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Eine schöne Bescherung - Kapitel 11

Titel: Eine schöne Bescherung - Kapitel 11
Adventskalernder-Prompt: Weihnachtsmarktbesuch
Bingo-Prompt: hurt / comfort
Genre: Freundschaft, etwas Humor, h/c, etwas Action/Krimi
Zusammenfassung: Wenn Thiel auch nur ansatzweise geahnt hätte, was passieren würde, er hätte Boerne in ein richtiges Restaurant eingeladen...
A.N.: Inzwischen passt es wenigstens wieder von der Jahreszeit her... *hüstel*
Wörter: ~17600


Ganz entgegen seines Plans fand sich ein immer noch frustrierter Thiel dann aber tatsächlich abends auf dem Weihnachtsmarkt wieder. Eigentlich hatte er sich nach Herberts Besuch im Präsidium ja felsenfest vorgenommen, auf jeden Fall heimzufahren und das Wochenende mit einem (oder wohl eher drei oder vier Flaschen) Bier einzuläuten.  Aber Nadeshdas konstantes Bitten und ein Anruf von einer tiefenentspannten Frau Haller, die ihm wieder und wieder versichert hatte, Boerne sei seiner Blessuren, dem immer noch latent vorhandenem Schlafmangel und der unfreiwilligen Medikamentenüberdosis zum Trotz wirklich guter Dinge, hatten ihn tatsächlich weichgekocht. Außerdem, so dachte er sich, war es vielleicht nicht falsch, seinem Nachbarn nicht allein unter die Augen zu treten nach der ganzen Schote. In Gegenwart ihrer beider Assistentinnen würde Boerne sich hoffentlich etwas zurückhalten.

Thiel quittierte Nadeshdas unverhohlen amüsiertes „Hier, den können Sie brauchen, glaube ich“ mit einer entnervten Grimasse, akzeptierte aber trotzdem den Glühwein, den sie ihm dabei in die Hand drückte. Leicht angeekelt verzog er das Gesicht, als ihm der heiße Dampf in die Nase stieg; er hatte es gerade über sich gebracht, einen ersten Schluck zu nehmen, als er von weitem die kleine Gestalt von Frau Haller entdeckte, die sich dem ausgemachten Treffpunkt näherte. Frau Haller allein, kein Professor. Na bravo. Soviel zum Thema Boerne nicht allein unter die Augen treten.

Etwas halbherzig winkte er der Rechtsmedizinerin zu, als sie sich strahlend durch die Weihnachtsmarktbesucher in ihre Richtung schob, und fluchte dabei lautlos vor sich hin. Verdammt.  Hätte er es sich doch daheim mit seinem Bier gemütlich gemacht, das würde ihm jetzt definitiv besser schmecken, als diese heiße, süße Plörre. Und alles für nichts und wieder nichts!

Spontan entschied er, nur diesen einen Glühwein zu trinken und gleich danach zu verschwinden, damit er nicht zu betrunken war, um nachher unhörbar durchs Treppenhaus zu schleichen. Wäre doch gelacht, wenn er Boerne nicht zumindest heute Abend noch entkommen konnte.

Alternativ könnte er sich allerdings auch derart die Kante geben, dass er sich morgen an den unausweichlichen Wutausbruch gar nicht mehr erinnern können würde. Er legte den Kopf schräg; diese Variante war durchaus auch verlockend, doch die Aussicht auf den Kater, den eine solche Aktion zweifellos nach sich ziehen würde, war irgendwie auch nicht sehr vielversprechend. Er seufzte. Man hatte es manchmal echt nicht leicht.

Bevor er eine endgültige Entscheidung getroffen hatte, war Boernes Assistentin bei ihnen angekommen und nahm freudestrahlend den Glühwein entgegen, den Nadeshda vorausschauend mitbestellt hatte. Dabei berichtete sie gleich enthusiastisch: "Der Chef kommt spätestens in einer Viertelstunde nach, er muss nur noch schnell einen dringenden Bericht für die Staatsanwaltschaft zu Ende diktieren. Ich habe ihm versprochen, wir würden hier auf ihn warten. Das ist doch ok, oder?"

