?

Log in

No account? Create an account

vor

Story: Alptraum - Kapitel 1

Eine Bekannte von Staatsanwältin Klemm wurde ermordet. Thiel und Nadeshda kommen bei ihren Ermittlungen kaum voran, bis sie Professor Boerne mit ins Boot nehmen. Der kann Licht ins Dunkel bringen; aber der Preis, den sie dafür bezahlen, ist hoch…

Wörter: 2800
Genre: Freundschaft, Drama
Warnungen: Ich lebe meinen Hang zum Drama aus
Beta: cricri. Vielen Dank dafür, ohne Dich hätte ich wahrscheinlich nie was veröffentlicht!




Hauptkommissar Frank Thiel stützte seine Ellenbogen auf den Schreibtisch und fuhr sich laut seufzend mit beiden Händen durch die Haare. Selten war er so gefrustet gewesen wie im Moment.
Es war Samstag, noch recht früh, und der Tag versprach, einer der ersten richtig heißen Sommertage des Jahres zu werden. Eigentlich war er jetzt mit seinem Vater zum Angeln verabredet. Sie hatten ein kleines Boot mieten und es sich auf dem Aasee gemütlich machen wollen. Stattdessen hockte er vor seinem Schreibtisch im Präsidium und kam in seinem aktuellen Mordfall keinen Schritt voran.
Der Stillstand hätte ihm nicht so viel ausgemacht, wäre die Leiche nicht unglücklicherweise die Tochter eines engen Bekannten von Staatsanwältin Klemm gewesen. Und genau diese machte Thiel seit zwei Tagen das Leben zur Hölle; sie bombardierte ihn alle paar Stunden mit Anrufen, hatte auch keine Skrupel, ihn mitten in der Nacht oder in aller Herrgottsfrühe aus dem Schlaf zu reißen.

Thiel warf einen Blick auf seine Assistentin, die am Schreibtisch gegenüber hinter einem Berg von Akten versteckt saß. Nadeshda Krusenstern hatte ein paar Minuten zuvor den Kopf in beide Hände gestützt und schien eingenickt zu sein.
Thiel schnaubte leise. Er konnte es ihr nicht übel nehmen, war er doch bestimmt ebenso müde wie sie. Aber es war nicht möglich, sie jetzt schlafen lassen. Sie mussten zusammen nochmals alle Daten abgleichen und einen neuen Plan erarbeiten, sonst würde die Staatsanwältin durchdrehen.

Gerade als der Kommissar seine Assistentin wecken wollte, ertönte ein kurzes, scharfes Klopfen an der Bürotür.
Nadeshda schreckte hoch und bevor Thiel überhaupt reagieren konnte, wurde die Tür unaufgefordert aufgerissen und der Leiter des Rechtsmedizinischen Institutes, Professor Karl-Friedrich Boerne, betrat den Raum.
„Na Sie haben mir gerade noch gefehlt“, knurrte Thiel anstelle einer Begrüßung.
Seine rüde Art beeindruckte Boerne allerdings nicht im Geringsten. „Das war mir klar, deshalb bin ich ja hier“, kam die schlagfertige Antwort.
Der Professor balancierte drei Becher in den Händen und der Raum wurde vom Duft frischen Kaffees durchströmt. Eins der Getränke reichte er zu Nadeshda, die es dankbar entgegennahm, die beiden anderen stellte er auf Thiels Schreibtisch. Dann schnappte er sich mit der ihm eigenen Energie den Besucherstuhl, drehte ihn falsch herum und setzte sich rittlings darauf. Die Arme auf der Rückenlehne abgelegt, lehnte er sich nach vorne und sah Thiel neugierig an. „Und? Kommen Sie voran?“

