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Schuld - Kapitel 2

Titel: Schuld (vorher: Horror)
Genre: Etwas Drama, etwas Angst... wie immer.
Wortanzahl: 1200
A.N.: ich hab noch ein wenig weitergesponnen an dem Fragment. Die Betonung liegt dabei auf spinnen.


Wie erstarrt hatte der Professor die anklagenden Worte der aufgebrachten Staatsanwältin über sich ergehen lassen, das Gesicht versteinert, die Augen zugekniffen. Er brauchte ein paar zittrige Atemzüge, bis er es schaffte, sie wieder zu öffnen. Und hatte er sich bis jetzt einen letzten Rest seiner eisernen Selbstbeherrschung, einen letzte Rest von Fassung bewahrt, waren diese nun vollständig verschwunden. Es lag ein derart verletzter, hoffnungsloser Ausdruck in seinem Blick, dass Nadeshda schluckte.
Was auch immer passiert war, Boerne war total verzweifelt, das war nicht gespielt. Und auch wenn sie keine rationale Erklärung dafür hatte und wirklich alle Indizien gegen ihn sprachen, von einer auf die andere Sekunde war sie absolut sicher, dass er die Wahrheit sagte.
Bevor sie allerdings auch nur versuchen konnte, Partei für ihn zu ergreifen und die harschen Worte der Staatsanwältin etwas abzumildern, stieß er sich von der Wand ab, drängte sich an Frau Klemm vorbei und schleppte sich, so schnell es ihm in seinem Zustand möglich war, Richtung Tür. Er bewegte sich dabei so unsicher, dass Nadeshda ihm eilig in den Weg sprang und seinen unverletzten Arm griff, um ihm zu stützen. Aber in einer unerwartet heftigen Bewegung riss er sich von ihr los. Sein gefauchtes Lassen Sie mich in Ruhe! war heiser, kaum zu verstehen und es war nicht zu übersehen, dass es ihn all seine verbliebenen Kräfte kostete, nicht vor Schmerzen in die Knie zu sinken. Dennoch hatte so viel Vehemenz hinter seinen Worten gelegen, dass sie ihn instinktiv losließ und ihm den Weg freimachte.
Er verließ den Raum, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Für einen Moment war sie versucht, ihm zu folgen, doch dann wurde ihr klar, dass das keinen Sinn hatte. Seine Reaktion war mehr als eindeutig gewesen. Er hatte ihre Sorge nicht als solche erkannt, sondern als Angriff gewertet. Aber das war ja auch kein Wunder, war er doch in den letzten Stunden wieder und wieder in die Mangel genommen worden. In die Mangel genommen, behackt, zum Schluss sogar offen der Lüge bezichtigt, von Kollegen, mit denen er seit Jahren Tag für Tag zusammengearbeitet hatte. Wie verraten und im Stich gelassen musste er sich fühlen?
Und natürlich war sie für ihn keinen Deut besser als alle anderen; in dem Moment, in dem er ihren Beistand und ihr Vertrauen am nötigsten gebraucht hätte, hatte sie an ihm gezweifelt so wie alle anderen auch. Und das konnte sie jetzt nicht mehr rückgängig machen.

Die unbeschreibliche Anspannung, die ihr seit Stunden schon fast die Luft zum Atmen nahm, potenzierte sich noch mehr. Selbst wenn diese ganze elende Geschichte einigermaßen gut ausgehen sollte, was sie kaum noch zu hoffen wagte: sie war sich nicht sicher, ob dieser Riss, der sich zwischen ihnen allen aufgetan hatte, je wieder geflickt werden konnte.


Die Staatsanwältin stand noch wie angewurzelt mitten im Raum, mit bebenden Nasenflügeln und versteinerter Miene. Auch in ihr arbeitete es gewaltig, das war nicht zu übersehen. Doch sie schien zu einem anderen Ergebnis zu kommen als Nadeshda; schnaubend straffte sie die Schultern, warf den Kopf hoch und stürmte ebenfalls aus dem Zimmer. Sie war noch nicht fertig mit dem Professor, das war klar.

Mit einem gequälten Seufzen fuhr Nadeshda sich durch die Haare und fiel erschöpft zurück auf den Stuhl neben Thiels Bett. Mit brennenden Augen fixierte sie ihren reglos daliegenden Vorgesetzten, dessen Schicksal in den Sternen stand. Der um sein Leben kämpfte nach einem Unfall, einem unerklärlichen Autounfall auf einer praktisch leeren Autobahn, der eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen.
Während sie behutsam seine schlaffe Hand in ihre nahm und versuchte, die Fassung zu bewahren, hatte sie mit einem Mal wieder die unbeschreibliche Verzweiflung in Boernes Blick vor Augen. Und ihr wurde noch etwas klar: sollten sie Thiel verlieren, würden sie den Professor gleich mit verlieren. Schuldig oder nicht, er würde sich dieses Unglück niemals vergeben. Er würde daran zerbrechen.

<<Kapitel 1 ---------- Kapitel 3>>


t.b.c.?

Comments

( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
anja79
14. Sep 2015 06:07 (UTC)
Oh, schön ein zweites Kapitel!

Boah, wie heftig. Aber es ist schön zu lesen, dass Nadeshda ihm wenigstens glaubt.

Wäre Boerne nicht so angeschlagen, würde ich sagen, dass er alles tun würde zu beweisen, dass er die Wahrheit sagt. Vielleicht mit Unterstützung von den beiden Damen :) Ich bin mir sicher dass da etwas mega faul ist :)

(Weiß ja nicht wo du hin willst, falls es weiter Kapitel geben sollte) ;)
baggeli
14. Sep 2015 11:49 (UTC)
Danke für die Rückmeldung Anja!!! :D
Ist das wirklich heftig? Keine Ahnung.
Aber du hast Recht, Nadeshda glaubt ihm. Nur ihm nutzt das im Augenblick nicht wirklich viel. Da ich alle gerne quäle, schreibe ich denke ich nach und nach noch weiter... nur geht das alles nicht so schnell wie ich es gern hätte. War so viel unterwegs die letzte Zeit. :D
caraserpens
27. Okt 2015 20:40 (UTC)
Hach... Endlich find ich mal wieder Zeit, ein wenig zu lesen und dann sehe ich das Kapitel... Hach... Armer Boerne... Ich freu mich tierisch über Nadeshdas Reaktion, dass sie Boernes Lage völlig richtig einschätzt. Das gibt Hoffnung.

Ich freue mich sehr auf eine Fortsetzung :)
baggeli
27. Okt 2015 21:48 (UTC)
Ich freue mich sehr auf eine Fortsetzung :)
Öhm... Fortsetzung? *hüstel*

Hach... Endlich find ich mal wieder Zeit, ein wenig zu lesen...
...und dann ist hier nix zu finden. *lol* Naja, zum Glück gibt's immerhin viel Slash im Ao3. ;)

Ich freu mich tierisch über Nadeshdas Reaktion, dass sie Boernes Lage völlig richtig einschätzt. Das gibt Hoffnung
Joah... naja. Im Moment macht er dicht. Und nicht nur er. Aber hey... egal ;)

Danke für die liebe Rückmeldung!!
( 4 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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