Damit hatte Thiel dann doch nicht gerechnet. "Ach Kacke..." entfuhr es ihm gegen seinen eigenen Willen und auf Frau Hallers verwunderten Blick fügte er hastig ein wohl eher weniger als mehr überzeugendes: "Ich mein, natürlich ist das ok", hinzu.

Nadeshda nickte bestätigend, während Thiel noch schnell einen Schluck Glühwein nahm. Und noch einen. Was für ein Hin und Her heute Abend... er hatte die Nase jetzt schon voll. Aber wenn Boerne jetzt gleich tatsächlich noch auftauchte, hatte er die Konfrontation wenigstens hinter sich.

Nur kam Boerne nicht. Nicht nach einer Viertelstunde. Nicht nach einer halben Stunde.

Frau Haller warf mittlerweile bestimmt zum zehnten Mal einen Blick auf die Uhr und seufzte ergeben. "War ja klar. Er hat mal wieder die Zeit vergessen." Sie wirkte enttäuscht und auch etwas frustriert. "Dabei hat er mir versprochen, wir würden hier zusammen etwas essen. Er hat den ganzen Tag noch nichts Vernünftiges zu sich genommen."

„Meinen Sie denn wirklich, er ist noch im Institut?“ Nadeshda hatte sich an den Stehtisch gelehnt und schaute fragend auf die Rechtsmedizinerin herab. „Vielleicht ist er nach Hause gefahren. Er ist doch sicher noch ziemlich mitgenommen von dem, was gestern alles passiert ist. Da hat man nicht unbedingt große Lust auf Weihnachtsmarkt…“

Thiel nickte leicht, als die junge Frau in Worte fasste, was er selber ja auch schon vermutet hatte. Doch Boernes Assistentin war ganz offensichtlich anderer Ansicht.

„Nein, er ist garantiert noch bei der Arbeit.“ Sie streckte sich ein wenig, um ihre halbleere Glühweintasse abzustellen, tastete dann mit beiden Händen ihre Manteltaschen ab und holte ihr Mobiltelefon hervor. „Der Bericht für Frau Klemm war nur ein Problem, wir hatten heute Nachmittag zwei sehr seltsame Blutbefunde bei der Obduktion eines Obdachlosen… daran hat er sich die ganze Zeit schon festgebissen und Sie können drauf wetten, dass er auch jetzt noch wieder darüber brütet. Dabei vergisst er dann alles.“ Sie tippte kurz auf dem Handy und nahm es dann ans Ohr. „Mal sehen, ob ich ihn erreiche. Vielleicht ist er ja doch schon unterwegs. Auch wenn ich es mir kaum vorstellen kann.“

Thiel trank den letzten Schluck Glühwein, während Frau Haller das Telefon schon nach zwei Sekunden wieder vom Ohr nahm und erneut wählte. „Da geht nur die Mobilbox ran. Ich versuche es mal an seinem Schreibtisch.“

Diesmal dauerte es wesentlich länger, bis sie das Handy schließlich wieder einsteckte. „Besetzt. Ich sage es ja, er arbeitet noch. Wer weiß, mit wem er da gerade diese Blutwerte durchkaut.“

Sie blickte für einen Moment auf den Boden und man konnte sehen, wie es in  ihr arbeitete. Dann hatte sie offensichtlich eine Entscheidung getroffen. Energisch sah sie wieder auf. „Seien Sie mir nicht böse, aber ich werde jetzt eine Pizza holen, zum Chef ins Institut fahren und mich da nicht wegbewegen, bis er sie aufgegessen hat. Und danach bringe ich ihn nach Hause und stecke ihn ins Bett. Ob er will oder nicht.“

Thiel zog amüsiert die Augenbrauen nach oben und warf dann einen fragenden Blick auf Nadeshda. Die nickte ihm kurz zu und befriedigt steckte er die Hände in die Jackentaschen. „Pizza klingt gut. Wir sind dabei." Das Frau Haller so im Schwung war, musste er ausnutzen. Wenn sie in dieser Stimmung war, hatte Boerne praktisch keine Chance.

