun?“
Thiel schüttelte den Kopf. „Nein, der ist aus allen Wolken gefallen. Er war völlig fassungslos. Und sie selber gibt an, allein gehandelt zu haben; das glaube ich auch. Die Frau ist irre.“
„Das habe ich ja die ganze Zeit gesagt“, brummte Boerne heiser. „Eine kleinwüchsige Psychopathin war der Täter.“ Ein spitzbübischer Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Thiel, wenn man mich jemals ermordet irgendwo auffindet, haben Sie hoffentlich im Hinterkopf, dass ich auch von einer umgeben bin. Könnte Ihnen bei den Ermittlungen sehr helfen.“


Der Kommissar schüttelte grinsend den Kopf, als Silke ihren Chef anfunkelte. „Boah Chef, manchmal sind Sie echt unmöglich. Wie wäre es mit ein wenig Dankbarkeit, statt mich hier zu beleidigen?“
Boerne lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Was erwarten Sie von mir? Soll ich Ihnen unter Tränen die Füßchen küssen? Damit könnten Sie doch gar nicht umgehen…“ Er wollte anscheinend noch mehr sagen, wurde aber wie so oft in der letzten Zeit durch einen heftigen Hustenanfall davon abgehalten. Es dauerte eine Weile, bis er endlich wieder normal atmen konnte; besorgt registrierte Silke den dünnen Schweißfilm, der jetzt auf seiner Stirn stand und das erneut sehr bleiche Gesicht.
Energisch stand sie auf und zog ihn mit hoch. „Feierabend, Chef. Sie gehören zurück ins Bett.“
Thiel erhob sich ebenfalls und begleitete sie ins Schlafzimmer, wo Boerne mit einem Aufseufzen auf die Matratze sank und sich dann ausstreckte.
Als Silke ihn zudeckte, fühlte sie noch schnell seine Temperatur, aber die war weiterhin nicht allzu hoch. Anscheinend begannen die Antibiotika zu wirken. „Sie schlafen jetzt und morgen sieht die Welt schon anders aus.“
Thiel mischte sich ein. „Wenn was ist, rufen Sie bei mir an. Ich hab jetzt Feierabend und bin zu Hause.“
Boerne nickte nur mit geschlossenen Augen.

Mit dem Kommissar im Schlepptau verließ Silke das Zimmer, als ein leises „Danke!“ sie zurückblicken ließ. Irritiert zog sie die Augenbrauen hoch. „Sie haben Recht Chef, damit kann ich wirklich nicht umgehen. Sehen Sie mal zu, dass Sie schnell wieder gesund werden. Als besserwissender Despot sind Sie mir lieber.“
Aus dem Bett ertönte ein leises, aber eindeutig amüsiertes Schnauben, als
Silke das Licht im Schlafzimmer löschte und die Tür zuzog.



Als sie aus ihrem Auto ausstieg und ihre Wohnung betrat, rollte Silke Haller die Schultern und musste ein Seufzen unterdrücken; sie war müde. Aber so wie es aussah, würden nun endlich ein paar wohlverdiente, ruhige Tage anstehen.
Eins war jedenfalls sicher; komme was wolle, diese Nacht würde sie nicht ans Telefon gehen.

Comments

( 10 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
cricri_72
24. Sep 2012 05:11 (UTC)
Du schreibst so schnell, daß ich nicht mit Kommentieren hinterher komme ;)

Ein wirklich fieser Fall diesmal. Ich hatte relatv schnell den Verdacht, daß es die Frau des Professors sein könnte - also zu dem Zeitpunkt, als Boerne meinte, es sei kein Mann gewesen. Aber auf die Idee, das über die Kinder rauszufinden, bin ich nicht gekommen, das war am Ende eie Überraschung. Ebenso wie die Knochenspender-Sache.

Wenn Du magst, kann ich gerne noch ein paar Kleinigkeiten anmerken, die mir beim Lesen aufgefallen sind - aber so schnell wird das nix ;) Die nächsten Tage sind erstmal wirklich dicht, wir haben auch noch einen Freund zu Besuch diese Woche, der eine Tagung in der Nähe besucht und bei uns übernachtet. Und mein eigenes Abschlußkapitel schreitet voran ... Da ist mir endlich noch eine Kleinigekeit für die Auflösung eingefallen und damit konnte ich weiterschreiben.
baggeli
24. Sep 2012 06:39 (UTC)
Du schreibst so schnell, daß ich nicht mit Kommentieren hinterher komme ;)

Hehe, was heißt schon schnell; dieser Text ist aber wirklich so rausgeflogen an diesem Wochenende. (Merkt man ihm auch an *räusper*)


Ich hatte relatv schnell den Verdacht, daß es die Frau des Professors sein könnte

Ja, wer der Täter ist, ist natürlich sofort klar, ich habe mir ja da wenig Mühe gemacht und nur zwei 'fremde' Leute vorgestellt; es ging mir halt mehr darum, zu zeigen, wie die Rechtsmedizin zur Lösung beiträgt des Falles beiträgt.
Die arme Alberich hat schließlich so geschuftet und Boerne hat die Geistesblitze, deshalb der Fokus aufs Institut. =D
Ist natürlich wie immer alles Geschmackssache, aber mir hat es Spaß gemacht.