Der Kommissar war übermüdet und entnervt und hatte keine Lust, die Liste ihrer Misserfolge ausgerechnet dem Rechtsmediziner vorzubeten. Also brummte er mürrisch: „Ich wüsste nicht, was Sie das angeht, Boerne.“ Dabei ließ er sich in seinem Stuhl nach hinten sinken und rieb sich die brennenden Augen.
Der Professor trank einen Schluck von seinem Kaffee und beobachtete den offensichtlich schlafbedürftigen Mann für einen Moment schweigend. Dann erwiderte er: „Thiel, glauben Sie nicht, dass Sie der Einzige sind, den die Klemm auf dem Kieker hat. Seit die Leiche gefunden wurde, hat sie bestimmt ein Dutzend Mal bei mir angerufen und mich wegen jeder Kleinigkeit ins Verhör genommen. Keine Analyse, egal wie komplex, ging ihr schnell genug. Nachdem vorhin alle endgültigen Ergebnisse vorlagen, tauchte sie persönlich bei mir im Institut auf. Nur so viel sei gesagt: der Besuch war nicht gerade erfreulich.“ Boerne schob mit seiner typischen Handbewegung seine Brille hoch und nahm noch einen Schluck aus seinem Becher.

Thiel gähnte und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Warum soll’s Ihnen besser gehen als uns? Hier war sie heute auch schon. Es ist ein Wunder, dass sie uns den Fall noch nicht entzogen hat.“
„Ach, das ist doch harmlos, wenn sie Ihnen nur den Fall entziehen will. Mich hat sie daran erinnert, dass es der Staatsanwaltschaft freisteht, meinen Posten jederzeit neu zu vergeben, wenn man mit meinen Leistungen nicht zufrieden ist. Und dass sie damit nicht zufrieden war, hat sie bei jedem einzelnen Telefonat der letzten Tage mehr als deutlich gemacht." Boerne sprach in einem lockeren Tonfall, aber der Kommissar kannte ihn lange genug, um den frustrierten Unterton wahrzunehmen.
Thiel zog ungläubig die Augenbrauen hoch. "Das ist nicht Ihr Ernst.“ Der Rechtsmediziner war, was seinen Beruf anging, einer der professionellsten und engagiertesten Menschen, die ihm je begegnet waren. Dieser Vorwurf war absurd.
Boerne zuckte nur mit den Schultern. „Warum sollte ich mir sowas ausdenken? Sie wissen doch, wie sie sein kann.“

Thiel griff kopfschüttelnd seinen Kaffee und leerte den halben Becher in einem großen Zug. Überrascht hielt er inne. Das Zeug war gut, das musste er zugeben, kein Vergleich zu der Brühe, die es am Automaten gab. Eigentlich ein netter Zug vom Professor, genau so etwas hatte er jetzt gebraucht.
Der Kommissar genoss noch für einen Moment den herben Geschmack seines Getränks, dann hatte er eine Entscheidung getroffen.
Sollte Boerne in Gottes Namen sitzenbleiben und ihrer Besprechung zuhören. In der Vergangenheit hatte es sich durchaus schon als nützlich erwiesen, wenn der exzentrische Forensiker in einen Fall mit einbezogen wurde. Vielleicht brachte er ein paar neue Ideen mit, während er selbst sich mit Nadeshda nur im Kreis drehte.
Mit neuer Energie setzte Thiel sich auf.
„Wir wollten gerade noch mal alle Fakten zusammenfassen und dann unser weiteres Vorgehen festlegen. Spätestens um 18 Uhr habe ich die Klemm wieder hier stehen, bis dahin brauchen wir neue Erkenntnisse. Nadeshda, wären Sie so freundlich?“
Seine Assistentin legte auch gleich los.
„Vorgestern Morgen wurde die Leiche von Lena Maihöfer in einem Waldstück nahe Münster gefunden. Wie sie selbst wissen, war die Todesursache ein offener Schädelbruch. Ihrem Bericht zufolge ist dem ganzen ein heftiger Kampf vorausgegangen. Der Fundort der Leiche ist nicht der Tatort, wir wissen zurzeit nicht, wo der Mord begangen wurde.
Für uns dringend verdächtig ist ihr Ex-Freund. Der Mann heißt Alexander Stein, 36 Jahre alt, so ein Yuppie-Banker aus dem Nobelviertel. Sie waren ein paar Jahre zusammen, aber haben sich nach ihrer Trennung heftig gestritten. Es gibt Zeugen, die gehört haben, wie er ihr gedroht hat.“
Sie reichte dem Professor ein Foto des Verdächtigen über den Schreibtisch, dann fuhr sie fort: „Eine Freundin hat vor drei Tagen eine Vermisstenanzeige für Frau Maihöfer gestellt. Sie gibt an, dass das Opfer am Tag vor ihrem Tod erzählte, sie hätte Informationen, mit denen sie ihren Ex-Freund fertigmachen könnte. Frau Maihöfer habe aber nicht näher erläutert, was das für Informationen sind.
Wir haben bei ihr in der Wohnung jeden Quadratzentimeter unter die Lupe genommen, aber keine Hinweise gefunden, was sie gegen ihren Ex in der Hand hatte oder wo die Tat stattgefunden hat.“
Nadeshda machte eine kurze Pause, um einem Schluck Kaffee zu trinken, und den Rest des Berichtes übernahm Thiel.
„Stein hat für die Mordnacht kein Alibi; er hat angeblich daheim im Bett gelegen und geschlafen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass er der Täter ist, aber ich kann ihn beim besten Willen nicht festnageln. Und langsam läuft uns die Zeit davon, der Haftrichter besteht darauf, dass wir den Mann in zwei Stunden entlassen und auf freien Fuß setzen.“
„Der Typ ist absolut unheimlich, hat ein ganz komisches Funkeln in den Augen“, fügte Nadeshda abschließend hinzu. „So einem würde ich alles zutrauen.“