„Mir ist es eh zu kalt hier“, setzte seine junge Kollegin noch bestätigend hinzu und schauderte ein wenig.

Als sich ein dankbares Strahlen auf Frau Hallers Gesicht ausbreitete, musste Thiel unwillkürlich lächeln.

Eine knappe halbe Stunde später schritten sie zügig durch den langen Kellergang auf die Sektionsräume zu. Boernes Wagen hatten sie wie erwartet noch auf dem Parkplatz vorgefunden, so dass einer gemütlichen Mahlzeit nun nichts mehr im Wege stand. Und Thiel war mittlerweile auch wirklich unglaublich hungrig. Die heißen Pizzen in seiner Hand verströmten, trotz dass sie in Kartons eingepackt waren, ein geradezu betörendes Aroma und sein Magen fing so laut an zu rumoren, dass es über die Quietschgeräusche, die ihre Schuhe auf dem Linoleumboden verursachten, deutlich zu hören war.

Nadeshda begann zu kichern und Frau Haller, die ihnen ein paar Schritte voraus war und soeben die Schiebetür erreicht hatte, wandte sich zu ihnen um und lachte ebenfalls. Dies Lachen erstarb aber von jetzt auf gleich; verwundert beobachtete Thiel, wie sie erstarrte und ganz langsam ihre Hand vom Griff der Schiebetür löste, die sie gerade hatte öffnen wollen.

Die Hand war blutverschmiert.


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Comments

( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )
caraserpens
9. Dez 2015 12:49 (UTC)
O.O bei Gott immer diese Cliffhanger! *bibber*
baggeli
9. Dez 2015 13:06 (UTC)
Ich weiß nicht, wovon du redest ;D
anja79
9. Dez 2015 15:37 (UTC)
Die Szene auf den Weihnachtsmarkt gefällt mir sehr! :)

Das Ende ohweia :(

(sollte ein weiteres Kapitel fertig sein, könnte man es im Adventskalender aufnehmen, falls du magst) :)
baggeli
9. Dez 2015 16:19 (UTC)
Huhu!!
Leider ist keins fertig, Anja. Das Einzige, was bald fertig ist, ist eine Münster 'gif-art', um es mal mit cricris Worten zu beschreiben... aber sie ist nicht weihnachtlich. Dennoch kann ich sie gern zurückhalten, solltest du irgendwo noch eine Lücke haben?

Und schön, dass dir der Weihnachtsmarkt gefällt. :D Ich selber fand mich auch echt adventlich in diesem Kapitel....
SCHERZ
*kicher*
anja79
10. Dez 2015 15:42 (UTC)
Leider ist keins fertig, Anja. Das Einzige, was bald fertig ist, ist eine Münster 'gif-art', um es mal mit cricris Worten zu beschreiben... aber sie ist nicht weihnachtlich. Dennoch kann ich sie gern zurückhalten, solltest du irgendwo noch eine Lücke haben?
->würde dich gerne am 21.12. dazu setzen. Dann ist ein bild und eine ff zu zwei verschieden Fandoms :)
baggeli
11. Dez 2015 23:51 (UTC)
Ok, ich schreibs mir mal auf. :)
baggeli
18. Dez 2015 23:51 (UTC)
Hi Anja!
MaraThoni hat das Gif heute auf der Fanseite gepostet, deshalb habe ich es auch hier gebracht, damit es als Bingo gilt. Deshalb kann ich es dir für den 21. nicht mehr zur Verfügung stellen, sorry. Aber ich wollte nicht, dass es "verfällt". Dazu war es viel zu viel Arbeit.
anja79
19. Dez 2015 05:22 (UTC)
Alles klar. Kein Problem :)
( 8 Kommentare — Kommentar hinterlassen )

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