P.S.: Also, das mit dem drüberschauen hat ja alle Zeit der Welt. Der steht hier so erst mal gut, die Geschichte an sich sollte auch funktionieren, fehlenden Wörtern, Rechtschreibfehlern und meinen üblichen stilistischen Mängeln zum Trotz.

Also, wie immer, nur wenn du Lust hast,
joslj
25. Sep 2012 09:31 (UTC)
Mir gefällt's auch gut! Und der Fall ist nicht offensichtlicher als sonst beim Tatort, keine Sorge :-)

Mir gefällt der Silke POV. Ich mag ja sonst ihre spitzen Bemerkungen sehr gerne, aber dafür ist in dieser Geschichte nicht der richtige Platz. Ich finde, du hast ihr Verhältnis zu Boerne und auch zu Thiel wirklich gut getroffen. Dass Thiel manchmal zunächst nicht mitkriegt, was mit Boerne los ist, ist ja schon canon und passt hier sehr gut. Und so ein bisschen h/c lässt auch das slasher-Herz höher schlagen (auch wenn du das nicht beabsichtigt hast :-))

Diese Bingo-Idee ist wirklich klasse. Ich freu mich auf mehr :-)
baggeli
25. Sep 2012 10:41 (UTC)
Huhuuu!!
Freut mich, dass es dir gefallen hat! *hüpf*

Ja, ich liebe Alberich, ich weiß auch nicht, warum. Die ist einfach cool. (Und die einzige, die Boerne einigermaßen im Griff hat - auch wenn er bestimmt anderer Meinung ist. ;o) )

Und dass dich das h/c nicht vertrieben hat, freut mich! :D Ich hab' das ja eh in fast allen Geschichten, ich kann einfach nichts dafür. *räusper* Aber ab und an versuche ich, mich zurückzuhalten. In diesem Fall ging das aber allein durch den Prompt schon nicht.

Bingo ist wirklich ein Spaß, ich schaue selber jeden Tag gespannt, was es Neues gibt. :D
veradee
29. Sep 2012 13:37 (UTC)
Mann, mann, mann - Boerne hat's aber nicht leicht bei Dir. Eh schon schwer krank, und dann merkt es erst Thiel nicht, dann die Klemm. ;)

Obwohl Frau Haller ja in gewisser Weise nur eine außenstehende Figur ist, mag ich, wie Du ihren POV umgesetzt hast. Man bekommt einen guten Eindruck von ihren Gefühlen, aber auch vor allem Boerne und Thiel sind sehr plastisch, obwohl man sie nur mit Frau Hallers Augen sieht.
baggeli
29. Sep 2012 13:47 (UTC)
Huhu Vera!
Ja, Boerne hat's nicht so leicht bei mir; hat er ja nie. *räusper*

Ich finde es nett, von den Augen einer anderen Person aus das Verhältnis und die Interaktionen zwischen Thiel und Boerne zu beschreiben; so reagieren sie nicht so eingeschränkt subjektiv, sondern ich kann sie einfach aufeinander loslassen.
Speziell nach der Folge Satisfaktion habe ich das Gefühl, dass Alberich die beiden am Besten im Blick und durchschaut hat.
Ich hätte auch Nadeshda nehmen können, aber ich glaube, die liegt mir nicht. Und die Klemm ist zu wenig beteiligt, als das man da eine längere Geschichte draus sticken könnte.