Boerne hatte diesem Schwall an Informationen stumm zugehört. „Ich nehme an, Sie haben sich in seiner Wohnung ebenfalls genauestens umgesehen?“
„Wir haben das Unterste zuoberst gekehrt. Aber es ist nichts zu finden. Wir haben keine Idee, was er für Dreck am Stecken hat, und keinen Anhaltspunkt, wo er sie umgebracht haben könnte“, antwortete Nadeshda frustriert.
„Andere Verdächtige gibt es nicht?“, hakte Boerne nach.
Thiel schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, die gibt es nicht. Es war kein Raubmord, sie hatte alle Wertsachen bei sich. Ein Sexualdelikt konnten Sie selbst ausschließen. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein hergelaufener Fremder der Frau den Schädel zertrümmert und sie dann in den Wald schleppt. Das macht absolut keinen Sinn, nicht bei der Vorgeschichte. Nein, nein, wir haben den Täter in U-Haft sitzen, ich kann es nur nicht beweisen.“ Sein Tonfall zum Schluss war fast grimmig.

Für ein paar Sekunden schwiegen alle, dann brach der Professor die Stille. „Ich denke, man sollte sich noch mal in Steins Haus umschauen.“
Thiel nickte. „Ja, darüber habe ich auch schon nachgedacht.“
Energisch stand er auf, steckte sein Mobiltelefon ein, schnappte den Dienstwagenschlüssel vom Schreibtisch und sagte zu seiner Assistentin: „Wir haben noch knapp zwei Stunden, bevor er freikommt. Nutzen wir die Zeit. Und wenn uns das nicht weiterbringt, gehen wir noch mal in Frau Maihöfers Wohnung."
Boerne erhob sich ebenfalls, griff die Lehne seines Stuhls und beförderte ihn schwungvoll wieder an seinen richtigen Platz. „Ich komme mit. Sechs Augen sehen mehr als vier“, verkündete er dabei.

Im ersten Moment wollte der Kriminalist rundweg ablehnen, den oftmals anstrengenden Professor mochte er nun wirklich nicht mitschleppen. Aber dann wurde ihm bewusst, dass der Mann sich heute auffällig zurück hielt, was zynische Kommentare anging.
Thiel musterte den Mediziner, wie er da vor ihm stand. Boerne trug keine Anzugjacke, sogar ihm schien es dafür heute zu heiß zu sein. Seine Hemdsärmel waren hochgerollt und der sonst so penibel gebundene Schlips hing locker unter dem geöffneten obersten Hemdknopf. Der Bartschatten im etwas blassen Gesicht verriet, dass der Professor sicherlich die vergangene Nacht und vermutlich auch den Großteil der letzten zwei Tage in seinem Institut verbracht und ebenso wenig geschlafen hatte, wie er selbst. Im Grunde genommen sah er genau so aus, wie Thiel sich fühlte: erschöpft.
Dem Kommissar wurde klar, dass Boerne nicht aufgetaucht war, um ihm mal wieder seine uneingeschränkte Überlegenheit aufzuzeigen. Er wollte nur helfen.
„Also gut, kommen Sie mit“, sagte er kurzentschlossen.
Die Fahrt zum Anwesen des Bankers ging ziemlich schnell. Auf den Straßen war wenig los, die meisten Münsteraner genossen die Hitze irgendwo im Grünen.
An der Villa angekommen, durchtrennte Thiel mit seinem Schlüssel das Polizeisiegel und dann betraten sie das Gebäude.
„Boerne, nehmen Sie sich das Bad und das Schlafzimmer vor, die sind im ersten Stock. Nadeshda, wir gehen in die zweite Etage, ins Büro. Wenn er beruflich irgendwelche krummen Dinger dreht, finden wir vielleicht doch noch was.“
Die beiden nickten und gemeinsam machten sie sich an die Arbeit.