Abgesehen davon schreibe ich gerne aus der Rechtsmedizin, weil ich mit damit aufgrund meines Berufs zumindest besser auskenne, als mit Ermittlungsarbeit. =D
guenni
13. Nov 2013 01:03 (UTC)
Hallo,
weil ich dann doch ins Bett will, und es außerdem in dieser Geschichte gut passt, schreib ich meine Frage jetzt einfach mal hierhin. :-)
Du schreibst immer mal wieder, dass Alberich an einer Leiche am Tatort nicht alleine "rummurksen" darf. Wie kommst du darauf? Wurde das irgendwann mal gesagt? Ich fürchte ich hab die Münstertatorte weit weniger gut im Gedächtnis als die meisten anderen der Aktiv beteiligten in dieser Runde, von daher ist's gut möglich dass ich da einfach was vergessen habe. Der Grund meiner Frage ist hauptsächlich der, dass ich selber gerade an einer Fanfic bastle und das was Alberich so darf oder eben auch nicht, ist da relativ zentrales Thema. Ich habe im Moment beschlossen dass die Geschichte nach "Sag nichts" ihr Ende findet, weil sie ja in "Mörderspiele" als Gutachterin eingesetzt wird. Von daher darf sie da ja offenbar dürfen, was man eben so darf als Rechtsmediziner. (Erwähnte ich schon, dass ich von dem Thema absolut keine Ahnung habe? *gg*) Und es würde sich dann mit meiner Geschichte beißen.
Daher würden mich deine Gedankengänge dazu interessieren, bzw. ob dazu in einem der späteren Tatorte noch mal was gesagt wird.
So, und zum Abschluss schreibe ich noch, dass mir diese wie die meisten deiner Geschichten gut gefallen, auch wenn ich bei Gewaltbeschreibungen öfter mal querlese. Ich hab an der Stelle glaub ich einfach zu viel Fantasie. Ich mag das, was alldie anderen die vor mir geschrieben haben auch mögen. Also hauptsächlich deine Darstellung der Charaktäre und der Beziehungen untereinander.
So und jetzt wünsch ich einen guten Morgen und begebe mich zu Nest.
baggeli
13. Nov 2013 07:43 (UTC)
Das ist nur so zurechtgedreht, damit es mir passt, wie so vieles in Fanfiction. ;o)

Tatsache ist:
Silke ist nicht promoviert, das wird in Hinkbebein deutlich. Obduktionen darf sie rein rechtlich schon nicht allein durchführen, das ist gesetzlich festgelegt (Boerne natürlich auch nicht!) Solche Feinheiten sind dem Tatort aber immer schon egal gewesen, das zeigt sich zum Beispiel auch in der letzten Episode noch wieder, als sie allein die Stellung hält, während Boerne im Knast sitzt...

Also, wie gesagt, dem Tatort sind solche Details schnuppe. Und ich denke, den meisten Lesern auch, solange es nicht völlig daneben ist, was du da so produzierst. ;o)

Danke für dein Lob zu meinen Geschichten! Und was die Gewalt angeht, mag ich hier im Tatort wohl mit die Schlimmste sein, aber an sich dachte ich, ich bin noch recht harmlos. Da schau dich mal in anderer Fanfiction-Gebieten um... *lol*

Edited at 2013-11-13 07:44 (UTC)
guenni
13. Nov 2013 08:50 (UTC)
Hmm, das hilft mir nun auch nicht wirklich weiter. *grummel* ich werds wohl für meinen eigenen Seelenfrieden drüberschreiben. *gg*
Das mit dem Querlesen sollte nicht als Kritik gemeint sein. Ich wollte damit nur erklären warum ich mich zu diesen Szenen nicht wirklich äußern kann.
Was deine Gewaltmenge im Vergleich zu anderen angeht, nehm ich das jetzt einfach mal so zur Kenntnis ich hab noch nicht so sehr viel gelesen. ;)
Allerdings war ich durchaus schon großräumiger u.a. im Harry Potter fandom unterwegs. Wann immer irgendwer in die Fänge von todessern/Voldemort gerät, erhöht sich meine Lesegeschwindigkeit meist beträchtlich. :D
Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit in Psychologie (Ich weiß, ich bin langsam :))vielleicht kann ich deshalb mit dieser Art von Gewaltanwendung besser. Zumindest gilt das für meine eigenen Geschichten.
Oder anders ausgedrückt, wenn da jemand an Schläuchen im Bett liegt, und jemand anders sitzt schwer besorgt daneben kann ich dem durchaus was abgewinnen. Vorausgesetzt am Ende ist die Welt zumindest auf dem Weg zu in Ordnung. :)
baggeli
13. Nov 2013 09:46 (UTC)
Bei mir ist das inzwischen so etabliert, davor warne ich gar nicht mehr. *abwink* :D

Alles wirklich korrekt zu schreiben, ist nicht ganz einfach. Zumindest in dem Moment, in dem Krimi-spezifische Handlungen dazukommen, die zwar rechtlich sicherlich genau definiert sind, aber Otto Normalverbraucher eben diese Definitionen nicht kennt und auch nicht so einfach durch Recherche findet.

Oder anders ausgedrückt, wenn da jemand an Schläuchen im Bett liegt, und jemand anders sitzt schwer besorgt daneben kann ich dem durchaus was abgewinnen. Vorausgesetzt am Ende ist die Welt zumindest auf dem Weg zu in Ordnung. :)
Na dann bist du hier doch genau richtig! :D
( 10 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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