Anderthalb Stunden später saß Thiel in einem Haufen von Aktenordnern, während Nadeshda auf dem Laptop des Verdächtigen herumhackte, immer noch auf der Suche nach möglichen Spuren. Aber genau wie zwei Tage zuvor standen sie mit leeren Händen da.
In diesem Moment ertönte aus Thiels Hosentasche das bekannte Reeperbahn-Lied.
„Och nee, das ist bestimmt die Klemm“, stöhnte der Kommissar, als er sein Mobiltelefon aus der Tasche zog. „Thiel hier. Was?? Boerne, warum zum Teufel rufen Sie mich an, anstatt einfach die Treppe raufzukommen?“
Nadeshda kicherte, als ihr Chef mit hochgezogenen Augenbrauen den Worten des Professors lauschte. „Wo sind Sie? Sie sollten sich doch das Bad und… jaja, schon gut. Ich mache das Fenster auf.“
Während er sein Handy zuklappte, schritt Thiel auf die Balkontür zu. „Warum haben wir den eigentlich mitgenommen?“ knurrte er dabei. „Der dreht schon wieder seine Extratouren.“
Die junge Frau folgte ihrem mürrischen Chef auf den Balkon und erwiderte grinsend: „Das war Ihre Idee!“
Thiel trat an die Brüstung und schaute hinab in den Garten. Unter ihm auf der Terrasse stand der Professor, direkt neben einem einladend schimmernden, großen Schwimmbecken. Er beschattete die Augen mit einer Hand und blickte zu ihnen auf.
„Sie haben mir nicht gesagt, dass es hier einen Swimmingpool gibt!“, rief er in einem vorwurfsvollen Ton nach oben.
Der Kommissar verdrehte die Augen. „Warum, hätten Sie gern Ihr Badehöschen eingepackt?“ fragte er trocken und lehnte sich auf das Geländer. Nadeshda prustete los und Thiel grinste.
„Mein Gott Thiel, sparen Sie sich Ihren infantilen Humor und seien Sie mal kurz ernsthaft. Macht sich eigentlich jemals einer in Ihrem Laden die Mühe, meine Berichte zu lesen, oder schreibe ich die nur für die Akten?“
Boerne hatte mal wieder den Tonfall angeschlagen, den Thiel überhaupt nicht leiden konnte. Folglich verschwand sein Grinsen sofort wieder und er antwortete leicht genervt: „Selbstverständlich lese ich Ihren Schreibkram. Jetzt kommen Sie endlich zum Punkt.“

Boerne atmete schnaubend aus. „Thiel, wenn Sie meinen Bericht mit der ihm gebührenden Aufmerksamkeit studiert und die richtigen Schlüsse gezogen hätten, wäre uns die stundenlange Wühlerei da oben im Haus erspart geblieben.“
Die beiden Kriminalisten starrten auf den Professor. Er stand dort unten, hatte nun beide Hände entspannt in die Hosentaschen gesteckt und blickte mit einem überlegenen Lächeln zu ihnen nach oben. Thiel kannte diesen Gesichtsausdruck, Boerne hatte ihn immer, wenn er im Begriff war, eine sprichwörtliche Bombe hochgehen zu lassen. „Was genau meinen Sie?“ fragte er gespannt.

„Lena Maihöfer wurde auf diesem Grundstück ermordet. Ich kann Ihnen auch sagen, wo. Und da hier ja nicht gerade hunderte von Leuten verkehren, wird der Täter vermutlich der Ex-Freund, somit Ihr Hauptverdächtiger, sein.“
Thiel konnte kaum glauben, was er da hörte. Wenn Boerne Recht behielt, wäre der Fall so gut wie gelöst.
Der Kommissar beugte sich unwillkürlich etwas vor. „Sie können mir viel erzählen, aber ich brauche da schon was Handfestes. Also, spucken Sie aus, warum Sie sich so sicher sind.“

Das ließ der Professor sich nicht zweimal sagen. „Die Rückstände des Pulvers, das ich in Lena Maihöfers Ohrmuschel gefunden habe, Sie erinnern sich? Hydro-Anthrazit, also Schwarz- oder auch Aktivkohle genannt, Seite drei in meinem Bericht, ganz unten. Die Tote hat wahrscheinlich mit dem Kopf auf einem Untergrund gelegen, auf dem sich eine geringe Menge dieser Substanz befunden haben muss.“
Thiel überlegte einen Moment fieberhaft. „Ja, warten Sie, was hatten Sie doch gleich dazu geschrieben?“
Der Professor half ihm auf die Sprünge: „Das ist ein Filtermedium. Man kann es in allen Arten von Filteranlagen benutzen, die der Wasserreinigung dienen.“ Er führte seine Überlegungen nicht weiter aus, sondern blickte den Kommissar erwartungsvoll an.
In Thiels Kopf begann es zu rattern, und auf einmal wusste er, worauf der Professor hinauswollte. „Also auch in Poolfiltern?“, fragte er elektrisiert.
Boerne nickte gönnerhaft. „Ah, endlich ist der Groschen gefallen. Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt.“
Er wies mit dem Daumen über seine Schulter. „An Ihrer Stelle würde ich den Raum, in dem die Pooltechnik verstaut ist, von der KTU nochmals  unter die Lupe nehmen lassen. Sie sollten sich dabei auf die unmittelbare Umgebung des Filters oder, wenn Sie dort nicht fündig werden, auf den Lagerort der Filterkohle konzentrieren. Ich gehe davon aus, dass bei genauester Untersuchung Blut- oder Kampfspuren zu finden sind. Weiterhin wäre es vielleicht nicht falsch, sich noch ein Weilchen dieses Herrn Steins zu versichern, bevor der auf Nimmerwiedersehen verschwindet.“
Thiel zog schon sein Mobiltelefon aus der Tasche und brummte: „Da können Sie Gift drauf nehmen. Ich werde gleich die Kollegen anrufen, die sollen ihn bloß noch nicht gehen lassen.“
Der Professor nickte beifällig, wendete dann aber überrascht seinen Blick vom Kommissar ab und fixierte die Glastüren, die ins Erdgeschoss der Villa führten. „Das Telefonat können Sie sich sparen, Thiel. Da kommt er nämlich gerade.“

Tatsächlich trat in diesem Moment Alexander Stein hinaus in den Sonnenschein, starrte zuerst auf den vor ihm stehenden Professor und dann nach oben zu den beiden Kriminalisten. „Was machen Sie hier in meinem Haus?“, stieß er unwillig hervor. Seine Stimme war kalt und schneidend.
Thiel beeindruckte das herzlich wenig. „Ah, Herr Stein, frisch aus der U-Haft entlassen, wie ich sehe. Ich hätte da noch einige Fragen. Warten Sie dort, wir kommen zu Ihnen runter.“

Er wollte gerade zur Treppe, als er im Hintergrund Nadeshda am Telefon hörte. „… ja, genau. Der Filterraum. Der muss noch einmal gründlich –“
 „Mich kriegt ihr nicht!“
Thiel und Nadeshda fuhren erschrocken herum. Alexander Stein hatte anscheinend sofort realisiert, wie gefährlich die Lage für ihn wurde. Wie ein in die Enge getriebenes Tier war er einen Meter zurück gesprungen und hatte losgebrüllt.
Thiel sah gerade noch, wie Stein eine Pistole aus der Tasche zog, sie auf den nichtsahnenden Professor anschlug und ohne zu zögern abdrückte. Der ohrenbetäubende Knall durchpeitschte die Ruhe des heißen Vormittages.
Boerne hatte keine Chance.

( Alptraum - Kapitel 2 ) >>

Latest Month

April 2018
S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930     

Tags

Gehostet von LiveJournal.com
Designed by Tiffany Chow